Yotam Forst vom Haaretz macht sich am 28. Juli 2026 die Mühe, die Treffen zwischen Netanyahu und Trump seit dem Beginn der zweiten Amtszeit des US-Präsidenten genau zu analysieren. Ein Grund, sie hier zusammenzufassen.

20. Januar 2025 Das Wetter meinte es nicht gut mit dem neuen Präsidenten. Am Mittag wurden in Washington – 3° C gemessen. Trump beschloss daraufhin, die Vereidigung ins Innere des Kapitols zu verlegen.
4. Februar 2025 (I)

Das Versprechen: Trump kündigt an, den Gazastreifen übernehmen zu wollen und die Palästinenser umzusiedeln. Er beschreibt seine Pläne, aus Gaza ‘die Riviera des Mittleren Ostens zu machen’. «Wir werden das Teil (sic!) übernehmen und es entwickeln. Wir werden Abertausende Jobs schaffen. Es wird etwas werden, auf das der gesamte Mittlere Osten sehr stolz sein darf.» Die Realität: Im Herbst 2025 wurde der 20-Punkte-Plan veröffentlicht. Statt sich mitten in der zweiten Phase zu befinden, sind alle Massnahmen eingefroren. Nichts hat sich bewegt.
Das zweite Versprechen: Trump und Netanyahu sind der Ansicht, dass sich zahlreiche Staaten den Abraham-Akkorden anschliessen werden. Die Realität: Nur Kasachstan, mit dem Israel schon seit 1992 diplomatische Beziehungen hat, ist dem Ruf gefolgt.
Das dritte Versprechen: Israel verfolgt drei Ziele in Gaza: Zerstörung der Hamas, Freilassung der Geiseln, Ende der Bedrohung für Israel. Die Realität: Allein die Rückkehr aller Geiseln wurde erreicht.
Das vierte Versprechen: Umsiedlung aller Gazaner in die Nachbarstaaten, die sich sehr darüber freuen würden. « Wir werden den Menschen die Chance geben, in einer schönen Gemeinschaft zu leben, die sicher und geschützt ist. Sie sollten ein gutes, frisches, wunderschönes Stück Land bekommen … Ich habe das Gefühl, dass der König von Jordanien und der König von Ägypten (sic!) ihre Herzen öffnen und uns genau das Land zur Verfügung stellen werden, das wir brauchen, um dies zu verwirklichen.» Die Realität: Kein Staat hat sich bereiterklärt, Gazaner aufzunehmen.
7. April 2025 (II)
Das Versprechen: Es kommt diesmal von Netanyahu. «Wir werden das Handelsdefizit mit den Vereinigten Staaten beseitigen. Wir beabsichtigen, dies sehr schnell zu tun.» Er bedauert, dass es eine Zahl von unnötigerweise errichteten Handelsbarrieren gibt.Die Realität: Das Defizit wurde zwar abgebaut, beträgt aber Mitte 2026 immer noch US$ 4.21 Milliarden.
Das zweite Versprechen: Netanyahu spricht nach wie vor von der Umsiedlung. «Wir haben über einige Länder gesprochen, die sagen: Wenn die Bewohner des Gazastreifens wegziehen wollen, sind wir bereit, sie aufzunehmen. Die Länder reagieren positiv auf diese Vision. Wir arbeiten daran.» Die Realität: Nach wie vor hat sich kein Land anerboten; die Bewohner des Gazastreifens wurden nicht umgesiedelt.
7. Juli 2025 (III)
Es sollte eine Siegesfeier ohne ein konkretes Ende des Krieges werden. Der erste Irankrieg, auch als ‘Zwölf-Tage-Krieg’ bekannt, hatte vom 13. bis zum 25. Juni gedauert. Er hatte sich gegen Atomanlagen und hochrangige Kommandeure, sowie Kernphysiker gerichtet. Begonnen wurde der Krieg allein von Israel, die USA schalteten sich erst in der Nacht auf den 22. Juni ein. Beide Seiten werden wegen Verstössen gegen das Völkerrecht gerügt. Auf israelischer Seite verloren 28 Menschen bei den Angriffen ihr Leben, 3238 wurden verletzt. Im Iran starben 1054 Menschen, darunter 417 Zivilisten und 318 Soldaten. 4476 Menschen wurden verletzt. Zu Beginn des Dinners im Weissen Haus überreicht Netanyahu Trump die Kopie seines Schreibens an das Nobelpreiskomitee. «Sie haben ihn [den Friedensnobelpreis] verdient und Sie sollten ihn bekommen.»
