10. Siwan 5786

Auch heute muss die IDF leider erneut den Tod eines Soldaten bekanntgeben. Cpl. Benjamin Vais, 19, s’’l, wurde gestern Morgen leblos in seiner Unterkunft im Süden Israels aufgefunden. Vais, der aus Kanada stammt, kam als ‘lone soldier’ nach Israel und lebte im Kibbutz Shluchot im Norden des Landes. Die IDF untersucht die Umstände seines Todes.
Welche Frechheit ist das denn? Seit Oktober 2023 weiss JM Yariv Levin, dass es bei den Richtern viele freie Stellen gibt, die nachbesetzt werden müssen. Damals waren es etwa 25, heute sind es bereits zwischen 50 und 60 Stellen, die altersbedingt freigeworden sind. Nur weil es Levin nicht gepasst hat, wie das Richterwahlgremium gesetzeskonform zusammengesetzt ist und er keine automatische Mehrheit hat, hat er sich geweigert, das Gremium einzuberufen. Er überhörte dabei geflissentlich die drängenden Aufforderungen des OGH, bis im Januar 2025 ohne seine Teilnahme das Gremium tagen musste und den Präsidenten des OGH, was eine reine Formsache war, ernennen musste. Seither boykottiert er auch den OGH. Und jetzt geht auch gar nichts mehr. Sobald die Knesset sich aufgelöst hat und Neuwahlen bestimmt wurden, ist auch er eine lame duck, die nichts mehr entscheiden kann. Scheinheilig argumentierte sein Anwalt gestern: «Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es angesichts des politischen Zeitplans und der erforderlichen Sorgfaltsprüfung durch alle Mitglieder des Richterwahlgremium … nicht realistisch, mit der Veröffentlichung der Namen im Staatsanzeiger fortzufahren – und den Ausschuss zum Zweck der Auswahl von Richtern für die Bezirksgerichte einzuberufen.»
Die Bürgermeister der Gemeinden entlang der Grenze zum Libanon beklagen, dass sie sich von der Regierung ein zweites Mal im Stich gelassen fühlen. Durch die anhaltenden Drohnen- und Raketenangriffe aus dem Libanon bricht die regionale Wirtschaft zusammen und die Kinder bleiben zu Hause, um von dort, wenn das noch möglich ist, am Fernunterricht teilzunehmen. «Wie lange will die Regierung noch wegschauen? Sie sollen hierher auf die Felder kommen und sich den wirtschaftlichen Zusammenbruch der Bewohner ansehen. Man geht zum Hühnerstall und weiss nicht, ob man Besuch von einer Drohne bekommt», sagt Sami Zanti, Leiter des Moschaws Shomera, gegenüber dem Armeesender. «Wenn Kinder auf dem Heimweg von der Schule im Bus sitzen und plötzlich eine Drohne herunterfällt, wo sollen sie sich dann verstecken?», fragt er. Schon einmal waren die Gemeinden ganz oder teilweise evakuiert worden, die Wiederaufbauarbeiten sind bis heute nicht abgeschlossen. Derzeit werden immerhin Bunker aufgestellt, sodass die Bevölkerung beim Alarm Schutz suchen kann.
Monatelang war darüber schon hinter vorgehaltener Hand diskutiert worden. Jetzt hat sich der ehemalige israelische Botschafter bei der UN, Gilad Erdan, geäussert. Er denkt über die Gründung einer neuen rechten Partei nach, die dem Likud direkte Konkurrenz machen wird. «Das Ziel ist die Gründung einer neuen rechten Partei. Ich möchte eine solche Struktur leiten und führen und prüfe derzeit, ob dies politisch machbar ist», sagt Erdan, ein langjähriges Likud-Mitglied, das jahrzehntelang als Knesset-Abgeordneter und Minister in Netanyahus Regierungen tätig war. «In der Ära nach Netanyahu sehe ich mich als Kandidat für das Amt des Premierministers. Ich weiss, was Israel braucht. Wenn ich mit den Entwicklungen im Likud zufrieden wäre, würde ich meine politische Tätigkeit innerhalb der Partei wieder aufnehmen», fügt er hinzu. «Wenn weder die Koalition noch die Opposition eine Koalition ohne uns bilden können, dann können wir sie zwingen (?I), sich zusammenzusetzen», erklärte die Quelle und bezeichnete Netanyahus Likud als eine ‘persönlichkeitsorientierte’ statt einer ‘wertorientierten’ Partei.
Die unter dem Arbeitsnamen ‘Likud B’ auftretende Partei solle eine ‘staatsmännische Alternative’ zur Regierungspartei sein, in der es keine extremen ‘Elemente’ geben werde. Mit dabei sind derzeit Yuli Edelstein, der von der Koalition aus allen Posten abgezogen wurde, nachdem er sich gegen die Befreiung vom Wehrdienst für Haredim stellte und Sharren Haskel, der aus dem gleichen Grund alle speziellen Aufgaben verlor. Die neue Partei zeigt deutlich rechte und zionistische Positionen, wie wirtschaftliche Erholung, Sicherheit und Gründung neuer Siedlungen in Samaria und Judäa. Die neue Partei würde zudem eine Justizreform unterstützen, ohne die ‘politischen Auseinandersetzungen’, die den Ansatz von JM Yariv Levin begleiten.
Für mich ist diese Partei a priori nicht wählbar, weil sie sich alle Türen offenlässt und sich genau dort anbiedern wird, wo ihr der Weg in eine Regierungskoalition offensteht. Mit staatsmännisch hat das nichts zu tun!
GStA Gali Baharav-Miara wird Anklage gegen Tzachi Bravermann, den ehemaligen Stabschef von Netanyahu, erheben. Vorgeworfen werden dem designierten Botschafter in GB: Behinderung der Justiz, Betrug und Untreue. Grundlage ist ein Treffen Bravermans mit einem ehemaligen Medienberater Netanyahus, Eli Feldstein, im Oktober 2024. Das Thema des Treffens war die Weitergabe geheimer Dokumente an die ‘Bild-Zeitung’. Feldstein wurde in Folge der Weitergabe geheimer Dokumente angeklagt. Braverman wurde zum nächsten israelischen Botschafter im Vereinigten Königreich ernannt, doch die laufenden Ermittlungen in dieser Angelegenheit haben ihn daran gehindert, das Amt anzutreten. Hätte er auch nur eine Spur von Charakter, so würde er die Ernennung ablehnen und den Weg für einen würdigen Botschafter freimachen.

