Wajechi, Deut 47:28 – 50:26

ב“ה

13./14. Tewet 5783                                                        6./7. Januar 2023

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)                               16:10

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                          17:30

Shabbateingang in Zürich:                                                                  16:33

Shabbatausgang in Zürich:                                                                 17:43

Shabbateingang in Wien:                                                                   15:58

Shabbatausgang in Wien:                                                                  17:10

Mit dem heutigen Wochenabschnitt endet das erste Buche Mose. Auch die grossen Lebensgeschichten unserer Vorväter enden hier. Ab der kommenden Woche begleiten wir die Kinder Israel auf ihrem langen Weg dabei, ein Volk zu werden. Zunächst in Ägypten und später dann auf der langen Wanderung durch die Wüste. 

Israel waren in Goschen, dem Teil des Landes, das ihnen Pharao zugewiesen hatte, noch 17 schöne Jahre im Kreise seiner immer grösser werdenden Familie vergönnt. Als seine Lebensflamme begann zu erlöschen, rief er seinen Lieblingssohn Josef, den er so lange hatte vermissen müssen, zu sich. Er liess ihn schwören, ihn nicht in Ägypten, sondern in der Heimat beizusetzen. Ägypten war ihm innerlich fremd geblieben. Auch sein Sohn Joseph wird später die Bitte äussern, in Kanaan beigesetzt zu werden. Obwohl er so viel Erfolg in Ägypten gehabt hatte, war auch er ein Fremder dort geblieben. 

Josef brachte Efraim und Menasche, die erstgeborenen Söhne von ihm und seiner ägyptischen Frau Asenath zu ihm. Israel zeichnete sie durch seine letzten Worte aus und stellte sie seinen eigenen Söhnen, Reuven und Simon, den erstgeborenen Töchtern seiner Frau Lea gleich. Der Erbteil Josefs sollte, so war es sein Wunsch, nicht an diesen, sondern zu gleichen Teilen an seine Söhne übergehen. 

An dieser Stelle wiederholt sich ein Teil der Geschichte. Nach der unseligen, tödlich endenden Beziehung zwischen Kain und Abel, nach den Halbbrüdern Yitzhak und Ismael, die sich erst im Erwachsenenalter kennenlernten, nach Jakob und Esau, die um die Liebe des Vaters buhlten, ist es jetzt wieder ein Brüderpaar, das kurz in den Mittelpunkt des Geschehens tritt. 

Josef, hatte mit nicht ganz koscheren Tricks die Liebe des Vaters erzwungen und der unter seinen Brüdern gelitten. Jetzt erfährt er späte Genugtuung. Seine erstgeborenen Söhne sollen die gleichen Erbansprüche wie seine beiden ältesten Brüder erhalten. Um ihnen den Segen seines Vaters zukommen zu lassen, stellte er sie so neben sich auf, dass der Vater die Segen altersentsprechend geben konnte. Doch der kreuzte seine Arme und gab den Segen des Erstgeborenen dem Jüngeren und umgekehrt. Israel bestätigte ausdrücklich, dass er wisse, was er tue und dass Efraim der Mächtigere von beiden sein werde. Erstaunlich ist, dass Israel die beiden Jungs, die Söhne einer Ägypterin sind, ohne Problem als seinen Nachfolgestämmen zugehörig anerkennt. Aus heutiger Sicht wären sie „Vaterjuden“, Kinder, denen heute immer noch grosse Steine in den Weg gelegt werden, wenn sie als Juden anerkannt werden wollen. Gerade die grosse Zahl der Flüchtlinge aus dem ehemaligen Russland und der Ukraine können im heutigen Israel ein Lied davon singen. 

Mit der Prophezeiung, dass Gott sie alle in das Land ihrer Väter zurückbringen würde und nachdem er nochmals alle seine Söhne angesprochen und gesegnet hatte, verstarb Israel, der früher Jakob hiess, im Alter von 147 Jahren. Er wurde, so wie er es sich gewünscht hatte, in der Höhle Machpela beigesetzt. An dieser Stelle erfahren wir erstmals, dass es der Plan Gottes ist, dass die Kinder Israel, die zukünftigen Stämme, wieder in die alte Heimat zurückziehen werden. 

Erst dann, nachdem der gesamte Familien-Clan nach der Beisetzung wieder in Ägypten ankam, finden die Brüder den Mut, Josef um Vergebung zu bitten. An dieser Stelle lernen wir einen ganz anderen Josef kennen. Einen Mann, der gereift an Jahren und gewachsen an seinem Leben sich nicht mehr als das Zentrum der Welt sieht, als das er sich früher sah. Er sieht sich nicht mehr als der Mann, vor dem seine Brüder und sein Vater sich verneigen müssen, wie er es in einem frühen Traum gesehen hatte. 

Ganz demütig kann er jetzt zugeben, das Verbrechen an ihm sei zwar für ihn traumatisch gewesen, aber er habe erkannt, dass es Gottes Plan entsprach. 

Als er im Alter von 110 Jahren starb, hatte er noch zwei Generationen nach ihm heranwachsen sehen. Die göttliche Prophezeiung, Abraham und seine Nachkommen zu einem grossen Volk werden zu lassen, hatte sich in seinen Nachkommen erfüllt. 

Mit diesem Wochenabschnitt endet die grosse Familiensaga unserer Vormütter und Vorväter. Die Familiensaga, die voll von Liebe ist, voll von Vertrauen zu Gott. Die Saga, die aber auch die grossen Dramen beinhaltet, Brudermord, Betrug, Tricks, Neid und Eifersucht. Eifersucht und Neid war das grosse Thema zwischen Sara und Hagar, den Frauen zur rechten und linken Hand Abrahams. Eifersucht und Neid waren auch das grosse Thema zwischen Lea und Rachel, die im Wettstreit miteinander lagen, wer mehr Babys bekommen würde. Eifersucht und Neid auch in der nächsten Generation. Die Brüder, die den smarten Josef beneideten und nicht davor zurückschreckten, sein Leben zu beenden. 

Manchmal müssen wir uns fragen, wie es bei diesen allzu menschlichen Beziehungskrisen überhaupt möglich war, dass die Familiensaga sich so entwickeln konnte. 

Es gibt eine ganz einfache Antwort. Alles, was geschah, lag im Plan Gottes. Und im Vertrauen der Menschen darauf, dass Gott wohl am besten wisse, welcher noch so verschlungene Weg für sie der Beste sein würde. 

Shabbat Shalom!



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1 Antwort

  1. Die Bestimmung der Seele, gilt allen Menschen auf Erden. Wir sind alle Kinder, der Großen Mutter. Kein einziger Mensch, steht für alle in der Mitte der Welt. Der Großen Mutter sind alle Völker der Erde eingebunden. Alle ihre Nachfahren hätten ihre eigene Geschichten zur Menschwerdung zu erzählen.

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