Krieg gegen Iran – Waffenruhe Tag 14

4. Ijjar 5786

Mit den Sirenen gestern Abend um 20 Uhr begann der heutige Gedenktag für die Gefallenen und Opfer des Terrors in Israel. Heute Vormittag kam das ganze Land erneut zum Stillstand. Drei Minuten lang waren im ganzen Land die Sirenen zu hören, die den Beginn der offiziellen Feierlichkeiten markierten.

Netanyahu erinnerte am Herzl-Berg der gefallenen und verletzen Soldaten und betonte ganz am Ende seiner Rede: «Ich habe alle Geiseln aus Gaza zurückgebracht.» Er wurde von wütenden Zwischenrufen unterbrochen: «Bis auf die, die in den Tunnels gestorben sind.»

Ben-Gvir sprach auf dem Militärfriedhof von Dimona: «Meine Unterstützung für die Soldaten und Polizisten im Einsatz ist uneingeschränkt, denn nur so kann sichergestellt werden, dass das Opfer ihrer Angehörigen nicht umsonst war», und wandte sich damit indirekt gegen den OGH und GStA Gali Baharav-Miara. «Wir werden nicht zu den Tagen des Exils und der Schwäche zurückkehren. Wir sind ein starkes Volk, mit einer entschlossenen Armee und Polizei und mit einer Regierung, die sich einem entscheidenden Sieg verschrieben hat.»

Yair Lapid besuchte den Militärfriedhof von Herzliya. Er betonte in seiner Ansprache: »Hinterbliebene brauchen keinen Gedenktag, um sich zu erinnern. Es gibt keinen Tag, an dem sie nicht an ihre Toten denken. Das Problem ist nicht heute, es sind all die anderen Tage. Ihr braucht keine Zeremonie, um zu gedenken. Ihr seid gekommen, damit wir euch sagen können, dass wir nicht vergessen haben. Dass der Staat Israel gedenkt. Dass der Staat Israel sein Haupt vor seinen Toten beugt und vor ihren Familien neigt. Und wir schwören, alles zu tun, um ihrer würdig zu sein.»       

Nur wenige Stunden vor dem Ende der Waffenruhe ist immer noch unklar, ob eine Delegation aus dem Iran an den Verhandlungen teilnimmt, oder nicht. Währenddessen betont Trump, dass er nicht gewillt ist, die Waffenruhe ohne Verhandlungen zu verlängern. «Die USA sind in einer starken Verhandlungsposition und wir werden einen ‘grossartigen Deal’ erreichen. Ohne Verhandlung werden wir keine Verlängerung akzeptieren. Wir haben nicht so viel Zeit. Ich gehe davon aus, dass wir dann wieder mit dem Bombardement anfangen werden. Wir sind bereit. Ich meine, das Militär steht in den Startlöchern.»

Über Nacht haben die USA mit zwei Helikoptern das sanktionierte[1] Schiff M/T Tifani geentert, das mit nicht näher bezeichneten Waren, die den Iran unterstützen, unterwegs war. Die USA bezeichnen diese Art der Übernahme von Frachtschiffen als rechtens im Sinne der Sanktionen, während Gegner sie als ‘beschämenden Akt der Piraterie’ bezeichnen. Was es tatsächlich ist, darüber kann man streiten, immerhin fand die Übernahme des Frachters ohne vorliegenden konkreten Grund und ausserhalb der Strasse von Hormus statt.

Der libanesische Parlamentspräsident, der der Hisbollah nahestehende Nabih Berri droht, dass die IDF auf Widerstand stossen wird, falls sie sich nicht aus dem Libanon zurückzieht. Die Drohung ist nicht anders zu verstehen, als dass damit eine erneute kämpferische Auseinandersetzung noch vor den kommenden Gesprächen angekündigt wird. Diese sollen auf Botschafter-Ebene am kommenden Donnerstag, also übermorgen, in Washington stattfinden. «Sollte Israel seine Besatzung aufrechterhalten, sei es von Gebieten, Stellungen oder durch das Ziehen gelber Linien, wird es jeden Tag den Geruch des Widerstands riechen», sagt Berri, Vorsitzender der schiitischen Amal-Bewegung. «Wenn sie darauf bestehen, zu bleiben, werden sie auf Widerstand stossen, und unsere Geschichte bezeugt dies.»

