4. Tischrei 5787

Wir haben sie vom 7. Oktober bis zur Freilassung der letzten Geiseln jeden Tag entweder gehört oder zumindest gesehen. Die Rede ist von Einav Zangauker, der Mutter von Matan Zangauker, der am 7. Oktober 2023 nach Gaza verschleppt wurde. Matan wurde im Oktober 2025 als eine von 20 lebenden Geiseln freigelassen. In einem Interview mit dem links-liberalen Kanal 13 erinnert sie sich an verschiedene Begebenheiten, die aus der «Gefangenen einer rechtsextremen Ideologie» eine regierungskritische Frau gemacht haben. Bei einem der seltenen und immer spannungsgeladenen Treffen zwischen dem ‘first couple’ und Angehörigen von Geiseln erschien Sarah N., man höre und staune, mit ihrer Stylistin (!). Nun ja, es ist eben alles eine Frage des guten Benehmens. Das zeigte aber Netanyahu nicht, im Gegenteil: «Der PM konzentrierte sich während des gesamten Treffens darauf, darüber zu sprechen, wie grossartig er sei und was für ein grossartiger Kämpfer er sei», sagt sie. «Er sprach von seinem Bruder Yoni und dessen Heldentum. Ich sah die Respektlosigkeit des PM und seiner Frau. Dieser verrückte PR-Gag, der auf Kosten der Geisel-Familien abgezogen wurde. Es war nicht leicht zu begreifen, dass es die Person war, an die ich geglaubt hatte und die ich als ‹Herr Sicherheit› betrachtete. Ich fühlte mich betrogen»

Angehörige der Opfer des Massakers vom 7. Oktober legten ein Dossier vor, das das Versagen der Regierung nicht nur unmittelbar vor, während und nach dem Massaker aufzeigt, sondern bereits in den 15 (!) Jahren zuvor. Ganz klar weisen sie darauf hin, dass es immer noch keine Untersuchungskommission gibt. Sie sehen die Hauptverantwortung klar bei Netanyahu, der den Angriff nicht verhindert hat. «Drei Jahre später wurde noch niemand für das schrecklichste militärische, sicherheitspolitische und politische Versagen unserer Geschichte zur Rechenschaft gezogen», sagt Noam Peri, deren Vater Chaim in der Geiselhaft ermordet wurde. «Es wurde noch nicht einmal eine Untersuchungskommission eingesetzt. Netanyahu und seine Regierungen haben die Herrschaft der Hamas tatsächlich bevorzugt. Das war mehr als ein Jahrzehnt lang ihre Politik.» Gil Dickmann, der Cousin der ermordeten Carmel Gat, weist Netanyahus Versuch zurück, den Sicherheitsbeamten die ausschliessliche Schuld zuzuweisen: «Netanyahu sagt, er sei am 7. Oktober nicht geweckt worden. Aber hier, im ‹Fall 7/10›, gibt es 1’000 Wecker», sagt Dickmann. Er wirft Netanjahus Lager vor, «zu versuchen, ein Versagen, das anderthalb Jahrzehnte andauerte, auf einen einzigen dreistündigen Vorfall zu reduzieren. Wir werden nicht zulassen, dass ihr das Versagen vom 7. Oktober unter den Teppich kehrt, so wie ihr die 46 Geiseln ausgelöscht habt, die in Gefangenschaft ermordet wurden», fügt er hinzu. «Wir werden nicht zulassen, dass ihr lügt und behauptet, ihr hättet alle nach Hause geholt.»

Liri Albag, Mitglied der ‘Aufklärungseinheit 8200’ und ehemalige Geisel, fordert, dass die «Macher eines Films, der der Armee gefühllose Massenmorde an Zivilisten im Gazastreifen vorwirft», des Landes verwiesen werden. Anonyme Aussagen von Soldaten der IDF im Film behaupten, es habe in Gaza «Massenmorde im industriellen Massstab» gegeben, und Israel habe KI-gestützte Systeme eingesetzt, um den Massentod von Zivilisten als Kollateralschaden bei Angriffen auf militärische Ziele in Kauf zu nehmen. Albag schreibt: «Widerlich. Du hast dein eigenes Volk an Leute verkauft, die dir den Tod wünschen. Und dafür gibt es keine Vergebung. Wie zum Teufel können solche Leute hier die Staatsbürgerschaft haben?!?!?! Schmeisst sie sofort aus unserem Land raus.»

