Krieg gegen Iran – der dritte und vierte Tag nach der Waffenruhe

8. Ijjar 5786

Trump hat den Vorsitz bei der zweiten Gesprächsrunde auf Botschafterebene zwischen dem Libanon und Israel an sich gerissen und vom Aussenministerium in das Oval Office verlegt. Dort verkündete er später, er habe beschlossen, die Waffenruhe mit der Hisbollah um drei Wochen zu verlängern. Gegenüber den anwesenden Journalisten betonte er, dass jedes Abkommen mit dem Iran auch eine Klausel enthalten muss, dass der Iran jede finanzielle Hilfe an die Hisbollah einstellen muss.

Die israelischen Geheimdienste nehmen an, dass der Iran noch über Tausende Drohnen und Marschflugkörper, sowie etwa die Hälfte seiner Abschussrampen verfügt. Diese liegen, gut geschützt auch gegen die amerikanische ‘Bunkerbrecher-Bombe’, 500 Meter tief in einem Berg in Yazd verborgen. Yazd scheint nicht angreifbar zu sein, die Felsen bestehen aus Shirkuh-Granit, einer der härtesten Gesteinsarten der Welt. Schätzungen zufolge umfasst die geheime Anlage ein automatisiertes Schienensystem, das durch Tunnel verläuft und Montagebereiche, Lagerstätten und versteckte Ausgänge miteinander verbindet. Sechs Mal wurde die Festung bereits angegriffen. Wurde dabei ein Eingang zerstört, wurde er innerhalb weniger Tage wieder aufgeräumt und neu gebaut. War ein Eingang nicht mehr zu retten, wurde an anderer Stelle ein bereits im Bau befindlicher Ausgang fertiggestellt und geöffnet.

Wie erst jetzt bekannt wurde, wurde vor einigen Monaten bei Netanyahu ein Prostata-Karzinom diagnostiziert. Aus Rücksicht auf den bereits laufenden Krieg gegen den Iran wurde die Diagnose nicht öffentlich gemacht, um, wie das Büro des PM mitteilte, „die Bevölkerung nicht zu beunruhigen.» Daher wurden weder der Zeitpunkt der Diagnose noch die Art und der Umfang der Behandlung bekannt.Vor zwei Jahren war bereits eine OP nach einer gutartigen Prostatavergrösserung vorgenommen worden.

Kein Ölfrachter, sondern die Yacht des russischen Oligarchen Alexei Mordashov durfte heute die Strasse von Hormus passieren.

Seitens des Iran wurde das Interesse an direkten Gesprächen abgelehnt. Der iranische Aussenminister Abbas Araghchi liess die Forderungen Teherans an die USA übermitteln. Trump hatte am Freitag gesagt, dass der Iran ein Angebot vorbereite, das sämtliche Forderungen der USA erfülle. Die Vereinigten Staaten haben vom Iran verlangt, sein angereichertes Uran aufzugeben und den freien Öltransit durch die Strasse von Hormus zu gewährleisten, sagte Trump gegenüber Reuters. Der Iran hat unterdessen Einwände gegen die US-Blockade erhoben, wobei Araghchi diese zuvor als ‘Kriegshandlung’ und als Verstoss gegen den Waffenstillstand bezeichnet hatte. Verteidigungsminister Pete Hegseth betonte, die Blockade werde sogar ausgeweitet. Jedes Schiff, das die Strasse passieren möchte, benötigt eine Bewilligung durch die USA. 34 Schiffe wurden bereits zurückgewiesen.

Nachdem der iranische Aussenminister Islamabad bereits wieder verlassen hat und sicher ist, dass es keine direkten Gespräche geben wird, hat Trump die geplante Reise von Kushner und Witkoff abgesagt. In seiner Plattform Truth Social schrieb er: «Wenn sie reden wollen, müssen sie nur anrufen. Ich habe gerade die Reise meiner Vertreter nach Islamabad, Pakistan, abgesagt, wo sie sich mit den Iranern treffen sollten. Zu viel Zeitverschwendung durch das Reisen, zu viel Arbeit! Ausserdem herrscht innerhalb ihrer ‚Führung‘ enormes Gerangel und grosse Verwirrung. Niemand weiss, wer das Sagen hat, nicht einmal sie selbst.  Ausserdem haben wir alle Trümpfe in der Hand, sie haben keine! Wenn sie reden wollen, müssen sie nur anrufen!!! Präsident DONALD J. TRUMP.» Gefragt, ob das nun die Wiederaufnahme der Kämpfe bedeute, sagte Trump: «Nein, das heisst es nicht. Wir haben darüber noch nicht nachgedacht.»