Das Hotel ‘Villa’ in Osch in Kirgisistan hatte an der Eingangstür ein unglaubliches Schild angebracht: «Juden und Tiere sind hier nicht erwünscht». Das Schild, das offen antisemitisch und beleidigend ist, wurde nach heftigem Protest aus der Bevölkerung wieder entfernt. Der israelische Botschafter, Yoav Bistritsky, schrieb dazu: «Ich begrüsse das rasche Handeln der Behörden in Kirgisistan, das antisemitische und beleidigende Schild zu entfernen und ein Strafverfahren gegen die Verantwortlichen einzuleiten», schreibt Bistritsky auf X. «Solcher Hass hat in keiner Gesellschaft Platz. Ich werde die Angelegenheit weiterhin aufmerksam verfolgen.» In Kirgisistan leben etwa 400 Juden. Israel unterhält seit 1992 diplomatische Beziehungen zum Land.

Am Morgen kam es in der Nähe einer Schule in Mughayyir in der Nähe von Ramallah zu einem tödlichen Überfall. Auf einem Video sieht man einen Mann, möglicherweise ein uniformierter Reservist, der mit einer Langwaffe Schüsse auf das Dorf abgab. Der Rote Halbmond veröffentlichte in einem Protokoll, dass zwei Personen, 13 und 38 Jahre getötet und vier weitere verletzt wurden. Die Bewohner des Dorfes identifizierten den Angreifer als jüdischen Siedler-Terroristen. Die IDF untersucht den Vorfall. Das zweite Video zeigt, wie Menschen vom Ort des Angriffs davonlaufen, das dritte Video wie Jugendliche, die nach dem Angriff in völliger Panik sind. Im Polizei-Protokoll stand «….darunter ein Reservist, der aus dem Fahrzeug ausstieg und in Richtung von Verdächtigen im Dorf schoss.» Das Video zeigt, dass sich vor der Schule nur Jugendliche und ihre Lehrer aufhielten. Verdächtige? Sie schreiben weiterhin, dass die IDF den ‘gewaltsamen Aufruhr’ im Dorf auflösen konnte. Auch von einem solchen ist auf den Videos nichts zu sehen.

Der Soldat, der die Jesus Statue in Debel mit einem Vorschlaghammer zerstörte und der zweite, der ihn dabei fotografierte, wurden aus ihrer Kampfeinheit entlassen und zu dreissig Tagen Gefängnis verurteilt. Sechs Soldaten standen offenbar dabei, als der schändliche Vorfall geschah und griffen nicht ein. Welche Massnahmen gegen sie ergriffen werden, ist noch offen. Die Truppen wurden vor ihrem Einsatz darin geschult, wie sie sich in den christlichen Gebieten zu verhalten haben. Nachdem es hier offenbar noch Handlungsbedarf gibt, wird es eine Nachschulung geben. Die Statue wurde von der IDF ersetzt.


[1] Als ‘sanktionierte Schiffe’ gelten seit Ende 2025 Frachtschiffe, die ohne AIS-Ortungssystem und oft unter nicht erkennbarer oder falscher Flagge segeln.  Es handelt sich hierbei oft um alte Tanker, die Teil der russischen ’Schattenflotte’ sind. Die USA haben derzeit 183 Schiffe auf der Sanktionsliste, von denen 70 der ‘Schattenflotte’ zugerechnet werden. Die Sanktionen können Handelssperren, Hafenverbote und Versicherungen sein. Auf Grund ihres Alters, fehlender Pflege und Versicherung stellen die Schiffe oft ein Risiko für die Schifffahrt dar.



Kategorien:Israel, Politik

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