Dwarim, Ki Tawo 26:1-29:9

15./16. Elul 5786                                                             28./29. August 2026

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         18:28

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                         19:44

Shabbateingang in Zürich:                                                                 19:56

Shabbatausgang in Zürich:                                                                21:00

Das Leben von Moshe, unserem grössten Propheten, neigt sich dem Ende zu. Im heutigen Wochenabschnitt schlägt er den grossen Bogen zwischen dem Jetzt und dem Anfang der Geschichte des Volkes Israel. 

Ganz zu Anfang steht die Aufforderung, die Erstlingsfrüchte Gott zu weihen. Alle Mitglieder des Volkes Israel sollen vor den Priestern stehen und ihnen bestätigen, dass sie angekommen sind in dem Land, das Gott ihnen versprochen hat. Heute würden wir die glückliche Nachricht, die erste Ernte in der neuen Heimat eingebracht zu haben, auf Instagram veröffentlichen, als WhatsApp verschicken oder zumindest als Mail an alle unsere Freunde schicken. Immerhin könnten wir doch den Beweis liefern, dass unser Entscheid, Gott zu vertrauen, gut und richtig war. Das Land hat sich als fruchtbar erwiesen und wird unser Leben sichern. Damals bestätigten die Menschen dies den Priestern, die im Auftrag Gottes ihren Dienst im Tempel versahen. 

Es wird ausdrücklich festgehalten, dass alle Menschen sich über ihre neue Heimat freuen sollen, und zwar alle: die Israeliten, die Leviten und, nicht zu vergessen, die Fremden. Wie schaut es heute mit den Fremden aus, die bei uns Schutz suchen? Haben sie ihn auch gefunden, oder bieten wir ihnen nicht nur das Dach über dem Kopf und die Sozialleistungen an, die ihnen per Gesetz zustehen?

In den Versen 26:5 ff wird genau dieses Thema angeschnitten: ארמי אבד אבי arami oved awi. Wir alle kennen diesen Satz aus der Pessach Haggada. «Mein Vater [Abraham] war ein wandernder Aramäer» So interpretiert man heute diese berühmte Textstelle. Ein Mann von 75 Jahren machte sich auf Gottes Geheiss auf den Weg aus seiner Heimat und zog bis nach Ägypten. Am Anfang unserer Geschichte waren es Fremde, Aramäer, die das gemeinsame Schicksal trugen. Abraham, Sara, die ersten Gründereltern. Auch für ihre Kinder und Enkel liessen sie nach passenden Lebenspartnern in der alten Heimat suchen. 

Rashi hingegen interpretiert den gleichen Satz anders «Ein Aramäer [Laban]  wollte meinen Vater [Ja’acov] töten». Als Rivka ihren Sohn Ja’acov, den Enkel Abrahams aus Angst vor der Rache seines Bruders Esav, den er betrogen hatte, zu ihrem Verwandten Laban schickte, musste er dort 20 Jahre lang Frondienste leisten, bevor er eine von Labans Töchtern heiraten durfte. Er floh mit seiner Familie, doch Laban verfolgte ihn, in der Absicht, ihn zu töten. Erst als Gott ihn zum Einlenken zwang, gab er seinen Plan auf und versöhnte sich mit Ja’acov. 

Beide Interpretationen sind zulässig, das Original erlaubt beide. Und doch macht es einen grossen Unterschied, für was man sich entscheidet. 

Entscheiden wir uns für die Erinnerung an Abraham, so können wir daraus Kraft schöpfen, «Wenn es Abraham gelungen ist, dann werde auch ich den Neubeginn mit Gottes Hilfe schaffen!»

Entscheiden wir uns aber für die Erinnerung an die Verfolgung und Bedrohung durch Laban, so wird diese Last uns immer wieder hinunterziehen und das Leben schwer machen. 

Nur mehr zwei Wochen trennen uns von Rosh HaShana. Das neue Jahr wollen wir in Freude, Dankbarkeit und Kraft beginnen. Deshalb sollen wir uns an Abraham erinnern, ohne Laban zur Gänze zu vergessen. 

Shabbat Shalom!



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