Erew Sukkot

14./15. Tischri 5787                                                                              25./26.9.2026

Shabbat- und Sukkot-Eingang in Jerusalem:                                                 17:56

Shabbat-und Sukkot-Ausgang in Jerusalem:                                                19:07

Shabbat- und Sukkot-Eingang in Zürich:                                                        19:00

Shabbatausgang in Zürich:                                                                               20:01

Zünden der Feiertagskerzen in Zürich nach                                                   20:01

Sukkot, das sieben Tage andauernde dritte grosse Wallfahrtsfest, beginnt je nach Gemeinde mit dem Bau der Sukka nur wenige Stunden nach dem Verklingen des letzten langgezogenen Shofartons. Andere Gemeinden lassen sich ein paar Tage Zeit, um sich von den anstrengenden Feiertagsgottesdiensten zu erholen. 

Was dann beginnt, ist der absolute Kontrapunkt zur getragenen feierlichen Stimmung der letzten zehn Tage. Beim Bau der Sukka darf es fröhlich und ausgelassen zugehen. Jeder darf mitmachen. Wem es an handwerklichem Geschick fehlt oder wer keine Vorstellung hat, wie man diese ‘provisorische‘ Behausung für sieben Tage dekorieren kann, der kann immerhin für die Verpflegung des ‚Sukka-Teams‘ sorgen. 

Das Judentum enthält oft Elemente der Landwirtschaft. Im 5. Buch von Moshe heisst es, 11:14: „.. so werde ich den Regen eures Landes geben zu seiner Zeit, Frühregen und Spätregen, dass du einsammelst dein Getreide und deinen Most und dein Öl.“ Ab dem ersten Tag von Pessach bitten wir im Morgengebet: „Maschiv haruach umorid hatal – … dass der Wind wehen und der Tau herabfallen wird.“ Am letzten Tag von Sukkot bitten wir um Regen: „Maschiv haruach umorid hageshem“.

Die von den heissen Sommermonaten ausgetrockneten Böden sollen so rasch wie möglich wieder durchfeuchtet werden, damit sie für die neue Aussaat bereit sind. Im Januar/Februar feiern wir das ‚Neujahrsfest der Bäume‘. Ist bisher alles gut gegangen, markiert dieser Tag das beginnende Ende der Regenzeit. Ab diesem Tag wird mit dem Anpflanzen von Baumsetzlingen begonnen. 

Das nächste mit der Landwirtschaft verbundene Fest war das Fest der Erstlingsfrüchte, das mit dem zweiten Tag des Pessachfestes zusammenfiel. Auch wenn es hier nicht um Aussaat oder Ernte geht, hatte es doch einen hohen symbolischen Wert. Die Israeliten brachten im Tempel dem Hohepriester stellvertretend für Gott ein Opfer aus Früchten dar, um um eine gute Ernte und damit um eine gesicherte Ernährung zu bitten. 

50 Tage nach Pessach feiern wir Shavuot, das in der Regel mit dem Beginn der Weizenernte zusammenfällt. Weil das Fest der Erstlingsfrüchte seit der Zerstörung des Tempels nicht mehr gefeiert wird, nutzen viele Kibbutzim und Moshawim den Tag noch heute, um auf geschmückten Wagen ihre landwirtschaftlichen Produkte zu präsentieren. 

Ab heute Abend feiern wir Sukkot. Wir sind angehalten, möglichst viel Zeit in der Sukka zu verbringen. „Sieben Tage sollt ihr in den Sukkot wohnen; jeder Bürger in Israel soll in seiner Sukka wohnen“ (3. Mose 23,42). Dass die Torah hier den Begriff ‘wohnen’ verwendet, lässt darauf schliessen, dass wir, wenn möglich, auch hier schlafen sollen. Das wird aber aus Platzgründen fast nirgendwo möglich sein.

Wann immer man die Sukka betritt, soll man folgenden Segen sprechen: «Gepriesen seist Du, Herr, unser Gott, König des Universums, der uns mit Seinen Geboten geheiligt und uns geboten hat, in der Sukka zu wohnen.»

Sukkot ist auch ein Fest für Familien und Freunde. Wenn wir Glück haben, gelingt es auch, uns an einem oder anderen Abend um den Tisch zu versammeln, der in der Sukka bereitsteht, um dort gemeinsam mit Freunden zu essen. Für Europa ist in den kommenden Tagen recht angenehmes Herbstwetter vorhergesagt. Ohne Regen bei milden Temperaturen. Warum ist das wichtig? Entsprechend den Vorschriften muss das Dach der Sukka geöffnet werden, sobald wir uns darin aufhalten. Und zwar nicht nur einen kleinen Spalt, sondern so weit, dass man nachts die Sterne sehen kann.  

