Bereshit, Wajechi, 47:28-50:26

ב“ה

13./14. Tewet 5786                                                                     2./3. Januar 2026 

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         16:07

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        17:27

Shabbateingang in Zürich:                                                                 16:29

Shabbatausgang in Zürich:                                                                17:40

Mit dem heutigen Wochenabschnitt endet das erste Buch von Moshe, ebenso wie  die grossen Lebensgeschichten unserer Vorväter.

Ja‘cov waren in Goschen, dem Teil des Landes, das ihnen Pharao zugewiesen hatte, noch 17 Jahre im Kreise seiner stets grösser werdenden Familie vergönnt. Als seine Lebensflamme schwächer wurde, rief er seinen Lieblingssohn Josef, den er so lange hatte vermissen müssen, zu sich. Er liess ihn schwören, ihn nicht in Ägypten, sondern in der Heimat beizusetzen. Ägypten war ihm innerlich fremd geblieben. Auch sein Sohn Josef wird später die Bitte äussern, in Kanaan beigesetzt zu werden. Obwohl er so viel Erfolg in Ägypten gehabt hatte, war auch er dort ein Fremder geblieben.

Josef brachte Efraim und Menasche die erstgeborenen Söhne seiner ägyptischen Frau Asenath zu ihm. Ja‘acov zeichnete sie durch seine letzten Worte aus und stellte sie seinen eigenen Söhnen, Reuven und Shimon, den erstgeborenen Töchtern seiner Frau Lea gleich. Der Erbteil Josefs sollte, so war es sein Wunsch, nicht an diesen, sondern zu gleichen Teilen an seine Söhne übergehen.

An dieser Stelle wiederholt sich ein Teil der Geschichte. Nach der unseligen, tödlich endenden Beziehung zwischen Kain und Hevel, nach den Halbbrüdern Yitzhak und Ishmael, die sich erst im Erwachsenenalter kennenlernten, nach Ja‘acov und Esav, die um die Liebe des Vaters buhlten, ist es jetzt wieder ein Brüderpaar, das kurz in den Mittelpunkt des Geschehens tritt.

Josef hatte unter seinen Brüdern gelitten. Jetzt erfährt er späte Genugtuung. Seine erstgeborenen Söhne sollen die gleichen Erbansprüche wie seine beiden ältesten Brüder erhalten. Um ihnen den Segen seines Vaters zukommen zu lassen, stellte er sie so neben sich, dass der Vater die Segen altersentsprechend spenden konnte. Doch der kreuzte seine Arme und gab den Segen des Erstgeborenen dem Jüngeren und umgekehrt. Ja‘cov bestätigte ausdrücklich, dass er wisse, was er tue und dass Efraim der Mächtigere von beiden sein werde. Erstaunlich ist, dass Ja‘acov die beiden Jungs, die Söhne einer Ägypterin sind, ohne Problem als seinen Nachfolgestämmen zugehörig anerkennt. Aus heutiger Sicht wären sie ‚Vaterjuden‘, Kinder, denen heute immer noch grosse Steine in den Weg gelegt werden, wenn sie als Juden anerkannt werden wollen. Viele Flüchtlinge aus dem ehemaligen Russland und der Ukraine können in Israel ein Lied davon singen.

Mit der Prophezeiung, dass Gott sie alle in das Land ihrer Väter zurückbringen werde und nachdem er nochmals alle seine Söhne angesprochen und gesegnet hatte, verstarb Ja’acov  im Alter von 147 Jahren. Er wurde, so wie er es sich gewünscht hatte, in der Höhle Machpela beigesetzt. An dieser Stelle erfahren wir erstmals, dass es der Plan Gottes ist, dass die Kinder Israel, die zukünftigen Stämme, wieder in die alte Heimat zurückkehren werden.

Erst dann, nachdem der gesamte Familien-Clan nach der Beisetzung wieder in Ägypten ankam, finden die Brüder den Mut, Josef um Vergebung zu bitten. An dieser Stelle lernen wir einen ganz anderen Josef kennen. Einen Mann, der sich, gereift an Jahren und gewachsen am Leben, nicht mehr als den Nabel der Welt sieht, als den er sich früher sah. Er sieht sich nicht mehr als den Mann, vor dem seine Brüder und sein Vater sich verneigen mussten, wie er es in einem frühen Traum gesehen hatte.

Ganz demütig kann er jetzt zugeben, das Verbrechen an ihm sei zwar für ihn traumatisch gewesen, aber er habe erkannt, dass es Gottes Plan entsprach.

Als er im Alter von 110 Jahren starb, hatte er noch zwei Generationen nach ihm heranwachsen sehen. Die göttliche Prophezeiung, Avraham und seine Nachkommen zu einem grossen Volk werden zu lassen, hatte sich bei seinen Nachkommen erfüllt.

Mit diesem Wochenabschnitt endet die grosse Familiensaga unserer Vormütter und Vorväter. Die Familiensaga, die voll von Liebe ist, voll von Vertrauen zu Gott. Die Saga, die aber auch die grossen Dramen beinhaltet, Brudermord, Betrug, Tricks, Neid und Eifersucht. Eifersucht und Neid war das grosse Thema zwischen Sara und Hagar, den Frauen zur rechten und linken Hand Avrahams. Eifersucht und Neid waren auch das grosse Thema zwischen Lea und Rahel, die im Wettstreit miteinander lagen, wer mehr Babys bekommen würde. Eifersucht und Neid auch in der nächsten Generation. Die Brüder, die den smarten Josef beneideten und nicht davor zurückschreckten, sein Leben zu beenden.

Manchmal müssen wir uns fragen, wie es bei diesen allzu menschlichen Beziehungskrisen überhaupt möglich war, dass die Familiensaga sich so entwickeln konnte.

Es gibt eine ganz einfache Antwort. Alles, was geschah, lag im Plan Gottes. Und im Vertrauen der Menschen darauf, dass Gott wohl am besten wisse, welcher noch so verschlungene Weg für sie der Beste sein würde.

Shabbat Shalom!



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