Noch immer werden die sterblichen Überreste von Hunderten Menschen geborgen, die unter den Trümmern der zerstörten Häuser im Gazastreifen begraben sind. Volker Türk, UN-Menschenrechtsbeauftragter, erklärt, dass es sich oft um ganze Familien handelt, da viele der Opfer Frauen und Kinder waren. Turk deutet an, dass der Verdacht auf Kriegsverbrechen seitens der IDF erneut im Raum steht. «Es ist herzzerreissend, dass sich die schlimmsten Befürchtungen der Angehörigen der seit so langer Zeit Vermissten erst jetzt bestätigen», sagt er in einer Erklärung. Bereits 2024 war der Verdacht geäussert worden, dass die Angriffe der IDF auf Wohngebäude und andere zivile Ziele vielleicht ein Verstoss gegen das humanitäre Völkerrecht waren. Weder das Büro des PM noch das Aussenministerium gaben unmittelbar nach der Aussage Turks eine Stellungnahme ab. Bisher wurde immer betont, dass Israel in völliger Übereinstimmung mit dem Völkerrecht handelt.
Diese Aussagen Turks fallen gleichzeitig mit den heftigen Reaktionen auf den in Venedig ausgezeichneten Film ‘NAZA’ zusammen. Das ist natürlich kein Zufall, sondern ein klares Statement der UNO. Der 80-minütige Film der Israelis Yuval Abraham und Rachel Szor behauptet, dass KI-gesteuerte Angriffe Israels im Gazastreifen zum Tod von Zivilisten geführt hätten. Er enthält Aussagen von 24 angeblich anonymen israelischen Soldaten des militärischen Geheimdienstes. NAZA ist das Akronym für „Kollateralschaden“, ein unglaublich zynischer Titel für den Film. Generalmajor Yaniv Asor, Chef des Südkommandos, betont: «Angesichts falscher Behauptungen werden wir die Fakten darlegen. Auf schwierige Fragen werden wir ehrlich antworten. Und wenn ein Versagen in unseren Reihen aufgedeckt wird, werden wir es untersuchen, daraus lernen und es korrigieren.»
Raviv Drucker, investigativer Journalist, ist einer der wenigen Menschen, die den ganzen Film NAZA gesehen haben. Im Haaretz beschreibt er, wie er den Film einschätzt.
Zitat: Noch nie fiel es mir so schwer, einen Film anzuschauen. Ich zuckte regelrecht in meinem Sessel zusammen. «NAZA» gab mir das Gefühl, ein Deutscher im Zweiten Weltkrieg zu sein, der hörte, was sein eigenes Volk angerichtet hatte. Das Gefühl war so intensiv, dass es den defensiven Israeli in mir zum Vorschein brachte, der unbedingt alles erklären wollte.
Ich kenne Yuval Abraham, einen der beiden Macher des Films, und habe keinen Zweifel an seiner Integrität. Einige der im Film geschilderten Begebenheiten sind mir persönlich bekannt: Unschuldige Bewohner von Gaza, die erschossen wurden, weil sie eine Linie überquerten, von deren Existenz sie nichts wussten; hungernde Bewohner von Gaza, die erschossen wurden, nachdem sie sich auf der Suche nach Nahrung zu von Israel eingerichteten Hilfszentren begeben und dabei die ihnen auferlegten Grenzen überschritten hatten.
NAZA steht für Kollateralschaden. In der für jeden zur Verfügung stehenden kurzen Szene des Films spricht ein Mann über die mögliche Zahl der Kollateralschäden, ganz so, als wären Menschen Zahlen. Beliebig austauschbar. Er spricht von 20, 30, 50… ja, sogar 500 Opfern. Die Stimme bleibt kalt, als ginge es ihm, der auf den Knopf drückt, gar nichts an.
