Krieg in Israel – Tag XXXVII

28. Cheshwan 5784

Die IDF hat mit der gezielten Evakuierung von Patienten, vor allem von Babys und Kindern aus den Krankenhäusern im Norden des Gazastreifens begonnen. Die Evakuierung betrifft hauptsächlich die Krankenhäuser: Shifa, Rantisi und Nasser. Nach genau zwischen den Mitarbeitern der Spitäler, COGAT und IDF abgestimmten Plänen, werden die Patienten entweder zu Fuss oder mit Krankenwagen auf die Sala al-Din Strasse gebracht, von wo aus sie in den Süden evakuiert werden.

Mitarbeiter der Krankenhäuser hatten die IDF vorher um Mithilfe bei der sicheren Evakuierung der Patienten gebeten. Immer wieder gab es Gerüchte, dass die IDF das Shifa Spital beschiessen würde.

IDF-Sprecher Daniel Hagari wies diese Vorwürfe jedoch scharf zurück. «Wir bekämpfen die Terroristen, die feige aus dem Spital oder aus dessen unmittelbarer Nähe schiessen. Es gibt keine und ich betone es nochmals, es gibt keine Belagerung des Krankenhauses. Die Ostseite ist offen, um eine sichere Passage für die Evakuierungen zu ermöglichen. Wir befinden uns in ständigem Austausch mit den Mitarbeitern des Spitals und helfen, bei der Evakuierung, wo es möglich und nötig ist.» Ein Mitglied der ‘Ärzte ohne Grenzen’ teilte am Morgen mit, dass laut Medizinern des Spitals, zwei Frühgeborene leider verstorben seien.

Das Shifa Spital wurde vor etwa 40 Jahren von einer israelischen Architektengruppe gebaut. Einer der beiden Architekten, Gershon Zippor (1931 – 2012), wurde bekannt durch seine markanten, von geometrischen Formen geprägten Gebäude. Unter seinen Projekten war auch das Shifa Spital. Im Laufe der Zeit wurden die unteren Stockwerke zu einer Hochburg der Terror-Organisation, in dem Anschläge geplant und Verstecke vor den IDF-Durchsuchungen eingerichtet wurden, wodurch Zivilisten gefährdet wurden. Unter der Erde befindet sich ein geheimes Bunkernetz, das als Zufluchtsort für hohe Hamas-Funktionäre dient. Hier befinden sich auch Eingänge zu einem Labyrinth von Terrortunneln, der so genannten ‘Gaza-Metro’, die sich kilometerweit unter dem Gazastreifen erstreckt. Schon im Jahr 2009 deckte der Shin Bet während der Operation «Gegossenes Blei» detaillierte Pläne im und unterhalb des Spitals auf. Im Jahr 2014 verfestigten sich die Vermutungen, dass die Hamas Teile des Spitals für ihre Zwecke ‘umgewidmet’ hatte. Die komplexen Untergeschosse, ein Wunderwerk architektonischer Raffinesse, wurden in den 1980er Jahren von Zippor in seinem Büro in Tel Aviv entworfen. Es handelte sich um ein Projekt, das vom ‘Department of Public Works’ in Auftrag gegeben wurde, einer Einrichtung, die während der britischen Mandatszeit mit der Errichtung von staatlichen Krankenhäusern betraut war. Das Kellergeschoss des Spitals fungiert heute als Kommunikationszentrum für Kommando- und Kontrollzwecke der Terror-Organisation Hamas und teilt sich den Raum mit medizinischen Patienten und möglicherweise verletzten Geiseln. Wenn das Gebäude völlig evakuiert sein wird, rechnet man heute damit, dass es zumindest teilweise abgerissen werden wird. 

Am Samstag verlor die IDF fünf weitere Soldaten bei den heftigen Bodenkämpfen in Gaza.  Die Zahl der Gefallenen seit Beginn der Bodenoffensive steigt damit auf 42. Die Gefallenen, allesamt Reservisten, sind: Maj. Moshe Leiter, 39, Sgt. Maj. Yossi Hershkowitz, Master Sgt. Matan Meir, 38, Master Sgt. Sergey Shmerkin, 32 und Mast Sgt. Nati Hasrush, 34 s’’l. Vier von ihnen wurden bei einer Explosion einer Tretmine neben einem Tunneleingang in Beit Hanoun getötet. Der fünfte Soldat verlor sein Leben im Kampf.

