ב“ה
13./14. Elul 5782 09./10. September 2022
Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 18:13
Shabbatausgang in Jerusalem: 19:28
Shabbateingang in Zürich: 19:23
Shabbatausgang in Zürich: 20:35
Shabbateingang in Wien: 19:02
Shabbatausgang in Wien: 20:05

Der ganze Wochenabschnitt ist der Beziehung der Geschlechter innerhalb der Familie gewidmet. Wir erhalten hier eine Kurzfassung des damals herrschenden Familienrechts.
Wer zur Zeit der Torah lebe, musste sich mit vielen Vorschriften auseinandersetzen, die heute in dieser Form nicht mehr zeitgemäss sind. So wird heute keine Frau mehr als „Kriegsbeute“ gelten. Zur Zeit der Wüstenwanderung aber war es so, dass Männer und Knaben des unterlegenen Stammes getötet wurden, Frauen und Mädchen aber in das Volk aufgenommen wurden.
Die Frau sollte einen Monat in seinem Haus leben und den Verlust ihrer Eltern betrauern, bevor sie dann auch physisch zu seiner Ehefrau werden konnte. Sollte er sie später verstossen wollen, so musste er sie freilassen. Interessant ist, dass es für sie nicht möglich war, sich aus der ungeliebten Beziehung zu befreien.
Ja, mehr noch, wenn er neben ihr eine weitere Frau hat, die er vielleicht mehr liebt, als sie und beide Frauen einen Sohn gebären, so muss er den tatsächlich zuerst geborenen Sohn als Erstgeborenen anerkennen, auch wenn die Mutter die ist, die er weniger liebt. Mehr als das, er soll dem Erstgeborenen 2/3 seines Hab und Gut vermachen. Ganz und gar nicht fair gegenüber den Kindern. Und vor allem drängt sich die Frage auf, was ist mit den Töchtern? Was ist mit dem erfolgreich erstrittenen Recht der Töchter auf ihr Erbe, wie wir es in Num 27 gelernt haben? Zelofhad hatte keine Söhne, wohl aber fünf Töchter. Leider entpuppt sich das, was wir damals als grossen Erfolg für die Rechte der Frau gewertet haben, nur als Teilerfolg. Sie müssen nach wie vor in den Schatten ihrer Brüder zurücktreten, und ihnen ihr Erbrecht zugestehen, auch wenn sie nicht die Erstgeborenen sind. Es wird noch Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende brauchen, bis das Erbrecht sich dem modernen Gesellschaftsverständnis angepasst hat.
Gar streng ins Gericht geht man mit dem widerspenstigen Sohn. Hier bin ich durchaus geneigt, froh zu sein, dass Töchter in diesem Zusammenhang nicht genannt werden. Wie heisst es in der Torah in Deut 5:15? „Ehre deinen Vater und deine Mutter, wie Gott der Herr es dir geboten hat. Dann wird dein Leben lang sein und es wird dir gut gehen auf dem Land, dass Gott der Herr dir gegeben hat.“ Natürlich steckt in diesem Gebot implizit die Drohung, dass ein Missverhalten gegenüber den Eltern Folgen haben wird, aber muss es denn gleich die Todesstrafe sein? Wie ist es zu verstehen, dass Eltern verlangen können, ihr Kind zu töten? Erinnert das nicht an die heutigen Ehrenmorde, die in der muslimischen Gesellschaft ausgeführt werden, wenn sich ein Kind dem absoluten Willen der Eltern widersetzt? Diese Morde sind verabscheuungswürdig. Wie kann es also sein, dass die Torah so eine grausame Strafe vorsieht? Sie ist nur verständlich, wenn man sich vor Auge hält, dass die Gesellschaft damals eine war, die von strikten Regeln zusammengehalten wurde. Demokratische Grundzüge kamen erst viel später, zur Zeit der Aufklärung dazu.
Wir erfahren immer wieder, dass Gott sich auf die Seite derer stellt, die versuchen, das Recht für sich zu erkämpfen, auch wenn für uns „moderne Menschen“ dieser Kampf nicht immer nachvollziehbar ist.
Gott steht nicht für ein starres System, sondern er gibt, wie wir es schon oft gesehen haben, uns die Verantwortung dafür, unser Schicksal mitzuentscheiden. Wir müssen oft nur genau hinschauen, um dies zu erkennen.
Shabbat Shalom!
Hinterlasse einen Kommentar