11. Siwan 5785

Auch heute muss die IDF leider wieder den Tod von drei Soldaten bekannt geben. Das Betreten eines mit mehreren Sprengsätzen verminten Hauses in Rafah löste eine Explosion aus, die das Haus zum Zusammenbrechen brachte. Bereits gestern war der Name des ersten Opfers, Staff Sgt. Yoav Raver, 19, s’’l, veröffentlicht worden, am Abend wurde Sgt. Maj. (res.) Chen Gross, 33, s’’l, als zweites Opfer benannt. Die Namen von zwei weiteren Opfern werden noch veröffentlicht. Beim gleichen tragischen Vorfall wurden fünf weitere Soldaten teils schwer verletzt. IDF-Sprecher Effie Defrin erklärte bei einer Pressekonferenz «Manchmal haben wir keine andere Wahl, als auf der Suche nach terroristischen Infrastrukturen in solch potenziell gefährlichen Gebäude zu gehen. Um dabei zu vermeiden, durch Sprengfallen verletzt zu werden, wenden wir verschiedene Methoden an. Wir müssen aus unseren Fehlern lernen.» Wir werden leider damit rechnen müssen, dass sich die tödlichen Zwischenfälle häufen werden, entweder durch Beschuss mit Panzergranaten oder durch einstürzende Gebäude.

Der IDF gelang es in der Nacht, die sterblichen Überreste von Nattapong Pinta, 35, s’’l, in Rafah zu bergen und nach Israel zu bringen. Der Lageort wurde in einer gemeinsamen Aktion von IDF und Shin-Bet aufgefunden. Die Informationen erhielten sie von einem palästinensischen Gefangenen. Nattapong wurde am 7. Oktober 2023 von den Mujahideen Brigaden aus dem Kibbuz Nir Oz verschleppt, wo er als Landarbeiter beschäftigt war. Sein Schicksal war lange unbekannt. Sein genauer Todeszeitpunkt wird von der IDF untersucht.

‘Madleen’, ein unter britischer Flagge segelndes Boot mit zwölf pro-palästinensischen Aktivisten und vier sudanesischen Flüchtlingen an Bord hat die Gewässer von Ägypten erreicht. In den kommenden Stunden wird es versuchen, den Gazastreifen zu erreichen, um dort die angeblich an Bord befindlichen Hilfsgüter abzuliefern und damit «die Blockade Israels gegen Gaza durchbrechen.» Die Gruppe an Bord gibt an, in Kontakt mit internationalen Rechts- und Menschenrechtsorganisationen zu stehen, um die Sicherheit der Menschen an Bord zu gewährleisten. «Wir warnen, dass jede Aufbringung eine eklatante Verletzung des humanitären Völkerrechts darstellen wird.» Von der israelischen Marine wird erwartet, dass sie versuchen wird, das Boot vor der Einfahrt in israelische Hoheitsgewässer abzufangen und zurückzuschicken. Sollten dies nicht gelingen, werden sie es nach Ashdod umleiten. Dort wird man die Ladung löschen und, sofern es sich lohnt, nach Gaza bringen. Die Besatzung des Bootes wird via Ben Gurion aus dem Land gewiesen. Man wird alles tun, um es nicht zu einer Eskalation kommen zu lassen, die diplomatische Verwicklungen auslösen würde.



Die GHF, die für die Verteilung der Lebensmittelpakete in Gaza verantwortliche Organisation, macht die Hamas dafür verantwortlich, dass die Verteiler-Zentren heute nicht geöffnet werden konnten. Bedrohungen der Hamas richten sich gegen die Fahrer der Stiftung und lokale palästinensische Mitarbeiter. Es ist bereits das vierte Mal in Folge, dass die Arbeit der GHF empfindlich gestört wurde. «Die Hamas ist der Grund, warum heute Hunderttausende hungernde Menschen in Gaza keine Lebensmittel erhalten haben», heisst es in der Erklärung der GHF. «Die Gruppe hat direkte Drohungen gegen die Arbeit der GHF ausgesprochen. Diese Drohungen machten es unmöglich, heute weiterzuarbeiten, ohne das Leben Unschuldiger zu gefährden.»

Saad bin Atef al-Awlaki, Anführer der al-Qaida (!) im Jemen, hat sich in einer halbstündigen Videoansprache an US-Präsident Donald Trump und Elon Musk gewandt. «Nach dem, was unserem Volk in Gaza widerfahren ist und weiterhin widerfährt, gibt es keine roten Linien mehr», sagt al-Awlaki. «Gegenseitigkeit ist legitim.» Er bezog sich dabei auf die Rolle Trumps im Gaza-Krieg. Er rief aber auch Einzeltäter auf, Anführer in Ägypten, Jordanien und in den arabischen Golfstaaten zu ermorden. Im Video zu sehen sind Bilder von US-Vizepräsident JD Vance, Aussenminister Marco Rubio und VM Pete Hegseth.
Die IDF operiert derzeit verstärkt im Tunnelsystem unter dem ‘Europäischen Krankenhaus’ in Khan Younis. Es handelt sich dabei um jenen Tunnel, in welchem der Bruder von Yahya Sinwar, Mohammed Sinwar, sich zum Zeitpunkt seiner Eliminierung aufgehalten hatte. Im Tunnel wurden die Leichen von mehreren Terroristen aufgefunden, deren Identität noch geklärt werden muss.

Die Hamas warnt, dass die IDF derzeit in einem Gebiet operiert, in dem Matan Zangauker festgehalten wird. «Wir versichern, dass der Feind ihn nicht lebend zurückholen kann. Wir haben sein Leben 20 Monate lang geschützt; sollte dieser Gefangene bei einem Befreiungsversuch getötet werden, ist die Besatzungsarmee für seinen Tod verantwortlich», sagt Hudhaifa Kahlout – bekannt unter dem Kampfnamen Abu Obeida –, Sprecher des ‘militärischen Flügels’ der Hamas, der al-Qassam-Brigaden.
«Dies ist eine letzte Warnung.» Hohe Offiziere haben immer wieder betont, dass jeder Angriff und jede Bodenoffensive in Gaza sehr genau geplant werden, um keine Geiseln zu gefährden.
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