18./19. Tishri 5786 10./11. Oktober 2025
Shabbateingang in Jerusalem: 17:33
Shabbatausgang in Jerusalem: 18:48
Shabbateingang in Zürich: 18:29
Shabbatausgang in Zürich: 19:31

Der heutige Shabbat ist der vierte Tag des sieben Tage dauernden Sukkot-Festes, das am kommenden Montagabend endet, bzw. in den letzten Feiertag dieses Zirkels, Simchat Torah, übergeht. In Israel werden beide Tage, Shmini Azeret, das Schlussfest und Simchat Torah, das Freudenfests der Torah gemeinsam an einem Tag gefeiert, ausserhalb Israels gelten beide Tage als Feiertage.
An den ersten zwei Tagen haben wir aus zwei Torah-Rollen gelesen, aus der zweiten nur wenige Sätze. Schmot, 29, 13 – 39: „Ihr sollt ein Brandopfer darbringen, als Feueropfer, als beruhigenden Duft für den Herrn. Dreizehn Jungstiere, zwei Widder und vierzehn fehlerlose einjährige Lämmer sollen es sein.“ In den folgenden Versen heisst es weiter, dass mit jedem Tag eine absteigende Anzahl von Stieren geopfert werden sollen. Am heutigen vierten Tag also zehn Stiere, die Zahl der Widder und Lämmer bleibt unverändert. Am siebten Tag werden sieben Stiere, zwei Widder und vierzehn Lämmer geopfert. Wer mitgerechnet hat, wird zum Ergebnis kommen, dass im Laufe dieses Feiertages 70 Stiere, die kostbarsten aller Opfertiere, geopfert wurden.
Diesen Text finden wir auch im Talmud Kapitel 5 Sukka 55b. Rabbi Eliezer erklärte die Frage, warum gerade 70 Stiere geopfert werden. Die 70 Stiere stehen für die 70 Nationen, die damals bekannt waren. An Yom Kippur bekennen wir unsere Sünden im Plural, also im Kollektiv für alle. Das heisst, an diesem Tag bitten wir auch um Vergebung für die bekannten 70 Völker. Das ist spannend, in unseren Gebetbüchern findet man kaum ein Gebet für andere Völker. Mit der Ausnahme, dass sich in der Amida nach dem Gebet für den Staat Israel auch ein Gebet für das jeweilige Land findet.
Wie aber kann man dann den einen Stier einordnen, der am achten Tag geopfert wird? Der steht, so Eliezer, für die eine einzige Nation. Für die Juden, in Israel und in der Diaspora.
Sukkot und vor allem Simchat Torah wird für uns Juden seit dem Jahr 2023 für immer belastet sein mit der Erinnerung an das grausame Massaker, das die Hamas im Süden des Landes ausübte. Dem Ereignis, das zum grössten Mord an Juden seit der Shoah führte. Nur wenige Stunden nach dem Massaker, das ganz Israel traumatisierte, begannen weltweit antisemitische Angriffe. Der Antisemitismus zeigt seither wieder ungehindert und meist auch ungestraft seine grausame Fratze.
Die Hoffnungslosigkeit und auch die Wut der Hilflosigkeit machten sich angesichts der immer noch 48 in Gaza unter grauenhaften Bedingungen festgehaltenen Geiseln unter den Juden in Israel und in der Diaspora breit.
Doch an diesem Shabbat, dem vierten Tag des Sukkot Festes 5786 dürfen wir Hoffnung schöpfen. Wir dürfen hoffen, dass in den kommenden Tagen noch vor dem achten Tag, vor Simchat Torah, die Geiseln freigelassen werden.
Auch wenn vielleicht einige von ihnen nur heimkehren, um einmal noch ihre Liebsten in den Arm zu nehmen und sich dann zu verabschieden. Selbst das wäre das grösste Geschenk für ihre Familie, Freunde, Partner.
Ich wünsche von ganzem Herzen, dass ihnen dieses Geschenk gewährt wird.
Chag Sukkot Sameach, Gmar Chatima Tova und Shabbat Shalom
Kategorien:Religion
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