Nachdem sich allein in den letzten drei Tagen mehr als 200.000 Menschen auf den Weg vom umkämpften Norden des Landes in den Süden gemacht haben, scheint die Hamas Terror-Organisation in diesem Gebiet einen Grossteil der Kontrolle verloren zu haben. Die Flucht erfolgt entgegen dem ausdrücklichen Verbot der Hamas, daher scheinen sich die Menschen mittlerweile mehr auf die IDF, als auf die Terroristen zu verlassen.

Benyamin Netanyahu, immer noch PM von Israel, wurde von CNN gefragt, wann und ob er die persönliche Verantwortung für die Massaker vom 7. Oktober übernehmen werde. «Haben die Menschen Franklin Roosevelt diese Frage nach dem Angriff auf Pearl Harbor gestellt, oder George Bush nach dem Angriff auf die USA am 11. September 2001? Das ist eine Frage, die gestellt werden muss und ich habe gesagt, wir alle, auch ich, werden diese Frage nach dem Krieg beantworten.» Wie arrogant kann dieser Mann denn noch werden? Wenn er selbst schon nicht den Mund halten kann, so versucht er zumindest seinen Ministern einen Maulkorb umzuhängen. «Jedes Wort hat eine Bedeutung, wenn es um diplomatische Fragen geht. Deshalb, wenn ihr etwas nicht wisst, dann sagt nichts. Wir müssen sensibel sein in diesen Zeiten.» Zum Thema einer möglichen Geiselbefreiung sagte er, dass es vielleicht früher dazu kommen könnte, wenn er (!) nichts zu dem Thema in der Öffentlichkeit sagt. Gegenüber NBC behauptete er, das Shifa Krankenhaus habe ein israelisches Angebot einer Treibstofflieferung abgelehnt. Allerdings konnte diese Aussage durch nichts belegt werden. Oh si tacuisses……

Nach einer mehrtägigen Pause haben sich heute wieder etwa 80 Doppelbürger über den Grenzübergang Rafah nach Ägypten in Sicherheit gebracht, um von dort in ihre Heimatländer zurückzukehren. Unter den in das Nachbarland Evakuierten befand sich auch eine nicht näher bezifferte Zahl von Verletzten, die in Ägypten weiter behandelt werden… 

Generalstabschef Herzi Halevi hat sich bei einem Flug über den Norden des Gazastreifens einen Überblick über den Verlauf des Vormarsches der IDF gemacht. Er kommunizierte dabei mit dem Kommandanten der Golani Brigade, Yair Palai. Auf einem aus dem Flugzeug von der IDF aufgenommenen Video sieht man Soldaten auf einem Dach die Fahne der Brigade schwenken und im Innenhof zwischen zwei Gebäuden einen weiteren Soldaten, der die Fahne Israels schwenkt. «Sagt euren Leuten, dass sie einen sehr wichtigen Job machen, wir alle stehen hinter euch, die ganze IDF steht hinter euch, bis wir gesiegt haben werden.»

