10. Elul 5786

Naftali Bennett[1], ehemaliger PM und Herausforderer von Netanyahu, bezeichnete in einem Interview mit Kanal 12 Netanyahu als ‘Anarchisten, dessen giftige Wahlkampftaktik’ Gadi Eisenkot und andere politische Gegner in physische Gefahr bringen könnte.
Bennett war vor dem Bruch mit Netanyahu (und Sara N.) Minister mit diversen Portfolios in dessen Regierung. Er malt ein dem Konklave ähnliches Szenario für die Minuten nach der Wahl: «Eine Minute nach der Wahl werden wir uns in einen Raum begeben – Gadi, Yashar, der Vorsitzende der Partei Yisrael Beytenu, Avigdor Liberman und der gesamte Block – und wir werden mit einem einzigen Kandidaten wieder herauskommen. Ich werde nichts tun, was den Regierungswechsel gefährdet, und wenn ich dafür die niedrigste Position der Welt einnehmen muss – dann sei es so.»

Das Übergabegespräch von Netanyahu an Bennett im Jahr 2021 habe nur 30 Minuten gedauert. In dem Buch beschreibt Bennett Netanyahu als «erbärmlich, verkrampft, mitgenommen, mürrisch.» Er habe weder diplomatische noch sicherheitspolitische Informationen erhalten. Auch keine Glückwünsche. Stattdessen die Forderung, noch einige Monate in der Residenz wohnen zu können. Bennett hat das abgelehnt, die Netanyahus blieben trotzdem. Sie verliessen sie erst am 1. Juli nach Mitternacht.
In dem Buch heisst es, Bennett habe den Eindruck von «wütend, unstaatsmännisch, unprofessionell und oberflächlich» gewonnen. Bennett berichtete, Netanyahu habe ihn kurz vor der Vereidigung der neuen Regierung zu sich nach Hause eingeladen und ihm gesagt: «Hör zu, wenn du eine Regierung bildest, werde ich die ganze schwere Artillerie aufbieten, um dich als Verräter zu brandmarken, und du wirst dein ganzes Leben ruinieren, du wirst diesen Makel für immer mit dir herumtragen.» Bennett sagte, Netanyahu habe während des gesamten Gesprächs wiederholt solche Drohungen ausgesprochen und ihn gewarnt, dass er die Schwere dessen, was ihm bevorstehe, nicht begreife: «Und er hatte recht, ich hatte es masslos unterschätzt. Er hat die Pforten der Hölle über mir aufgerissen; die Hölle brach los. Es war wahnsinnig.»
Bennett befürchtet, dass die vom Likud geführte Kampagne gegen ihn, Eisenkot, Liberman und Yair Golan so weit gehen werde, dass manche Leute denken würden, sie seien ‘Hitler und würden etwas unternehmen’. Während er selbst als ehemaliger PM Sicherheitsschutz geniesst, sagte Bennett, dass Eisenkot, der keinen Sicherheitsschutz habe, potenziell in Gefahr sei. «Das Ausmass der täglichen Gehirnwäsche auf Kanal 14[2], in den Elementen dieser Vergiftungs-Maschine, ist etwas sehr, sehr Mächtiges.»
Anschliessend wurden weitere Zitate von Bennett über Netanyahu aus dem Buch vorgelesen:
«Der besonnene, ausgeglichene Staatsmann, den ich vor einem Jahrzehnt kannte und respektierte, wurde durch eine autoritäre, zügellose Person ersetzt, die vergessen hat, wie man ein Demokrat ist, und das Geheimnis der Stärke des jüdischen Volkes aus den Augen verloren hat. Er glaubt nicht wirklich an die Stärke der Nation Israel – nur an seine eigene Macht. Was ihn betrifft, ist er Gulliver, umgeben von Liliputanern, und folglich ist sein Führungsstil monarchisch.»
«Ich war erstaunt, wie aus dem Konservativen ein Revolutionär geworden war und wie aus dem amerikanischen Republikaner eine Art französischer König geworden war», wird Bennett in dem Buch zitiert. Er fügte im Interview hinzu, dass er nun über den Begriff ‘revolutionär’ hinausgehen und Netanyahu als ‘fast schon einen Anarchisten’ bezeichnen würde. «Was wir in den letzten Jahren durchmachen, ist Anarchie im Staat Israel.»
Bennett sagte, während er sich in der Vergangenheit gegen Amtszeitbeschränkungen für Ministerpräsidenten ausgesprochen habe, sei er sich nun ‘sicher, dass diese notwendig seien: «Ich schäme mich nicht, meine Haltung angesichts einer neuen Realität zu ändern.»
Der Angriff der IAF auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt in der vergangenen Woche entwickelt sich mehr und mehr zu einem Politikum. VM Katz verteidigt nicht nur den Angriff, sondern auch den darauffolgenden öffentlich gemachten Schlagabtausch mit Erdogan. Oppositionsführer Lapid sieht darin nichts anderes, als ein ungutes Wahlkampfmanöver. «Im Nahen Osten ist es wichtig, bei Bedarf Angriffe durchzuführen, aber sobald man angegriffen hat, sollte man still sein» sagte er. «Was bringt es, daraus einen öffentlichen Streit zu machen, wenn die Türken die Botschaft durch den Luftangriff doch verstanden haben?» Die zielführende leise Diplomatie bringt jedoch keine Aufmerksamkeit für den Angreifer, der sich vor den Wahlen wieder einmal als ‘Mr. Sicherheit’ präsentieren muss. «Jetzt, weil Wahlen anstehen, gibt es diesen Wortschwall darüber. Was bringt das?», fragt er. «Das heizt genau die Region auf, die wir nicht aufheizen müssen.» Katz, wieder einmal ganz das Sprachrohr Netanyahus feuert zurück: «Es ist verboten, Erdogan zu verärgern. Als würden wir gerade einen Abendspaziergang machen, während eine leichte Brise durch die Baumwipfel weht, ganz losgelöst von allem, und Erdogan wäre in Wahrheit ein Freund Zions. Es ist gut, dass sie keinen Einfluss haben», fügt er über seine Kritiker hinzu.
Nicht nur Trump spielt ein undurchsichtiges Spiel mit dem Iran. Ist er heute für eine Lösung, beschuldigt er morgen den Iran, uneinsichtig zu sein, springt wieder zurück zu einer Meinung, die schon einige Wochen alt ist, um dann wieder auf der eigenen Überholspur nach vorne zu preschen und einen knapp bevorstehenden Deal herbeizuträumen, wie er besser nicht sein könne. Gestern hatte der iranischen Präsident Masoud Pazeshkian noch betont, der Iran befinde sich derzeit in einer Situation der Stärke und müsse das ausnutzen, um den Krieg jetzt zu beenden. Das klang sehr selbstbewusst. Heute betont er, die Absichtserklärung, die innerhalb von 60 Tagen hätte zu einem Friedensvertrag führen sollen, sei wieder in weite Ferne gerückt. Dabei sei sie der beste Weg, um aus dem Krieg entkommen zu können. «Es gibt keine einzige Bestimmung in diesem Abkommen, die einer Kapitulation gleichkäme», so Pezeshkian. «Der Oberste Führer legt die Politik fest, und wir werden diesen Weg beschreiten.» Der iranische Aussenminister Abbas Araghchi tut die Androhung neuer US-Sanktionen als Zeichen der Verzweiflung ab und erklärt, die erwarteten neuen Massnahmen würden Teheran nicht in die Knie zwingen. Araghchi beschreibt sie als «sich wiederholende Szenarien. Die Tatsache, dass sie (die US-Führung) von militärischen Operationen abgekommen sind …, um dieselben alten Pläne wieder hervorzukramen, zeigt, dass sie verzweifelt sind.»




