Krieg in Israel – Tag 734

17. Tishri 5786

Einav Zangauker vor der grossen Uhr am ‚Platz der Geiseln‘

Natürlich ist das alles beherrschende Thema heute: die Freilassung der Geiseln und ein Ende des Krieges. Im Laufe des Tages werden die Nachrichten hoffentlich konkreter werden.

Mit einer Verspätung von eineinhalb Stunden beginnt um 18:30 das Treffen des Sicherheitskabinetts in Jerusalem. Die Verspätung wird mit einer weiteren Diskussion begründet. Diese beschäftigte sich nochmals mit den Namen der palästinensischen Gefangenen. Um 20:00 soll sich das gesamte Kabinett treffen, um über die Vereinbarung abzustimmen. Es wird mit einer breiten Mehrheit gerechnet, obwohl sowohl Smotrich als auch Ben-Gvir verkündet haben, gegen den Plan zu stimmen. Die Sprecherin des Büros des PM verkündete am Nachmittag: «Alle Bedingungen des PM für ein Ende des Krieges sind jetzt erreicht.»

Ein Sprecher der Hamas, Osama Hamdam, erklärte gegenüber dem katarischen Fernsehsender Al-Araby, dass Marwan Barghouti, Ahmad Sa’adat, Ibrahim Hamed und Hassan Salameh zu den von Israel freizulassenden palästinensischen Gefangenen gehören. Alle vier sind zu mehrfach lebenslänglichen Strafen verurteilt und gehören zu den prominentesten Gefangenen. Bargouthi stand sogar einmal als Nachfolger von Mahmoud Abbas zur Diskussion. Wenig später schrieb ein weiterer Sprecher der Hamas, Mahmoud Mardawi, dass die endgültige Einigung über die Liste der palästinensischen Gefangenen noch nicht abgeschlossen ist. «Es sieht so aus, als ob Netanyahu versucht, das Waffenstillstandsabkommen zu sabotieren, bevor es angenommen wird. Er könnte die Liste ablehnen und damit sämtliche Vereinbarungen hinfällig machen.» Mittlerweile heisst es, die vier hochkarätigen Gefangenen sollen nicht ausgetauscht werden.Ich bin sicher, ich bin nicht die Einzige, die genau diese Bedenken teilt! Auch die Leichen von Yahya und Mohammed Sinwar werden derzeit zurückbehalten.

Bereits gestern Vormittag wurde klar, dass die Hamas wahrscheinlich nicht in der Lage sein wird, alle sterblichen Überreste der ermordeten Geiseln zu bergen. Entsprechend einer Meldung von CNN gehen drei israelische Quellen davon aus, dass die Zahl der nicht lokalisierbaren Leichen zwischen sieben und 15 variiert. Die Angaben basieren auf Erkenntnissen des Geheimdienstes, Aussagen der Hamas und der Mediatoren in den vergangenen Verhandlungsrunden. Die ungenannten Quellen betonten, dass Netanyahu seit Monaten von dieser Tatsache wusste. Auch in den USA war es seit geraumer Zeit bekannt, dass die Hamas über jene Geiseln, die sich in der Gewalt anderer Terror-Gruppen befanden, keine Informationen hatten. Inwieweit diese Unsicherheit Auswirkungen auf den endgültigen Inhalt der Vereinbarung hat, ist nicht bekannt.

Israel hat bisher den Tod von 26 der 48 Geiseln offiziell bestätigt. Derzeit scheint man sich darauf geeinigt zu haben, dass die Freilassung der etwa 2.000 palästinensischen Gefangenen dann beginnt, wenn alle Geiseln, soweit möglich, freigelassen wurden. Und dass die Hamas bestätigt hat, keine weiteren Leichen als Druckmittel zurückzuhalten.

Israel, die USA, Katar, die Türkei und Ägypten werden gemeinsam in einer ‘task force’ versuchen, die verstorbenen Geiseln in Gaza zu lokalisieren. Das teilte ein türkischer Beamter mit.