Der Druck der internationalen Gemeinschaft auf Israel wird immer stärker, die fordert, den Krieg zu beenden oder zumindest einer Waffenruhe zuzustimmen. In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit VM Yoav Gallant und Minister Benny Gantz wiesen die drei die Vorwürfe der internationalen Gemeinschaft zurück und wiesen darauf hin, dass ein Sieg der IDF über die Hamas auch einen Sieg für die gesamte freie Welt bedeuten wird. Netanyahu wies explizit den französischen Präsidenten Emmanuel Macron zurecht, der betont hatte, es «gebe keine Rechtfertigung für die Bombardierung Israels von Babys, Frauen und alter Menschen. Dafür gibt es keinen Grund und keine Legitimation. Wir fordern Israel also dringend auf, damit aufzuhören.» Netanyahu betonte nochmals, dass Israel sich einer Verwaltung des Gazastreifens durch die PA nach dem Ende des Krieges widersetzen werde: «Eine Organisation, die Kinder dazu erzieht, Israel auslöschen zu wollen, den Terrorismus unterstützt und die Massaker der Hamas vom 7. Oktober, die den Krieg ausgelöst haben, nicht verurteilt hat, können wir dort nicht zulassen.» Das ist es aber, was von Washington und anderen Staaten gefordert wird. US-Aussenminister Antony Blinken bedauerte, dass während des Krieges schon viel zu viele Zivilisten gestorben sind. Netanyahu warb während der Pressekonferenz nochmals, ihn in der Ablehnung des Waffenstillstands zu unterstützen, die keinerlei Zugeständnisse im Hinblick auf die Befreiung der immer noch mehr als 230 von den Hamas-Terroristen festgehaltenen Geiseln vorsieht. «Gebt dem Druck nicht nach. Unser Krieg ist euer Krieg. Israel muss um seiner selbst willen und für die Welt gewinnen.» Eines hielt der PM aber auch fest: «Es wird keine neuen israelischen Siedlungen auf dem Gebiet des Gazastreifens geben, das ist nicht die Absicht.» Diese Worte sind als Reaktion auf ein Bild zu verstehen, auf dem drei Soldaten eine Fahne mit dem Namen einer ehemaligen Siedlung «Neve Dekalim» in die Höhe halten. Das war der Name einer Siedlung im sogenannten «Gush Katif Block» der beim völligen Rückzug Israels aus Gaza im Jahr 2005 geräumt wurde. Soldaten hatten dort in der vergangenen Woche einen Baum gepflanzt, was ihnen die sofortige Rüge der Militärführung einbrachte. 

Der Generalsekretär der PLO, Husssein al-Sheik, kommentierte gestern in seinem Büro in Ramallah die oben genannte Pressekonferenz von PM Netanyahu. «Die Wut des Premierministers über das Scheitern treibt ihn zu moralischer, humanitärer und politischer Blindheit. Das wird zu weiterem Blutvergiessen, Zerstörung und Vertreibung führen.» Auf seinem Account bei ‘X’ schreibt er weiterhin: «Netanyahu hat gestern das strategische Ziel des Krieges verkündet: die vollständige Wiederbesetzung des Gazastreifens und des Westjordanlandes, wobei er vergisst oder ignoriert, dass seine Besatzung dem Untergang geweiht ist und wir diejenigen sind, die bleiben werden.» Tatsachen werden von der PA eben immer zweckmässig an ihre PR angepasst.

Der ehemalige ORFKommentator Ben Segenreich bringt es in einem Bericht im Focus auf den Punkt. Das Zählen und Veröffentlichen von Zahlen ist ein Teil der psychologischen Kriegsführung. Je mehr Tote man vorweisen kann, so die Grundregel, desto bedauernswerter erscheint man in den Augen der Weltöffentlichkeit. Das kennen wir aus jedem Krieg zwischen Israel und der Hamas.  Je weiter die Zahlen der Toten und Verletzten nach oben schnellten, desto lauter wurden die Vorwürfe an Israel. Vor allem dann, wenn die meisten der Opfer als ‘Zivilisten’ benannt werden. Wer ist aber ein Zivilist? 

Laut dem ‘humanitären Völkerrecht’ (HVR) sind Kämpfer solche, die sich unmittelbar an den Kampfhandlungen beteiligen, dabei aber nur militärische Ziele bekämpfen. Sie stellen für den Gegner ein zulässiges militärisches Ziel dar, dürfen also jederzeit bekämpft werden. 

