18. Tishri 5786

Auch heute muss die IDF leider kurze Zeit vor Beginn des Waffenstillstands noch den Tod eines Soldaten bekannt geben. Sgt. First Class (res.) Michael Mordechai Nachmani, 26, s’’l, wurde Opfer eines Scharfschützen-Angriffs. Hoffentlich wird er der letzte israelische Soldat sein, der in diesem Krieg sein Leben verlor.

Kurz nach Mitternacht wurde das Dokument, das die erste Phase des Waffenstillstands markierte, unterzeichnet. Einige rechte Minister haben gegen die Annahme des Trump-Plans gestimmt.

Am Mittag hat die IDF vertragsgemäss ihren Rückzug auf eine vereinbarte Linie abgeschlossen. Damit beginnen die 72 Stunden, innerhalb derer alle Geiseln, die lebenden und die toten freigelassen, resp. an Israel zurückgegeben werden müssen. Erstmals seit der Waffenruhe vom Januar wurden in Gaza wieder Hamas-Sicherheitskräfte gesichtet, die für Ruhe und Ordnung sorgen sollen.

Heute ist Jahrzeit des am 18. Tishri des im Jahr 5785 verstorbenen Rabbiner Prof. Walter Jacob s’’l. Er war Gründer und langjähriger Präsident des Abraham-Geiger-Kollegs in Potsdam. Mit dem Abraham-Geiger-Kolleg wurde die erste liberale Rabbinerausbildung nach der Shoah in Europa wieder aufgenommen. Die Absolventen können nach dem Abschluss ihrer Ausbildung und Ordination durch die Anerkennung der ‘World Union for Progressive Judaism’ weltweit arbeiten. Auch wenn sich mittlerweile der ‘Zentralrat der Juden in Deutschland’ um einen zweiten Ausbildungsplatz bemüht hat, werden die Absolventen dieses Instituts ihre Arbeitsplätze nur in Deutschland finden. Rabbiner Jacob hat dem liberalen Judentum durch die Gründung des Kollegs zu einem hohen Stellenwert innerhalb der jüdischen Welt verholfen.
Ein israelisches Verhandlungsteam, zu dem aber keiner der Top-Verhandler gehört, bleibt bis auf Weiteres in Ägypten, um die zweite Phase der Verhandlungen zum Waffenstillstand vorzubereiten.
Das ‘Hamas Ministerium für Gefangene’ erklärt, dass sie die Liste mit den Namen der freizulassenden Gefangenen noch nicht unterschrieben haben. Es konnte bisher keine Einigung mit Israel über die Namen erreicht werden.




Auch IDF-Sprecher dürfen in diesem Moment Emotionen zeigen. Effie Defrin erklärt bei einer Pressekonferenz, dass der Waffenstillstand im Gazastreifen «ein emotionaler Moment für das israelische Volk und für die IDF-Truppen und Soldaten ist, die in den letzten zwei Jahren mit Mut, Tapferkeit und aus einem Gefühl der Berufung und Hingabe gekämpft und gehandelt haben.» Die Soldaten werden alles tun, so betonte er, um auf jede Bedrohung zu reagieren und keine Risiken eingehen. «Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um die Sicherheit der Bewohner des westlichen Negev, des Südens und des gesamten Landes zu schützen», sagt er. «Am Morgen von Simchat Torah, vor zwei Jahren, am 7. Oktober, wurde der wichtigste Vertrag mit den Bürgern Israels gebrochen. Wir waren in der schwierigsten Zeit für die israelischen Bürger nicht für sie da.»
Der Fussgänger-Grenzübergang in Rafah wird in der kommenden Woche wieder eröffnet. In Absprache mit Trump und koordiniert mit der EU wird der Übergang alternierend in jeweils eine Richtung geöffnet sein. Israel hat zugesagt, die weitgehend zerstörte Infrastruktur so schnell wie möglich wieder herzustellen. Ab diesem Termin sollen nicht nur Patienten den Übergang uneingeschränkt benutzen können, sondern auch jeder andere, der nach Ägypten einreisen und vielleicht von dort weiter ausreisen will.
Nachdem der Waffenstillstand oder besser die Waffenruhe, seit dem Mittag gilt, hat die IDF bekannt gegeben, dass jene Gazaner, die dies wünschen, vom Süden in den Norden zurückkehren dürfen. Sie müssen sich allerdings an vorgegebene Strassen halten und dürfen sich unter keinen Umständen israelischen Truppen nähern. Die IDF hat nach wie vor die Kontrolle über 53 % des Gazastreifens, hauptsächlich ausserhalb der grossen Städte. Die Truppen halten sich entlang der Rückzugslinie an ausgewiesenen Orten auf. Insbesondere der Aufenthalt in Beit Hanoun, Beit Lahiya, Sheyayia im Norden des Landes ist für Zivilisten nach wie vor extrem gefährlich. Im Süden gilt die Warnung für Rafah, den Philadelphi-Korridor und das Gebiet von Khan Younis.

Sowohl im Krankenhaus als auch im Re’im Center ist alles für den Empfang und die Betreuung der freigelassenen Geiseln vorbereitet. In Re’im kann man bis zu 20 Freigelassene gleichzeitig betreuen und ihnen Raum und Zeit für ein erstes Treffen mit der Familie geben. Jene Freigelassenen, die eine sofortige medizinische Behandlung brauchen, werden sofort mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Für den Empfang der nicht mehr lebenden Geiseln wird eine kurze Zeremonie mit einem Militärrabbiner in Gaza stattfinden, bevor sie zur Untersuchung in das forensische Institut gebracht werden.

Soeben wurde veröffentlicht, dass der Friedens–Nobel-Preis nicht an Trump, sondern an die venezolanische Oppositionsführerin Maria Corina Machado ging, der ich von Herzen zu dieser wohlverdienten Auszeichnung gratuliere. Steven Cheung, Sprecher des WH schrieb auf ‘X’: «Präsident Trump wird weiterhin Friedensabkommen schliessen, Kriege beenden und Leben retten. Er hat das Herz eines Humanisten, und es wird niemals jemanden wie ihn geben, der mit seiner blossen Willenskraft Berge versetzen kann. Das Nobelkomitee hat bewiesen, dass es Politik über Frieden stellt.» Ich schenke es mir jetzt, meine ganz persönliche Meinung über den Charakter und den ‘Humanismus’ von Trump zu schreiben.
Trump wird am Montagvormittag in Israel ankommen. Vom Flughafen aus wird er direkt zur Knesset fahren, wo er auf Einladung von Knesset-Sprecher Ohana und Netanyahu sprechen wird. Aus Sicherheitsgründen wird er nicht wie geplant, den Platz der Geiseln besuchen, auch ein Besuch an der Kotel ist aus dem Programm gestrichen. Offenbar wird er unmittelbar nach der Rede in der Knesset gegen 14 Uhr wieder Richtung Washington abfliegen.
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