11./12. Tammus 5786 26./27.Juni 2926
Shabbateingang in Jerusalem: 19:09
Shabbatausgang in Jerusalem: 20:31
Shabbateingang in Zürich: 21:09
Shabbatausgang in Zürich: 22:29
Za’atar ist eine überaus beliebte Gewürzmischung in der Levante. Die israelische Küche kommt kaum ohne aus, die, mit feinstem Olivenöl gemischt und auf Pitabrot mitgebacken, einen wahrhaft himmlischen Geruch und Geschmack entwickelt. Was hat Za’atar, übrigens der arabische Name für den wilden Thymian, mit der roten Kuh zu tun, mit der sich die heutige Sidra befasst? Neben dem Thymian ist der syrische Ysop der Hauptbestandteil von Za’atar.
Gott forderte die Israeliten auf, eine «fehlerfreie rote Kuh, die noch nie unter dem Joch gegangen war», als Opfertier schlachten zu lassen. Anschliessend sollte sie mitsamt ihrem Fell als Ganzes verbrannt werden. Der Geruch muss furchtbar gewesen sein!



Deshalb sollte der Priester Ysop in das Feuer werfen, um den unangenehmen, stechenden Geruch des Feuers zu mildern. Dazu kam auch Karmin (Karmesin) zum Einsatz. Jenes Produkt, das aus Cochenilleschildläusen gewonnen wird, galt bis zur Entwicklung synthetischer Farbstoffe als der Grundstoff für knallrote Farbe. Die unauffällige Schildlaus lebt auf Opuntien, einer Kakteenart. Man ging früher davon aus, dass sie Teil der Pflanze war. Ansonsten wäre sie, weil sie nicht koscher ist, nicht für die Gewinnung des Farbstoffes herangezogen worden.
Die Asche der komplett verbrannten roten Kuh wurde aufbewahrt und als Grundlage für ein Reinigungswasser konserviert. Um es zu nutzen, musste es mit frischem Quellwasser gemischt werden. Das Zauberwasser zur Heilung von jeder Art von Unreinheit war gefunden.
Ich habe einen Verdacht: Die Rote Kuh war ein ganz normales hellbraunes Niederungsvieh. Das Reinigungswasser wurde durch die Beigabe von Karmesin knallrot. Dass sich eine Rote Kuh als Besonderheit besser verkauft, das steht ausser Zweifel.
Es scheint, als würden sich für die Israeliten jetzt, kurz vor dem Erreichen des versprochenen Landes, die Ereignisse überschlagen.
Wieder einmal murren die Israeliten. Wieder einmal geht es um Wasser. Gott forderte Moshe auf, mit seinem Stab an einen Felsen zu treten und diesen um Wasser zu bitten. Moshe aber verlor erstmals die Nerven. Statt den Fels um Wasser zu bitten, hieb er auf ihn ein. Gott hatte ein Einsehen mit dem dürstenden Volk und liess das Wasser sprudeln. Aber Moshe und Aaron mussten sich seiner Strafe beugen: Sie würden nicht in das versprochene Land einziehen dürfen. Ihr Fehlverhalten hatte Gott einmal zu sehr brüskiert.
Moshe wird mit dem Tod seiner beiden Geschwister konfrontiert. Mirjam war schon zuvor in der Wüste Zin, einem Teil des Negev, gestorben und war auch dort beigesetzt worden. Aaron stirbt auf dem Berg Hor, unweit der heutigen Stadt Petra in Jordanien.
Wasser ist eine essenzielle Grundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen, um leben zu können. Wir haben schon vom Reinigungswasser gelesen und waren Zeuge, als Moshe auf den Felsen einschlug.
Nun siedeln die Israeliten in der Nähe des Ortes «Be’er», Brunnen, den Gott ihnen gezeigt hatte. Und wir werden erneut Zeugen von etwas Neuem. Die Israeliten stimmen ein zweites Mal gemeinsam ein Lied an: «Steige auf Brunnen!» Es ist nicht so ein glückliches, stolzes Lied, wie das, das sie nach der Durchquerung des Schilfmeeres gesungen hatten. Und es ist auffallend, dass nur die Kinder Israel dieses Mal singen, nicht aber Moshe selbst.
Es hat den Anschein, als würde Gott gegen Ende der Wüstenwanderung, die ja auch so etwas wie Selbstfindung und Katharsis für die Israeliten war, auf das wohl wichtigste Element des Lebens hinweisen. Wir erinnern uns, bereits bei der Erschaffung der Welt heisst es ganz am Anfang «Und Gottes Geist schwebte über den Wassern».
Später wollte er alles Leben vernichten und setzte Noah mit seiner Familie und je einem Paar von Tieren der grossen Flut aus, sorgte aber dafür, dass die von ihm ausgewählten unbeschadet überlebten.
Moshe wurde im Nil, der Lebensader Ägyptens, ausgesetzt und aus dieser gerettet. Die Kinder Israels flohen durch das Schilfmeer, das Gott für sie teilte. Das einzige von Frauen gesungene Lied in der Torah beschreibt den Untergang Pharaos in den zurückflutenden Wogen.
Wasser als Grundelement. Was lehrt uns dieser Wochenabschnitt, in dem Wasser immer wieder thematisiert wird? Spontaneität ist gut, aber nicht immer zielführend. Geduld und Vertrauen zusammen mit einem ausgewogenen Mass an Spontaneität sind es, die Vieles im menschlichen Leben leichter machen.
Schabbat Shalom
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