Krieg gegen Iran – Tag 162 seit dem Beginn der Kämpfe

26. Aw 5786

Heute vor 25 Jahren fand einer der schlimmsten Anschläge der zweiten Intifada statt. Bei einem Selbstmordanschlag auf die beliebte Pizzeria ‘Sbarro’ in Jerusalem sprengte sich der Attentäter mit einer ‘schmutzigen’ Bombe in die Luft. Kurz vor 14 Uhr betrat der Attentäter die Pizzeria und zündete die Bombe. Sie dürfte 5-10 kg schwer und gespickt mit Nägeln, Schrauben und Bolzen gewesen sein. 16 Menschen, s’’l, darunter leider auch sieben Kinder starben, etwa 130 wurden verletzt. Die Hamas und der Islamische Djihad übernahmen die Verantwortung. Ahlam al-Tamimi hatte das Ziel ausgesucht und den Attentäter zum Tatort gebracht.  Um möglichst unauffällig zu wirken, trug sie die Kleidung einer jüdischen Touristin. Sie verliess den Tatort noch, bevor die Bombe explodierte. Tamimi wurde festgenommen und zu einer mehrfach lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. 2011 gehörte sie zur Gruppe der 1.27 Terroristen, die gegen die Freilassung von Gilad Shalit abgeschoben wurden. Sie fand Aufnahme in Jordanien.  Sie besitzt die jordanische Staatsbürgerschaft, moderiert TV-Sendungen und hält öffentliche Vorträge. US-Botschafter Mike Huckabee fordert die Auslieferung der Terroristin an die USA, um sie dort für die Ermordung der drei US-amerikanischen Bürger beim Anschlag auf die Pizzeria vor Gericht zu stellen. Das US-Aussenministerium hat auf ihre Erfassung ein Kopfgeld von US$ 5 Millionen ausgesetzt.

Oppositionelle Politiker, deren erklärtes Ziel es ist, die Regierungszeit Netanyahus endgültig zu beenden, kritisieren ihn scharf. Gemeinsam mit seinen engsten Beratern, Urich, Einhorn und Feldstein, habe er die nationale Sicherheit gefährdet, als er 2024 geheime Informationen betreffend Ägypten an Katar weiterleiten liess. So z.B. die Untersuchung der Frage, ob der Truppeneinsatz auf dem Sinai gegen das Friedensabkommen verstossen habe und die Bereitschaft Kairos gemindert hätte, die Geiseln aus den Fängen der Hamas zu befreien. Katar wiederum nutzte die Informationen, um die antiägyptische Stimmung unter der israelischen Bevölkerung zu schüren. Der grosse Pluspunkt für Doha war, wieder eine führende Rolle bei den Verhandlungen einzunehmen. «So sieht Verrat am Staat Israel aus. Netanyahus Berater, die Geld aus Katar erhielten, haben unsere strategischen Beziehungen zu Ägypten gefährdet, um katarischen Interessen zu dienen», erklärt der Vorsitzende der Demokraten, Yair Golan. «Fünf Kriege und tausende gefallene Soldaten haben uns zum Friedensabkommen mit Ägypten geführt, und Netanyahus Büro hat nicht gezögert, dieses aus finanzieller Gier zu gefährden. Ihre Bankkonten bestimmten Israels Aussen- und Sicherheitspolitik, während die Besten unserer Söhne an der Front getötet wurden», schreibt er auf X. Gadi Eisenkot wird noch deutlicher: «Jeder vernünftige Ministerpräsident würde eine Untersuchung anordnen, um Klarheit zu schaffen und sicherzustellen, dass seine Mitarbeiter im Interesse des Staates Israel und nicht im Interesse eines anderen Landes handeln – aber nicht dieser Ministerpräsident.» Die Bemühungen von Lapid und Bennett, Katar zum feindlichen Staat zu erklären, wurden vom Likud immer wieder torpediert.

