12. Elul 5786


Jeder Israeli kennt die Geschichte der Altalena, jenes ausser Dienst gestellten US-Panzerlandungsschiffes, mit dem der ‘Irgun Zwai Leumi’ (Etzel) 1948 Kämpfer und Waffen nach Israel schmuggelte. Dabei gelang es ihm, das herrschende UN-Embargo erfolgreich zu umgehen. Führer des Irgun war Menachem Begin. Ab Februar 1948 pendelte die Altalena nur noch zwischen Marseille und Casablanca und wartete auf den Einsatzbefehl, sobald die Waffenlieferungen im Wert von 150 Millionen Francs und die Passagiere bereit wären. Am 9. Juni war es so weit, die Altalena ankerte vor Port-de Bouc. Ben-Gurion wurde über die Waffenlieferung informiert, 940 Passagiere segelten am 11. Juni 1948 los. Am 19. Juni erreichte die Altalena Israel, landete jedoch nicht, wie geplant, in Kfar Vitkin, nördlich von Netanya, sondern in der Nähe von Tel Aviv. Sie wurde jedoch im Laufe der Nacht nach Kfar Vitkin überstellt. Nach dem Löschen der Ladung sollte das Schiff wieder zurück nach Tel Aviv segeln, wurde dabei aber wiederholt von Kriegsschiffen beschossen. Es kam zu Uneinigkeiten, ob eine Miliz oder die IDF die Waffen erhalten sollten. Am frühen Morgen des 22. Juni strandete das Schiff schliesslich etwa 150 m vor dem Strand von Tel Aviv. Anlässlich einer Krisensitzung warnte Ben-Gurion, dass der Irgun versuchen werde, die Armee und den Staat zu zerstören. Mit 7:2 Stimmen lehnte das Kabinett jede Verhandlung mit dem Irgun ab, dem befohlen wurde, die Altalena zu übergeben. Um 16 Uhr gab Ben-Gurion das Signal zum Angriff. Nach drei im Meer explodierten Granaten wollte der Kapitän aufgeben, als Sekunden nach dem Hissen der weissen Flagge eine Granate das Schiff traf und in Brand setzte. 19 Juden kamen ums Leben. Zunächst lag das Wrack gut sichtbar vor der Küste, wurde aber nach etwa einem Jahr aufs offene Meer geschleppt und versenkt.

Itamar Ben-Gvir, immer gut dafür, andere zu beleidigen oder sich selbst einen Vorteil zu schaffen, nutzte eine Gedenkfeier für die Altalena, um Netanyahu zu demütigen. Netanyahu hetzte, geschützt durch eine Armee von Sicherheitskräften durch die Ausstellung, die das angeblich ‘gerade erst gefundene’ Wrack in 503 m Tiefe 120 km vor der Küste von Tel Aviv schon bemerkenswert ausführlich dokumentierte.

Die Polizei musste den entsprechenden Strandabschnitt räumen, damit Netanyahu sich dort, ganz in seiner Vision als echter und einziger Nachfolger von Ze’ev Joabotinsky und seiner Philosophie des ‘jüdischen Prinzen’ zu positionieren.

Während er im Hinterhof des Museums seine Rede hielt, feierte drinnen Ben-Gvir, die Henkersschlinge am Revers, sein grosses Fest. «Auch Begin», so Ben-Gvir, «wurde verfolgt, ganz so wie ich.» Er strahlte über das ganze, feiste Gesicht, hatte er doch das Wrack der Altalena, dieses uralte Symbol für das noch junge Israel und seinen Freiheitswillen für sich requiriert, für den Erben von Meir Kahane, dem verbotenen Politiker. «Heute Abend schliessen wir einen historischen Kreis in Bezug auf eines der schmerzhaftesten und prägendsten Ereignisse in der Geschichte der israelischen Gesellschaft», sagte Ben-Gvir am späten Sonntagabend, als die Entdeckung bekannt gemacht wurde.

Netanyahu versuchte es noch mit einem Trumpf, den er aus dem Ärmel zupfte: «Ich verspreche euch, dass wir die Altalena aus den Tiefen des Meeres bergen werden.» Bleibt die Frage, wann, mit welchen technischen und mit welchen finanziellen Mitteln. Und ist es heute, im Jahr 2026, noch wichtig? Damals hatte unser Staat Führer, die diesen Namen verdienten: Ben-Gurion, und Begin. Ihre schrecklichen Erben sind heute Netanyahu und Ben-Gvir. Schlimmer kann es nicht mehr werden!