VM Katz hat die IDF instruiert, gegen Drachen aus dem Gazastreifen energisch vorzugehen. Auch wenn es sich bisher um ‘harmlose’ Drachen handelte, die keinen Schaden in den Gemeinden im Umkreis des Gazastreifens anrichteten, lösten sie doch teils heftige Reaktionen bei den Bewohnern der Region aus (s. gestern). «Ein Ballon wird wie ein Drachen behandelt, und ein Drachen wird wie eine Drohne behandelt – egal, ob mit oder ohne Sprengstoff», sagt er. «Jeder, der solche Starts organisiert, durchführt oder ermöglicht, wird unverzüglich und mit aller Härte bestraft», fügt Katz hinzu.
Zu einer seltenen Festnahme kam es gestern in der palästinensischen Siedlung Khirbet al-Rakiz im Gebiet Masafer Yatta, südlich von Hebron. Ein 16 Jahre alter jüdischer Siedler-Terrorist wurde von einem 17 Jahre alten Kollegen dabei gefilmt, wie er einen beinamputierten älteren Palästinenser, der sich an zwei Krücken zu seinem Jeep schleppte, mit einem Stock so schlug, dass er beide Krücken verlor und zu Boden ging. Das Video wurde von den Siedler-Terroristen in den Sozialen Medien hochgeladen. Beide wurden von der Polizei festgenommen. Das Opfer wurde als Scheich Saeed al-Amour, 61, identifiziert, der im April 2025 ein Bein verlor, als er bei einem Zusammenstoss mit Siedlern angeschossen wurde. Das Fahrzeug der Jugendlichen, das sie ohne Führerschein fuhren, ein Ranger-ATV, wurde beschlagnahmt. Dieser Fahrzeugtyp wird vom ‘Siedlerministerium’ unter Orit Strock, an illegale landwirtschaftliche ‘Aussenposten’ geliefert.
Nach genau zwei Wochen, in denen jüdische Siedler-Terroristen und Soldaten einige Häuser in Qusare belagert und teilweise besetzt hatten, zog sich die IDF in der Nacht aus den besetzten Häusern zurück. Sie blieben allerdings vor Ort, um die Rückkehr der Siedler zu verhindern. Die IDF beklagte gestern einen mehr als peinlichen Vorfall, bei dem Soldaten Kleider und andere Gegenstände aus einem besetzten Häuser warfen. «Das Verhalten der Soldaten und die im Video zu hörende Bemerkung widersprechen dem, was von einem Soldaten der IDF erwartet wird. Wir betonen, dass in den letzten Tagen eine Abstimmung mit den Dorfbewohnern stattfand, wonach Soldaten vorübergehend in mehreren Gebäuden in dem Gebiet untergebracht werden sollten, um die Ordnung aufrechtzuerhalten und Randalierer dauerhaft daran zu hindern, in das Gebiet vorzudringen», fügte das Militär hinzu. Das mag nun glauben wer will! Obwohl die Häuser nun alle wieder frei zugänglich sind, wurde den Bewohnern mitgeteilt, dass sie diese noch nicht verlassen dürfen, ohne dies mit ihrem Rechtsanwalt (sic!) abzustimmen. Warum diese seltsame Massnahme der IDF vorgenommen wird, bleibt völlig unklar.


