27. Cheshwan 5784
Offensichtlich wurde auch die NZZ aufgeschreckt durch Berichte über «Medienleute», die gemeinsam mit den Terroristen der Hamas, am 7. Oktober in den Kibbutzim und anderen Orten, sowie zumindest einer Militärstation, ihre Massaker verübten, nach Israel eindrangen und sich auch wieder rechtzeitig im Gazastreifen in Sicherheit brachten. In der heutigen Ausgabe erklärt die immer um Seriosität und vor allem auch Objektivität bemühte «alte Tante» ausführlich, wie sie Fotos, Bild- und Textberichte zunächst aufwendig verifiziert, bevor sie sie übernehmen. Immerhin interessant zu lesen.
Microsoft Vizepräsident Brad Smith erklärt auf dem internationalen Friedensforum in Paris, das hochkarätig besetzt noch bis heute andauert: «Gegen Fehlinformationen kämpfen wir alle durch den Einsatz von ‘Künstlicher Intelligenz’. Wir entwickeln technologische Werkzeuge, die die Erkennung von manipulierten, modifizierten und veränderten Inhalten erleichtern. Wir waren sehr gut darin, eine russische Kampagne zu erkennen, als sie versuchten, die Leute davon abzuhalten, sich gegen COVID impfen zu lassen. Oder heute, wenn wir russische Desinformation im Nahen Osten sehen.» Interessant ist, dass es noch keine Übereinstimmung in Bezug auf die Reaktionen auf solche Informationen gibt. «Man kann derzeit entweder nichts tun, sie löschen oder sie zu kennzeichnen und damit darauf hinzuweisen, dass der Inhalt mit KI verändert wurde.» Schöne neue Welt, wieder einmal gibt es eine neue Technologie, die uns eher schadet, als dass sie hilfreich sein könnte.
Der französische Präsident Emmanuel Macron betonte am Freitag in einem Interview mit BBC, dass es «keine Rechtfertigung und keinen Grund dafür gebe, dass Israel Babys, Frauen und alte Menschen bombardiere.» Er forderte daher Israel dazu auf, sofort einem Waffenstillstand in Gaza zuzustimmen. PM Netanyahu widersprach dem sofort und heftig: «Die Hamas hält unsere Geiseln – Frauen, Kinder und ältere Menschen – in einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit grausam fest und missbraucht Schulen, Moscheen und Krankenhäuser als Terror-Kommandozentralen. Diese Verbrechen, die Hamas-ISIS heute in Gaza begeht, werden morgen in Paris, New York und überall auf der Welt begangen werden. Die führenden Politiker der Welt müssen Hamas-ISIS verurteilen und nicht Israel.»
Vorgestern traf sich der PM mit Vertretern der Siedlungen in Judäa und Samaria. Bei seinem Versuch, die hochkochende und sich verstärkende Gewalt von radikalen Siedlern gegenüber Palästinensern herunterzuspielen, sprach er von einer «winzigen Handvoll von Extremisten, die Gewalt ausüben und so die Lage zur Eskalation bringen können.» Ich habe, so führte er weiter aus «Präsident Biden gesagt, dass die Anschuldigungen gegen die Siedlerbewegung unbegründet sind. Wir verurteilen sie und werden mit der ganzen Härte des Gesetzes gegen sie vorgehen.» Vorher hatte er betont, dass die meisten Siedler gesetzestreue Menschen sind, die einen grossen Beitrag für das Land leisten. Das muss er uns aber einmal erklären. Es gibt entweder Bewohner in Judäa und Samaria, die die günstigen Lebenshaltungskosten und Steuergesetze ausnutzen und täglich mit dem Auto nach Israel zur Arbeit fahren. Die tun nicht mehr und nicht weniger für Israel, als jeder andere Steuerzahler. Oder es sind eben Siedler. Und deren Nutzen für Israel ist für mich nicht erkennbar. Die Worte des PM sind aber nicht jene, die er dem US-Aussenminister Antony Blinken versprochen hat: Die Gewalt der Siedler zu verurteilen und sie strafrechtlich zu verfolgen. Bisher werden sie allesamt mit Glacéhandschuhen angefasst. Minister Ben-Gvir hatte vor wenigen Tagen schon einmal gefragt, warum man denn «eigentlich dem «Graffiti», das israelische Jugendliche auf das Eigentum von Palästinensern schmieren, so viel Aufmerksamkeit schenkt».

