Schmot, Wajakhel-Pekudej 35:1 – 40:38

24. / 25. Adar 5786                                                                     13./14. März  2026

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         17:06

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        18:23

Shabbateingang in Zürich:                                                                 18:10

Shabbatausgang in Zürich:                                                                19:15

Dieser Wochenabschnitt beginnt damit, dass Moshe sein Volk um sich schart. Er erinnert noch einmal daran, dass der siebte Tag jeder Woche, der Shabbat, der wöchentliche Ruhetag ist, an dem man sich jeglicher Arbeit enthalten muss. Die wenigen Dinge, die man tun darf, haben nichts mit Arbeit im herkömmlichen Sinn zu tun. Und er fügt noch eine neue Vorschrift hinzu, die bis heute stark auf unser Leben einwirkt. „Ihr werdet kein Feuer entzünden“ (Vers 35:3) Das gewählte Futur wird der Befehlsform gleichgestellt, ein absolutes Verbot!

Kein Feuer machen, was bedeutet das für uns heute? Was zünden wir denn tatsächlich noch mit einem Feuer an? Kerzen, den Kamin, vielleicht noch den Grill und Tabakwaren. Also alles Dinge, die keine Notwendigkeiten sind, sondern dem Genuss oder dem positiven Lebensgefühl dienen. Meine Grossmutter berichtete von einer jüdischen Frau, die im tiefsten Winter immer wieder einmal eine nicht-jüdische Nachbarin bat, ihr das Kaminfeuer doch wieder anzuzünden, es sei erloschen. Klar, blöd gelaufen, wenn damals zu Zeiten, als die Winter noch Winter waren, die Stube über Nacht völlig ausgekühlt war. Trotzdem war das Ansinnen eine Zumutung, denn die Shabbatgesetze gelten doch für alle.

Damit ist offensichtlich, was wir am Shabbat nicht dürfen. Der Funke, den das Feuer erst auslöst, gilt im übertragenen Sinne auch als der „Funke, der Neues schafft“. Damit steht jeder kreativen Tätigkeit am Shabbat und an den meisten unserer Feiertage dieses Verbot gegenüber. Lesen dürfen wir, aber nicht schreiben. Natürlich dürfen wir unser Essen heiss oder zumindest lauwarm von der Shabbat-Heizplatte geniessen, aber nicht aufheizen oder gar frisch zubereiten. Wir dürfen den Gottesdienst selbstverständlich mit mehr oder weniger wohltönenden Melodien bereichern, aber wir müssen auf die Begleitung mit einem Instrument verzichten. Wir alle kennen diese Vorschriften zur Genüge. Um sie zu umgehen, haben Menschen immer wieder Methoden und Hilfsmittel ausgetüftelt, wie man sie umgehen kann.

Denken wir nur an die allgegenwärtigen Shabbat-Uhren, die Teewasser aufheizen, Klimaanlagen einschalten und die Beleuchtung in der Wohnung regeln. Oder natürlich auch die Shabbat-Lifte, die uns problemlos von Etage zu Etage befördern. Ohne sie wäre ein Aufenthalt in einem mehrstöckigen Hotel gar nicht möglich und die Tourismusindustrie hätte ein Problem.

Bei allen Bemühungen, sich strikt an die Shabbat-Gesetze zu halten, muss man sich aber trotzdem eine Frage stellen. Bei allen Versuchen, den auslösenden Funken zu automatisieren, ist es tatsächlich so, dass daran kein Mensch beteiligt ist? Sitzt nicht bei jedem Stromversorger zumindest ein diensthabender Mitarbeiter, der dafür sorgt, dass unsere Shabbat-Uhren und -Lifte keine Unterbrechung erleiden? Wir sollten einmal darüber nachdenken. Da hilft auch der Trick bei alten Zügen und Trams nicht, den Halteknopf mit dem Ellbogen zu betätigen.

In Vers 37:7-9 lesen wir, ebenso wie schon vorher in Vers 25:17-20, von einem künstlerischen Highlight in der Thora. Aus der Deckplatte der Bundeslade, in welcher die zwei Gesetzestafeln aufbewahrt werden sollen, arbeitete der Künstler mit Namen Bezalel zwei Cherubim heraus.

Erstmals trafen wir die Cherubim als Wächter über das Paradies. Sie stehen dort, seit Adam und Eva daraus vertrieben wurden. Heute lernen wir ein zweites Paar kennen. Sie hielten ihre Flügel schützend über die Bundeslade, die Köpfe einander zugewandt. Zwischen ihnen, geschützt durch die ausgebreiteten Flügel, soll der rabbinischen Tradition entsprechend, die Schechina, also die Präsenz Gottes gewohnt haben.

Wir wissen nicht viel von ihnen, nur dass sie Köpfe mit Gesichtern haben und Flügel. Ob sie über einen Körper, Arme oder Beine verfügten, wird uns nicht offenbart. Vielleicht sind sie aber auch das personifizierte Bild eines Gefühls, der Zuwendung und des Schutzes?

Denn an einer anderen Stelle treffen wir sie auf der Baustelle zum Tempel Salomons. Im 2. Buch der Chroniken, 3:10-13 finden wir eine ähnliche Beschreibung. Wie erfahren, dass sie Füsse hatten, auf denen sie standen und dass ihre Gesichter voneinander abgewandt waren. Sollten die Cherubim etwa Spiegelbilder unserer Gefühle sein?

In dieser Woche sehen wir, sie schauen sich an. Nach der grossen Unsicherheit, ja mehr noch, nachdem die Kinder Israel sich von Gott gelöst und das „Goldene Kalb“ gebaut hatten, konnte Moshe sie endlich wieder um sich scharen und vereinen. «Moshe versammelte sie», so beginnt dieser Wochenabschnitt. Die Kinder Israel sind zufrieden mit ihrem derzeitigen Leben, voll Vertrauen in die Zukunft.

Das zweite Bild, das sich aufdrängt, wenn wir diesen Text der kunstvollen Ausstattung des Mischkan lesen, stammt aus einer Zeit, in der wiederum grosse Unsicherheit über die Zukunft des Volkes Israel herrschte. Der Tempel wurde 951 BCE geweiht und 586 BCE durch die Babylonier zerstört. Es folgten einige Jahrzehnte des Exils in Babylon. 515 BCE wurde der zweite Tempel eingeweiht und fiel im Jahr 70 CE den Angriffen und Plünderungen durch die Römer zum Opfer. Die Bundeslade und damit auch die Cherubim sind seither verschollen. Cherubim sind zeit- und raumlos. Sie mögen diese Katastrophe bereits vorhergesehen haben.

An dieser Stelle ist Selbstreflexion nötig. Wir sollten hinterfragen, wo unser Anteil an der Zerstörung des ersten und des zweiten Tempels lag.

Shabbat Shalom!



Kategorien:Israel

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