Krieg gegen den Iran – der zweite Tag nach der Waffenruhe

6. Ijjar 5786

Die zweiten Gespräche zwischen Israel und dem Libanon auf Botschafterebene sind für heute Nachmittag 16 Uhr Ortszeit angesetzt. Der Schwerpunkt der Verhandlungen dürfte auf einer Verlängerung der Waffenruhe liegen, die am kommenden Sonntag ausläuft.

Netanyahu fragt: „Machen wir weiter??“ während Trump und ein Obermullah die Strasse von Hormus immer wieder auf und zu machen

«Wat den een sien Uhl, is den annern sien Nachtigall Dieses plattdeutsche Sprichwort gilt immer noch. Trump freut sich über die innere Spaltung des politischen Irans. «Der Iran hat grosse Schwierigkeiten herauszufinden, wer sein Führer ist! Sie wissen es einfach nicht!», schreibt Trump auf Truth Social. Beobachter der Politik glauben, dass der Machteinfluss des obersten Religionsführers Mojtaba Khamenei, den man seit seiner Ernennung nicht in der Öffentlichkeit sah, zu Gunsten des IRCG sinkt. Diese Miliz trifft in Teheran die Entscheidungen und wird dabei von Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und Aussenminister Abbas Araghchi unterstützt. «Der Machtkampf zwischen den ‚Hardlinern‘, die auf dem Schlachtfeld SCHWER verloren haben, und den ‚Gemässigten‘, die gar nicht so gemässigt sind (aber an Respekt gewinnen!), ist WAHNSINNIG!», schreibt Trump auf Truth Social. «Wir haben die vollständige Kontrolle über die Strasse von Hormus. Kein Schiff kann ohne die Genehmigung der US-Marine ein- oder auslaufen. Sie ist hermetisch abgeriegelt, bis der Iran in der Lage ist, einen DEAL abzuschliessen!», fügt Trump hinzu.

Trump erklärte heute, dass er die US-Navy angewiesen hat, jedes Schiff, das Minen in der Strasse von Hormus verlegt, «abzuschiessen und zu versenken. Zudem räumen unsere Minensuchboote gerade die Strasse», schreibt Trump auf Truth Social. «Ich ordne hiermit an, dass diese Aktivitäten fortgesetzt werden, allerdings in dreifacher Stärke!» Zwar ist noch nicht seitens des Irans bestätigt, dass neue Minen verlegt wurden, die USA beginnt aber, Präventivmassnahmen einzuleiten. Über Nacht hat die USA erneut einen Oel-Frachter, die Majestic X, im Indischen Ozean beschlagnahmt, der iranisches Oel schmuggelte. Der Tanker war unterwegs nach Zhoushan in China. Die Majestic X gehört zu den von den USA sanktionierten Schiffen (s. gestern) und segelt derzeit unter der Flagge von Guyana.

Der ehemalige iranische Kronprinz Reza Pahlavi, der sich derzeit in Berlin aufhält, wurde beim Verlassen einer Konferenz auf dem Weg zum Auto von einem Aktivisten mit einer orangefarbenen Flüssigkeit, wahrscheinlich Tomatensauce, bespritzt. Nach einer kurzen Schrecksekunde ging er ungerührt weiter und winkte der wartenden Menge zu. Bei der Konferenz hatte er die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran heftig kritisiert. Der namentlich erfasste Täter wurde sofort von der Polizei und den Sicherheitskräften festgenommen.

Oppositionspolitiker werfen der Regierung berechtigterweise vor, nach dem Motto: «Divide et impera» vorzugehen. Dazu trägt auch bei, dass Netanyahu sich bis heute standhaft wehrt, eine staatliche Untersuchungskommission zu den Ereignissen vor, während und nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 einzurichten. Nicht ganz so einig sind sich die betroffenen Familien, wie die heutige Anhörung vor dem OGH zeigt.  Oppositionsführer Lapid wirft der Regierung vor, «Angst vor der Wahrheit» zu haben. MK Liberman verspricht, dass die Einrichtung einer solchen Kommission zu den ersten Agenden der neuen Regierung wird. Gadi Eisenkot, der seinen Sohn Gal in Gaza verlor, bedauerte, dass die Regierung «statt uns zu vereinen, uns in eine Situation führt, in der sich die Hinterbliebenen gegenseitig angreifen. Das ist das Wesen dieser Regierung: Streit und Zwietracht zu schüren und sich zu weigern, Verantwortung zu übernehmen.» Benny Gantz ist erschüttert über die Zusammenstösse nur 48 Stunden nach dem ‘Gedenktag für gefallene Soldaten und Opfer des Terrors’. «Israel muss Neuwahlen abhalten und eine breite, zionistische Einheitsregierung bilden, die diesen brüderlichen Streit beendet und die gegnerischen Lager auflöst.»