KI generiert von mir

Netanyahu und VM Katz haben ohne grosses Aufheben grünes Licht für den Beginn des Wiederaufbaus im von Israel kontrollierten Teil des Gazastreifens gegeben. Der ursprüngliche Plan war, mit dem Wiederaufbau erst nach der vollständigen Entwaffnung der Hamas zu beginnen. Dem Bericht der Armee zufolge sollen Bauunternehmer und Arbeiter aus dem Gazastreifen die Arbeiten nach Durchlaufen von Sicherheitsüberprüfungen ausführen. «Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Gebiet von Terrorinfrastruktur und Tunneln gesäubert», heisst es in der Erklärung des Büros des PM gegenüber Army Radio. Sensible Arbeiten wie Wasser, Strom und Abwasser werden aus Sicherheitsgründen unter Aufsicht der IDF durchgeführt werden. Noch im Januar hatte Netanyahu getönt, dass zunächst die Hamas vollständig entwaffnet sein müsse. «Ich höre bereits die Äusserungen, dass wir den Wiederaufbau in Gaza vor der Entmilitarisierung zulassen werden», sagte er damals. «Das wird nicht geschehen.» Na ja, was geht ihn sein dummes Gewäsch von Gestern an?

Der iranische ‘Oberste Nationale Sicherheitsrat’ erklärte gestern, dass die Strasse von Hormus, trotz der möglicherweise bevorstehenden Vereinbarung zwischen dem Iran und dem Oman, nicht geöffnet werde. Die Grundvoraussetzung für eine Öffnung wäre, dass ‘die USA ihr Verhalten ändern’. «Die Vereinigten Staaten dürften den Iran nie wieder bedrohen», hiess es in der Erklärung und müssten den Krieg gegen den Iran und dessen bewaffnete Verbündete in der Region endgültig beenden. Die USA müssten die Seeblockade iranischer Häfen aufheben und ihre Streitkräfte aus dem Gebiet abziehen. «Ausserdem müssen sie den Iran für Kriegsschäden vollständig entschädigen, alle Sanktionen aufheben und eingefrorene Vermögenswerte bedingungslos freigeben.» Barak Ravid, Washington-Korrespondent von Kanal 12, erklärte gegenüber dem Sender, dass «die USA diese Forderungen eindeutig nicht akzeptieren können und dass sie US-Präsident Donald Trump möglicherweise wieder in Richtung der militärischen Option drängen könnten, die er erst vor wenigen Tagen zurückgestellt hatte.» Die USA kommentierten die Forderungen noch nicht. Die ursprüngliche 60-Tage-Frist für eine endgültige Formulierung der Absichtserklärung läuft in der kommenden Woche aus, wurde aber zwischenzeitlich unterbrochen.

JD Vance sieht wieder einmal alles ganz anders. «Der Iran steht erheblich unter Druck und bemüht sich intensiv um ein Abkommen zur Beendigung des Krieges. Ich denke, wir haben in den letzten Tagen einige Fortschritte erzielt. Wir haben ihr Atomprogramm zerstört. Wir haben ihre konventionellen Streitkräfte zerstört. Wir werden einfach weiterhin den Druck ausüben, den wir ausüben können.»

Ein hochrangiger, wenn auch anonymer Mitarbeiter des Weissen Hauses erklärte gegenüber dem Wall Street Journal, dass Washington alle Kriegsziele gegen den Iran erreicht habe. Der Fokus läge deshalb nun ausschliesslich auf der Wiedereröffnung der Strasse von Hormus. Die drei wichtigsten Atomkraftwerke seien zerstört und der Iran werde grosse Schwierigkeiten haben, das Atomprogramm wieder aufzunehmen. Allein schon die Androhung weiterer militärischer Massnahmen hätte das Land an jedem Versuch gehindert, erklärte Trump.  Selbst wenn es keinen sehenswerten Erfolg bei den Gesprächen zu den Atomabkommen gibt, was so sein wird, weil die Iraner das Programm nicht aufgeben werden, wird Trump die Waffenruhe aufrechterhalten und die Seeblockade aufheben. Das klingt ganz anders, als alles, was Trump bisher lautstark verkündet hat. Es ist ein völliges Einknicken gegenüber dem Regime in Teheran und ein Verrat an den Zusagen an Israel. Trump sieht das anders, der möchte mit dem Schritt den Sieg über den Iran verkünden.

