21. Tishri 5787

Es ist beschämend, wie Netanyahu den misslungenen Terrorangriff für seine bisher erfolglos dahindümpelnde Wahlkampagne nutzt. Schon gestern, unmittelbar nach der Landung, traf er sich mit Yaniv Hayun und dessen Frau und bewunderte lächelnd den Beweis seiner unbeschadet mutigen Tat: die blutgetränkten Socken.
Heute traf er sich erneut mit den Helden, diesmal in seinem Büro in Jerusalem. Netanyahu hofft, wenn er schon nichts zur Rettung der Fluggäste beitragen konnte und auch ein Zusammenhang mit dem Iran als Drahtzieher noch nicht gelingt, zumindest ein wenig vom Sternenstaub zu erhaschen, den ein dankbares Schicksal über die zivilen Helden ausschüttete. Er versprach ihnen, dass sie am Unabhängigkeitstag im kommenden Jahr eine Fackel anzünden würden. Obwohl, wie er zugeben musste, die Entscheidung darüber nicht bei ihm liegt. Dazwischen noch schnell ein Video, in dem er verkündet, alles im Griff zu haben und innerhalb von 24 Stunden zwei Interviews mit FOX News und CNN[1]. Immerhin gelang es ihm, sein Gesicht in die energische Gesichtsfaltung zu bringen.

Auf die Frage: «Gibt es etwas, das Sie gerne früher getan hätten, um diese Angriffe zu verhindern oder schneller darauf zu reagieren?», fragte der Interviewer Jim Sciutto mit Blick auf den 7. Oktober. «Was macht man, wenn man einen 11. September hat?», fragte Netanjahu zurück. «Was tun Sie, wenn Sie ein Pearl Harbor haben? Wie kommt es, dass wir es nicht kommen sahen? Diese Frage stellen wir uns. Und wir werden der Sache natürlich mit einer ordnungsgemässen Untersuchung auf den Grund gehen», sagte der Mann, der drei Jahre lang alles in seiner Macht Stehende getan hat, um eine ordnungsgemässe Untersuchung zu vereiteln.
Und natürlich ein Telefonat mit Trump. Der las seine Stellungnahme Wort für Wort aus einem Skript ab. Trump erklärte später, er vermute, der Iran stecke hinter diesem misslungenen Terror-Akt, obwohl Netanyahu erklärt hatte, «es ist noch viel zu früh, zu sagen, ob der Co-Pilot eine Verbindung zum Iran hat» Trump gibt sich optimistisch schneller und mehr dazu zu erfahren: «Wir arbeiten daran. Sie gehen sehr offen mit uns um. Nach dem, was ich höre, würde ich sagen: Ja», so Trump. Schafft er es, Netanyahu hier auszutricksen, wird das das gerade erst wieder etwas aufgeplusterte Ego von Netanyahu schnell wieder zusammenfallen lassen.
Netanyahu hat seinen Helden bekommen, den er dringend braucht, um an der Macht zu bleiben. Sein Ruf als ‘Mr. Security’, der ihn jahrelang umwehte, ist spätestens seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 verhallt. Aus dem ehemals selbsternannten starken Mann ist ein schwächelnder älterer Mann geworden, dem man ansieht, dass seine politische Zeit vorbei ist und dass er lieber auf der Sonnenliege in seiner Villa in Caesarea liegen würde, mit Blick auf das Aquädukt aus der Zeit Herodes‘.
Als er am Dienstagabend den Sicherheitsrat und anschliessend auch von Lapid nahezu erzwungen, die Opposition vor bevorstehenden Anschlägen warnte, ohne ins Detail zu gehen, kann er nicht von der gerade noch abgewandten Katastrophe mit dem ‘flydubai’-Flug gesprochen haben. Trotzdem münzen seine Verbündeten den Vorfall sofort um und sahen darin Beleg für seine Warnung. Und Netanyahu? Der beruhigte sein Volk: «Wir haben alles im Griff!» Da war er wieder, der alte ‘Mr. Security’, der Israel aus jeder Gefahr zu retten versteht. Nur, dass er nichts dazu beigetragen hat, ausser an seinem alt-neuen Image zu basteln.
Es ist unverschämt und beschämend, wie Netanyahu diese Beinahe-Katastrophe für sich ausnutzt. Innenpolitisch ist das vielleicht ein Erfolg, in der am Boden liegenden Aussenpolitik wird sich jedoch nichts ändern.

