7./8. Tischrei 5787 18./19. September 2026
Shabbateingang in Jerusalem: 18:01
Shabbatausgang in Jerusalem: 19:16
Shabbateingang in Zürich: 19:14
Shabbatausgang in Zürich: 20:16
Zürich: Yom Kippur Eingang, Sonntag, 20.9. um 19:10, Kerzenzünden und Kol Nidrej – Yom Kippur Ausgang, Montag, 21.9. um 20:11

Dieser vorletzte Abschnitt des Jahreszyklus gibt das letzte Lied von Moshe wieder. Es ist die letzte grosse Nachricht, Aufforderung und Mahnung an die Israeliten. Moshe gibt einen Überblick über das, was bisher mit dem Volk Israel geschah, wo es sich zum Zeitpunkt der Rede befindet und wohin der Weg geht.
«Hört mir zu, ihr Himmel, denn ich will sprechen und lasst die Erde die Worte aus meinem Mund hören!» So eindringlich haben wir Moshe nicht sprechen hören, seit wir ihn noch in Ägypten begleitet haben. Sicher, wir haben erlebt, dass er sich massiv geärgert hat, wenn ihm die ihm Anvertrauten wieder einmal nicht zuhörten und seine Pläne, die immer Gottes Pläne waren, torpedierten. Die sich auflehnten, wenn es auf der langen Wüstenwanderung einmal unbequem wurde. Die ihn sogar umbringen wollten, weil sie nicht verstanden, was sich ihnen noch nicht erschlossen hatte. Manchmal hat er mit Gott gehadert und ihn angefleht. Aber noch nie hat er den Himmel und die Erde so eindeutig aufgefordert, sich ruhig zu verhalten und ihm zuzuhören.
Im vergangenen Wochenabschnitt haben wir gelesen: «Siehe, du wirst jetzt bald zu deinen Vätern gebettet werden. Dann wird dieses Volk sich erheben; man wird in seiner Mitte Unzucht treiben, indem man den fremden Göttern des Landes nachfolgt, in das es jetzt hineinzieht; es wird mich verlassen und den Bund brechen, den ich mit ihm geschlossen habe. An jenem Tag wird mein Zorn gegen sie entbrennen. Ich werde sie verlassen und mein Angesicht vor ihnen verbergen. Dann wird dieses Volk verzehrt werden…»
Gott trägt Moshe auf, mit diesem letzten Lied die Israeliten noch einmal emotional zu erreichen und darauf zu hoffen, dass sie sich dann für immer an den mit Gott geschlossenen Bund erinnern. Wie geht das leichter als mit einem Lied? Ein Lied, seine Melodien und Harmonien werden in der rechten Hirnhälfte abgespeichert. Diese Seite ist für die kreativ-emotionalen Aktivierungen zuständig. Das limbische System, das für Emotionen und Gedächtnis zuständig ist, wird durch Musik aktiviert.
Mit den Schlafliedern unserer frühesten Kindheit verbinden wir positive Gefühle; unsere erste grosse Liebe wird durch die Erinnerung an ein spezielles Lied erhalten bleiben. Auf der anderen Seite können bestimmte Tonfolgen auch negative Gefühle auslösen. Die Werbung macht sich das zunutze: Der Konsument verbindet eine bestimmte Melodie mit einem Produkt; es ist gar nicht mehr nötig, das Produkt zu nennen oder ein Bild davon zu zeigen.
Wir sind alle mehr oder weniger weit in unserem Leben vorangekommen. Wir wissen, wann wir geboren wurden. Vielleicht können wir uns gut an unsere Vergangenheit erinnern. Wir wissen aber nicht, was uns die Zukunft bringt und wir wissen Gott sei Dank auch nicht, wann unser Leben vorbei sein wird.
Jetzt, in den Tagen zwischen Rosh Hashana und Yom Kippur, der am Sonntagabend beginnt, ist für uns die Zeit der Einkehr, der persönlichen Bilanz: Was ist gut gelaufen, was war suboptimal, wo haben wir gänzlich versagt? Unsere Erinnerungen werden uns dabei helfen, Ereignisse in den Kontext unseres Lebens zu stellen. Uns die Frage zu stellen: Wie können wir vermeiden, noch einmal die gleichen Fehler zu machen?
So wie es im Wochenabschnitt steht: «Denk an die Tage der Vergangenheit, lerne aus den Jahren der Geschichte! Frage deinen Vater, er wird es dir erzählen, frage die Alten, sie werden es dir sagen.»
Im Machsor, dem Gebetbuch für die Hohen Feiertage von Masorti und des liberalen Judentums finden wir das Gebet:
„Die alte Herrlichkeit des Tempels ist lange dahin, verklungen die Levitenchöre.
Kein Hohepriester tritt mehr in das Allerheiligste, kein Opfer steigt mehr zu Gott empor.
Aber in uns fühlen wir: Wenn wir unsere Missetaten wieder gutmachen, dann wird uns vergeben!»
Ich wünsche uns allen, dass wir den bevorstehenden Shabbat nutzen, um Rückschau zu halten und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Moshes Lied soll uns dabei helfen!
Shabbat Shalom, Shana tova ve chatima tova!
Kategorien:Israel
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