3. Tischrei 5787
Netanyahu wird am kommenden Mittwoch, dem 23. September, nach New York fliegen, um am 24. dort seine Rede bei der UNO-Generalversammlung zu halten. Der Rückflug ist für Freitag, den 25. September, geplant. Ob er sich während seines Aufenthaltes mit Trump treffen wird, ist nicht bekannt. Bisher hat er seinen Aufenthalt in New York anlässlich der UNO-GV immer um bis zu einer Woche verlängert.
Ein sichtlich angeschlagener Trump gab an Bord der Air Force One eine seiner kurzen Pressekonferenzen. Er lobte die Arbeit seiner Sondergesandten Kushner und Witkoff und erklärte erneut, welch ‘grossartigen’ Job sie machten. Er wiederholte, was Kushner bereits gestern erklärt hatte (s. gestern). «Schaut euch zum Beispiel den Gazastreifen an. Schaut euch an, dass wir alle Geiseln zurückbekommen haben», sagt Trump. «Im Gazastreifen wird kaum noch gekämpft. Die Hamas ist nun bereit, ihre Waffen abzugeben.» Trump vergisst, die Bedingungen anzuführen, unter denen die Hamas bereit ist, Teile ihrer Waffen abzugeben. Erneut eine Aussage von Trump, die nur Teile der Wahrheit wiedergibt.
Dem iranischen Leiter der Atomenergiebehörde, Mohammed Eslami, wurde der Flug nach Wien zur Teilnahme an der Jahreskonferenz der UN-Atombehörde verweigert. Der US-Energieminister Chris Wright erklärte dazu: «Er steht unter Sanktionen, und wir wollen nicht, dass Personen, gegen die Sanktionen verhängt wurden, diese umgehen. Er hat um eine Ausnahmegenehmigung von den Sanktionen gebeten, die jedoch abgelehnt wurde.» Seit seiner Ernennung im Jahr 2021 hatte Eslami die Konferenz jährlich besucht.
Der Likud beklagte, Oppositionsführer Yair Lapid führe die Öffentlichkeit bewusst in die Irre. Lapid lehnte gestern das Ansuchen Netanyahus ab, das Verteidigungsbudget aufzustocken. Lapid begründete seine Ablehnung damit, dass eine solche Aufstockung eine Steuererhöhung nach sich ziehen würde, da es keine freien Budgetmittel mehr gebe. Stattdessen solle Netanyahu das Geld aus dem Fonds nehmen, der für seine ultraorthodoxen Partner vorgesehen ist. Der Likud wies dieses Ansinnen, wie nicht anders erwartet, weit von sich: «Lapids Behauptungen sind unbegründet und falsch. Die Staatseinnahmen fielen aufgrund der Wirtschaftspolitik der Regierung höher aus als erwartet, und folglich war auch das Defizit geringer als erwartet. Unter diesen Umständen kann das Verteidigungsbudget erhöht werden, ohne die Steuern zu erhöhen. Lapid opfert Israels Sicherheit aus billigen politischen Erwägungen», so der Likud. Interessant wäre es, die Stellungnahme des obersten Rechnungsprüfers Englman zu diesem Thema zu hören.

Generalstabschef Eyal Zamir hat angekündigt, den Film ‘NAZA’, der beim Filmfestival prämiert wurde, einer umfassenden Prüfung durch den obersten Rechtsberater des Militärs unterziehen zu lassen. Danach soll entschieden werden, welche rechtlichen Schritte gegen die an der Produktion Beteiligten unternommen werden. Gleichzeitig soll geprüft werden, wie geheime Unterlagen, die bei der Produktion des Films verwendet wurden, weitergegeben wurden. Der Dokumentarfilm enthält Vorwürfe, Israel führe in Gaza KI-gesteuerte Angriffe durch, die zum Tod von Zivilisten geführt hätten. Die IDF hat den ganzen Film bisher noch nicht gesehen, hat jedoch eine Vorführung beantragt. Interessant ist Zamirs Stellungnahme: «Nach den bisher vorliegenden Berichten handelt es sich hierbei nicht um einen Film, der die IDF kritisiert und auch nicht um den Versuch, die Wahrheit herauszufinden. Er basiert auf Blutverleumdungen, einer absichtlichen Verzerrung der Realität sowie falschen und schwerwiegenden Anschuldigungen gegen Soldaten und Kommandanten der IDF.» Er erklärt, der Film «übernimmt die Narrative der Israel-Hasser, diffamiert unsere Soldaten und Kommandanten und versucht, die IDF als bewusst rechtswidrig handelnd darzustellen».
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Bilder wie diese mit herzzerreissenden Texten gab es seit 1967 immer wieder in den Zeitungen. Syrische Drusen jenseits des Grenzzauns und israelische Drusen diesseits des Zauns. Zwei Königskinder, die nicht mehr zusammenkommen konnten. Bis 2011 besuchten israelisch-drusische Studenten die Uni in Damaskus. Es gab vermittelte Eheschliessungen zwischen den Gruppen. Landwirtschaftliche Produkte, vor allem Äpfel vom israelischen Golan, wurden auf dem Markt in Damaskus verkauft.