Irgendwann werden Netanyahu die Ausreden à la shtiks ‘n‘ tricks ausgehen! Gestern liess er sein Kreuzverhör wegen sicherheitsrelevanter Treffen kürzen, heute sind es diplomatische Verpflichtungen. Gestern war er zumindest während der Plenarsitzung, die auch für ihn hätte sehr spannend werden können, nicht in der Knesset (es gibt auf der Webseite eine entsprechende Information) und heute traf er sich am frühen Nachmittag mit Zamir und VM Katz. Ich bin gespannt, wann die Richter nachvollziehbarere Gründe verlangen!
Am Vormittag flogen wieder zahllose Spreng-Dohnen aus dem Libanon in Richtung israelischer Soldaten, die nördlich der Grenze aktiv waren und in den Norden Israels. Der überwiegende Teil der Drohnen wurde abgefangen, es gab keine direkten Treffer.
Heute veröffentlichte die IDF eine Evakuierungsaufforderung für die Stadt Nabatieh, bevor Angriffe gegen von der Hisbollah genutzte Infrastrukturen ausgeführt wurden. Während der Nachtstunden hatte die IDF etwa 100 solcher Ziele im Beqa’a Tal angegriffen und zerstört. Nachdem der Beschuss aus dem Libanon sich deutlich intensiviert hat, reagierte die IAF mit einer Welle von Angriffsflügen.
Im Maghazi-Flüchtlingslager verloren in der vergangenen Nacht fünf Personen ihr Leben, als es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der Hamas und einer von Israel unterstützten Milizgruppe kam.