Der Iran schätzt die derzeitige Patt-Situation ganz anders ein. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums behauptet: «Die Vereinigten Staaten suchen nach einem gesichtswahrenden Ausweg aus dem Kriegssumpf, in dem sie gefangen sind.»

Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian rief die Bevölkerung dazu auf, den Stromverbrauch drastisch einzuschränken. Als Grund gab er an, dass die amerikanischen und israelischen Angriffe die entsprechende Infrastruktur stark zerstört hätten. «Was ist falsch daran, wenn ihr statt zehn Lampen in der Wohnung nur mehr zwei anzündet?»

Dutzende Demonstranten versammelten sich heute vor dem Haus des US-amerikanischen Botschafters Mike Huckabees, der sich derzeit in Washington aufhält. Sie fordern ihn auf, auf weitere Finanzierungen der Regierung abzusehen, die nur darauf abzielen, Netanyahu im Amt zu behalten. Diese Zahlungen würden seinen Machtanspruch zu Ungunsten von Stabilität und Sicherheitsansprüchen stärken. Die Demonstranten führten Banner mit sich, die verkünden: «Er (Netanyahu) hat euch in Gaza und dem Iran an der Nase herumgeführt.» Und auf einem weiteren, das Steine werfende Siedler zeigt «Nicht jüdisch – unamerikanisch».

In Teilen des Gazastreifens haben heute die ersten Kommunalwahlen seit Beginn des Krieges begonnen. In Deir el-Balah sind es die ersten Wahlen seit 20 Jahren. Es ist die erste Kommunalwahl, seit die Hamas im Jahr 2007 die Wahlen gewann und die Macht im Gazastreifen übernahm. Seither wurden alle politischen Ämter mit Hamas-Mitgliedern besetzt. Ob die Hamas das Wahlergebnis akzeptieren wird, ist völlig unklar.

Die Hisbollah feuerte vorgestern Abend eine Raketen-Salve auf die Ortschaft Shtula an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon ab. Daraufhin nahm die IDF Gebäude in Khirbet Selm und Touline unter Beschuss, die von der Hisbollah genutzt werden. Der Beschuss durch die Hisbollah kam unmittelbar, bevor Trump eine Verlängerung der Waffenruhe mit dem Libanon um drei Wochen bekanntgab. Allerdings hatte die IDF im Laufe des Tages verschiedene Ziele im südlichen Libanon angegriffen, bei denen mindestens drei Hisbollah Mitglieder eliminiert wurden. Die IDF gab an, dass alle grenzüberfliegenden Raketen erfolgreich abgefangen wurden.

Bei einem Angriff der IDF auf ein Auffanglager für Binnenvertriebene in Gaza erlitt ein Mädchen eine schwere Kopfverletzung durch einen Schuss und musste ins Krankenhaus evakuiert werden.

Erinnerungen an das Jahr 2018 wurden im Kibbutz Nir Oz wach, als zum zweiten Mal in dieser Woche Drachen aus dem Gazastreifen bei ihnen landeten. 2018 hatte eine Serie von Drachen, die mit Sprengstoffen beladen waren, ganze Felder in Brand gesetzt und grosse Schäden verursacht. Die Bewohner des Kibbutz sind besorgt, dass sich die Sicherheitslage für Siedlungen entlang des Gazastreifens nur unzureichend verbessert haben.

Auch vorgestern am späten Nachmittag wurden Soldaten der IDF in ihren Stellungen im Süden des Libanon von mit Sprengstoff beladenen Drohnen der Hisbollah angegriffen. Die Drohnen explodierten in der Nähe der Soldaten, richteten aber keinen Schaden an. Dieser Angriff stellt eine bedeutende Verletzung der bestehenden Waffenruhe dar.

Am Samstagnachmittag konnte die IDF eine aus dem Libanon anfliegende Drohne abschiessen und zerstören. Zuvor war der Alarm im westlichen Galil ausgelöst worden. Ein zweites, nicht identifiziertes Ziel konnte nicht geortet werden. Wahrscheinlich stürzte es ab, ohne Schaden anzurichten. Etwas früher am Tag waren zwei Raketen aus dem Libanon auf die nördliche Grenzregion abgeschossen worden. Eine von ihnen konnte zerstört werden, die zweite stürzte auf offenem Gebiet ab. Eine dritte Drohne näherte sich einem Militärposten im nördlichen Israel, gelangte aber nicht in den israelischen Luftraum.

Im Laufe des Tages konnte die IDF mehrere Terroristen im südlichen Libanon eliminieren. Der erste Angriff richtete sich gegen drei Männer, die schwer bewaffnet auf einem Pick-up innerhalb der Sicherheitszone unterwegs waren. Der zweite Angriff, ebenfalls innerhalb der Sicherheitszone, fand gegen zwei bewaffnete Männer statt.



Kategorien:Israel, Politik

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