Krieg in Israel – Tag XXXV

26. Cheshwan

Die IDF musste heute Vormittag bekanntgeben, dass Staff Sgt. Yehonatan Yitzhak Semo, s’’l, der am 8. November bei der Bodenoffensive in Gaza schwer verletzt worden war, seinen Verletzungen erlegen ist. Wenige Stunden zuvor wurde der Tod eines weiteren Soldaten, Staff Sgt. Gilad Rozenblit, s’’l, bekanntgegeben. 

Generalstabchef Herzi Halevi stattete gemeinsam mit dem Direktor des Shin Bet, Ronen Bar, innerhalb weniger Tage zum zweiten Mal einen Besuch bei seinen Truppen in der Kampfzone von Gaza ab. Bei einer Besprechung mit den Offizieren sagte er: «Die wichtigste Quelle der Stärke in diesem Krieg, die ich die ganze Zeit spüre, ist unsere Zusammenarbeit. Ich schaue mich um und sehe die IDF, in jeder Ecke, jeder tut alles, was er kann, damit ihr so stark wie möglich seid. Geht weiter vorwärts, gründlich, ihr gebt das Tempo vor. Wir stehen hinter euch!» Der Chef des Shin Bet betonte, dass während der Kriegszeit der gesamte Fokus ihrer Arbeit auf der Unterstützung der IDF liegen würde. 

Über Nacht wurden in Judäa und Samaria 41 gesuchte Palästinenser, darunter 14 als Hamas-Mitglieder bekannte Terroristen, festgenommen. 

Francesca Albanese, Berichterstatter für die palästinensischen Gebiete bei der UN bezeichnete die angeblich von Israel angebotene tägliche Feuerpause als «zynisch und grausam». Israel hat angeblich angeboten, jeden Tag in einem anderen, besonders heftig umkämpften Gebiet im Norden des Gazastreifens für vier Stunden die Waffen schweigen zu lassen, um den Bewohnern dieser Gebiete die Flucht in den Süden des Landes zu ermöglichen. «Vier Stunden ohne Bombardierung, nur um die Menschen einmal durchatmen zu lassen und ihnen in Erinnerung zu rufen, wie das Leben ohne permanente Bombardierung klingt, bevor es damit wieder losgeht, das ist zynisch und grausam.» Die Bewohner der jeweiligen Gebiete würden von Israel drei Stunden vorher informiert, damit sollte die Hamas daran gehindert werden, die Feuerpause für ihre Zwecke zu missbrauchen. Für die Opfer der grausamen Massaker der Hamas-Terroristen an israelische Zivilisten und Soldaten fand sie wieder einmal kein Wort des Bedauerns. Diese Regelung sollte laut einer Mitteilung des Weissen Hauses gestern in Kraft treten, bisher gab es aber noch keine entsprechenden Ankündigungen.

Die Wirtschaftsdaten für Judäa und Samaria, sowie Gaza für die letzten vier Wochen seit Beginn des Krieges sind um dramatische 4 % gesunken. Durch den Krieg in Gaza und die in Judäa und Samaria ausgebrochenen Unruhen sind mehr als 400.000 unter die Armutsgrenze gerutscht. Über 1 Million Gazaner haben ihre Wohnungen verlassen und sind in den etwas sichereren Süden des Landes geflohen. Die UN prophezeit, dass im Falle einer Kriegsdauer von einem weiteren Monat – und damit ist zu rechnen – das BSP um 8.4 % sinken wird, was in etwa einem Realverlust von US$ 1.7 Milliarden gegenüber der Vorkriegszahl bedeutet. Einen weiteren Monat später würde der Realverlust sogar US$ 5 Milliarden betragen und mehr als 660.000 Menschen damit unter die Armutsgrenze bringen. Natürlich ist es dramatisch, wie dieser Krieg sich auf die Zivilbevölkerung in Gaza auswirken. Bedauerlich ist, dass es keine Vergleichszahlen für den Süden und Norden Israels gibt, der derzeit aufgrund des andauernden Beschusses aus Gaza und der Hisbollah fast menschenleer ist. Und, dass einige israelische Orte rund um den Gazastreifen ebenfalls auf Dauer unbewohnbar geworden sind.