Nachdem Gegner der staatlichen Untersuchungskommission versuchen, in den Gerichtssaal einzudringen, kommt es zu Handgreiflichkeiten zwischen Sicherheitskräften und Familienangehörigen. Die Sicherheitskräfte fordern deshalb die Richter auf, die Anhörung zu unterbrechen und den Saal zu verlassen. Als Reaktion wird entschieden, dass die Fortsetzung der Anhörungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgen wird. Ein Repräsentant der Regierung forderte, dass die staatliche Untersuchungskommission erst nach dem Krieg gebildet werden soll. Richter Noam Solberg konterte: «Wie viele Jahre können wir warten?» Michal Rabello, der die Regierung repräsentierte, betonte: «Das Wichtigste ist im Moment, dass der Staat Israel die Kämpfe an allen Fronten gewinnt. Wir müssen gewinnen, das ist das Wichtigste.» Dazu Richterin Yael Wilner: «Erst wenn der Krieg vorbei ist, werden wir untersuchen, was vor drei bis vier Jahren passiert ist? Meiner Meinung nach ist Ihre Haltung dramatisch, und Sie lassen eine Bombe platzen. Es geht nicht darum, wie man ermittelt. Im Moment ermitteln wir überhaupt nicht. Sollen wir warten, bis wir an allen Fronten gesiegt haben? Das ist es, was Sie sagen – dass wir erst mit den Ermittlungen beginnen, wenn wir gesiegt haben.»

Die Rose des Tages geht heute post mortem an Staff. Sgt. (res.) Effie Beniacar, 32, s’’l.  Der Reservesoldat, der bei Kriegsbeginn einberufen wurde, erlitt während eines Kurzurlaubs einen Herzinfarkt und verstarb zwei Wochen nach seiner Einlieferung ins Spital. Nach seinem Tod gab das Nationale Transplantationszentrum bekannt, dass er einen Spenderausweis bei sich trug, als er eingeliefert wurde. Seinem Wunsch wurde entsprochen und so erhielten vier Menschen lebensrettende, gesunde Organe. Die Lungen wurden einer 38 Jahre alten Frau transplantiert, die Leber einem 71 Jahre alten Mann. Die Nieren erhielten ein 40 Jahre und ein 64 Jahre alter Mann.

Eine zweite Rose geht an eine unbekannte Spenderin, die mit ihrer Organspende vier Kindern ein neues Leben ermöglichte. In einem Operationsmarathon, der im Schneiders Kinderspital synchron durchgeführt wurde, erhielt ein 9 Jahre altes Mädchen die Leber, je eine Niere erhielten eine 18 Jahre junge Frau und ein 2 ½ Jahre alter Junge. Das Herz erhielt ein 3 ½-jähriger.

Mit KI generiertes Symbolbild

Der Kaktus des Tages geht an jene Soldaten der IDF, die sich beim Verlassen des Libanon ungeniert am Eigentum der Bewohner der verlassenen Häuser bedienen und an die Kommandanten, die beide Augen zudrücken und nichts dagegen unternehmen. Soldaten berichten, dass die Kontrollpunkte, die genau zu dem Zweck eingerichtet wurden, Plünderungen zu verhindern, nicht mehr besetzt oder nie installiert wurden. Die Berichte beschreiben den Diebstahl von Motorrädern, Fernsehern, Gemälden, Sofas und Teppichen in grossem Umfang, der zur Routine geworden ist. «Jeder, der etwas mitnimmt – Fernseher, Zigaretten, Werkzeuge, was auch immer – legt es sofort in sein Fahrzeug oder lässt es am Strassenrand liegen, nicht innerhalb der Militärbasis, aber es wird nicht versteckt. Jeder sieht es und versteht es.» Die Soldaten betonen, dass die Plünderungen nicht Teil der offiziellen IDF-Doktrin sind, dass sie sich aber mangels Durchsetzung von Disziplinarmassnahmen ungehindert ausbreiten. «Die Leute hier haben mehr als 500 Tage in der Reserve gedient. Die Kommandeure heute – ob auf Kompanie-, Bataillons- oder sogar Brigadeebene – können Reservisten nicht einfach ins Gefängnis schicken», erklärt ein Soldat. «Sie wissen, dass die Disziplin in der IDF erodiert ist und sie keine wirkliche Möglichkeit haben, sie durchzusetzen. Sie ziehen es vor, die Dinge unter den Teppich zu kehren, nur damit die Leute zur nächsten Runde erscheinen.» Die IDF erklärte daraufhin: «Das Militär betrachtet jegliche Beschädigung von zivilem Eigentum und Plünderungen mit äusserster Strenge und verbietet sie unmissverständlich. Jeder Vorwurf oder Verdacht solcher Handlungen wird gründlich untersucht und mit der ganzen Härte des Gesetzes geahndet.» Wo ist die Moral unseres einst ‘moralischsten Militärs der Welt’ geblieben?



Kategorien:Israel, Politik

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