Zitat: Diese Zahl schien in keinem Verhältnis zur Bedeutung des Ziels zu stehen…Nun kommt ein grosses «Aber», und mir ist bewusst, dass es möglicherweise aus einer Abwehrhaltung heraus entsteht. Erstens ist es ein ernstes Problem, solche verstörenden Zeugenaussagen zu präsentieren, ohne dass faktische Details vorliegen, anhand derer sie überprüft werden könnten. Soldaten beschreiben, Teil einer Maschinerie gewesen zu sein, die absichtlich Tausende unschuldiger Menschen im Gazastreifen getötet hat. Aber es gibt kein Datum, keinen Ort, nicht einmal einen einzigen identifizierbaren Vorfall, der untersucht werden könnte.
Was sind das für Menschen, die als Soldaten scheinbar emotionslos Menschen grundlos ermorden?
Zitat: Zwischen den Zeugenaussagen sehen wir Menschen, die in Restaurants in Tel Aviv essen. Ein Soldat sagt, ihm sei nur wichtig gewesen, den Auftrag zu erfüllen. Ein anderer zieht ausdrücklich einen Vergleich mit den Nazis. Ein Dritter beschreibt, wie sehr ihm die Arbeit Spass gemacht habe. Der Eindruck entsteht, dass es Spass gemacht habe, unschuldige Kinder aus dem Gazastreifen zu töten. Aber könnte sein Spass daher rühren, dass er damals glaubte, dabei zu helfen, gegen die Hamas vorzugehen?
Raviv stellt klar, dass alle möglichen Kontexte legitim sind. Doch etwas fehlt. Die Seite der Hamas, das Massaker, die Verschleppungen nach Gaza, die Morde. Vergleiche mit anderen Armeen, die gegen in die Zivilbevölkerung eingebettete Terroristen vorgehen mussten, ohne dabei selbst zu Massenmördern zu werden. Nur kurz blitzt der Hinweis auf, dass die Hamas Zivilisten als Schutzschilde missbraucht hat.
Zitat: Aber es gibt zahlreiche überzeugende Beweise dafür, dass die Hamas Zivilisten als menschliche Schutzschilde einsetzte. Die Hamas verlegte Infrastruktur und Kommandozentralen in Schulen und Spitälern. Es macht keinen Sinn, das auszulassen. Ebenso wenig ergibt es Sinn, nichts über die langen Listen zu sagen, die die Hamas und der Islamische Dschihad kürzlich über ihre bei Angriffen der IDF getöteten Aktivisten veröffentlicht haben – Menschen, die in internationalen Medienberichten zum Zeitpunkt ihres Todes als Sportler, Journalisten und Lehrer beschrieben wurden.
Es gab doch immer wieder Evakuierungsaufrufe, kann man wirklich sagen, sie seien lebensrettende Massnahmen gewesen.
Zitat: Nach Schätzungen der IDF sind 25 % der Bewohner nicht evakuiert worden. Ein Soldat rechnet auf dem Papier vor, wie die Luftwaffe ganze Teile dieser Quartiere zerstörte und dabei Hunderte oder Tausende von Menschen tötete – mit der Begründung, man habe ihnen gesagt, sie sollten evakuieren. «Und was ist mit denen, die nicht evakuiert sind?», fragt der Interviewer. «Viel Glück für sie», antwortet der Soldat.
Raviv bedauert abschliessend, dass es schade ist, dass der Film wahrscheinlich nicht nach Israel käme.
Zitat: Das ist schade. Mit einem journalistischeren Ansatz und mehr Raum für Komplexität hätte er vielleicht mehr Israelis erreicht und ihnen geholfen, zu verstehen, wie wir im Gazastreifen vorgegangen sind.
Bitte dazu auch lesen: https://www.jns.org/opinion/column/fiamma-nirenstein/two-screens-one-choice-the-lie-of-naza-and-the-truth-of-fauda von Fiamma Nirenstein

