23. Tishri 5787
Die für die Überprüfung ausländischer Flugbesatzungen zuständigen israelischen Behörden, darunter das Verkehrsministerium und der Mossad, erhielten rechtzeitig Informationen über die Besatzung des ‘flydubai’-Fluges FZ 1073 von Dubai nach Tel Aviv. Die Listen waren unauffällig. Sowohl der Pilot als auch der Co-Pilot hatten die Strecke schon häufig geflogen.
Auf der Website der Abteilung für Sicherheit, Notfälle und Cybersicherheit des Verkehrsministeriums heisst es, zu ihren Aufgaben gehöre es: «Sicherheitsverfahren für Luftverkehrsdienste nach, von und innerhalb Israels zu leiten, sicherzustellen, dass diese frei von terroristischen Bedrohungen sind, und unter anderem Sicherheitskontrollen bei ausländischen Flügen durchzuführen, die Israel überfliegen oder dort landen.»
Es wird nun behauptet, «dass die Verantwortung hauptsächlich beim Verkehrsministerium liegt, dies aber über keine nachrichtendienstlichen Fähigkeiten verfügt; diese liegen ausschliesslich beim Mossad oder beim Shin-Bet.» Auch mangelt es an personellen Kapazitäten.
Der Shin-Bet betonte, er sei in diesem Zusammenhang nur für die Sicherheit israelischer Fluggesellschaften sowie für den Flughafen Ben-Gurion zuständig, nicht aber für ausländische Fluggesellschaften. Die Überprüfungsstelle wurde physisch bei der israelischen Steuerbehörde eingerichtet. Auf Anfrage des Ha’aretz gab diese Stelle zu, die Listen zeitnah erhalten zu haben. Verkehrsministerin Miri Regev gab an, die Listen nicht erhalten zu haben. Deren Überprüfung läge aber ausschliesslich bei den Geheimdiensten, zu denen ihr Ministerium nicht gehöre.
Yitzhak Raz, ehemaliger Leiter der Zivilluftfahrtbehörde, erklärte seinerseits gegenüber dem Haaretz: «Es besteht kein Zweifel daran, dass das Verkehrsministerium mit Unterstützung des Shin-Bet und des Mossad für den Sicherheitsaspekt ausländischer Fluggesellschaften verantwortlich ist.» Er fügte hinzu, dass Israels Staatsrechnungsprüfer zuvor die Einrichtung einer staatlichen Behörde für Flugsicherheit gefordert hatte, in der das Verkehrsministerium, der Shin-Bet, der Mossad, die israelische Luftwaffe, der Nationale Sicherheitsrat und das Finanzministerium zu einer einzigen Stelle zusammengefasst werden, die die gesamte Flugsicherheit bündelt. Die israelische Regierung habe «dies einfach nicht umgesetzt», sagte er.
Wenn sich die israelischen Sicherheitsstellen fatalerweise nicht einigen können, wer versagt hat, ist das ein weiteres Zeichen dafür, dass das Land in dieser Form nicht mehr regierbar ist. Jeder will seinen Teil vom grossen Kuchen abschneiden. Aber keiner will Verantwortung übernehmen. Niemand will zugeben, dass er versagt hat. Auch wenn dadurch Menschenleben gefährdet sind. Netanyahu, der es uns vorgemacht hat und täglich weiter vormacht, wie man ein ehemals demokratisches, verantwortungsbewusstes Land in den Abgrund führt, dient jedem Nicht-Regierungsmitglied als Vorbild. Die Zeichen stehen auf Sturm, die Schrift steht an der Wand. Wenn es ganz klar wäre, dass der Oman die Gefährdung durch den Co-Piloten nicht weitergegeben hat, dann könnten sie, und nur dann, versuchen, die Schuld auf den Oman abzuwälzen. So aber muss man vermuten, dass sie die Information hatten und nicht darauf geachtet haben. Erinnert uns das an die Versäumnisse rund um das Massaker vom 7. Oktober 2023?? Ja!

