2. Ijjar 5786

Auch heute musste die IDF leider den Tod eines Soldaten bekanntgeben. Sgt. First Class (res.) Lidor Porat, 31, s’’l, wurde Opfer einer Landmine, auf die sein Fahrzeug auffuhr und die dadurch zur Explosion gebracht wurde. Neun weitere Soldaten wurden mit unterschiedlichen Schweregraden verletzt.

Einige Tage vor dem Unabhängigkeitstag, der in diesem Jahr den 78. Geburtstag von Israel markiert, gab das Statistische Zentralamt einige Eckdaten bekannt. Die Bevölkerungszahl ist um 1.4 % auf 10.244 Millionen gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von 146.000 Menschen. Im letzten Jahr wurden 177.000 Babys geboren, 21.000 Menschen machten Aliya nach Israel. Leider verliessen aber auch 45.000 Menschen das Land. Der Anteil der jüdischen Bevölkerung liegt bei 7.79 Million (i.e.76 %), der arabischen Bevölkerung bei 2.257 Million (i.e. 21.1 %) und anderer bei 296.000 (i.e. 2.9%). Unter der jüdischen Bevölkerung gelten 11.5 % als ultra-orthodox, 12 % als religiös, 33.5 % als traditionell-religiös und 43 % als säkular. Die Lebenserwartung bei jüdischen Männern beträgt 82, bei jüdischen Frauen 85.8 Jahre. Bei der arabischen Bevölkerung liegt sie bei 77.7 Jahren bei Männern und 83.2 bei Frauen.

Heute Nachmittag werden sich der argentinische Präsident Javier Milei und Netanyahu in dessen Büro in Jerusalem treffen. Nach einer gemeinsamen Pressekonferenz werden sie bilaterale Abkommen betreffend Sicherheit, AI und Flugverkehr unterzeichnen. Danach wird die Begründung der ‘Isaac Abkommen’, einer Analogie zu den ‘Abraham Abkommen’ bekannt gegeben, die die Beziehungen zwischen Israel und den lateinamerikanischen Staaten stärken sollen. Spiritus rector dieser neuen Initiative ist der argentinische Präsident.

Noch am Tag vor Beginn der Waffenruhe mit dem Libanon hat die IDF mit Hilfe der IAF mehr als 300 Ziele angegriffen, die zur Infrastruktur der Hisbollah gehören. Dabei wurden mehr als 150 Terroristen, darunter einige Kommandanten, getötet. Unter ihnen war auch der Kommandant der Hisbollah-Hochburg Bint Jbeil, Ali Reda Abbas. Jedoch gelang es nicht, wie geplant, Bint Jbeil völlig einzunehmen. Das ist allerdings wirklich eine Schlappe, die nicht hätte passieren dürfen. Bint Jbeil existiert ja nicht erst seit wenigen Tagen, sondern seit dem Jahr 2000. Die Stadt wird von der libanesischen Hisbollah als „Hauptstadt des befreiten Südens“ bezeichnet.
Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf betonte, dass es bei den Verhandlungen mit den USA zwar Fortschritte gegeben habe, aber auch noch ein oder zwei Punkte existieren, die eine grosse Distanz zwischen den Verhandlungspartnern markieren. «Es gibt einige Punkte, auf denen wir bestehen … Auch sie haben rote Linien. Aber diese Punkte könnten nur ein oder zwei sein», sagte Ghalibaf. «Wir sind noch weit von der abschliessenden Diskussion entfernt.» Die beiden fraglichen Punkte betreffen die Strasse von Hormus und das Nuklearprogramm des Irans.Der Iran hofft, dass mit der erneuten Schliessung der Strasse von Hormus die beiden Verhandlungsteams nun einen realistischeren Zugang zueinander haben. Durch was sich Ghalibaf in dieser Ansicht bestärkt sieht, erklärt er nicht. Die Gespräche werden am Dienstag in Islamabad fortgesetzt. Kushner und Witkoff befinden sich bereits auf dem Weg. Trump erklärte, wenn Teheran den ihnen vorgelegten Deal nicht annehme, dann ‘werde der ganze Iran in die Luft fliegen’. Die Waffenruhe endet am kommenden Dienstag. Nachdem kaum zu erwarten ist, dass die Gespräche am Dienstag einen echten Erfolg bringen, kann man nur hoffen, dass die Waffenruhe verlängert wird. Der US-Vizepräsident, der zunächst wegen Sicherheitsbedenken nicht teilnehmen sollte, ist nun doch Richtung Pakistan unterwegs.