Die israelischen Drusen waren und sind loyale Bürger Israels, sie dienen in allen Rängen der IDF und im diplomatischen Korps. Die syrischen Drusen lernten von Kindesbeinen an, dass sie Syrer sind, die kein Interesse an einer Integration in Israel haben.


Doch dann änderte sich plötzlich alles. Eine von der Hisbollah abgeschossene Rakete traf im Juli 2024 den Fussballplatz von Majdal Shams. 12 Kinder starben, zahlreiche wurden verletzt. Die Hisbollah, ehemals enger Verbündeter von Bashar al-Assad, war auf einmal zum Feind geworden. Dann kam das Massaker von Sweida, verübt von Truppen unter Führung von Präsident Ahmed al-Sharaa, bei dem 2.000 Drusen zum Opfer fielen. Die beiden Tragödien führten zu einem «sehr tiefgreifenden Wandel für die Drusen auf dem Golan», sagte Lorena Kizel Khateeb, 29, die drusische Geschäftsführerin von «Zusammen füreinander einstehen», die die Nachfolge des arabisch-israelischen Aktivisten Yosef Haddad in dieser Position antrat.

Das Misstrauen gegenüber der neuen syrischen Regierung wächst. Sie betrachten die islamistische Regierung unter Shaara mit Argwohn und sehen Israel zunehmend als Beschützer ihrer Gemeinschaft an. Seit 1981 können syrische Drusen die israelische Staatsbürgerschaft erhalten. Seit 2025 ist die Nachfrage nach dem israelischen Pass dramatisch gestiegen. Mittlerweile sind 40 % der Drusen auf dem Golan Israelis.

«Unter Assad Senior herrschte das klare Gefühl, dass Syrien die Heimat sei und die Loyalität gegenüber Syrien ein wesentlicher Bestandteil der eigenen Identität sei», sagte Khateeb. «Aber die Tragödie auf dem Fussballplatz war der erste emotionale und kognitive Wendepunkt. Sie bestärkte die Erkenntnis, dass die Sicherheit der Bewohner des Golan in erster Linie hier in Israel liegt, wo sie leben, und nicht in Vorstellungen von Loyalität gegenüber einem Staat jenseits der Grenze.» Nach dem Massaker von Sweida «starb die Hoffnung in uns», sagte Sabbagh. «Wir sind alle sehr enttäuscht. Ich kann niemals zu einem Land gehören, das sein eigenes Volk nicht respektiert. Hier in Israel wird meine Familie respektiert, und hier möchte ich sein.»

Nach der Machtergreifung des neuen Präsidenten zeigten sich die Drusen zunächst optimistisch. Im Juli 2025 zerbrach die fragile Beziehung. In der südlichen syrischen Provinz Sweida waren bewaffnete Kämpfe zwischen einheimischen Drusen und Beduinenclans ausgebrochen. Sharaa entsandte Truppen in das Gebiet, angeblich um die Zusammenstösse zu unterdrücken, doch diese stellten sich faktisch auf die Seite der Clans und verübten Massenmorde in dem, was die Einheimischen heute als «den drusischen 7. Oktober» bezeichnen. Unter den 2.000 Ermordeten befanden sich 789 drusische Zivilisten. Nach den Gewalttaten in Sweida gelobte Sharaa, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen, und bekräftigte sein Engagement für den Schutz der Rechte der Minderheiten in Syrien. Die Drusen sehen darin reine Lippenbekenntnisse. Adham Safadi, ein Einwohner von Majdal Shams, der seine Tochter beim Raketenangriff der Hisbollah verloren hat, bezeichnete Sharaa als «einen Wolf im Anzug». “Wir können nur hoffen, dass sie ihn loswerden, bevor er den Anzug ablegt», sagte er.
Dieser Text bezieht sich auf eine Reportage in der ToI von heute. Ein zweiter lesenswerter Artikel heute in der NZZ.
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