Dwarim, Ki Teze, 21:10-25:19

8./9. Elul 5786                                                             21./22. August 2026 

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         18:37

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        19:53

Shabbateingang in Zürich:                                                                 20:09

Shabbatausgang in Zürich:                                                                21:14

In Ber 4:9 lesen wir: «Der Herr sprach zu Kain: Wo ist dein Buder Hevel?“ Der so Gefragte antwortete: „Ich weiss es nicht, ich bin nicht der Hüter meines Bruders!» Kain, der Erstgeborene, war Ackerbauer und Hevel Schafhirte. Es bestand kein Grund, neidisch auf das Los des anderen zu sein. Doch wir erleben es hier zum ersten Mal in der Torah, der jüngere Sohn neidet dem Älteren das Erstgeburtsrecht. Kain tötet Hevel und übernimmt keinerlei Verantwortung für sein Tun.

Ähnliches haben wir bei den zwei Söhnen Abrahams, Ishmael und Yitzhak gehört. Hier ist es Sarah, die Mutter des Zweitgeborenen Yitzhak, die Hagar, die Mutter, zusammen mit ihrem Sohn Ishmael verjagt. Die beiden Halbbrüder treffen sich erst wieder zur Beisetzung ihres gemeinsamen Vaters Abraham.

Auch mit den Söhnen von Yitzhak, Ja’acov und Esav meint es das Schicksal zunächst nicht gut. Esav ist der erstgeborene Zwilling, Ja‘acov kommt kurz nach ihm zur Welt. Der Vater Jitzhak liebte Esav mehr, die Mutter, Rivka, Ja‘acov. Zweimal betrog Ja‘acov mit Hilfe seiner Mutter den Bruder und den Vater. Erst betrog er seinen älteren Bruder um das Erstgeburtsrecht, dann stahl er ihm auch noch den Vatersegen kurz bevor Yitzhak verstarb. Auch sie trafen sich in späteren Jahren als erwachsene Männer wieder und machten ihren Frieden miteinander.

Auch in diesem Wochenabschnitt lesen wir von Brüdern und Erstgeborenen. In den Versen 21:15-17 lernen wir, wie der Vater mit dem Erbrecht umgehen muss. Einfach zusammengefasst: Der Sohn, der zuerst gezeugt wurde, dem gilt auf jeden Fall das Recht des Erstgeborenen, auch wenn der Vater seine Mutter nicht (mehr) liebt. Mehr noch, ihm stehen 2/3 des gesamten Vermögens zu.

Erinnert uns das nicht auch wieder an die Familiengeschichten unserer Vorväter?

Abraham zeugte seinen Erstgeborenen, Ishmael, mit Hagar der Dienerin. Ishmael wurde zwar zunächst von Sarah anerkannt, aber dann, als sie im hohen Alter selbst noch schwanger wurde und Yitzhak auf die Welt kam, verstiess sie Hagar mit ihrem Sohn. Diese Handlung widerspricht grundlegend dem, was wir heute lesen. Ishmael und nicht Yitzhak hätte das Erstgeburtsrecht zugestanden. Welch andere Wendung hätte unsere Geschichte genommen, wenn Abraham schon davon gewusst hätte! Doch Gott hatte anderes im Sinn. Er versprach beiden Müttern, dass ihre Söhne Väter von grossen Völkern werden würden.

Natürlich hielt er sich an sein Versprechen. Beide Söhne wurden Väter von grossen Völkern. Doch leider von Völkern, die nicht im Frieden nebeneinander leben können.

Ja’acov, der Enkel von Abraham, wurde zunächst nicht glücklich in seiner Ehe. Er liebte Rahel und musste doch erst sieben Jahre bei seinem Schwiegervater, Laban, arbeiten, bevor der ihm Rahel als Braut versprach. Laban betrog ihn in der Brautnacht und vermählte ihn zunächst mit seiner Tochter Lea, bevor er nach weiteren sieben Jahren seine geliebte Rahel ehelichen durfte. Leas Söhne waren Ruven, Shimon, Levi, Juda. Es folgten die Söhne von Bila und Silpa, den Mägden seiner Frauen. Nach diesen beiden Söhnen kamen nochmal zwei Knaben, Issachar und Zevulun, als Söhne Leas auf die Welt und erst die beiden letzten Knaben waren die Kinder seiner geliebten Rahel, Josef und Benjamin. Diese beiden Knaben, die Letztgeborenen, nahmen später in ihrem Leben massgebliche Rollen ein. Wir kennen dies aus der Geschichte der Zeit in Ägypten und der Flucht aus der Sklaverei in die Freiheit.

Hätte Gott gewollt, dass immer und überall das Erstgeburtsrecht zur Anwendung gekommen wäre, die Welt hätte sich anders entwickelt.

In gesunden Familien sind heute, und das ist auch sehr gut so, alle Kinder rechtlich gesehen gleichberechtigt. Oder sollten es zumindest sein.

Einige wenige Abschnitte weiter lesen wir in Vers 22:1: «Du sollst nicht untätig zusehen, wie ein Stier oder ein Lamm deines Bruders sich verläuft. Du sollst dann nicht so tun, als gingen sie dich nichts an, sondern sie deinem Bruder zurückbringen.» Dieser Abschnitt bildet quasi die Verbindung zu Kains Frage: «Bin ich der Hüter meines Bruders?» Die Antwort lautet: Ja!  Wir sind alle Hüter unserer Familie, unserer Geschwister, unserer Neffen, Onkel und Cousins. Und natürlich auch unserer Eltern. Wenn wir sehen, dass einer von ihnen strauchelt, so müssen wir hinschauen, ihnen wieder aufhelfen und sie wieder auf den Weg bringen. Dies gilt im realen und im virtuellen Leben.

Gott will, dass wir Verantwortung übernehmen. Unabhängig von unserer Position den Gestrauchelten gegenüber.

Vergessen wir das nie!

Shabbat Shalom!



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