Trump lobt Israel auf seiner Plattform Truth Social als gelte es, ihm eine Morgengabe nach der vollzogenen militärischen Hochzeitsnacht darzubringen. «Ob man Israel nun mag oder nicht, es hat sich als ein GROSSARTIGER Verbündeter der Vereinigten Staaten von Amerika erwiesen», erklärte er. «Sie sind mutig, entschlossen, loyal und klug, und im Gegensatz zu anderen, die in Zeiten von Konflikt und Stress ihr wahres Gesicht gezeigt haben, kämpft Israel hart und weiss, wie man GEWINNT!», schrieb er.
Leider nein, Israel hat sein untrügliches Gespür dafür, wie man siegt, verloren. Netanyahu hat ebenso wenig einen Plan, wie Trump. Die Zeiten, in denen das kleine, mutige Land Israel jeden der sieben grossen arabischen Kriege gewann und der Welt damit den Respekt abnötigte, sind vorbei. Die Schuld daran liegt bei der Regierung, die den militärischen Führern Befehle geben, die unklar sind oder der realen Situation nicht angepasst sind. Oder die a priori keinen Erfolg zulassen, dafür aber den privaten Vorteilen einzelner Politiker dienen. Oder die nichts mehr mit demokratischen Führungslinien zu tun haben, sondern autokratisch und faschistisch sind.
Netanyahu hat sich immer wieder gegen den Vorwurf gewehrt, er habe Trump in den Krieg gegen den Iran hineingezogen. So hatte er im März noch grossmäulig betont: «Glaubt irgendjemand wirklich, dass man Präsident Trump vorschreiben kann, was er zu tun hat? Ich bitte Sie», sagte er und fügte hinzu, dass der US-Präsident «seine Entscheidungen stets danach trifft, was seiner Meinung nach gut für Amerika ist. In diesem Fall sind diese Interessen absolut klar. Und ebenso klar sind unsere Erfolge. In enger Abstimmung mit Präsident Trump, in enger Zusammenarbeit zwischen Amerika und Israel, unseren Streitkräften und unseren Geheimdiensten erreichen wir unsere Ziele blitzschnell.»
Die ehemalige US-amerikanische Vizepräsidentin Kamala Harris, von der man sagt, sie bringe sich für die Kandidatur zur Präsidentenwahl in Position, hingegen erklärte bei Fox News, Netanyahu habe Trump in den Krieg gezogen. Sie bezeichnete die Trump-Regierung als die „korrupteste, gefühlloseste und inkompetenteste“ Regierung in der Geschichte der USA. Trump wolle „so tun, als sei er stark und werde die Macht des amerikanischen Militärs gegen jeden einsetzen, den er will“, sagte sie. „Dieser Präsident ist der erste US-Präsident seit dem Zweiten Weltkrieg, unabhängig von seiner Parteizugehörigkeit, der Amerikas Verantwortung, unsere Bündnisse und Freundschaften zu pflegen und zu schützen, missachtet“, fuhr sie fort. Harris zeigt sich überzeugt, dass die Demokraten die Midterm-Wahlen im November gewinnen werden.
Das Wall Street Journal stellt Trump ein sehr schlechtes Zeugnis für sein Entscheidungsmanagement während des Krieges aus. Er soll die meisten der Entscheidungen hastig und ohne Rück- oder Absprache mit seinen Beratern getroffen haben. Es scheint, so WSJ, dass seine Risikobereitschaft immer geringer und seine Ängste immer grösser werden. Statt sich um den tatsächlichen Verlauf der Kampfhandlungen zu kümmern, seien ihm einprägsame, spektakuläre Bilder von Einschlägen und Zerstörungen sowie aussagekräftige Zahlen über zerstörte Infrastrukturen wichtiger gewesen.

Offensichtliche Rückschläge, wie den Abschuss von zwei Kampfjets hätten zu stundenlangen Schreiattacken gegen anwesende Mitarbeiter geführt. Er scheint seine Wiederwahl, die zwar verfassungsgemäss gar nicht möglich ist, als gefährdet anzusehen. «Wenn man sich ansieht, was mit Jimmy Carter passiert ist … mit den Hubschraubern und den Geiseln, das hat sie die Wahl gekostet. Was für ein Chaos[1]», lamentierte er. Trump wurde aus dem ‘Situation Room’ ferngehalten, weil sein Stab davon ausging, dass seine Ungeduld und Nervosität hinderlich sein könnte. Alle drei Piloten konnten in aufwendigen und gefährlichen Aktionen gerettet werden. Was zu einem Tiefschlag für Trump hätte werden können, wurde noch einmal abgewendet. Am nächsten Tag hat sich sein Fokus völlig verschoben. Mitarbeiter berichten, dass er sich mit seinen Plänen für den umstrittenen neuen Ballsaal im Weissen Haus und einer Spendenaktion für die Zwischenwahlen beschäftigte und seinen Beratern mitteilte, ‘er wolle nun zu anderen Themen übergehen’. Trump fürchtete, dass zu viele Soldaten ihr Leben verlieren könnten und zögerte deshalb, einen Angriff auf die Insel Kharg zu lancieren. Ausgerechnet der wäre, so seine Berater, einigermassen einfach zu Erfolg zu bringen.
Falls diese Aussage der WSJ stimmen sollte, und ich gehe davon aus, dann ist es um die Hybris dieses gefährlichen Mannes noch schlimmer bestellt, als man bisher glaubte. «Einmal überlegte er sogar, sich selbst die höchste militärische Auszeichnung des Landes, die Medal of Honor, zu verleihen.» Aber vielleicht hat er ja einmal wirklich nur einen Witz gemacht….
Jüdische Siedler-Terroristen drangen heute in das Dorf Mughayyir ein und griffen zunächst einen Mann mit Knüppeln an. Anschliessend brachten sie 80 Schafe in ihren Besitz und machten sich wieder auf den Heimweg. In der Umgebung des Dorfes liegen mehrere illegale Siedlungen, es blieb unklar, aus welcher Siedlung die Siedler-Terroristen stammten. Polizei und IDF trafen zwar vor Ort ein. Doch statt den Diebstahl zu verhindern, feuerten sie Tränengas auf die Dorfbewohner ab. Obwohl es entsprechendes Filmmaterial gibt, behauptete die IDF, dass ihnen kein Viehdiebstahl bekannt sei.
[1] Er bezieht sich dabei auf die Geiselnahme von 52 Amerikanern in der US-Botschaft von Teheran, die am 4. November 1979 begann und erst am 22. Januar 1981 nach 444 Tagen endete.
Kategorien:Israel
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