Die Rose des Tages geht heute an Amit Gur, eine junge Offizierin der Grenzpolizei. Am 7. Oktober 2023 war ihre kleine Tochter erst wenige Monate alt. Amit hatte ein klares Ziel: ihre junge Familie aufbauen, für ihre Tochter da sein und ihr all die Liebe zu geben, die sie verdiente. Am 7. Oktober 2023 um 06:29 wurde ihre Welt auf den Kopf gestellt. Amit und ihr Mann Roy, rannten mit ihrem Baby sofort in den nächsten Bunker, als die Sirenen nicht mehr aufhörten, vor dem nicht enden wollenden Beschuss durch die Hamas zu warnen.

Roy lief sofort los und schloss sich der lokalen Polizei an, um Ofakim zu verteidigen. Amit wartete auf ihren Vater, der sich um Mielle kümmern sollte, die noch nicht einmal ein Jahr alt war. Dann schloss sich Yehuda Keidar an, der später im Kampf gegen die Hamas getötet wurde. Auf dem Weg zu ihrer Station, wo sie ihre Waffen abholen wollten, sahen sie das beginnende Drama: Tote, die auf der Strasse oder in den Autos lagen. Nur mit ihren Pistolen bewaffnet, töteten sie die ersten Terroristen. Spontan änderten sie ihren Plan und fuhren nach Re’im, wo der Kampf am intensivsten war. Dort entdeckte sie bald Yehuda, der sich in ernsten Schwierigkeiten befand und versuchte, ihn ‘freizuschiessen’. Bei diesem Schusswechsel wurde sie an der Hand getroffen. Yehuda erlitt einen Genickschuss, an dem er wenig später starb. Amit schoss in die Luft, damit sie evakuiert werden konnten.

War es richtig, in den Kampf zu ziehen, das Kind beim Grossvater zu lassen? Amit ist davon auch heute noch überzeugt. Roy und sie zogen los, um «die Zivilisten zu verteidigen, die uns und unser Land brauchten.» An diesem Tag sei sie nur auf Autopilot gewesen, ohne Angst, ohne Zeitgefühl. Nur mit dem Willen zu kämpfen und zu überleben.
In einem der Gefechte wurde sie an beiden Händen verletzt. Seither sind die Nerven dort nicht mehr zu 100 % funktionsfähig. Sie sagt, die Verletzungen hätte auch psychische Schäden verursacht. Sie sei in ihrer Fähigkeit Mutter zu sein, beeinträchtigt. «Ich konnte meine Tochter nicht mehr in die Arme nehmen – eine Geste, die jede Mutter, ohne zu zögern vollzieht, wurde zu etwas, wozu mein Körper einfach nicht mehr in der Lage war. Die Milch versiegte, mein Körper geriet in einen Schockzustand. Ich sah mich an und erkannte die Frau nicht wieder, zu der ich innert Tagen geworden war. Anstelle von Wärme und Sanftheit spürte ich Distanz. Es gab Tage, an denen ich meiner Tochter überhaupt nicht nahe sein wollte, weil ich Angst hatte, ihr wehzutun. Ich wusste nicht, wie ich das Trauma und den Schmerz von der Mutterschaft trennen sollte. Ich fühlte mich für alles schuldig. Dafür, dass ich sie nicht genug im Arm hielt, dafür, dass ich zu müde, zu verschlossen, zu distanziert war. Es ist ein sehr tiefer Schmerz, zu spüren, dass dein Kind dich braucht und du einfach nicht so für es da sein kannst, wie du es gerne hättest.»

Vor fünf Monaten kam ihre zweite Tochter auf die Welt. Amit erklärt, dass in dem Moment, als sie sie das erste Mal im Arm hielt, das Gefühl hatte, ihr Leben zurückbekommen zu haben. «Diese Geburt war mein persönlicher Sieg.» Amit und Roy kämpfen immer noch, jeden Tag darum, in die ‘normale Welt’ zurückkehren zu können.

Ich wünsche Amit und Roy und ihren beiden Töchtern eine Zukunft in Frieden und glücklicher Gemeinsamkeit.
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