Rezaei, ehemaliger Kommandant des Sicherheitskorps der IRGC, der seit August zum Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates ernannt wurde, lehnt konsequent alle Gespräche mit den USA ab. Trump hatte gestern in einer erneuten Kehrtwende erklärt, er sei offen für eine Wiederaufnahme der Gespräche. «Lasst euch nicht von den widersprüchlichen Signalen des US-Präsidenten ablenken – von ‹keine Verhandlungen› bis hin zu ‹wir sind bereit zu reden›», schreibt der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates des Iran, Mohsen Rezaei, auf X. «Die Lage rund um das Öl und die Meerenge hat sich verändert. Schadensbegrenzung wird das, was auf uns zukommt, nicht aufhalten. Keine Gespräche, bis die Bedingungen des Iran erfüllt sind. Punkt!», fügte er hinzu.

Die IDF entdeckte einen geladenen Raketenwerfer mit 32 auf Israel gerichteten Raketen im südlichen Libanon. Der Raketenwerfer befand sich innerhalb der Pufferzone in einer Kampfstellung der Hisbollah. An demselben Ort befand sich auch ein Tunneleinstieg. Die IDF geht davon aus, dass es sich um Hinterlassenschaften der Hisbollah handelt, die den Ort zum Beginn der Waffenruhe verlassen hat.

Während die IDF heute in das Dorf Umm al-Sharayet nahe der Stadt Birzeit eindrang, wurde Ziyad Muhammad Jaber, 54, von der IDF erschossen. Bisher gibt es noch keine bekannten Hintergründe, die zum tödlichen Zwischenfall geführt haben.
Nachdem es zu immer mehr Angriffen der Houthi-Terroristen auf Ziele Saudi-Arabiens kommt, warnt das Land, es werde ‘entschlossen’ gegen die Houthis im Jemen vorgehen. Bei den Angriffen wurden 13 saudische Zivilisten verwundet. Bei einem Angriff der Houthis im westlichen Jemen kamen gestern acht Soldaten der jemenitischen Regierungstruppen ums Leben. Die Houthis reklamieren auch einen ‘gross angelegten Angriff’ auf den Luftwaffenstützpunkt König Khalid in Khamis Mushait im Süden Saudi-Arabiens für sich. 13 Personen wurden dabei verletzt. Riad reagierte mit 50 Luftangriffen. «Wir werden entschlossen gegen die Angriffe vorgehen, um die Souveränität des Königreichs zu schützen und alle notwendigen operativen Massnahmen ergreifen, um dieses … feindselige und extremistische Vorgehen zu unterbinden».
Die IDF eliminierte gestern Abend Ahmad al-Batash, den Kommandanten des Jabalia-Bataillons, mit einem gezielten Luftangriff. Al-Batash war regelmässig an Angriffen auf die IDF beteiligt, die der Waffenruhe widersprachen. Bereits am Donnerstag wurde Muhammad Abdul Salam, Kommandant der Khan-Younis-Brigade, eliminiert. Bei diesem Angriff wurde auch eine hochschwangere Frau, Iman Shalouf, 27, die im Familienzelt sass, schwer verwundet. Im Spital gelang es leider nicht, sie und ihr ungeborenes Kind zu retten.





Die IDF führte dort, wo einmal der Stadtteil Sheikh Radwan stand, einen Angriff durch, bei dem zwei Menschen, darunter leider erneut ein Kind, Muhammad al-Zinat, getötet wurden. Die IDF erklärte, der Angriff habe einem Terroristen gegolten. Man werde den Vorfall weiter untersuchen.
https://www.axios.com/2026/09/15/us-iran-boats-navy-drone-strait-hormuz
Die US-Marine beschoss gestern zwei als Fischerboote getarnte Boote der IRGC, die versuchten, eine US-Marine-Drohne zu erbeuten, die in der Strasse von Hormus patrouillierte. Während die USA den Vorfall nicht näher bekanntgaben, beschwerte sich der Iran darüber, dass die USA zwei ‘Fischerboote’ angegriffen hätten. Das berichtet Axios unter Bezugnahme auf das halb-offizielle iranische Nachrichtenportal ‘Mehr News Agency“. Später gab ein US-Sprecher bekannt, dass die Drohne die beiden Boote jeweils mit Raketen beschossen habe. Dabei sei eine unbekannte Zahl an Mitgliedern der IRGC getötet worden. Iranische Nachrichten berichten, dass Rettungsteams unterwegs seien, um Überlebende der Angriffe zu retten.
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