Schmot, Ki Tisa 30:11 – 34:35

17./18. Adar 5786                                                             6./7. März 2026 

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         17:01

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        18:01

Shabbateingang in Zürich:                                                                 18:00

Shabbatausgang in Zürich:                                                                19:05

Moshe ist wieder auf dem Berg Sinai. In Vers 24:18 haben wir gelesen, dass er sich für eine lange Zeit, während 40 Tagen und Nächten, von den Kindern Israel entfernte. Nur sein Diener Joshua war bei ihm. Die Ältesten hatte er zusammen mit seinem Bruder Aaron am Fusse des Berges zurückgelassen.

Zuvor wurde Moshe aufgefordert, die Zahl der Kinder Israels zu erfassen. Dieses Mal nicht nur aus rein statistischen Gründen, sondern weil Gott von ihnen eine Abgabe verlangt, die „für den Dienst im Mishkan, dem Stiftszelt, verwendet werden soll“ Für Personen über 20 Jahren wurden etwa fünf bis sechs Gramm Silber eingehoben, das entsprach einem halben Schekel. Das Geld war zweckgebunden und sollte der Ausstattung des Mischkan dienen.

Ist das der Vorläufer dessen, was wir heute als Mitgliedsbeitrag für unsere Gemeinden zahlen müssen? Ich bin geneigt, es so zu verstehen. In Vers 30:15 steht allerdings ein interessanter Satz: „Der Reiche soll nicht mehr und der Arme nicht weniger als einen halben Schekel geben.“

Schauen wir doch einmal, wie das heutzutage gehandhabt wird. In der Schweiz muss jedes Gemeindemitglied die Steuererklärung vorlegen und wird entsprechend eingeschätzt. In Österreich zahlt man unabhängig vom Einkommen einen bestimmten festen Betrag, der vom Staat eingehoben und weitergeleitet wird. In den Gemeinden in Israel wird der Betrag vom Vorstand der Gemeinde festgesetzt und muss direkt bezahlt werden.

In den Augen Gottes ist jeder Mensch gleich viel wert, unabhängig von seinem Einkommen oder seinem Vermögen. Ein wichtiger Hinweis, der heute leider immer mehr an Bedeutung verloren hat.

Im Folgenden regt Gott an, wie das Geld verwendet werden soll. Wer sich aber unbedacht privat an den Wohlgerüchen bedient, der wird ein ernstes Problem mit Gott bekommen.

Moshe wähnt seine ihm Anvertrauten in bester Betreuung. So nimmt er die beiden Gesetzestafeln, die Gott ihm übergibt, in Empfang und macht sich auf den mühsamen Abstieg. Auf den Tafeln hatte Gott selbst das Gesetz, die zehn Gebote des göttlichen Vertrages geschrieben. Moses war sich bewusst, dass es ein unglaubliches Geschenk war, das er in seinen Händen hielt.

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Doch was musste er sehen, als er den Lagerplatz der Kinder Israel erreichte? Ein goldenes Kalb, gegossen aus dem Gold, das die Frauen den Ägypterinnen vor der Flucht abgenommen hatten. In Vers 11:2 haben wir gelesen: „Jeder Mann und jede Frau soll sich von dem Nachbarn Geräte aus Silber und Gold erbitten.“ Auch das ist wieder ein Beweis, dass Gott nie etwas ohne Grund, ohne lang angelegten Plan tut. Er wusste, dass sie vom noch jungen und nicht gefestigten Glauben abfallen würden, gerade in dem Moment, in dem er ihnen ein grossartiges Geschenk machte. Er wusste, dass er sie hart würde strafen müssen, um ihnen ihre Schuld gegen ihn vor Augen zu führen. Aber er wusste auch, dass er sie, nachdem Moshe sich für sie einsetzte, ent-schulden würde.

Gott ist fair, auch wenn er für den Moment seine Gegenwart vom Mishkan abzog. Statt von ihm selbst wurden die Kinder Israel auf ihrer Wanderung nun von einem Engel begleitet. Zu gross war sein Ärger und seine Enttäuschung. Er nennt sie „das halsstarrige Volk“, ein Vorwurf, den er im Laufe der zukünftigen Wanderung noch mehrfach aussprechen wird. Halsstarrig sind wir bis heute.

Moshe aber baute den Mishkan ab und stellte ihn in einiger Entfernung vom allgemeinen Lager wieder auf. Immer wieder ging er dorthin. Sobald sich die Wolkensäule senkte, wusste er, Gott war dort und erwartete ihn. Moshe war besorgt, dass Gott seine Hand völlig von ihnen abziehen wird, doch Gott beruhigte ihn, er könne ihn zwar nie von Angesicht zu Angesicht sehen, nur seinen Rücken dürfe er anschauen. Und er sagte dem verzagten Moshe etwas sehr Tröstliches: „Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will.“

Gott rief Moshe wieder zu sich auf den Berg, um dort den Bund zwischen sich und den Kindern Israel zu erneuern. Aber dieses Mal war es nicht der göttliche Finger, der die Tafeln beschrieb, die Moshe zugehauen hatte. Es war die Hand von Moshe.  Das Geschenk des Bundes war deshalb nicht weniger wert. Wieder blieb Moshe vierzig Tage und Nächte auf dem Berg, bevor er wieder zurückkehrte. Erst jetzt, nachdem Gott ihnen vergeben hatte, durften die Kinder Israel die Worte erfahren, die er Moshe diktiert hatte und die den erneuerten Vertrag enthielten.


Erst jetzt, nach Tagen der Ungewissheit, Angst und Hoffnungslosigkeit, waren sie bereit, sich auf das Leben mit Gott einzulassen.

Auch in dieser modernen Zeit, in der wir glauben, alles analysieren, hinterfragen und interpretieren zu müssen, ist es eine Herausforderung. Es braucht Mut und Hoffnung, dass wir uns darauf einlassen können. Gerade heute wieder, gerade zu Zeiten, in denen wir uns wieder im Kampf gegen eine tödliche Bedrohung durch den Iran befinden,  ist die Sicherheit, dass Gott hinter uns steht, unglaublich beruhigend.

Shabbat Shalom



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