Anlässlich eines lange schon überfälligen Treffens mit den Ortsvorstehern der südlichen Gemeinden rings um den Gazastreifen, hielt der PM gestern fest, dass Israel auch nach dem Krieg die militärische Kontrolle im Gazastreifen beibehalten und sich nicht auf internationale Unterstützung verlassen wird. «Die IDF wird die Kontrolle im Gazastreifen beibehalten und wir werden sie nicht an ausländische Kräfte weitergeben.» Er las die Erklärung von einem Zettel ab, den er von seinem Sprecher erhalten hatte und unterliess es, sich festzulegen, wie lange dieser Zustand andauern solle. Bisher hat er es tunlichst vermieden, sich auf irgendeine Vorstellung für die Zeit nach dem Krieg festlegen zu lassen. Ob das im Sinne der Weltgemeinschaft ist, scheint fraglich. Aus den USA wurden schon Überlegungen laut, dass eine internationale Truppe, auch mit der Beteiligung befreundeter arabischer Staaten, die Verwaltung so lange übernehmen solle, bis sie vorzugsweise an die PA übergeben werden könne.

Die IDF hat nach eigenen Angaben den Hamas-Kommandanten Ahmad Siam getötet, der mehr als 1.000 Gazaner als Geiseln im Rantisi-Kinder-Krankenhaus festgehalten hat. Er wurde bereits vor zwei Tagen bei einem zwischen IDF und IAF und dem Shin Bet koordinierten Angriff in der al-Buraq Schule aufgespürt und getötet. Das iranische Nachrichtenportal «Pars Today» berief sich auf die Angaben des Direktors des Kinderkrankenhauses, der vom Beschuss durch die IAF und einen anschliessend im Gebäude ausgebrochenen Grossbrand berichtete. Verletzte gab es nach dessen Aussagen nicht. Etwa zeitgleich habe die IAF das Al Jabal-Krankenhaus im Süden des Libanon bombardiert. Bei diesem Angriff sei eine Mitarbeiterin verletzt und die Notaufnahme zerstört worden. Weiter berichtete die Zeitung, der libanesische Aussenminister Abdallah Bouhabib habe die absichtlichen und organsierten Bombardierungen als «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» bezeichnet. In israelischen Medien steht davon nichts.
Offizielle Berichte aus dem Shifa Hospital besagen, dass das Krankenhaus nun über keinerlei Treibstoff mehr verfüge. Der letzte noch arbeitende Generator sei damit ausgefallen. Der Direktor des Krankenhauses, Mohammed Abu Selmia, teilte mit, alle lebensnotwendigen Geräte seien ausgefallen und es gebe schon die ersten Todesfälle unter den Patienten. Allein 39 Babys und Kleinkinder seien aktuell bedroht. Zunächst hiess es in einer Pressemeldung, die 39 Babys seien bereits gestorben, die Meldung wurde kurze Zeit später vom Sprecher der Gesundheitsbehörde abgeändert. Im Shifa Krankenhaus befindet sich eine der am besten gesicherten unterirdischen Hochburgen der Terror-Organisation. Die im Krankenhaus anwesenden Patienten und von der Hamas festgehaltenen Zivilisten dienen ebenso wie im Rantisi-Spital als Schutzschilde. Die IDF betont, dass sich in den Bunkeranlagen unterhalb des Spitals ausreichende Treibstoffvorräte befinden, die von der Hamas zurückgehalten werden. Während Selmia der IDF vorwirft, wahllos auf jeden zu schiessen, der sich ausserhalb und auch innerhalb des Gebäudekomplexes bewegt, informiert IDF-Sprecher Peter Lerner, dass zu diesem Zeitpunkt heftige Kämpfe zwischen der Hamas und der IDF stattfinden.

