25. Adar II 5784
Nachdem der Iran seine Drohungen bezüglich eines Angriffs auf Israel deutlich verschärft hat, bereitet sich Israel auf einen drohenden Luftangriff vor. VM Yoav Gallant betonte jedoch, die IDF sei auf jedes Szenario vorbereitet. Die Luftverteidigungskräfte wurden durch Einberufung von zahlreichen Reservisten verstärkt. Es ist noch nicht mehr als eine Spekulation, aber man geht davon aus, dass ein möglicher Angriff vom iranischen Staatsgebiet und nicht von einem Stellvertreterplatz ausgehen wird.
Der mögliche Angriff wird als Rache für den Beschuss der iranischen Botschaft in Damaskus gewertet, bei dem u.a. der höchste Anführer der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), sein Stellvertreter und fünf Mitglieder der IRGC getötet wurden.
Angesichts der neuen Bedrohung wurden sämtliche bereits bewilligten Urlaubstage der kämpfenden Truppen zurückgezogen.

IDF-Sprecher Daniel Hagari informiert heute die Israelis, dass sie angesichts der Bedrohung durch den Iran unbedingt davon absehen sollen, Hamsterkäufe zu tätigen oder Generatoren zu kaufen. Während die IDF sich in höchster Alarmbereitschaft befindet, gibt es noch keine zusätzlichen Verhaltensmassregeln für die Zivilbevölkerung. Er kündigte an, dass die Bevölkerung bei jeder Änderung unmittelbar über die entsprechenden Medien informiert werden würde.

Der Chef des militärischen Nachrichtendienstes, Brigadegeneral Amit Sa’ar, ist aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung aus dem Dienst ausgeschieden. Sa’ar hatte bereits unmittelbar nach dem Massaker vom 7. Oktober eine Mitverantwortung übernommen. In einem Schreiben an die Truppen stellte er klar: «In den letzten Monaten haben wir alle, und ich ganz besonders, einen tiefen Schock erlebt. Wir haben nicht erfüllt, was man von uns erwartet hat, was wir von uns selbst erwartet haben. Noch bevor wir das erste Detail geklärt haben, habe ich deutlich gemacht, dass ich in der Welt der Werte, in der ich lebe, Verantwortung übernehmen will.» Generalstabschef Herzi Halevi dankte ihm «für seine langjährige Arbeit in den IDF und seinen lebenslangen Einsatz für die Sicherheit der Bürger des Staates Israel. Er ist ein Offizier voller Verdienste, der viel zur Sicherheit des Staates Israel beigetragen hat, sogar während des Krieges.» Der schnelle Abschied Sa’ars ist bedingt durch eine Krebserkrankung, mit deren Therapie sofort begonnen werden muss.
World Kitchen Center (WKC) fordert dringend eine unabhängige Untersuchung des tragischen Vorfalls, bei dem sieben Mitarbeiter vor drei Tagen ums Leben kamen. In einer entsprechenden Mitteilung heisst es: «Wir haben die israelische Regierung aufgefordert, alle Dokumente, Mitteilungen, Video- und/oder Audioaufnahmen sowie alle anderen Materialien, die für die Angriffe vom 1. April relevant sein könnten, unverzüglich aufzubewahren.» Israel hatte zuvor bereits betont, die Angriffe ‘versehentlich’ ausgeführt zu haben und eine eigene Untersuchung einzuleiten.

Der australische PM Anthony Albanese bezeichnete die Erklärung Israels zum Tod der WKC für unzureichend. «Sie müssen Rechenschaft darüber ablegen, wie es dazu gekommen ist, und was nicht ausreicht, sind die Erklärungen, die abgegeben wurden, einschliesslich der Behauptung, dass dies nur ein Produkt des Krieges sei.» Damit bezog er sich offensichtlich auf die Aussage von Netanyahu, ‘dass so etwas im Krieg eben passiere’. Albanese forderte Netanyahu in einem Telefonat auf: «Sie haben sich zu einer vollständigen und ordnungsgemässen Untersuchung verpflichtet. Ich möchte, dass diese Untersuchung transparent ist und dass die Ergebnisse veröffentlicht werden, damit wir herausfinden, wie genau so etwas passieren kann.»