Den rechtsextremen Politikern ist nichts heilig, solange es um das Schmähen von Palästinensern geht. MK Zvi Sukkot, Religious Zionism, unterstützte heute einen weiteren Vandalen bei der Zerstörung eines Denkmals. Die IDF beteiligte sich zwar nicht aktiv, sicherte aber die Szene. Es handelt sich um ein Denkmal für Märtyrer im Dorf Madama südlich von Nablus. Der rechtsextreme Smotrich verteidigt die Zerstörung und betont: «Der Staat Israel hätte das Terrorismusdenkmal, das den verabscheuungswürdigen Terroristen verherrlicht, der für die Ermordung von vier Juden und die Verwundung von 20 unschuldigen Israelis verantwortlich ist, schon längst abbauen müssen. Ebenso gibt es Dutzende weiterer Terrorismusdenkmäler in ganz Judäa und Samaria, die noch heute von der IDF – und nur von ihr allein – zerstört werden müssen.» Smotrich geht nach dieser Rechtfertigung in den Wahlkampfmodus: «Trotzdem sollte uns wirklich beunruhigen, mit welcher Hektik die linken Oppositionsführer darauf aus sind, Sukkot zu verurteilen, anstatt den Terrorismus selbst», fährt Smotrich fort und wirft der Opposition vor, sie beabsichtige, «eine Regierung mit offenen Unterstützern des Terrorismus zu bilden, die Siedlungen und Farmen zu räumen, die wir in Judäa und Samaria errichtet haben, und einen Terrorstaat im Herzen des Landes zu errichten. Das ist das Einzige, was jeden vernünftigen Menschen beunruhigen sollte, der heute im Staat Israel leben möchte», fügt er hinzu. Wirklich Angst habe ich davor, dass, sollte Gott behüte, diese Regierung noch einmal gewinnen, sich Faschismus und Rechtsextremismus in Israel Bahn brechen und die Demokratie endgültig zerstört werden. Sogar Netanyahu verurteilte dem schädlichen Vorfall: «Die IDF ist die souveräne Autorität in Judäa und Samaria und für die Umsetzung der Beschlüsse der politischen Führung verantwortlich. Es ist inakzeptabel, das Recht in die eigene Hand zu nehmen – insbesondere durch Amtsträger –, da dies die Fähigkeit der IDF beeinträchtigt, sich auf ihre Aufgaben im Kampf gegen Terrorismus und Aufwiegelung zu konzentrieren», fügt das Büro des Ministerpräsidenten hinzu. Auch MK Ohad Tal, Religious Zionism ist schockiert: «Ich möchte das verstehen: Ist das mit der Kampagne abgestimmt? Steckt hier eine tiefgreifende Strategie dahinter, die ich völlig übersehe, oder haben wir einfach beschlossen, endgültig Selbstmord zu begehen? Ich frage das ganz ernsthaft.»
Gadi Eisenkot ging sowohl mit Sukkot als auch mit Netanyahu schärfer ins Gericht. «Das Verhalten von MK Sukkot ist eine Schande für jeden, der behauptet, die Öffentlichkeit zu vertreten und eine Führungsrolle einzunehmen. Er hat die IDF [1]und ihre Kommandeure belogen und in die Irre geführt, die Sicherheit gefährdet und den gesamten Staat Israel in Verruf gebracht.» Der ehemalige PM Naftali Bennett argumentiert in einer Erklärung, dass Netanyahus «Regierung des Chaos Israels Sicherheit und sein Ansehen in der Welt schädigt, um Aufrufe auf TikTok zu generieren», und erklärt, dass «Terrorismus mit Taten bekämpft wird, nicht mit erbärmlichen Provokationen.» Die Israelis «verdienen Knesset-Abgeordnete, die das Gesetz achten», sagt der Vorsitzende von „Blau-Weiss“, Benny Gantz. «Zvi Sukkot, der bereits in eine IDF-Basis eingedrungen ist, hat heute das Leben von Soldaten und Zivilisten gefährdet – für einen politischen Werbegag im Wahlkampf und ein paar Likes auf TikTok.»


Die Zersplitterung der Likud Abtrünnigen in mehrere rechte Parteien, die kaum eine Chance haben, in die Knesset einzuziehen, schaden offenbar dem Likud und müssen als verlorene Stimmen angesehen werden. Einzig der Partei des ehemaligen Generals Ofer Winter könnte es gelingen, die Sperrklausel zu überschreiten. Die dann zu erwartenden vier Plätze für Winter würden bedeuten, dass Netanyahu mit seinem Block nur mehr über 49 Sitze verfügen wird, weit abgeschlagen gegenüber der jetzigen Opposition, die dann auf 60 Sitze kommen wird. Derzeit wünschen sich 44 % Eisenkot als PM, nur mehr 34 % stehen hinter Netanyahu, 16 % sind noch unentschlossen.
Die IAF gab zum Anschlag auf ein Waffenlager in Gaza bekannt: «Die Waffenlager dienten zur Lagerung von Raketen, Waffen, Sprengstoff und anderer militärischer Ausrüstung, die von der Hamas für Angriffe auf israelische Truppen genutzt wurden. Diese Lagerstätten wurden in Moscheen und in der Nähe humanitärer Einrichtungen im Gazastreifen eingerichtet», so das Militär. IDF und Shin-Bet betonten, dass der Angriff eine klare Warnung an die Hamas darstellt, dass Israel «keinerlei terroristische Aktivitäten im Gazastreifen akzeptieren werde, die israelische Zivilisten bedrohen.»
[1] Sukkot hatte sich die Bewilligung der IDF nach Samaria und Judäa erschlichen, indem er behauptete, eine ‘Tour zu den Denkmälern’ unternehmen zu wollen. Bitte unbedingt den verlinkten Artikel lesen. .
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