Mit umgehenden Beschuss auf verschiedene Stellungen der Hisbollah im südlichen Libanon reagierte die IDF auf Raketenbeschuss auf das nördliche Israel. Am frühen Morgen wurde dabei auch ein LKW in der Nähe von al-Zahrani, etwa 40 km entfernt von der Grenze, getroffen. Verletzte gab es nicht, wohl aber einigen Sachschaden. Die IDF hatte sich bei ihrem Beschuss auf das Zerstören einer Abschussrampe von Boden-Luft-Raketen konzentriert, von der aus der auf Israel gekommene Beschuss kam. Bilder von «Bintjbeil Lebanon News» auf «X» werden mit dem Hinweis: «Artilleriebeschuss auf die Stadt Mays al-Jabal» gekennzeichnet. Vom Beschuss auf das Al Jabal-Krankenhaus, der von «Pars.today « (siehe weiter oben) berichtet wird, spricht die lokale Nachrichtenplattform nicht.
Die ausgelösten Alarme, die über eindringende Drohnen im nördlichen Israel entlang der Grenze warnten und die Tausende Zuflucht in den Schutzräumen suchen liess, erwiesen sich als Fehlalarm. Kein Fehlalarm hingegen war der, der vor einer Rakete warnte, die auf unbewohntem Gebiet in der Nähe von Margaliot nahe der libanesischen Grenze niederging und keinen Schaden anrichtete. Bei weiteren Drohnen- und Raketen-Angriffen aus dem Libanon auf israelische Stützpunkte wurden heute Vormittag vier Soldaten schwer verletzt.
Über Nacht wurden in aufeinander abgestimmten Operationen aus der Luft, zu Land und vom Wasseraus ausgeführt. Dabei wurden Tunneleingänge zerstört, einer davon in unmittelbarer Nähe einer Schule, Waffen- und Munitionslager der Bootsgruppen der Hamas Terror-Organisation ausgehoben und zerstört sowie ein Bodenangriff auf IDF-Soldaten verhindert.
Um weiteren Menschen die Flucht in den Süden des Gazastreifens zu ermöglichen, hält Israel heute zwischen 9 Uhr und 16 Uhr die Fluchtkorridore frei. Israel hat damit die sichere Benutzung von anfangs vier auf sieben Stunden erhöht. Um die Zugänge zu den Korridoren auch aus den nördlichen Flüchtlingslagern zu ermöglichen, wird es zwischen 10 Uhr und 14 Uhr auch in Jabaliya eine «taktische Pause» geben.
Das morgen in Priština, der Hauptstadt des Kosovo stattfindende Qualifikationsspiel Israel: Kosovo (Punkte bisher: Israel 11, Kosovo 7, wobei Israel noch mit einem Spiel im Rückstand ist) für die Euro 24, wird unter schärfsten Sicherheitsmassnahmen nun doch mit Zuschauern stattfinden. Eine Medienkampagne gegen Israel unter dem Motto #BabyKillersAreNotWelcomedHere hatte zunächst dazu geführt, das Spiel entweder ganz abzusagen oder eben ohne Publikum spielen zu lassen. Nun werden alle 14.000 Karten namentlich ausgegeben, Einlass ins Stadion ist ausschliesslich nach erfolgter Ausweiskontrolle. Das ursprüngliche Datum für das Spiel war der 15. Oktober, es wurde nach dem Massaker auf morgen verschoben.
Die Zahl der israelischen Opfer nach den Massakern vom 7. Oktober wurde gestern von 1.400 auf 1.200 reduziert. 200 der identifizierten Leichen gehören damit zu Hamas-Terroristen, die bei den Kämpfen von israelischen Sicherheitsleuten getötet wurden.