Sie tragen in der Regel eine Uniform, um sie von der Zivilbevölkerung zu unterscheiden und tragen ihre Waffen offen und für alle sichtbar. Sie dürfen nicht für ihre Teilnahme an rechtmässigen, im Auftrag eines Staates geführten Kampfhandlungen bestraft werden. Im Falle einer Festnahme erhalten sie den Status eines Kriegsgefangenen. Die Hamas behauptet mit perfider Regelmässigkeit, dass die meisten der getöteten Palästinenser ‘Zivilisten’ sind.  Die Quelle für die Veröffentlichung der Zahlen ist das sogenannte ‘Gesundheitsministerium der Hamas’. Sind also die Terroristen, die am 7. Oktober nach Israel eindrangen, Zivilisten oder Kombattanten? Sie sind keine Kombattanten entsprechend dem HVR. Daher geniessen sie keinen Status als Kriegsgefangene, falls sie festgenommen wurden und nun in israelischen Gefängnissen auf ihre Verhandlungen warten. Und sind die getöteten etwa 1.500 Terroristen in der Zahl der Opfer, die mittlerweile mit mehr als 11.000 angegeben wird, bereits enthalten? Weiterhin, wie viele Zivilisten wurden Opfer der eigenen Raketen, die zwar gegen Israel abgeschossen wurden, aber wie im Fall von mindestens zwei Krankenhäusern mittlerweile erwiesen, auf eigenem Gebiet niedergingen und immensen Schaden anrichteten? Und wie viele Terroristen zogen die Uniformen aus und standen in Zivilkleidung an den Abschussrampen, wo sie dann beim Vergeltungsschuss durch Israel verletzt oder tödlich getroffen wurden? Ein Beispiel ist die Explosion auf dem Parkplatz eines Krankenhauses am 17. Oktober, wo 500 Tote gemeldet wurden. Die Rakete, so konnten internationale Sicherheitskräfte zweifelsfrei belegen, kam aus den eigenen Reihen. 

Nach einem Treffer mit einer gelenkten Anti-Panzer-Rakete aus dem Süden des Libanon wurden am Vormittag sechs Personen in ihren PKWs verletzt. Sie waren in der Nähe der Grenze bei Dovev, einer grenznahen Gemeinde unterwegs. Der Schweregrad ihrer Verletzungen ist noch nicht bekannt. Die IDF nahm die Abschussrampe sofort unter Beschuss. Im Laufe der Nacht konnte durch das gezielte Zerstören einer weiteren Anti-Panzer-Rakete ein Anschlag vereitelt werden, den die Hisbollah auf die israelische Grenzstadt Metula geplant hatte. Gegen Mittag wurde bekannt, dass von den Verletzten ein Mann sich in kritischem Zustand befindet, die fünf anderen schwer verletzt wurden. Sie wurden noch vor Ort erstversorgt, bevor sie in ein Spital evakuiert wurden. Die Verletzten waren Mitarbeiter der staatlichen Stromversorgungs-Gesellschaft, die dabei waren, defekte Stromleitungen zu reparieren. Am Nachmittag wurden bei einem weiteren Angriff mit Granaten sieben Soldaten verletzt und mussten im Spital behandelt werden. Israel reagierte sofort auf den Beschuss. 15 hereinfliegende Raketen aus dem Süden des Libanon waren auf Haifa, Nahariya und benachbarte Orte abgeschossen worden, konnten aber von den Abwehrsystemen zerstört werden. 

In einem Kinderzimmer in einem Privathaus im nördlichen Gazastreifen, wurde eine arabische Ausgabe der Nazi-Bibel «Mein Kampf» gefunden. Wer auch immer der Eigentümer war, er muss sich von dem Buch wirklich inspiriert gefühlt haben. Zahlreiche Hervorhebungen und handschriftliche Zusätze zeigen, wie intensiv er sich mit dem Gedankengut des Mannes auseinandergesetzt hat, der zuständig für die Shoa und damit der Ermordung von mehr als 6 Millionen Juden war. 

Das von Frankreich auf den Weg gebrachte Spital-Schiff wird an diesem Wochenende vor der ägyptischen Küste vor Anker gehen und mit 70 Betten verletzten Gazanern zur Verfügung stehen. Ursprünglich war geplant, das Schiff im ehemaligen Hafen von Gaza zu verankern, der Plan musste aber aufgegeben werden. Der Hafen ist derzeit nur als Ankerplatz für kleinere Boote geeignet.



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1 Antwort

  1. Danke für Deine tägliche Zusammenfassung der Nachrichten aus Israel. Hier ist es mittlerweile schwierig geworden, Infos zu erhalten

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