Es steht mir nicht zu, zu behaupten, dass Netanyahu an selektiver Wahrnehmung leidet, oder erste Anzeichen von Verwirrung zeigt, aber infrage stellen muss ich seine geistigen Kapazitäten doch. Wie kann er, nachdem er nicht zum ersten Mal von Trump dermassen düpiert wurde, wie gerade jetzt, ihn immer noch in den höchsten Tönen loben? Vor der heutigen Kabinettssitzung erklärte er zum wiederholten Male: «Ich schätze Präsident Trump sehr. Er ist ein grosser Freund von uns im Weissen Haus. Ich schätze die historische Partnerschaft mit den USA gegen die Versuche des Iran, Atomwaffen zu erwerben, sehr. Und ich möchte noch einmal betonen: Ob mit oder ohne Abkommen – solange ich Ministerpräsident bin, wird der Iran keine Atomwaffen besitzen. Im Gegensatz zu all jenen, die uns belehren, tun wir das, was für Israels Sicherheit getan werden muss, und wir können und wissen, wie wir uns bei Bedarf auch gegen unsere allerbesten Freunde behaupten», sagt er. Da wird er wohl in Zukunft allein gegen den Iran losziehen müssen. Auf Trump darf er nicht mehr zählen. Da passt es gerade gut ins Gesamtbild, dass Netanyahu während der Sitzung erneut den 15-Punkte-Plan für Gaza ablehnt, weil die Hamas nach wie vor in der Lage ist, Israel anzugreifen. Auf die Gefahr reagiert Netanyahu vollmundig: «Sie mag angreifen, aber warum sind lange Wochen vergangen, ohne dass sie uns angegriffen hat? Weil sie weiss, welch schweren Schlag wir ihr zufügen werden, wenn sie es tut.»

Die Houthi-Terroristen behaupten, während der Nachtstunden die Raffinerie von Aramco Jizan, Saudi-Arabien, angegriffen zu haben. Der Angriff habe mit einer Drohne stattgefunden und sei erfolgreich gewesen. Die Feuerwehr konnte den entstandenen Brand schnell und vollständig löschen. Es entstand nur minimaler Sachschaden.

Yossi Verter, Haaretz, 7. August, trifft wieder einmal genau den Punkt. Wer von den regelmässigen Knesset-TV Besuchern kennt nicht den weit gestikulierenden Minister für regionale Zusammenarbeit, David Ansalem, der die normale Rededauer von drei bis zehn Minuten sehr dehnbar auslegt. In der vergangenen Woche sprach er über Eisenkot, wie über seinen besten Freund.  

Zitat: «Amsalem wusste genau, was er sagte, und war sich der Wirkung, die dies im „Balfour“ – dem Codewort für die Residenz des Kaiserpaares – haben würde, voll und ganz bewusst.»

Seine Aussage war nicht die einzige dieser Art, bereits zuvor hatte er in einem Interview festgehalten, dass der Likud niemandem gehört und auch, man merke auf, nach Netanyahu weiter existieren werde. Ansalem wollte seine Unzufriedenheit mit dem Likud-Chef zum Ausdruck bringen, durch die Blume natürlich. Netanyahu, das konnten wir in den letzten Wochen beobachten, ist mit der Zusammenstellung der Wahlkandidatenliste unzufrieden. Er hätte sich mehr Einfluss gewünscht, den ihm die Basis aber verweigerte. Ansalem hat erkannt, er passt nicht in das Bild, das Netanyahu sich vorstellt. Er gehört ebenso wie Shlomo Karhi, Idit Silman, Tally Gotliv und May Golan und anderen, weniger prominenten Likudniks zur Gruppe der Mizrachim[1].

Zitat: «Amsalem sieht sich selbst als Hauptopfer eines Verrats an einer Gruppe von Likud-Knesset-Abgeordneten, von denen die meisten Mizrahim sind. Sie glauben, Netanyahu wolle die Kandidatenliste mit, wie Sara N. es ausdrückt, „sanften Europäern“ füllen.»

