11. Elul 5786
Es sind nicht nur die erneut aus Gaza fliegenden Drachen, die noch keine Brandstoffe mit sich führen. Es sind auch nicht nur die Beobachtungen der Überwachungseinheiten entlang der Grenze zu Gaza, die wieder auffallende Bewegungen der Hamas beobachten und die scheinbar in den übergeordneten Stellen niemand ernst nimmt. Vielleicht sind es wenigstens die Beobachtungen der Reserve-Soldaten, die entlang der Grenze dienen und die sich beklagen: «Die Hamas-Kämpfer testen unsere Reaktion aus, da sie den Eindruck haben, dass die Genehmigung zum Eingreifen in einigen Fällen verzögert wird.» Eine Beobachtung, die auch die Soldatinnen der Überwachungseinheiten machen. Ein Reservist beschreibt es so: «Wir sind nur wenige Meter vom Feind entfernt, wir sehen ihn mit eigenen Augen – und die Befehle binden uns die Hände. Anstatt ihn zu besiegen, halten wir ihn in Schach. Anstatt die Wurzel des Problems anzugehen, verwalten wir weiterhin das Scheitern.» Ist es das Zeichen an der Wand? Was passiert, wenn die Regierung das Zeichen nicht sieht oder nicht sehen will? Laufen wir Gefahr, dass es zu einem zweiten Massaker kommt?
Schauen wir doch einmal das Thema ‘persönliche Sicherheit‘ und den Shin-Bet an:
Fall Nr. 1: Der Chef des Shin-Bet, David Zini, erklärte, «er übernehme die alleinige Verantwortung für die Entscheidung, Eisenkot kein Sicherheitsteam zur Verfügung zu stellen.» Netanyahu, Eisenkots Rivale im Rennen um das Amt des Premierministers, soll den Shin-Bet angewiesen haben, Eisenkots Sicherheit «auf einem angemessenen Niveau, je nach Bedarf» zu gewährleisten. Zini gestattete den privaten Sicherheitskräften von Eisenkot das Tragen von Waffen, stellte jedoch kein offizielles Sicherheitsteam zur Verfügung. Der Nachrichtensender Kanal 13 berichtet unterdessen, dass Zini an diesem Wochenende mit Eisenkot gesprochen und ihm gesagt habe: «Hier ist die Nummer der Notruf-Hotline. Wenn etwas passiert, ist das die Nummer.» Dann ist es zu spät und das weiss Zini auch! Der Sender berichtet, dass ein Shin-Bet-Beamter später bei Eisenkot nachfragte und ihm mitteilte, er sei im Falle eines Problems der Ansprechpartner.


Fall Nr. 2: Bei einer Routinefahrt des Konvois von Netanyahu auf der dicht befahrenen Schnellstrasse in Tel Aviv zog ein Mitglied der Sicherheitskräfte während der Fahrt sein Sturmgewehr. Er steht dabei in der weit offenen Tür des Autos. Welches Ziel er anpeilt, ist nicht erkennbar. Als ein Minibus des Konvois zum Überholen ansetzt, kommuniziert er kurz mit dem Fahrer, zieht die Waffe zurück und setzt sich wieder in das nun geschlossene Fahrzeug. Der Minibus reiht sich hinter ihm in die Kolonne ein. Das Video wurde von einem Hochhaus aus aufgenommen. Der Shin-Bet erklärt dazu, dass «alle Handlungen des Sicherheitsbeamten vorschriftsmässig durchgeführt wurden, ohne eine Gefahr für Zivilisten darzustellen, und im Einklang mit den ihm gesetzlich übertragenen Befugnissen und Verfahren standen.»
Fall Nr. 3: Seitdem der ‘First Son Yair N.’ aus welchen Gründen auch immer Israel verlassen hat, kostet er den Steuerzahler unglaublich viel Geld. Seit 2023 zieht er das Luxusleben in Florida dem ‘harten Leben’ in Israel vor. Im März 2024 erklärte Shlomo Harnoy, ehemaliger Leiter der Abteilung für Personenschutz des Shin-Bet in einem Interview mit N 12, dass für Yair N. zwei Personenschützer, die 14-tägig wechseln, ein Chauffeur, ein von der Botschaft geleastes Fahrzeug und Tagegelder zu Buche stehen. Dabei, so Harnoy, besteht für Yair N. nach dem Reglement kein Anspruch auf Personenschutz. Er bemerkte: «Ein Grossteil des Drucks auf die Personen, die geschützt werden, dient dem Status – damit sie herumreisen und an verschiedenen Orten wichtig wirken können. Das Problem hierbei ist nicht nur das Gehalt, sondern dass wir es hier mit Shin-Bet-Sicherheitspersonal zu tun haben, das eigentlich woanders im Einsatz sein sollte.» Insgesamt belaufen sich die Kosten auf etwa US$ 680.000 pro Jahr. Im Dezember 2025 wies der konservative Richter Noam Sohlberg vom OGH eine Petition zurück, den Personenschutz zu stoppen.
Fall Nr. 4: Das für den Shin-Bet zuständige Ministerialkomitee hat im Juli einem Antrag der Familie N. stattgegeben. Während Netanyahu als ehemaligem PM lebenslang ein Sicherheitsschutz zusteht, endet der für die Familie in der Regel nach seiner Abwahl. Sara N. darf sich jetzt darauf freuen, immerhin noch zehn Jahre nach dem Ableben Netanyahus den Sicherheitsschutz zu geniessen. Die beiden Söhne Avner und Yair haben noch für weitere fünf Jahre das Vergnügen. Nota bene: Das alles wird umgesetzt, auch wenn der PM nach den Wahlen ohne sein Amt dasteht. Das monarchistisch angehauchte Paar steht hinter diesen Vereinbarungen, die letztlich bewilligt wurden, nicht zuletzt, weil der ehemalige Militärberater von Netanyahu niemand anderer als der Chef des Shin-Bet, David Zini war.
Btw: Bezalel Zini, der Bruder des Shin-Bet Chefs hat als Reservesoldat etwa 14 Kisten Zigaretten nach Gaza geschmuggelt. was streng verboten war. Nach erfolgter Anklage wurde Zini im März 2026 in den Hausarrest entlassen.
Trump hat angeblich in der vergangenen Woche mit dem pakistanischen Armee Chef, Asim Munir, gesprochen. Munir reiste gestern nach Teheran. Drei pakistanische Quellen, die bei der Vorbereitung der Reise beteiligt sind, behaupten, ein Thema sei eine von Trump geäusserte Bitte, die Gespräche zwischen dem Iran und den USA wieder aufzunehmen. Munir wird voraussichtlich heute mit Vertrauten des obersten iranischen Führers Ayatollah Mojtaba Khamenei zusammentreffen. «Es besteht auf beiden Seiten ein Vertrauensdefizit», sagt eine pakistanische Quelle über die USA und den Iran und fügt hinzu, dass Munir darauf abzielt, den Mangel an gegenseitigem Vertrauen abzubauen.