In diesem Jahr fällt der erste Tag des Feiertags auf den Shabbat. Damit entfällt eine Vorschrift: zu den Gottesdiensten den ‚Lulav‘, den gebundenen Strauss aus Myrthenzweig, Bachweide, Palmzweig und einem fehlerfreien Etrog mitzubringen. Schon Tage vor Beginn des Festes findet man in Israel überall Stände, an denen diese ‚Lulavim‘ angeboten werden. Oftmals teuer verpackt, sodass man sie auch sicher über sieben Tage hinweg transportieren kann.

Der Etrog wird zumeist gut gepolstert in einer Schachtel angeboten, damit er während des Transports keine Druckstellen bekommt. Doch kaum zu Hause angekommen, wandert er aus der profanen Pappschachtel in eine aufwendig gestaltete Hülle, meist von jemenitischen Künstlern liebevoll gestaltet und von Generation zu Generation vererbt. 

Hier eine Geschichte, die erklärt, was die Bedeutung der ‚Lulavim‘ ist: 

„Es war einmal im herbstlichen Jerusalem. Die Familien waren geschäftig dabei, ihre Sukka – die traditionelle Hütte aus Zweigen und Blättern – zu bauen. Überall roch es nach frischem Grün, und die Kinder schmückten die Wände mit bunten Zeichnungen und Früchten.

Inmitten dieser Vorbereitungen trafen sich auf einem Marktplatz vier sehr unterschiedliche Gestalten. Sie waren dazu bestimmt, gemeinsam das Fest zu feiern, verstanden jedoch den Sinn ihrer Gemeinschaft noch nicht.

Zuerst trat der prächtige Etrog vor, eine edle Zitrusfrucht. Er verströmte einen wunderbaren, süssen Duft und sah makellos aus. Stolz sagte er: „Ich bin der Wichtigste von uns allen! Ich besitze beides: einen herrlichen Geschmack und einen betörenden Duft. Ich stehe für die Menschen, die sowohl klug sind als auch Gutes tun. Eigentlich brauche ich euch anderen gar nicht.“

Da meldete sich der lange Palmwedel, der Lulav, zu Wort. Er reckte sich stolz in die Höhe. „Du magst gut duften, Etrog“, sprach er, „aber schau mich an! Ich trage die süssesten Datteln der Palme. Ich habe Geschmack, auch wenn ich keinen Duft verströme. Ich stehe für die Menschen, die viel lernen und viel Wissen besitzen, selbst wenn sie es manchmal nicht zeigen.“

Die Myrthenzweige, die Hadassim, raschelten leise. Ihre Blätter sahen aus wie kleine, funkelnde Augen. „Wir haben zwar keine Früchte, die man essen kann“, flüsterten sie, „aber riecht an uns! Unser Duft ist unübertrefflich. Wir stehen für die Menschen, die vielleicht nicht die klügsten Denker sind, aber deren Herzen voller Güte sind und die ständig gute Taten vollbringen.“

Ganz am Ende stand die Bachweide, die Aravot. Ihre Blätter hingen ein wenig traurig herab. Sie hatte weder einen süssen Geschmack noch einen angenehmen Duft. „Und was ist mit mir?“, fragte sie leise. „Ich habe nichts von alledem. Ich stehe für die Menschen, die weder über viel Wissen verfügen noch die Kraft haben, viel zu bewirken. Bin ich überhaupt wichtig?“

In diesem Moment trat ein alter, weiser Rabbiner an den Stand heran. Er lächelte die vier an, nahm sie vorsichtig in die Hand und band sie mit einem sanften Knoten zu einem einzigen Strauss zusammen.

„Schaut her“, sagte der Rabbiner freundlich. „Der Etrog, der Lulav, die Myrte und die Weide. Ihr seid alle völlig verschieden. Doch wenn das Fest Sukkot beginnt, verlangt der Ewige von uns, dass wir euch alle vier zusammenhalten. Denn genau darum geht es an Sukkot: Das jüdische Volk und die ganze Menschheit sind nur dann stark und vollständig, wenn sich alle miteinander verbinden.“

Er blickte besonders auf die Bachweide. „Keiner darf ausgeschlossen werden. Die Klugen müssen von den Gütigen lernen, und die Starken müssen die Schwachen stützen. Erst wenn ihr euch gegenseitig haltet, bringt ihr Freude in die Welt.“

Die vier ungleichen Pflanzen schwiegen gerührt. Als der Strauss am nächsten Morgen in der Sukka feierlich in alle vier Himmelsrichtungen geschwenkt wurde, spürten sie es genau: Erst zusammen ergaben sie ein perfektes Ganzes.»

Shabbat Shalom und Chag Sukkot Sameach!



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