Das Umfeld des Kaiserpaares ist schockiert. Die Aussagen Ansalems reflektieren die Gefühle der Likud-Basis zu Eisenkot. Generalstabschef mit marokkanischen Wurzeln, geboren in Tveria, aufgewachsen in Eilat. Im Krieg verlor er einen Sohn und zwei Neffen. All das macht ihn zum Gegenentwurf zu Netanyahu. Die Rettungsmannschaft rund um Netanyahu, allen voran Yonatan Urich, sucht verzweifelt nach Möglichkeiten, auf dem Netanyahu-freundlichen Kanal 14 Eisenkot zu beleidigen und Dreck über ihn auszugiessen. Doch Ansalem ist ihnen einen Schritt voraus. Man darf Gadi Eisenkot mögen, vor allem, und das ist für Ansalem immer wichtig, wegen seines Profils.

„Yashar-Eisenkot“ – „Kachol-Gantz“ – „Bennett 2026“ In der Sprechblase „Der Likud verkommt zu einer Ein-Mann-Partei“

Es schaut nicht gut aus für Netanyahu. Nicht nur Ansalem hat ihn ans Bein getreten, es waren die Verluste der Koalition, die dem Likud 9 bis 10 Sitze gekostet haben. Netanyahu sucht sie und findet sie nicht, die Personen, die seine persönliche Wahlliste füllen sollen. Er sucht die, seriös auftretenden Politiker, die er eigentlich nicht will.

Zitat: «Er will Kandidaten, die den Anschein erwecken, aber nach Schliessung der Wahllokale ihre Maske ablegen. Sie sollten aschkenasisch sein, sich gut kleiden, gewandt sprechen und Kultur sowie Bildung ausstrahlen, aber wenn es hart auf hart kommt, die Spielregeln akzeptieren, wie sie der Ministerpräsident festgelegt hat. Ein paar solche gibt es bereits in der Partei: die Minister Avi Dichter, Nir Barkat, Gideon Sa’ar und Eli Cohen (der kein Aschkenasi ist – sie müssen ja nicht alle welche sein). Im Grunde unterscheiden sie sich jedoch nicht von Golan, Karhi und Co., abgesehen von Aussehen und Stil»

Auch Netanyahu selbst ist mit seinem Alter, bald 77 Jahre alt, rhetorisch nicht mehr der, der er mal war. Damit gleicht er Trump. Als ihn in er vergangenen Woche ein Podcaster über die Beziehung zu seiner religiösen Tochter und den Enkelkindern befragte, konnte er keine Antwort geben. Tatsache ist, der Kontakt mit der mittlerweile haredischen Familie Roth, die in Mea Shearim, Jerusalem leben, ist aufgrund seines Terminplans sehr eingeschränkt. Böse Stimmen behaupten auch, dass Sarah N. ein Problem mit Noa und deren fünf Kindern habe.  Und es kann schon einmal geschehen, dass er Daten verwechselt oder den Namen seines jüngeren Sohnes nicht mehr weiss. Noch lieben ihn die Medien. Solche kleine Vorfälle werden kaum berichtet. Würde es sich hingegen um einen Oppositions-Politiker handeln, die Medien würden es ausschlachten.  

Zitat: «Das andere Lager hütet sich jedoch davor, Netanyahu zu beleidigen, aus Sorge, dass es eine Gruppe unentschlossener Likud-Anhänger gibt, die nicht mit ansehen wollen, wie ihr verehrter Führer gedemütigt wird, und die ihren Zorn dadurch zum Ausdruck bringen würden, dass sie zu Bibis Lager überlaufen. Das ist eine Denkweise, die es bisher immer nur in den Überlegungen der Mitte-Links-Parteien über die Rechte gegeben hat, aber niemals umgekehrt. Vielleicht ist das ein Fehler?»

Ein Weiterlesen lohnt sich unbedingt!


[1] Als Mizrachim  bezeichnet man Juden aus dem Nahen Osten, Nordafrika und anderen islamisch geprägten Regionen, wie dem Kaukasus, Iran, Irak, Indien, Syrien, Marokko, Ägypten, Jemen.



Kategorien:Israel, Politik

Schlagwörter:

Hinterlasse einen Kommentar