Krieg in Israel – Tag 609

10. Siwan 5785

Auch heute musste die IDF leider erneut den Tod eines Soldaten bekannt geben. Staff Sgt. Yoav Rever, 19, s’’l, verlor sein Leben in einem Kampf im südlichen Gazastreifen.

Nachdem für die Regierung Netanyahu die Schrift an der Wand steht, versucht Netanyahu gemeinsam mit seinem Parteikollegen Yuli Edelstein die conditio sine qua non zu erreichen. Sollte nicht in einer allerletzten Sekunde das Ausnahmegesetz für den Wehrdienst der haredischen Männer durch die Knesset gepeitscht werden, sieht es nach Neuwahlen im Frühherbst und damit dem Ende der Ägide Netanyahu aus.

Und täglich kommen neue Erkenntnisse hinzu, die nicht dazu geeignet sind, das Vertrauen in Netanyahu zu stützen. Kanal 13 veröffentlichte den Mitschnitt eines Gespräches, das Netanyahu mit einem hochrangigen ultra-orthodoxen Rabbiner führt. Darin legt der PM dar, dass er den ehemaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant entlassen und den Stabschef der israelischen Streitkräfte, Herzl Halevi, zum Rücktritt gedrängt habe, nur weil sie ein Hindernis für die Verabschiedung eines Gesetzesentwurfs darstellten, der ultraorthodoxe Jugendliche vom Wehrdienst befreien würde. Alle anderen von Netanyahu in der Öffentlichkeit genannten Argumente sind also, wie man jetzt klar erkennt, nichts als Vortäuschungen, um seine eigenen Pläne ungehindert durchziehen zu können.

In der NZZ schreibt heute Jonas Roth den lesenswerten Artikel: «Meister des Doppelspiels: Netanyahu führt Israel in die Isolation.» Doch selbst nach zweimaligem Lesen finde ich das Schlüssel-Wort: «Geisel» nur einmal. In der viertletzten Zeile. Hat der Autor das bewusst so gestaltet?

Die palästinensische ‘Gesundheitsbehörde’ gab bekannt, dass bei Angriffen durch die IDF in den Nachtstunden 16 Menschen getötet wurden. Die Angriffe fanden in Jabaliya, Tuffah und Khan Younis statt. Augenzeugen berichteten, dass sowohl Angriffe mit Panzern als auch mit Flugzeugen in der Region um Jabaliya und Beit Hanoun intensiviert wurden. Am heutigen Freitag wurden weitere Evakuierungs-Massnahmen angeordnet.

Lebensmittel in den Verteiler-Zentren dürfen ab sofort nur mehr zwischen sechs Uhr morgens und 18 Uhr abends ausgegeben werden. Das gab der arabisch-sprechende Militärsprecher Avichay Adraee bekannt. «Ausserhalb der Tageslichtstunden gilt das Gebiet als gesperrte Militärzone. Das Betreten dieses Gebiets stellt eine grosse Gefahr für Ihr Leben dar. Es ist strengstens verboten, die Verteilungszentren und das Gebiet in ihrer Nähe während der Nacht zu betreten», sagt er. «Bitte halten Sie sich an die Anweisungen der Organisatoren vor Ort, insbesondere hinsichtlich der Ein- und Ausgangszeiten.» Trotz aller möglichen Sicherheitsvorkehrungen kam es in den letzten Tagen immer wieder zu nicht vollständig geklärten tragischen Vorfällen.

Heute musste am frühen Nachmittag die Verteilung eingestellt werden, weil die Zentren überfüllt waren und es keine Sicherheit mehr gab. Bisher sei der Tag jedoch ruhig und ohne Störung verlaufen, hiess es.

Der von Netanyahu eigenmächtig ernannte neue Chef des Shin-Bet, David Zini,wurde gestern aus dem Militär verabschiedet. An der Feier nahm nur der stv. Generalstabschef Tamir Yadai teil. Zini wurde von Generalstabschef Eyal Zamir aus dem Militär entlassen, nachdem er hinter Zamirs Rücken mit Netanyahu über seinen neuen Job verhandelt hatte. In seiner Abschiedsrede erklärte Zini, dass ‘Messianismus’, der ihm von Netanyahu vorgeworfen wurde, kein ‘abwertender Begriff’ sei. «In letzter Zeit ist der Begriff ‚messianisch‘ in den Vordergrund der Diskussion gerückt. Wir alle sind messianisch, wie David Ben-Gurion und die Gründerväter der Nation. Messianismus ist kein abwertender Begriff. Es ist diesem ständigen Feuer zu verdanken, dass wir in allen Bereichen unseres Lebens nach Perfektion streben.»

Das höchste Fest der Muslims, das Opferfest, Eid al-Adha, hat gestern Abend begonnen und dauert vier Tage. Es ist üblich, Tiere zu schlachten, einen Teil des Fleisches an Bedürftige zu verschenken und mit dem Rest ein grosses Familienfest zu feiern. Nachdem es kaum noch lebende Schlachttiere im Gazastreifen gibt, stiegen die Preise ins Unendliche. Im ganzen Gazastreifen finden die Gebete in zerstörten Häusern und Moscheen statt. In Jerusalem fanden sich gestern Tausende zum Gebet auf dem Tempelberg ein.

Das libanesische Militär (LAF) beschwert sich, dass die IDF durch die Angriffe auf eine Hisbollah Zentrale im südlichen Beirut in der Nacht versucht, «die Wiederbelebung unserer Heimat zu untergraben.» Nach der Ankündigung der bevorstehenden Angriffe hat die LAF versucht, Kontakt zur IDF aufzunehmen, aber, «der Feind sich geweigert hat, zu reagieren.» Weiterhin hat die LAF Patrouillen in die Gebäude geschickt, um die Angriffe zu verhindern. Neben der Kommandozentrale war eine unterirdische Drohnen-Manufaktur betroffen.



Kategorien:Israel

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