Krieg gegen Iran – Tage 196/197 seit dem Beginn der Kämpfe

1./2. Tischrei 5687

Als ich am Samstagvormittag virtuell den Rosh HaHana Gottesdienst in der ‘West London Synagoge’ im Livestream besuchte, erzählte  Rabbi David Mitchell höchst spannend, mit humorvollen Anteilen und doch sehr ernsthaft über den stärker werdenden Antisemitismus in GB. Er erzählte von den 12 Mitgliedern seiner Familie, die im vergangenen Jahr Aliyah nach Israel gemacht haben. Er erzählte, dass er immer wieder hören würde, dass die aktuelle Zeit für Juden an die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts erinnern würde, als ‘die Schrift an der Wand stand’ und viele, viel zu viele, sich weigerten, sie zu sehen. Viele Menschen, auch Mitglieder der Gemeinde, hätten gefragt, ob es wieder Zeit sei, zu gehen. Er erzählte von seinen Erfahrungen der letzten 15 Jahre, als er sich auf den Weg zur Synagoge machte. Es gab nur wenige, an einer Hand abzuzählende antisemitische Anwürfe. Aber andere Angriffe hat es mit schönster Regelmässigkeit gegeben. Londons Tauben hätten sich immer wieder seine Kippa als Ziel für ihre Hinterlassenschaft ausgesucht….  Er gab der Gemeinde ein Versprechen: Wenn er das Gefühl hätte, dass die Zeit zum Auswandern gekommen sei, werde er eine entsprechende Predigt halten. Aber so schloss er: Wir alle seien noch Lichtjahre davon entfernt.

Bis Dienstagabend hatten alle Parteien, die am 27. Oktober bei den israelischen Wahlen teilnehmen werden, ihre definitiven Wahllisten bei der Wahlkommission unter dem Vorsitz von Noam Sohlberg eingereicht. Nach diesem Zeitpunkt können sich die Parteien noch auf eine gegenseitige Regelung möglicher Überhangmandate einigen. Damit sollen alle Stimmen ‘eingesammelt’ werden. Bisher wurden drei solche Vereinbarungen abgeschlossen: Gadi Eisenkot mit Yair Golan und Naftali Bennett/Yair Lapid mit Avigdor Liberman. Am Samstag gaben auch die Vorsitzenden der arabischen Parteien ‘Ra’am’ und ‘Joint List’ gemeinsam mit ‘Chadash/Ta’al/Balad’ bekannt, eine solche Vereinbarung unterzeichnet zu haben. Insgesamt treten im Oktober 38 Parteien an, die meisten ohne Chance.

Der libanesische Präsident Joseph Aoun verspricht bei einem überraschenden Besuch im Süden des Landes, für den vollständigen Abzug der IDF zu sorgen und das Gebiet wieder aufzubauen. Der Besuch folgte einer Ankündigung, wonach die für die kommende Woche geplante bilaterale Gesprächsrunde auf Ende Oktober verschoben wurde. «Wir stehen an eurer Seite und prüfen, wie wir alle notwendigen Leistungen bereitstellen können, damit ihr sicher hierbleiben könnt», sagt er laut einer Verlautbarung des Präsidialamtes. «Der Rückzug Israels, die Rückkehr der Gefangenen und Vertriebenen sowie der Wiederaufbau sind nationale Grundsätze, zu deren Umsetzung sich der Staat verpflichtet hat.»

Rosatom, die russische Nuklear-Kooperation, plant, die Zahl seiner Spezialisten im iranischen Buschehr auf 150 zu erhöhen. Rosatom baut derzeit zwei neue Einheiten in Busher, nachdem es Hunderte Mitarbeiter der Nuklearanlage zu Beginn des Krieges evakuiert hatte.

Am 9. September des Vorjahres flog Israel einen Angriff auf Doha. Dort fanden Verhandlungen über einen möglichen Waffenstillstand und die Freilassung der israelischen Geiseln im Gazastreifen statt. Sechs Menschen wurden bei dem Angriff auf einen Gebäudekomplex getötet, darunter fünf hochrangige Mitglieder der Hamas. Der Angriff musste aus israelischer Sicht als Misserfolg gewertet werden, denn die Verhandlungen wurden fortgesetzt. Katar bezeichnete den Angriff als «Staatsterrorismus»; Trump erklärte, er sei «von der ganzen Situation nicht begeistert.» Kushner, der sich derzeit in der Ukraine aufhält, erklärte in einer Videoansprache: «Israel hat den Angriff auf Doha durchgeführt, was eine schreckliche Sache war. Als militärische Operation war er erfolglos, was dazu führte, dass Israel weltweit isoliert wurde. Diese Dynamik haben wir genutzt, um Israel zu einer Einigung zu drängen, mit der sie heute durchaus zufrieden sind“, so Kushner. «Letztendlich hat sich das als grossartig für sie und grossartig für die Menschen im Gazastreifen herausgestellt.» Das klingt genauso, als hätte Trump ihm die Nachricht vorgegeben. Was ist an der jetzigen Situation in Gaza ‘grossartig’? Nichts, überhaupt nichts. Im Gegenteil. Aber das passt eben nicht zum rosagefärbten Narrativ, das Trump immer wieder proklamiert. 

