Wajikra, Emor 21:1-24:23

14./15. Ijjar 5786                                                                  1./2. Mai 2026 

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         18:39

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                         19:59

Shabbateingang in Zürich:                                                                 20:19

Shabbatausgang in Zürich:                                                                21:31

Tage 30 und 31 des Omerzählens

Dieser Wochenabschnitt, der ziemlich genau die Mitte der Torah markiert, befasst sich hauptsächlich mit den Priestern. Ebenso detailliert, wie wir andere Vorgaben, wie den Bau und die Ausstattung des Stiftszelts, die Kleidung der Priester und die verschiedenen Opfer kennengelernt haben, lesen wir hier, welche besonderen Vorschriften für Priester gelten. 

Nicht erklärbar ist für das heutige Verständnis, dass der Priester «frei von körperlichen Gebrechen» sein muss, seien sie angeboren und chronisch, oder durch Unfall und Krankheit erworben und heilbar.

In Vers 21:22-23 steht zu lesen: «Doch darf er von der Speise seines Gottes, von den hochheiligen und heiligen Dingen essen, aber nicht zum Vorhang kommen und sich nicht dem Altar nähern; denn er hat ein Gebrechen und darf meine heiligen Gegenstände nicht entweihen; denn ich bin der Herr, der sie geheiligt hat.»

Heisst das, dass derjenige, der aus Altersgründen nicht mehr 100% gesund ist, körperlich oder geistig, vom Tempeldienst weggewiesen wird? Aufs Altenteil geschoben, wo er zwar ernährt wird, aber ansonsten für die Gesellschaft wertlos ist? Das kann nicht der Sinn dieser Vorschrift sein, denn in Vers 19:14 haben wir gelesen: «Du sollst einen Tauben nicht verfluchen und einem Blinden kein Hindernis in den Weg stellen; vielmehr sollst du deinen Gott fürchten. Ich bin der Herr.“ Wir dürfen also diese zunächst unverständliche Stelle so interpretieren, dass es darum geht, nicht in Versuchung zu geraten, die Beeinträchtigung des Betroffenen zu seinen Ungunsten auszunutzen. Denn auch wenn der Betroffene vielleicht nicht weiss, wer ihn verachtet oder lächerlich gemacht hat, oder ihn auch nur nicht ernst genommen hat, Gott weiss es. Den entsprechenden Hinweis darauf finden wir auch darin, dass er, im Gegensatz zu anderen Menschen, von den Opfergaben essen darf, die sonst nur den Priestern vorbehalten sind.

Dies ist nicht die einzige schwer verständliche Stelle im Wochenabschnitt Emor!

In den letzten Versen zwischen 24:10 – 23 lesen wir von einem dramatischen Vorgang. Moshe musste Recht sprechen über einen Mann, der den Namen Gottes lästerlich ausgesprochen hatte. Sein Richterspruch war klar: Auf die Schmähung des Gottesnamens steht die Todesstrafe, ebenso wie für die Ermordung eines Menschen. Ist der Tod als Strafe für eine Schmährede nicht sehr hoch? Unser grosser Weiser, Maimonides, schreibt in De’ot 7:3 „Es gibt drei Sünden, für die von einem Menschen in dieser Welt Vergeltung verlangt wird und für die ihm trotzdem ein Anteil an der zukünftigen Welt verweigert wird: Götzenanbetung, verbotene sexuelle Beziehungen und Mord. Lashon hara ist ihnen allen gleichwertig.“

Um uns selbst vor den Folgen der üblen Nachrede, der Schmährede gegen einen Menschen zu schützen, beten wir am Ende der Amida einen Text aus Psalm 34:14: „Bewahre meine Zunge vor Bösem und meine Lippen vor falscher Rede!“

Manchmal ist es sehr schwer, seine Zunge im Zaum zu halten. Natürlich werden wir heutzutage niemanden mehr zum Tode verurteilen, wenn ihm der Tatbestand der üblen Nachrede gerichtlich nachgewiesen werden konnte. In unserer modernen Rechtsprechung wird festgeschrieben, dass aus der üblen Nachrede, oder auch Verleumdung und Beschimpfung für den Betroffenen ernsthafter sozialer, beruflicher oder privater Schaden entstehen kann. Der Täter muss daher mit einer Gefängnisstrafe bis zu zwei Jahren oder einer nicht unbeträchtlichen Geldstrafe rechnen.

Wieviel besser ist es, die Situation gar nicht erst eskalieren zu lassen. Der Versuch ist es allemal wert!

Shabbat Shalom und am Montag in Israel einen fröhlichen Lag baOmer!



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