Nachdem die erste Runde der Vereinbarung offenbar unterschriftsreif ist, beginnt die IDF mit den Vorbereitungen zur Begrüssung der freigelassenen Geiseln. Sie werden im Re’im Camp nahe der Grenze von Gaza begrüsst werden. Dort stehen ausreichend Dusch- und WC-Anlagen zur Verfügung, Hygieneartikel und neue Kleidung werden abgegeben, leichte Erfrischungen werden angeboten, bevor sie zum ersten Mal nach mehr als 730 Tagen mit ihren Familien zusammentreffen. Die anschliessende medizinische Betreuung findet im ‘Rabin Medical Center’ statt, wo ein ganzer Flügel für sie bereitgestellt und vorbereitet wird. Auch die Särge der toten Geiseln werden hier eintreffen.

© yonatanlipo, Netzfund

Glaubt man den Worten von Erik Aasheim, dem Sprecher des ‘Nobel-Preis-Komitees’ so könnte der morgige Tag für Trump ein sehr bitterer werden. Das Komitee hat am Montag seine abschliessende Sitzung gehalten. Aasheim betonte gegenüber AFP, dass es entgegen anderslautenden Vermutungen einen Preisträger gibt. Zuvor hatte es bereits Überlegungen gegeben, in diesem Jahr die Verleihung aufgrund der weltpolitischen Lage zu sistieren. Trump hatte noch vor Kurzem erklärt, es sei eine grosse Beleidigung für die USA, wenn er den Preis nicht erhält. «Wirst du den Nobelpreis bekommen?» «Auf keinen Fall. Sie werden ihn irgendeinem Typen geben, der überhaupt nichts geleistet hat. Das wäre eine grosse Beleidigung für unser Land, das kann ich dir sagen. Ich will ihn nicht, ich will, dass das Land ihn bekommt», fügte er hinzu. «Es sollte ihn bekommen, denn so etwas gab es noch nie zuvor.» Aasheim ist sicher: «Trump wird ihn in diesem Jahr nicht bekommen.»

Die Siedlerfreunde können gar nicht schnell genug in den Gazstreifen eindringen!

Die IDF bereitet sich auf den graduellen Rückzug aus Gaza vor. Es wird erwartet, dass bis zum Wochenende die Hamas wieder die Kontrolle über die grösseren Städte hat. Zunächst werden die Versorgungseinheiten aus Gaza-City auf israelisches Territorium zurückgezogen, anschliessend wird die Zahl der nicht kämpfenden Truppen reduziert. Die kämpfenden Truppen werden stufenweise abgezogen. Es wird auch erwartet, dass Tausende Reservisten aus dem Dienst entlassen werden. Ähnlich wird ab der kommenden Woche der Rückzug aus der Region um Khan Younis vor sich gehen. Wie sich die neue Sicherheitszone um den gesamten Gazastreifen gestalten wird, muss ebenfalls neu definiert werden. Ranghohe IDF-Mitglieder befürchten, dass sich die Hamas in dem Moment, in dem der Rückzug abgeschlossen ist, neu organisieren wird. Noch ist der Norden des Gazastreifens allerdings ein aktives Kampfgebiet. Die IDF warnt deshalb die Zivilisten, die aus dem Süden wieder in den Norden zurückkehren wollen und stoppt diejenigen, die sich trotzdem auf den Weg machen, notfalls mit Warnschüssen.

VM Katz instruierte die IDF bei einer Lagebesprechung, «sofort und mit aller Härte» zu reagieren, wenn die Hamas oder eine andere Terror-Organisation die IDF bedrohen oder angreifen sollte. Sein Büro erklärte: «Die Sicherheit der IDF-Soldaten ist in der derzeitigen Situation von allergrösster Bedeutung.»

An Bord der zweiten Flotilla, die Israel ohne grosses mediales Aufsehen gestern stoppte, befanden sich auch mindestens zwei israelischen Bürger. Sie erhielten, anders als die Aktivisten anderer Staaten, keine Unterstützung durch offizielle Stellen. Sie wurden nach der Übernahme der Flotilla durch die Marine sofort in Untersuchungshaft genommen und werden in den kommenden Tagen angeklagt werden.



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