Bei einer online Diskussion über die Pläne Israels für die Evakuierung von etwa 1.4 Millionen Menschen, die derzeit in Rafah Zuflucht genommen haben, kam es zu einem Wortgefecht. Die US-amerikanischen Teilnehmer, darunter der US-Sicherheitsberater Jake Sullivan und US-Aussenminister Antony Blinken, versuchten, Strategieminister Dermer zu erklären, dass die vorgelegten Pläne unzureichend und unrealistisch sind. Dermer brauste darauf auf und versuchte seine Pläne ‘mit Händen und Füssen’ zu verteidigen. Von US-amerikanischer Seite gab man sich bemüht, den Vorfall herunterzuspielen, das Treffen sei ‘nicht unproblematischer als andere zuvor’ gewesen. Von israelischer Seite wurde das Treffen seinerseits als ‘konstruktiv und respektvoll’ bezeichnet, aber auch als schwierig auf Grund der völlig unterschiedlichen Standpunkte.

Auch der US-Verteidigungsminister, Lloyd Austin, zeigte sich in einem Telefonat mit seinem israelischen Kollegen Yoav Gallant ‘empört’ über den IDF-Angriff auf die drei PKWs von WKC. In einer anschliessend erfolgten Aussendung heisst es: «Minister Austin forderte Minister Gallant auf, eine rasche und transparente Untersuchung durchzuführen, deren Ergebnisse öffentlich zu machen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.» Austin äusserte seine Bedenken, dass «diese Tragödie die Besorgnis über eine mögliche Militäroperation in Rafah verstärkt.» Man müsse sich, so fuhr er fort, auf die Notwendigkeit der Evakuierung von Zivilisten und auf den ungehinderten Fluss der humanitären Hilfe konzentrieren.
Benny Gantz erklärte gestern bei einer Rede, dass der Kampf gegen die Hamas sich wohl noch über Jahre hinweg fortsetzen werde. Diese Aussage steht im krassen Widerspruch zum erklärten Kriegsziel, die Hamas im Laufe des Krieges völlig zu eliminieren.
An die Familien der immer noch in Gaza festgehaltenen Geiseln betonte er: «Wenn es eine Gelegenheit gibt, die Geiseln nach Hause zu bringen, werden wir sie nicht verpassen. Wir werden uns nicht an einer Regierung beteiligen, die nicht alles tut, was sie kann, um die Geiseln freizubekommen.» Mit deutlicher Kritik an Netanyahu und seinen Koalitionspartnern bedauerte er: «Es beschämt mich, wenn ich Kommentare von gewählten Vertretern höre, die die Familien entehren. Premierminister Netanyahu muss die Familien der Geiseln öffentlich unterstützen und sicherstellen, dass alle Koalitionsmitglieder sie mit Würde behandeln.» In den letzten Tagen und Wochen war es immer wieder zu Angriffen und Verunglimpfungen von Familienangehörigen durch Regierungsmitglieder gekommen.
Optimismus zeigte er in Bezug auf ein Friedensabkommen mit Saudi-Arabien, welches «die Einrichtung eines internationalen Direktoriums für den Gazastreifen unter der Leitung arabischer Staaten beinhalten würde, in Reichweite ist.»

Eine Gruppe von sieben arabischen Israelis und vier Palästinensern hatte geplant, mehrere Anschläge nicht nur in Judäa und Samaria, sondern auch in Israel selbst zu verüben. Das gab der Shin Bet heute bekannt. Unter anderem war ein Anschlag auf den rechtsextrem-nationalistischen Polit-Berserker Ben-Gvir geplant. Auch der Regierungskomplex in Jerusalem, der Flughafen Ben-Gurion und IDF-Stützpunkte lagen im Fadenkreuz der Terroristen. Im Zusammenhang mit diesen Terrorplänen wurden sieben arabische Israelis und vier Palästinenser festgenommen. Ben-Gvir sollte an seinem Heimatort Kiryat Arba in der Nähe von Hebron mit einer Panzerfaust ermordet werden. Die Terrorgruppe hatte schon mehrfach versucht, IDF-Soldaten zu entführen, was gottseidank nie gelang.
Durch einen Raketenbeschuss aus dem südlichen Libanon wurde erneut ein Haus in Shlomi, im westlichen Galiläa getroffen und schwer beschädigt. Shlomi wurde in der vergangenen Woche völlig evakuiert, so dass keine Menschen zu Schaden kamen. Nach Tagen relativer Ruhe gab es am Nachmittag wieder einmal Alarm in Gebieten rund um den Gazastreifen. Dort wurden keine Schäden gemeldet.
Kategorien:Israel
Hinterlasse einen Kommentar