Anwar Gargash, Berater des VAE-Präsidenten Mohammed bin Zayed, bezeichnete als Erster den geplanten Absturz der ‘flydubai’-Maschine als ‘Terror’. Über den Piloten der Maschine, der, obwohl er bereits verletzt war, die Entriegelung der Cockpit-Türe vornahm und damit erst die Rettungsmassnahmen ermöglichte: «Er zeigte die wahre Bedeutung von Mut in einem Moment, in dem er sich mit einer gefährlichen und fast schon katastrophalen terroristischen Situation konfrontiert sah.»

Smit Machchar, der verletzte Pilot der ‘flydubai’-Maschine, erzählt in einem Videoanruf mit dem indischen Präsidenten Narendra Modi, wie er den misslungenen Terroranschlag erlebt hat. Derzeit befindet er sich im Krankenhaus in Abu Dhabi. «Ich wusste, dass das Flugzeug abstürzen würde (… ) Ich sagte mir: Die Tür ist direkt da, mach sie einfach auf. Das gelang mir, und die Leute kamen herein», sagt er. «Andere kamen herein und trugen ebenfalls dazu bei, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Ich kämpfte natürlich um mein eigenes Leben, aber gleichzeitig wusste ich, dass ich andere nicht sterben lassen würde», fügte er laut BBC hinzu. Während der Tortur habe er ein hinduistisches Gebet an den Affengott Hanuman gerichtet.

Die EL AL musste heute auf ihrer Website mitteilen, dass die Rückholflüge aus Dubai, die heute beginnen sollten, vorerst ausfallen, nachdem die VAE die Bewilligungen entzogen haben. EL AL wird weiterhin versuchen, die Erlaubnis zur Landung in den VAE zu erhalten und wird die Ergebnisse nach Shabbat Ende auf der Webseite kommunizieren. Zwischenzeitlich haben Flugzeuge der zweiten israelischen Fluglinie ‘Arkia’ scheinbar während der Nachtstunden die erforderlichen Bewilligungen aus Dubai erhalten, um am Abend zumindest einen Rückflug von Dubai nach Tel Aviv durchzuführen. Weitere Flüge sollen morgen durchgeführt werden.
Avigdor Liberman forderte heute erneut, die arabische Balad-Partei von den Wahlen auszuschliessen, solange Abu Shehadeh Vorsitzender der Partei bleibt. Damit widerspricht er dem gestern erfolgten Entscheid des OGH, die Partei bei der Wahl zuzulassen, ihrem Vorsitzenden aber anriet, sich aus der Politik zurückzuziehen (s.gestern), was er unmittelbar nach der Bekanntgabe des Entscheids auch tat. Auch die zweite arabische Partei, Ra’am, kann bei den Wahlen antreten. Ebenfalls antreten darf MK Ofer Cassif. Der OGH entschied damit, wie erwartet.


Die Olivenernte scheint ein neuer, besonderer Anreiz für jüdische Siedler-Terroristen zu sein, um ihre palästinensischen Mitbürger zu terrorisieren. In den letzten Tagen drangen immer wieder grosse Gruppen von maskierten Terroristen in die Olivenhaine ein und hinderten die Eigentümer daran, die Oliven zu ernten. Diese machen einen Grossteil des Einkommens aus. In Beita wurde, möglicherweise als Mitglied des Sicherheitsteams ihrer Siedlung, ein Siedler bewaffnet gefilmt, wie er den Palästinensern befahl, sich von ihrem eigenen Grundstück zu entfernen. Soldaten, die die Szene betraten, verwiesen die Palästinenser ebenfalls aus dem Gebiet und setzten zusätzlich Tränengas ein. In einigen Gebieten in Samaria dürfen Palästinenser nur nach vorheriger Abstimmung mit den Behörden ihre Bäume abernten.
[1] https://www.haaretz.com/israel-news/israel-security/2026-10-02/ty-article/.premium/netanyahus-flydubai-problem-what-did-he-know-about-the-attack-and-when/000001a0-f8e3-dbb2-a9f8-fbebe8cf0000
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