Hisbollah-Anführer Hassan Nasrallah forderte in seiner zweiten Rede, die in Beirut aufgezeichnet worden war, die USA müssten entschieden mehr Druck auf Israel ausüben. Sie allein hätten die Möglichkeit, die Forderung nach einem Waffenstillstand durchzusetzen. Der Iran würde jeden Widerstand gegen Israel unterstützen, «in jeder Hinsicht, wirtschaftlich und militärisch, politisch und moralisch. Wenn das Gleichgewicht der regionalen Abschreckung gestärkt wird, dann dank des Irans.» Mit Blick auf den Beschuss aus dem Jemen auf Eilat freute er sich: «Die Ergebnisse sind signifikant. Israel ist gezwungen, einen Teil seines Luftverteidigungssystems in die Gegend von Eilat zu verlegen.» Desweiteren hielt er fest: «Wir schicken jeden Tag Drohnen ins nördliche Israel. Einige davon reichen bis Haifa. Einige kommen nach dem Angriff zurück, andere verlieren wir, aber das ist ok.»
J’accuse! So begann Gadi Kedem, der sechs Familienmitglieder bei den Massakern der Hamas verloren hat, seine auf Video aufgezeichnete Rede. «Ich klage Benjamin Netanyahu an, Israel in die grösste Tragödie der Geschichte geführt zu haben. Ich klage ihn an, die Gesellschaft durch seine ‘Justizreform’ gespalten zu haben. Sie hat den Staat im Gesicht der Feinde geschwächt. Er hat die Gemeinden um Gaza jahrelang vernachlässigt, er hat die Hamas mit Koffern voller Geld gestärkt, er hat die Warnungen missachtet, die von den Leitern unserer Verteidigungs-Organisationen kamen. Das Blut meiner Familie klebt an seinen Händen.» Anschliessend nennt er die Namen seiner ermordeten Familienangehörigen:

Seine Tochter Tamar Kedem-Siman Tov, deren Mann Yonatan, ihre Zwillinge Shachar und Arbel, 5, ihr Sohn Omer, 2 und Yonatans Mutter, Carol Siman Tov, s’’l.
«Netanyahu ist eine Gefahr für den Staat. Er kann keine Soldaten in den Kampf schicken. Die meisten Bürger des Staates trauen ihm nicht. Um den Staat zu retten, muss er jetzt gehen. Ja, in der Mitte eines Krieges. Jetzt.» Am Ende seiner Rede rief er alle, «die vom 7. Oktober irgendwie betroffen waren» auf, Überlebende, Verletzte, Familien von Ermordeten, Familien von Geiseln und Eltern von Soldaten auf, sich am kommenden Tag vor der Villa des PM in der Azza Strasse in Jerusalem zu versammeln. «Wir haben verstanden, dass Netanyahu niemals zurücktreten wird. Wir müssen ihn jetzt entfernen, bevor ein weiteres Unglück geschieht.»

Soeben wurde bekannt, dass die IDF in einem Kindergarten in Beit Hanoun nach der Zerstörung einer terroristischen Basis eine grosse Zahl von Waffen gefunden hat. Bei der Aktion, bei der auch einige Terroristen getötet wurden, wurde auch das gesamte Waffen- und Munitionsmaterial zerstört. Gleichzeitig wurden Dutzende Tunneleingänge zerstört.
Seit Beginn der Bodenoffensive in Gaza wurden 5.000 Ziele gezielt zerstört, nachdem klar war, dass sie eine Bedrohung und ein Sicherheitsrisiko darstellten. Etwa 3.000 Angriffe wurden dabei mit Kampfjets, 860 mit Kampfhubschraubern und 570 von Drohnen ausgeführt. Videos, die von der IDF veröffentlicht wurden, zeigen, wie exakt die Informationen sind, die vom Erkennen des Ziels bis zur Zerstörung und der abschliessenden Bestätigung ausgetauscht werden.
Kategorien:Israel
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