Nachdem die USA am Dienstag den Rohöltanker ‘Riesco’ beschossen und zum Sinken gebracht hatten, schwimmt auf der Straße von Hormus ein Ölteppich, der sich rasch vergrössert. Am Mittwoch betrug die Fläche noch 200 km², am Donnerstag bereits 400 km². Das zeigen Satellitenbilder von Copernicus. An dieser Stelle, wo sich jetzt der Ölteppich befindet, wurde die ‘Riesco’ letztmals geortet. Nach eigenen Angaben hatten die USA am vergangenen Samstag drei und am Dienstag nochmals fünf Tanker, darunter die ‘Riesco’, angegriffen. Solange das Öl auf dem offenen Meer treibt, ist es ungefährlich. Anders, wenn das Rohöl auf Land trifft. Auf der iranischen Seite der Strasse von Hormus befindet sich ein von vielen Tierarten und Pflanzen belebtes Schutzgebiet. Dort und im Naturschutzgebiet Musandam an der Spitze der VAE könnte das Meeresökosystem grossen Schaden erleiden.

© Netzfund Jorge Morais

Trump sieht sich wieder einmal als den grossen Visionär. Gefragt, was er vom für Montag geplanten Treffen des Irans und der Golfstaaten in Oman hält, orakelte er: «Das ist mir egal. Das ist ihre Sache. Der Iran-Konflikt wird direkt nach den Midterms enden – vielleicht sogar schon vorher –, aber er wird direkt nach den Midterms enden. Die Benzinpreise werden wie ein Stein fallen», sagt Trump. «Ich sage Ihnen eins: Der Iran will unbedingt einen Deal abschliessen. Sie rufen ständig an. Sie wollen einen Deal abschliessen. Sie müssen den richtigen Deal machen. Ich werde keinen Deal abschliessen, der nichts taugt», fügt er hinzu. Trump träumt wieder. Seitens des Irans kommen regelmässig ganz andere Botschaften. Sie betteln nicht um einen Deal, sondern stellen knallharte Forderungen, die, wenn ihnen nachgegeben wird, eine Kapitulation der USA bedeuten. Dieses Wort kommt im Sprachschatz Trumps nicht vor.

Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian meldete sich aus New Delhi zu Wort: «Wir sind übereingekommen, dass wir mit den VAE ein neues, gemeinsames Kapitel aufschlagen wollen. Wir hatten einen konstruktiven Austausch mit dem Kronprinzen von Abu Dhabi», sagte Massoud Pezeshkian einen Tag nach einem Treffen mit Scheich Khaled Bin Mohamed Bin Zayed Al Nahyan in Indien am Rande des BRICS-Gipfels. «Es wurde vereinbart, dass wir ein neues Kapitel aufschlagen, in die Zukunft blicken und sie gemeinsam gestalten.»

Der Militärsprecher der Houthi-Terroristen, Jahja Saree, erklärte am Sonntagvormittag, die Houthis hätten einen saudi-arabischen Armeestützpunkt mit Drohnen und Raketen angegriffen. Diese Angriffe hätten Waffendepots sowie Kommando- und Kontrollzentren gegolten. Mit diesen neuen Angriffen wird die Situation für Saudi-Arabien immer schwieriger. Die jemenitische Regierung bedauert, bekanntgeben zu müssen, dass die Houthi-Terroristen nicht nur die gesamte jemenitische Küste am Roten Meer unter ihrer Kontrolle haben, sondern auch die Meerenge Bab al-Mandab. Damit kontrolliert sie die Passage vom Golf von Aden ins Rote Meer. Die Auswirkungen auf den Ölpreis sind noch nicht absehbar. Er wird aber sicher deutlich ansteigen. 

Die verstärkten Angriffe der Houthis auf saudi-arabische Ziele bereiten Trump und den Midterms am 3. November 2026 grosse Unsicherheit. Am Donnerstag hat Trump auf zwei Anrufe des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman negativ reagiert. Trump hat ihm seine Hilfe im Kampf gegen die Houthis verweigert. «Ich habe derzeit keine Absicht, eine Militäraktion gegen die Houthis zu lancieren.» Auf der einen Seite will er sich als Präsident der Stärke präsentieren, der amerikanische Interessen, Verbündete in der Region und Handelswege schützt. Lässt er Saudi-Arabien im Stich, zeigt er Schwäche. Reagiert er militärisch, muss er seiner Basis erklären, warum er sich erneut in einen kostspieligen Krieg hineinziehen lässt. Verliert er aber, was zu erwarten ist, die Midterms, so steht seine weitere Regierungszeit unter einem schlechten Stern, der ihn zunehmend abhängig vom Senat und dem Repräsentantenhaus macht.

Bei einem Zusammenstoss zwischen Palästinensern und jüdischen Siedler-Terroristen in der Nähe von Faqu’a bei Jenin gab die IDF zunächst Schüsse in die Luft ab, um die Gruppen voneinander zu trennen. Anschliessend schossen sie einen Palästinenser gezielt in den Fuss. Der Vorfall wurde von einem Palästinenser gefilmt und ins Netz gestellt. Damit ist klar, dass der betroffenene Palästinenser weder Steine warf noch sonst eine Gefahr für die Soldaten darstellte. Der Vorfall wird untersucht.

https://x.com/Yossi_eli/status/2098704097071247820/video/1ezielt n

Mahmud Abu Radwan, 23, aus dem Dorf Beit Ili bei Ramallah wurde am Samstagabend von jüdischen Siedler-Terroristen brutal mit Stöcken zusammengeschlagen. Er erlitt schwere Verletzungen, Prellungen und Wunden im Bereich des Kopfes, der Brust und des Bauches. Die Angreifer konnten, wie so oft, unangefochten entkommen. Dieser Vorfall erinnert an die Aktivitäten der SA und SS in den 30er-Jahren in Deutschland.

https://twitter.com/Mistaclim/status/2098881181982888212/video/1



Kategorien:Israel, Politik

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