Das Versprechen: Und noch einmal gibt Netanyahu ein Versprechen ab. «Wir stehen kurz davor, mehrere Länder zu finden, und das wird den Palästinensern die Freiheit geben, selbst zu entscheiden.» Die Realität:Immer noch hat sich kein Land gefunden, das Palästinenser aufnehmen will.
Das zweite Versprechen: Netanyahu vollmundig: «Die Hisbollah wurde in die Knie gezwungen. Der Iran ist aus dem Spiel. Dies eröffnet Chancen für Stabilität, für Sicherheit und letztendlich für Frieden.» Die Realität:Auch jetzt im August 2026 ist die Hisbollah immer noch ein ernstzunehmender Kriegsfaktor. Im März 2026 schloss sie sich den Kämpfen des Irans an und zog damit Israel in eine neue Runde von Kämpfen im Libanon.
29. September 2025 (IV)
Es war der Tag, der alle aufhören liess.
Das Versprechen: Trump erklärte den Tag zum möglicherweise grössten Tag der Geschichte der Zivilisation. Er sprach vom gesamten Abkommen, das alles lösen werde. Es geht um den Frieden im Nahen Osten. Die Realität: Trump hing einem Wunschtraum an. Nur wenige Monate darauf begann der Krieg gegen den Iran.
Das zweite Versprechen: «Demilitarisiert den Gazastreifen, und zwar schnell. Schaltet die militärischen Kapazitäten der Hamas und aller anderen Terrororganisationen ausser Kraft. Tut das sofort. Und ich höre, dass die Hamas das auch durchsetzen will. Das ist eine gute Sache», sagte Trump. Netanyahu fügte hinzu: «Die Hamas wird entwaffnet. Der Gazastreifen wird entmilitarisiert. Israel wird die Sicherheitsverantwortung behalten, einschliesslich einer Sicherheitszone auf absehbare Zeit. Und schliesslich wird es im Gazastreifen eine friedliche Zivilverwaltung geben, die weder von der Hamas noch von der Palästinensischen Autonomiebehörde geführt wird.» Die Realität: Zehn Monate später hat die Hamas immer noch die Kontrolle über wieder 40 % des Gazastreifens. Die Gespräche über die Entwaffnung sind eingefroren. Israel droht mit neuen Kämpfen.
Das dritte Versprechen: Die IDF wird sich schrittweise zurückziehen. Die Realität: Die IDF hat ihr Kontrollgebiet von ursprünglich 53 % auf 60 % ausgedehnt. Derzeit liegt das kontrollierte Gebiet bei 64 % und soll nun, im August, langsam auf 53 % reduziert werden.
Das vierte Versprechen: Weder die Hamas noch sonst eine Terror-Organisation wird zukünftig bei der Verwaltung des Gazastreifens eine Rolle spielen. Die Realität: Nachdem die von den USA geplante technokratische Verwaltung ihre Arbeit noch nicht aufgenommen hat, liegt die Verantwortung nach wie vor bei der Hamas.
Das fünfte Versprechen: «Wir haben die iranischen Anlagen zur Urananreicherung zerstört und es dem Iran damit unmöglich gemacht, eine Atomwaffe zu besitzen», sagte Trump. Die Realität: In den folgenden Monaten stellte sich heraus, dass das nicht der Wahrheit entsprach. Der Iran verfügte weiterhin über ein beträchtliches Raketenarsenal und sein Atomprogramm blieb ein zentrales Problem. Deshalb begannen die USA und Israel im Februar 2026 einen neuen Krieg gegen den Iran, um das Problem auszuräumen.
29. Dezember 2025 (V)

