19. Elul 5786
Aus gegebenem Anlass heute nur ein Thema: Die unsägliche Verleumdung von Sara N. gegen Yair Golan.

Einen Tag, nachdem Netanyahu verkündet hatte, alles wäre am 7. Oktober 2023 anders verlaufen, ja, hätte vielleicht gar nicht in dieser Form stattgefunden, wenn man ihn nur aufgeweckt hätte, meldete sich Sara N. zu Wort. In einer Form, die zu einer Anzeige wegen Verleumdung führen wird. Ihr Opfer ist Yair Golan, Vize-Generalstabschef und Parteivorsitzender der neuen Partei ‘Die Demokraten’. Am Tag des Massakers war Golan einer der Ersten, die in den Süden fuhren und gegen die Hamas-Schlächter kämpften, die die Dörfer entlang des Gazastreifens mit Grauen und Tod überzogen.

Sara N. erklärte im regierungstreuen Kanal 14: «Wenn man ein so hochrangiger Offizier ist und behauptet, am 7. Oktober gekämpft zu haben, dann war man bereits früh am Morgen vor Ort, bereits angezogen und bereit. Zu einer sehr frühen Stunde, als andere noch nichts davon wussten, wie zum Beispiel der Ministerpräsident. Wer ist denn generell der Ministerpräsident, der wissen muss, dass ein Krieg ausbricht? Warum sollte man ihn informieren?», fragte sie sarkastisch. Direkt auf ihre Verrats-Theorien angesprochen, krebste sie zurück: «Ich möchte nicht darüber sprechen. Ich weiss es nicht. Es sollte einen echten Untersuchungsausschuss geben.» Genau den lehnt Netanyahu ja beharrlich ab und will stattdessen einen Untersuchungsausschuss bilden, der nur aus drei Likud-Vertretern besteht. So bleibt doch alles unter dem Deckel und es kommt zu keinen rechtlichen Folgen.

In Interviews mit NPR und dem Spiegel fasste Golan zusammen, wie er den 7. Oktober erlebte, nachdem um 06:29 die ersten Alarme ausgelöst worden waren. Golan war zu dem Zeitpunkt bereits ausgemustert. Trotzdem fuhr er zu seiner alten Basis, erhielt dort gegen 08:0/08:30 eine Uniform und ein Sturmgewehr und verschaffte sich einen ersten Überblick über die Situation. Das Ausmass der Hamas-Angriffe sei noch weitaus schlimmer gewesen, als er es sich vorstellen konnte. Als er im Süden ankam, war die Schlacht um Ofakim gerade beendet. 25 Zivilisten und acht Sicherheitskräfte waren tot. Unmittelbar nach seiner Ankunft in Ofakim rief seine Schwester an und bat ihn, den Sohn eines Freundes vom Nova-Festival-Gelände zu evakuieren. «Bis dahin wusste ich nichts von diesem Festival. Aber ich fuhr los, mit meinem privaten Auto, vor allem über Feldwege, die ich aus meiner Armeezeit kannte. Seine Schwester gab mir die Koordinaten, an denen sich die Kinder versteckten. Und es gelang mir tatsächlich, den Jungen und seine Freunde in ihrem Versteck in einem Gebüsch zu finden. Ich brachte sie aus der Gefahrenzone und kehrte zurück, um weitere junge Menschen herauszuholen. Bei meiner dritten Fahrt war ich auf der Hauptstrasse unterwegs, auf der viele Leichen ermordeter Israelis lagen. Insgesamt konnte ich sechs Menschen evakuieren, bevor es dunkel wurde.»