Das Opfer einer Messerattacke, die heute in al-Ajuda, 5 km nördlich von Jericho stattfand, Elhanan Hananya, ein 24 Jahre alter Israeli ist aufgewacht und bei vollem Bewusstsein. Der Angreifer wurde dabei gefilmt, wie er ihn von hinten ansprang und mehrmals in den Rücken stach. Das Opfer wird im Shaare Zedek Medical Center in Jerusalem behandelt. Hananya, ein Berufssoldat, erlitt Stichwunden in der Schulter und innere Blutungen. Mit im Auto sassen seine schwangere Ehefrau, ihre zwei Töchter und sein Schwiegervater. Der Terrorist wurde am Nachmittag festgenommen.
Bei einem Angriff der IAF auf ein Gebäude in Zawayda, im von der Hamas kontrollierten Teil des Gaza Streifens wurden zwei Personen, einer der beiden leider erneut ein Kind, getötet. Zuvor hatte die IDF eine Warnung an die Bewohner erlassen, das Gelände zu verlassen. Durch herumfliegende Trümmerteile und Schrapnelle, die dutzende Meter weit flogen, wurden sechs Personen verletzt, darunter Mohammad Abdel-Salam Taha, 4, der im Spital für tot erklärt werden musste.


Im Askar Flüchtlingslager in der Nähe von Nablus, Samaria, wurde heute bei einer Militäroperation leider der 14 Jahre alte Islam Ajouri getötet. Weitere Details von der IDF stehen noch aus. Askar wird nicht von der UNWRA betreut und leidet unter extremer Überbevölkerung.

Jüdische Siedler-Terroristen haben in der Nacht auch heute im Dorf Osarin, südlich von Nablus einige Fahrzeuge, ein Wohnhaus und ein Holzgebäude in Brand gesetzt. Schmierereien auf einigen Mauern lautete u.a. «Tod dem Feind, Freiheit für das Heimatland» Eine andere Gruppe setzte ein Gebäude mit Viehfutter, das auch als Unterstand der Hirten diente, in Brand. Die Ueberwachungskameras des Ortes konnten keine Bilder mehr liefern, da sie im Brand zerstört wurden. Der Überfall hat gegen 3 Uhr morgens stattgefunden, bis zum Sonntagvormittag sei noch kein israelischer Beamter vor Ort aufgetaucht.
[1] Dieser Text ist die Zusammenfassung des bei ToI heute am 23. August 2026 veröffentlichten Textes.
[2] Kanal 14, ein rechter, privater Sender gilt als Sprachrohr Netanyahus
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