Auf die gegen das Verkehrsministerium und damit primär auch gegen sie als Ministerin erhobenen Vorwürfe, ihre Aufgaben im Bezug der Sicherheitsüberprüfungen der Mitarbeiter von ausländischen Fluglinien, nicht zu erfüllen, reagiert Miri Regev sehr heftig: «Das Verkehrsministerium ist kein Geheimdienst. Es führt keine Überprüfungen durch, soll auch keine durchführen und hat keinerlei Zugriff auf die Daten», und greift Oppositionsführer Lapid an: «oberflächlich, seicht und unehrlich zu sein und nichts von Luftfahrt zu verstehen.» Lapid hatte die Aussage eines Mitarbeiters des Ministeriums kritisiert, der erklärt hatte, dass «das Ministerium keine Hintergrundüberprüfungen ausländischer Piloten durchführe und nicht garantieren könne, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederholen werde.»
Das Verkehrsministerium beharrt darauf, keine Listen erhalten zu haben, sondern stattdessen die Fluggesellschaft zur Überprüfung der Daten aufgefordert zu haben. «’flydubai’ erhielt ausdrückliche Anweisungen, verpflichtete sich zur Durchführung der erforderlichen Hintergrundüberprüfungen ihrer Besatzungen und teilte schriftlich mit, dass sie die nationalen Beschränkungen für Flüge nach Israel im Besatzungseinsatzsystem umgesetzt habe», erklärt das Ministerium in einer Stellungnahme zu einem Bericht des Armee-Radios, wonach es seinen gesetzlichen Verpflichtungen zur Durchführung von Sicherheitsüberprüfungen nicht nachkomme. Laut Armee-Radio wurde das Ministerium vom Sicherheitskabinett und von Netanyahu mit der Überwachung der Listen beauftragt, was offenbar nicht erfolgte. Regionale Beamte gaben an, dass die Behörden der VAE die erforderlichen Listen an die israelische Steuerbehörde übermittelt haben, was diese ebenfalls bestätigte. Man darf gespannt sein, in welchem politischen Sumpf dieses höchst brisante Thema versinken wird, denn schlussendlich ist niemand anderer als Netanyahu für die Beinahe-Katastrophe verantwortlich!
Tilman Tarach wurde im deutschsprachigen Raum bekannt durch sein 2016 erschienenes Buch: «Der ewige Sündenbock», das die Narrative rund um den Nahostkonflikt so aktuell wie heute beschreibt.

Auf seiner Facebook-Seite schrieb er gestern: «Wenn man die Puzzleteile zum Terror-Piloten Hamam al-Hammami zusammensetzt, liegt der Verdacht nahe, dass er in Israel einen Wolkenkratzer (vielleicht den Azrieli Sarona Tower oder die Azrieli-Türme[1]) zum Einsturz bringen und damit eine Art 9/11 in Israel begehen wollte.
Laut Ermittlerkreisen (berichtet von ABC News und Welt) soll er nach seiner Festnahme angedeutet haben, das Flugzeug in Israel zum Absturz zu bringen. Zum Zeitpunkt des ersten Eingriffs in den Flugverlauf befand sich die Maschine noch etwa 30 Flugminuten von Tel Aviv entfernt.
Auf seinem LinkedIn-Profil wurden Stunden nach der Tat noch Beiträge online gestellt (vermutlich von ihm vorprogrammiert oder von Komplizen geteilt). In einem Video zoomt er aus dem Cockpit gezielt auf israelische Flugzeuge und zeigt am Ende Bilder von Ayman al-Zawahiri, dem damaligen Stellvertreter Osama bin Ladens, und von einem der führenden Köpfe von al-Qaida hinter den 9/11-Anschlägen.
(…)
NACHTRAG: Man könnte einwenden, er habe im Cockpit aber doch (laut Zeugenaussagen) die Instrumente zerstört. Aber vielleicht war ein damit beabsichtigter blinder Absturz nur ein „Plan B“, nachdem der ursprüngliche Plan wegen der geöffneten Tür und des Tumults nicht mehr umsetzbar war. Vielleicht wollte er vermeiden, dass andere den Flug noch retten konnten. Zudem: Wenn der Täter von vornherein nur einen blinden Absturz plante, erscheint es wenig plausibel, zweieinhalb Flugstunden zu warten, bis die Maschine in direkte Schlagdistanz zu Israel kam.»

Die britische Partei ‘die Grünen’ hat heute mit 1022:813 Stimmen eine Resolution verabschiedet, die Zionismus mit Rassismus gleichsetzt und fordert, dass dies entsprechend verurteilt werden müsse. Im Antrag heisst es, der Zionismus «begünstige eine ethnische Gruppe auf der Grundlage der Unterwerfung anderer. Dieser Antrag zielt auf die politische Ideologie und Praxis des Zionismus im oben genannten Sinne ab und nicht auf den religiösen oder ethnischen Hintergrund derjenigen, die sich möglicherweise als Zionisten identifizieren. Nicht alle Juden sind Zionisten und nicht alle Zionisten sind Juden», heisst es darin. Die Grünen fordern zudem einen palästinensischen Staat anstelle von Israel «mit gleichen Rechten für alle.» Der jüdische Parteivorsitzende, Zack Polanski, nahm an der Abstimmung nicht teil. (!)
Generalstabschef Eyal Zamir hat spät, aber doch, einen Oberstabsfeldwebel der ‘Aufklärungseinheit 8200’ ausgezeichnet. ‘Vav’ hatte im Vorfeld des Massakers vom 7. Oktober 2023 ihren Vorgesetzten mehrfach von auffallenden Aktivitäten der Hamas im Gazastreifen informiert. Ihr Vorgesetzter hatte sie nicht nur abgewiesen, sondern ihr auch mit dem Kriegsgericht gedroht, wenn «sie ihn nicht endlich in Ruhe lassen würde.» Yishar koach!
[1] Ein entsprechender Bericht steht heute in der JP, übernommen von der Corriere della Sera
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