In einem Frachtcontainer, der an der Küste des Gazastreifens aufgebaut worden war, konnten die IDF zwei Raketenabschussrampen identifizieren und zerstören. In einem Trainingscamp der Hamas-Terroristen wurden Dutzende Waffen aufgefunden. Unter den Waffen befanden sich Gewehre, Granaten, Raketen, Drohnen, Kommunikationsgeräte, Kartenmaterial. Bei dieser Operation wurden mehr als 30 Terroristen neutralisiert. An anderer Stelle wurde das Büro des Bruders von Yahar Sinwar, Muhammad Sinwar, aufgespürt und zerstört. Auch dort wurden Waffen und andere technische Geräte gefunden. Zeitgleich kam es noch zu einer dritten Operation, bei der eine abschussbereite Abschussrampe, Drohnen, Geräte zur Kalibrierung, Anti-Tank-Raketen und Aufklärungsunterlagen gefunden wurden. 

Nach Angaben der IDF konnten nach entsprechenden Hinweisen durch den Shin Bet führende Hamas-Terroristen aufgespürt und eliminiert werden. Darunter waren auch Mitglieder einer ’Elite-Gruppe’ der Terroristen, die an den Massakern vom 7. Oktober beteiligt gewesen waren und die sich im Flüchtlingscamp Jabaliya verschanzt hatten. Ebenso wurde der Leiter der sogenannten Scharfschützengruppe eliminiert, die im nördlichen Gazastreifen operiert. Bei einer weiteren Operation wurden 19 Terroristen eliminiert, die, wie aus Papieren hervorging, die sie bei sich trugen, einen Angriff auf Soldaten der IDF planten. 

Die UNO wird am heutigen Nachmittag eine weitere Sitzung abhalten, bei der erneut das Thema Israel-Hamas diskutiert werden soll. Wiederum wird es keine Resolution geben, nachdem die USA angekündigt haben, dass sie bei der Abstimmung über einen Waffenstillstand ihr Veto einlegen werden. Obwohl US-Präsident Joe Biden immer wieder Feuerpausen aus humanitären Gründen fordert, gehen die USA davon aus, dass ein Waffenstillstand nur in die Hände der Hamas Terror-Organisation spielen würde. Die heutige Sitzung wird den Schwerpunkt auf die Krise im Gesundheitswesen in Gaza legen. Gefordert wurde die Sitzung von Vertretern der VAE und Frankreich. Informationen werden die Mitglieder des Sicherheitsrates vom Chef der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, erhalten. 

Der PM spielte Gerüchte über eine aufkommende Unstimmigkeit zwischen ihm und US-Präsident Joe Bidenherunter. Biden hatte in einem Interview Reportern gegenüber bedauert,  dass es «etwas länger gedauert hat, als ich gehofft habe, um den israelischen Premierminister zu überreden, einer tagelangen humanitären Pause zuzustimmen.» In einem Interview mit «Fox News» antworte der PM: «Ich hatte gehofft, dass wir es sehr schnell schaffen würden, aber wir haben mit den Bedingungen vor Ort gekämpft, mit der Sicherheit unserer eigenen Streitkräfte, mit den Geiseln, die wir herausholen wollen, und mit den humanitären Korridoren, die wir einrichten wollen – was, wie ich schon sagte, die Hamas durch ihren eigenen Beschuss verhindert… sie hindert die palästinensische Zivilbevölkerung daran, das Land zu verlassen. Es hat eine Weile gedauert, aber ich denke, wir haben ein gemeinsames Ziel, und ich weiss die Unterstützung von Präsident Biden, der Regierung, des amerikanischen Volkes und des Kongresses auf beiden Seiten des Ganges sehr zu schätzen.» Wieder einmal eine für Netanyahu typische Lügen? Von einem mehrtägigen Waffenstillstand redet hier kein Mensch. Selbst die USA sprechen derzeit von ‘mehrstündigen Feuerpausen’. Doch passiert ist bis anhin nichts. Da kann es schon sein, dass der US-Präsident mit Unmut reagiert.

