Krieg gegen Iran – Tag 175 seit Beginn der Kämpfe

9. Elul 5786

Seit 2018 hatte es keine Drachen mehr gegeben, die von Gaza nach Israel flogen. Damals waren sie meist mit Brandstoffen bestückt, die beim Aufprall sofort ein Feuer entfachten. Gestern und heute flogen erneut vier Drachen von Gaza aus nach Israel. Obwohl es ‘nur einfache Drachen’ waren, sorgten sie doch in den Gemeinden entlang des Gazastreifens erneut für Bedenken. «Genauso hat es vor dem 7. Oktober 2023 angefangen. Zunächst wurden scheinbar harmlose Drachen mit arabischen Schriftzügen losgelassen. Später, als die Hamas bemerkte, dass die Drachen auf unseren Feldern landeten, befestigten sie Brandmaterial daran, und Tausende Dunam Weizenfelder brannten nieder.»

Der Chef der arabischen Ra’am Partei, Mansour Abbas, betonte auf dem Parteitag in Taybe, dass «die traditionalistische arabische Fraktion die israelische Demokratie auf die Probe gestellt habe, indem sie die Beteiligung einer arabischen Partei an einer Regierungskoalition zu einer echten politischen Option gemacht hat.» Abbas bezeichnet die arabischen Bürger als ‘eine Brücke zum Frieden’. «Der unabhängige Staat Palästina ist eine Realität, die von den meisten Ländern der Welt anerkannt wird, mit Ausnahme der Vereinigten Staaten und Israels», sagt er. «Wir wollen, dass sie ihn anerkennen, und wir werden uns für Frieden, Annäherung und ein Ende der Besatzung und des Konflikts einsetzen.» Bereits im Jahr 2021 hatte Abbas in einem Interview mit Kanal 12 den jüdischen Staat anerkannt: «Der Staat Israel wurde als jüdischer Staat geboren, und er wird einer bleiben.» Einen Monat zuvor hatte er  in der israelisch-arabischen Zeitung ‘Kul al-Arab’ bereits betont: «Israel ist ein jüdischer Staat, ob es uns gefällt oder nicht, und die Frage ist, welchen Status wir in diesem Staat haben. Ich betrachte mich als Bürger mit voller Staatsbürgerschaft in Israel und möchte alle meine Rechte wahrnehmen.» Walid Taha, Mitglied der Ra’am erklärte: «Der Unterschied zwischen Ra’am und den anderen (arabischen) Parteien besteht darin, dass wir bei Ra’am uns nicht damit begnügen, Forderungen zu stellen – wir handeln auch politisch, um Lösungen umzusetzen. Ra’am hat sich dafür entschieden, das Feuer der Partnerschaft in einer Koalition auf sich zu nehmen, um die Flammen der Ungerechtigkeit und Diskriminierung zu löschen, die unser Volk verbrennen», sagt er. «Wir reichen der jüdischen Gemeinschaft die Hand, um eine gerechte gesellschaftliche Integration für alle Bürger des Staates zu erreichen, ohne Ausnahme.» In der vergangenen Woche haben sich die drei anderen arabischen Parteien zu einer Wahlplattform zusammengeschlossen, um ihre Chancen bei der Wahl zu verbessern. In deutlicher Abgrenzung zu diesen betonte Yahya Dhamsheh, der politische Direktor von Ra’am, die Partei sei «die Stimme der konservativen arabischen Gemeinschaft in all ihren Formen und religiösen Gruppierungen, einschliesslich unserer christlichen und drusischen Brüder.» Die Ra’am Partei hat sich mittlerweile zu einer völlig unreligiösen Partei gewandelt, die die Beziehung zum ‘Islamic Shura Council’ offiziell abgebrochen hat. Ra’am wird bei den Wahlen, wie bereits 2022, das Zünglein an der Waage sein, um Netanyahu schnellstmöglich aus dem Amt zu bringen.

Der US-Sonderbeauftragte für Syrien und den Irak, Tom Barrak, vermutet, dass Israel den syrischen Militärflughafen ausschliesslich aus wahltaktischen Gründen angegriffen hat und damit die Türkei in einen Konflikt hineinziehen wollte. Israel wolle mit aller Macht verhindern, dass türkische Militärflugzeuge nahe der Grenze in Syrien stationiert werden. Barrack erklärte in einem Interview, das sei nur eine von zwei möglichen Optionen und würde erklären, warum Israel den Angriffsflug trotz der bilateralen Gespräche auf hohem Niveau ausgeführt hätte. «Eine Theorie lautet, dass sie die Türkei lediglich provozieren wollten, und das ist ein sehr aggressiver Wahlkampfschachzug», sagt Barrack. «Die andere Theorie besagt, dass es zwischen der IDF, dem Mossad und dem Büro des PM zu einem Missverständnis gekommen ist. Zu Israels Ehren», sagt er, habe das Land den USA etwa sechs Tage vor dem Angriff mitgeteilt, dass es Geheimdienstinformationen gebe, wonach «möglicherweise türkische Truppen zu diesem Standort verlegt würden. Wir haben alle unsere Sorgfaltspflicht erfüllt. Wir haben uns an unsere jeweiligen Geheimdienste gewandt. Die Antworten, die wir erhielten, lauteten: Nein, das findet nicht statt [sic]“, sagt Barrack.

Die IDF bestätigt, am Nachmittag einen Drohnen-Angriff auf ein südwestliches syrisches Gebiet, etwa 10 km entfernt von der israelischen Grenze ausgeführt zu haben. Ziel des Angriffs sei ein Terrorist gewesen, der kurz davor war, einen Terroranschlag gegen Israel durchzuführen. Syrische Medien berichten, beim Angriff in Beit Jinn sei eine Person verletzt worden. «Dieser Angriff stellt eine flagrante Verletzung der Souveränität der Arabischen Republik Syrien und der territorialen Integrität des Landes sowie einen eklatanten Verstoss gegen das Völkerrecht dar und erfolgt vor dem Hintergrund wiederholter israelischer Angriffe auf syrisches Hoheitsgebiet“» heisst es in einer Erklärung des Aussenministeriums.

Die IDF eliminierte am Nachmittag Sharif al-Hasanat, einen Kompanie-Kommandanten der Hamas, dessen Aufgabe darin bestand, von der IAF zerstörte Tunnelsysteme in Gaza wieder aufzubauen. Zusätzlich führte er auch immer wieder Angriffe auf IDF Soldaten und jüdische Zivilisten durch.

Nach dem Zwischenfall, bei dem jüdische Siedler-Terroristen gestern verbotenerweise im Wadi Sa’ir (s. gestern) auftauchten und ein Palästinenser tödlich von einem zivilen Sicherheitsdienst verletzt wurde, nahm die Polizei jetzt drei Palästinenser fest. Sie hatten mit Steinwürfen versucht, die Angriffe der Siedler-Terroristen abzuwehren. Zwar wurden sie nach der ersten Befragung wieder freigelassen, weitere Massnahmen wurden aber angekündigt. Und was ist mit den jüdischen Siedler-Terroristen? Die durften wie immer in diesen Fällen unbehelligt wieder heimgehen. Ein Skandal!



Kategorien:Israel, Politik

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