2025 erklärte Golan in einem Radiointerview: «Netanyahu forciert mit seiner Kriegsführung im Gazastreifen, dass Israel Gefahr läuft, zu einem international geächteten »Pariastaat« zu werden, wie es dereinst Südafrika gewesen ist»,und er fügte hinzu: «Ein Land, das bei gesundem Verstand ist, führt keinen Krieg gegen Zivilisten, es tötet keine Babys als Hobby und setzt sich nicht die Vertreibung der Bevölkerung zum Ziel.» Eine Aussage, die ihm scharfe Kritik einbrachte – nicht nur von der Regierungsseite, sondern auch von der eigenen Opposition. Nur Ehud Barak ordnete die Worte anders ein: «Er hätte sich besser andere Worte gesucht, ist aber grundsätzlich ein mutiger und direkter Mann.» Golan stellte später klar, «dass sich meine Kritik gegen die Regierung – und hier primär gegen die Fantasien der radikalen Minister Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich – gerichtet hat, nicht gegen die Soldatinnen und Soldaten. Dieser Krieg muss zu einem Ende gebracht werden», beendete er seine Erklärung. «Wir müssen die Geiseln nach Hause bringen und Israel wieder aufbauen.»

Golan kündigte heute Vormittag an, Sara N. wegen Verleumdung zu verklagen, nachdem die Ehefrau des Ministerpräsidenten gestern in einem Interview eine haltlose Verschwörungstheorie verbreitet hatte, wonach der linke Politiker im Voraus vom von der Hamas angeführten Angriff am 7. Oktober 2023 gewusst habe. «Wir werden auf jeden Fall Klage gegen Sara Netanyahu einreichen», erklärt Golan gegenüber Army Radio. «Ihre Äusserungen sind Teil der Anheizung der anhaltenden, rücksichtslosen Hetze. Das ist die übliche Vorgehensweise des derzeitigen Premierministers.» Golan erinnerte an 1995, als die aufgeheizte Stimmung im Land, die nicht zuletzt von Netanyahu angefeuert wurde, der damalige PM, Jitzhak Rabin, s’’l, ermordet wurde. «Das hat er schon 1995 getan, und wir alle erinnern uns daran, wie das endete.»
Als Reaktion auf die Verleumdung gegen ihn gibt Golan Sara N. 24 Stunden Zeit, sich ‘unmissverständlich öffentlich’ zu entschuldigen und fordert mit einer formellen Abmahnung durch seine Rechtsanwälte, dass sie eine Entschädigungssumme in Höhe von NIS 2.5 Millionen (US$ 827.000) an die Überlebenden des Musikfestivals zahlt. In der Abmahnung heisst es, «die Äusserungen stellten Verleumdung in ihrer schwerwiegendsten Form dar und sind Teil dessen, was er [Golan] als gezielten Versuch bezeichnet, die Geschichte des 7. Oktober umzuschreiben, diejenigen zu diffamieren, die zur Verteidigung des Landes eilten, und die Verantwortung der Regierung für die Versäumnisse im Zusammenhang mit dem Angriff zu verschleiern.» Der vorgeschlagene Wortlaut der Entschuldigung lautet: «Ich ziehe die Aussagen zurück, die ich im Interview mit Channel 14 über Herrn Yair Golan gemacht habe und die nichts anderes als falscher und unbegründeter Unsinn waren. Herr Golan begab sich am 7. Oktober nur mit seiner Waffe bewaffnet ins Grenzgebiet zu Gaza und rettete unter Einsatz seines Lebens junge Menschen vom Nova-Festival. Herr Golan erfuhr, wie alle israelischen Bürger, von dem Angriff der Hamas, als am 7. Oktober um 6:29 Uhr die ersten Sirenen heulten, und beschloss daraufhin, zu handeln und begab sich in das Gebiet.» Golans Rechtsanwälte werfen Sara N. vor: «verleumderische und falsche Aussagen getroffen zu haben, mit denen versucht worden sei, Golan so darzustellen, als sei er ein Komplize bei einem Verrat gewesen. Dazu sind sie darauf ausgerichtet, seinen Ruf im Vorfeld der Wahlen zu zerstören. Unser Mandant wird sich nicht an dem Versuch beteiligen, den Heldenmut von IDF-Soldaten, zivilen Sicherheitskräften, Zivilisten und Freiwilligen durch eine Umschreibung der Geschichte auszulöschen», heisst es in dem Schreiben.