Das Treffen endete mit dem glamourösen Silvesterball Mar al-Lago, zu dem die Netanyahus gar nicht eingeladen waren, aber dennoch daran teilnahmen. So sah auch das Abendkleid von Sara N. aus! Stil: Tante Emma geht zum Kaffeeklatsch. Netanyahu hatte wohl ‘black tie’ falsch verstanden und glich eher einem Redner bei einer Beerdigung.
Das Versprechen: Die Hamas muss in einer kurzen Zeit alle Waffen abgeben. Tun sie es nicht, «wird es schrecklich für sie werden. Andere Staaten werden sie auslöschen.» Die Realität: Sie haben bis heute die Waffen nicht abgegeben.
Das zweite Versprechen: Trump erneuerte seine Aufforderung an Präsident Isaac Herzog, Netanyahu zu begnadigen. «Ich denke, er wird das tun. Er hat mir gesagt, dass alles schon auf dem Weg ist.» Die Realität: Netanyahu wurde bis heute nicht begnadigt. Niemand spricht mehr darüber.
Das dritte Versprechen: «Die Abraham-Akkorde werden sehr, sehr schnell grösser werden.» Die Realität: Kein weiterer Staat hat sich den Akkorden angeschlossen.
11. Februar 2026 (VI)

Der Sturz des iranischen Regimes. Erstmals fuhr Netanyahu beim Nebeneingang des Weissen Hauses vor. Keine Ehrengarde. Keine Presse. Laut zwei Mitarbeitern aus dem Stab von Trump legte Netanyahu dem Präsidenten einen Plan vor, der belegen sollte, dass ein Regimewechsel im Iran machbar sei. Kurdische Kämpfer sollten aus dem Irak einmarschieren und so die iranischen Streitkräfte überrennen. Auf diese Art würde das Regime zusammenbrechen.
Das Team um Trump sah den Plan als das an, was er war: realitätsfern. Marco Rubio ging noch einen Schritt weiter: «Mit anderen Worten, er ist Scheisse!» Gen. Dan Cane, der Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs hatte ernsthafte Bedenken bezüglich des Krieges: Hoher Materialverschleiss, Sperrung der Strasse von Hormus, Verschleppung des Krieges, ohne die Ziele zu erreichen. Cane hielt sich aber mit seinen Bedenken zurück, Trump hörte sowieso nur das, was er hören wollte. Und es war seine Annahme, dass es ein kurzer Krieg werden würde.
Das war, wie wir heute am 10. August wissen, eine völlige Fehleinschätzung!
27. Juli 2026 (VII)
Netanyahu ist sehr stolz auf dieses Treffen, das siebte seit dem Amtsbeginn von Trump im Januar 2025. Er ist damit der Staatsmann, der sich am häufigsten mit Trump getroffen hat.
Ich lasse Netanyahu in einem Interview mit Fox zu Wort kommen: «Wir teilen ein gemeinsames Engagement. Wir wollen nicht, dass das fanatische Regime in Teheran Atomwaffen erwirbt, die jeden Amerikaner, den Weltfrieden und die Existenz Israels bedrohen würden», fügte er hinzu. «Wir haben ein gemeinsames Ziel, und es wird erreicht werden, sei es auf diplomatischem Wege oder auf andere Weise. Wir sind beide dazu entschlossen. Das ist die wichtigste Erkenntnis, die Sie aus diesem Treffen mitnehmen sollten.» Der Ministerpräsident bekräftigte zudem, dass das Bündnis zwischen den USA und Israel nach wie vor so stark sei wie ‘eine Granitmauer’.
Für Trump war es ein «sehr gutes Treffen, bei dem wir viele wichtige Dinge besprochen haben.»
Ein ranghoher Mitarbeiter, der bei dem Treffen dabei war, lobte: «Es war ein äusserst positives Treffen. Der Ministerpräsident und der Präsident führten ein ausgezeichnetes und umfassendes Gespräch über die wichtigsten Themen der Gegenwart, allen voran den Iran. Die Staatschefs bekräftigten ihr unerschütterliches Engagement dafür, sicherzustellen, dass der Iran niemals über Atomwaffen verfügt.»
Und heute? Nichts erreicht, die USA haben Israel über den Tisch gezogen. Die Atomproblematik scheint Trump nicht mehr zu interessieren, sein Fokus liegt nur auf der Strasse von Hormus. Und auch dort wird sein Interesse bald erlahmen. Was dann? Muss sich Israel muss sim Alleingang gegen den Iran stemmen?
Es war «the end of a beautiful friendship!» (abgewandelt von der Schlusszene aus dem Film Casablanca)


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