Die Haredim lieben es offenbar, Stunk zu machen. Für heute Nachmittag sind israelweite Blockaden der Hauptverkehrsstrassen geplant. Damit soll gegen die Festnahme eines Mannes protestiert werden, der sich der Wehrpflicht entziehen wollte. Er wurde am Sonntag bei einer Fahrkartenkontrolle in einem öffentlichen Verkehrsmittel dabei erwischt, als er sich weigerte, die Fahrtkosten zu zahlen, wie jeder andere Fahrgast, der nicht aktuell seinen Dienst oder die Reserve bei der IDF ableistet und sich entsprechend ausweisen kann. Nachdem die Haredim offensichtlich nicht den Spruch des OGH respektieren, der die Übereinkunft, die Verhaftungen für 90 Tage auszusetzen, gekippt hat, müssen wir wohl bis zur Bildung einer neuen Regierung mit derartigen Blockaden rechnen.


In der vergangenen Woche hatte Trump klar und deutlich all jene Staaten, die nach wie vor Handel, gleich welcher Art, mit dem Iran aufrechterhalten, mit Sanktionen belegt. Er nannte die Operation ‘Economic D-Day’. Heute kam die Retourkutsche vom iranischen Aussenministerium. Es warnte vor nicht näher definierten Konsequenzen für jene Staaten, die sich der von den USA angeführten Kampagne gegen den Iran anschliessen. «Die notwendigen Warnungen wurden definitiv ausgesprochen, denn jede Komplizenschaft mit Amerika bei der Durchführung seiner aggressiven Massnahmen gegen den Iran wird zweifellos Konsequenzen nach sich ziehen», erklärt Ministeriumssprecher Esmaeil Baghaei in einer wöchentlichen Pressekonferenz.
US-Finanzminister Scott Bessent wird wahrscheinlich heute um 20:00 israelischer Zeit (13:00 ET) auf einer Pressekonferenz bekanntgeben, wie die Sanktionen genau aussehen, die gegen jene Staaten verhängt werden, die weiterhin mit dem Iran Handel betreiben. Richtet sich ein Staat nicht nach Trumps Pfeife, müssen globale Unternehmen und Organisationen damit rechnen, vom dollarbasierten Finanzsystem abgeschnitten zu werden. Trump, der offenbar keine andere Möglichkeit sieht, den Krieg gegen den Iran zu beenden und das Land in die Knie zu zwingen, möchte dies nun mit einem ökonomischen Ausbluten erreichen. Vielleicht sollte er dabei aber auch, wenn nicht sogar hauptsächlich, an die Bürger des Staates denken, die zunehmend unter den Folgen des, wie sich erwiesen hat, erfolglosen Krieges leiden. Ein Aufgeben sichert Trump dann vielleicht sogar noch einen Platz unter den staatsmännisch denkenden Präsidenten. Doch daran scheint er nicht zu denken, stattdessen schreibt er am Nachmittag: «Der Iran ist dabei, völlig zu kollabieren!»
Die IAF zerstörte bei einem gezielten Angriff ein Waffenlager in Gaza City. Gemäss Angaben palästinensischer Medien wurden dabei eine Moschee und eine Wasserentsalzungsanlage in der benachbarten ‘Sheikh Radwan Siedlung’ getroffen. Vor dem Angriff wurde die Bevölkerung zur Evakuierung der Region aufgefordert.
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