Golan selbst kommentierte: «Sie versuchen, den 7. Oktober umzuschreiben, um Netanyahus Verantwortung für das grösste Versagen in der Geschichte des Landes auszulöschen. Zu diesem Zweck versuchen sie, diejenigen, die sich zur Verteidigung des Landes erhoben haben, zu Verrätern zu machen, und diejenigen, die die Hamas finanziert und die Sicherheit im Stich gelassen haben, zu Opfern. Das ist nicht nur ein Angriff auf mich», fügte Golan hinzu. «Es ist ein Angriff auf eine ganze Gruppe von Soldaten, Freiwilligen und Zivilisten, die sich engagiert haben, als die Netanyahu-Regierung zusammenbrach.»
Die Partei ’Die Demokraten’ reagiert prompt: «Die Partei ‚The Democrats‘ verurteilt aufs Schärfste die verleumderischen und falschen Äusserungen von Sara Netanyahu heute Abend auf Kanal 14. Die Verbreitung von Verschwörungstheorien gegen Generalmajor Yair Golan und die Verunglimpfung seines heldenhaften Einsatzes am 7. Oktober überschreiten eine rote Linie, die an Wahnsinn grenzt. Während Netanyahu sich beeilt hat, sich zu schminken und nach Ausreden zu suchen, ist Yair Golan vorangestürmt und hat Leben gerettet. Die Fakten werden sich nicht ändern, egal, wie sehr die Familie Netanyahu und Channel 14 versuchen, sie umzuschreiben.»
MK Gilad Kariv erklärte: «Die Partei wirdnach der bevorstehenden Wahl dieses korrupte und verrottete Paar aus dem Büro des PM vertreiben. Es stellt sich heraus, dass sogar Sara Netanyahu weiss, dass Yair Golan loszog, um Menschen zu retten und sie aus dem Inferno zu befreien, während ihr gescheiterter, rückgratloser und unfähiger Ehemann am Telefon stottert und dann für ein paar Stunden verschwindet, um sich zu schminken“, sagte er.
Auch Benny Gantz, ein ehemaliger Generalstabschef, stellt sich hinter Yair Golan: «Yair Golan ist ein mutiger Kämpfer, der über Jahrzehnte für den Staat Israel gekämpft und sein Leben riskiert hat, und das auch am 7. Oktober. Jeder Versuch, ihm Verrat anzuhängen – nicht nur, dass es eine Lüge ist, sondern es schadet auch dem Kampfgeist unseres Volkes. Es ist an der Zeit, eine staatliche Untersuchungskommission einzusetzen, die den Verschwörungstheorien ein Ende setzt und einen Lernprozess ermöglicht – damit mutige Kämpfer nie wieder mit einem so schrecklichen Versagen konfrontiert werden müssen»
Gadi Eisenkot, selbst ehemaliger Generalstabschef der IDF und Mitbewerber um das Amt des PM stellt klar: «Die empörende Verschwörungstheorie des Landesverrats, die absolut keine faktische Grundlage hat und die die Frau des Ministerpräsidenten gestern Abend verbreitet hat, dient einzig und allein dazu, Hass zu schüren und die Netanyahu-Regierung am Leben zu erhalten, deren einzige Art zu regieren darin besteht, zu spalten», und er fährt fort: «Netanyahu entzieht sich der Verantwortung für das schlimmste Versagen in der Geschichte Israels, zu dem er uns blind geführt hat – durch Nachlässigkeit und indem er jedes Warnsignal ignorierte. Manche behaupten, sie seien ‚nicht geweckt worden‘, während andere aufstanden und in Aktion traten – ohne Fragen zu stellen. Es wird ihnen nicht gelingen, das Gute ins Böse oder die Wahrheit in Lügen zu verwandeln. Wir werden das nicht zulassen, und das israelische Volk wird es nicht zulassen. Ich stehe hinter meinem Freund, Generalmajor (a. D.) Yair Golan, der jahrzehntelang für den Staat Israel gekämpft hat und am Morgen des 7. Oktober Verantwortung und Mut bewiesen sowie heldenhaft Leben gerettet hat.»
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