Im gleichen Interview mit ‘Fox-News’ erlag Netanyahu dem wishful thinking. Die Beziehungen zu Saudi-Arabien, die sein politisches Testament sein sollten, würden nach dem Krieg «…reifer sein, als vorher. Ich denke, dass die Kräfte der Zivilisation und des Fortschritts jetzt auf die Probe gestellt werden gegen die Kräfte des Mittelalterlichen, die uns ins dunkle Mittelalter zurückversetzen wollen.»

Nach einem Beschuss auf Tel Aviv, dem ersten seit Dienstag, konnten die Raketen vom Iron Dome abgefangen werden. Es gab jedoch zwei Verletzte durch herabfallende Splitter. 

Aus dem Süden des Libanon beschoss die Hisbollah wiederum Israel mit Anti-Panzer Raketen. Die Antwort Israels war die umgehende Zerstörung der Abschussrampe. Laut Aussagen der Hisbollah kamen dabei sieben Hisbollah-Terroristen ums Leben. Für morgen kündigte der Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah seine zweite Rede seit Ausbruch des Krieges an. 

PA-Präsident Mahmoud Abbas hat gegenüber US-Aussenminister Antony Blinken bestätigt, unter bestimmten Bedingungen die Regierungsmacht im Gazastreifen übernehmen zu wollen, wenn die Hamas dort ausgeschaltet sein wird. Grundlage muss, so Abbas, die Gründung eines palästinensischen Staates mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt sein. Anlässlich des 19. Todestages seines Vorgängers Yassir Arafat betonte er, dessen Vermächtnis, das gegen Israel gerichtet ist und uns nichts angeht, müsse unbedingt aufrecht erhalten bleiben. Abbas forderte – zum wievielten Male? – eine internationale Friedenkonferenz, die „internationale Garantien und einen Zeitplan für die Beendigung der israelischen Besatzung der palästinensischen Gebiete vorlegen soll.» Der Führer der Palästinensischen Autonomiebehörde weigert sich, die Hamas für den andauernden Krieg zu verurteilen, obwohl ihn die Terrorgruppe mit ihren Massakern am 7. Oktober eröffnete, und macht Israel für den Konflikt „voll verantwortlich“.

Die Drohne, die gestern in einer Schule in Eilat einschlug und nur durch Zufall keinen der anwesenden Schüler ernsthaft verletzte, kam, so gab die IDF heute bekannt, aus Syrien. Die IAF führen im Laufe der Nacht Angriffe auf Syrien aus, ohne bekannt zu geben, welche Ziele beschossen wurden. Am späteren Abend wurde eine aus dem Jemen anfliegende Rakete mit einer Arrow-Rakete zerstört.

Während all das geschieht, was macht der PM? Am Vormittag besuchte er mit Sarah die Familie eines gefallenen Soldaten. Schön und lobesam. Dort allerdings an den ‘Heldentod’ seines Bruders Yoni zu erinnern und zu erklären, wie seine Familie mit dessen Tod umgegangen sei, das empfinde ich als typisch für Netanyahu. Unpassend in seinem unendlichen Narzissmus. Am Nachmittag hatte er anderes zu tun und schickte seine Frau los. Die liess sich wenigstens die Geschichten der Familien erzählen, die auf ein Lebenszeichen ihre geliebten Menschen warten, die seit dem 7. Oktober in den Fängen der Hamas-Terroristen sind.

Zwei Reservesoldaten konnten gestern einige Stunden Urlaub bekommen, um ihre neugeborenen Babys kennenzulernen. Mazal tov!!!



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