Krieg in Israel – Tag 212

27. Nissan 5784

Heute Abend um 20 Uhr Ortszeit beginnt in Israel der Shoa-Gedenktag. Im ganzen Land schrillen die Sirenen für zwei Minuten und der gesamte Verkehr kommt zum Stillstand. Anschliessend werden Präsident Isaac Herzog und Netanyahu in Yad VaShem eine Rede halten.

Die Erinnerungskerze wird vom ehemaligen aschkenasischen Oberrabbiner, Israel Meir Lau, Vorsitzender von Yad VaShem und Überlebender der Shoa, entzündet. Weitere sechs Kerzen werden ebenfalls von Überlebenden entzündet.

Um 19:30 wird im Kibbutz Yad Mordechai eine kurze Gedenkfeier stattfinden. Der Kibbutz ist benannt nach einem der Anführer des Aufstandes im Warschauer Ghetto, Mordechai Anielewicz. Präsident Isaac Herzog und Oppositionsführer Yair Lapid werden anwesend sein.

Morgen um 10 Uhr vormittags ertönen nochmals die Sirenen für zwei Minuten. Anschliessend gibt es im gesamten Land Gedenkveranstaltungen.

Die Schlussveranstaltung findet am Montagabend im ‘Kibbutz Lohamei HaGeta’ot’, Kibbutz der Ghettokämpfer, statt.

Derzeit leben noch 133.000 Überlebende in Israel. 62% von ihnen sind Frauen.

Die Prognosen für seine Partei, Religious Zionism, pendeln zwischen zwei und acht Sitzen bei den kommenden Wahlen. Trotzdem ist der rechtsextrem-nationalistische Smotrich überzeugt, dass sein von langer Hand geplanter Coup gegen die Palästinenser umgesetzt werden wird. Smotrich ist ein grosser Freund von einem ‘Grossisrael’, weshalb er auch die völlige Zerstörung der Hamas unbedingt als oberstes Kriegsziel sieht. Ist das einmal gelungen, so hat er die Vision, Gaza durch Israel administrieren zu lassen, was einer de facto Annektierung sehr nahekommt. Die dritte Stufe ist die Wiederbesiedlung des Gazastreifens, zunächst innerhalb des 2005 aufgegebenen Siedlungsblocks ‘Gush Zion’. Bereits 2017, damals noch MK für HaBeit HaYehudi schrieb Smotrich im Haaretz: «Die palästinensische Nationalbewegung wurde als Gegenbewegung zur zionistischen Bewegung gegründet, und so beruht das Existenzrecht der palästinensischen „Nation“ auf der Leugnung der Existenz Israels als jüdischer Staat. Aus diesem Grund sind die Chancen auf ein Friedensabkommen mit den Palästinensern, das auf dem Fortbestehen dieser beiden gegensätzlichen nationalen Bestrebungen durch eine künstliche geografische Teilung und auf der Anerkennung des jüdischen Staates durch die Palästinenser beruht, praktisch gleich null. (…) Wenn wir die Souveränität über Judäa und Samaria erlangen, dort weitere Siedlungen errichten und Hunderttausende von Siedlern ins Land holen, werden die Araber erkennen, dass es unumkehrbar ist, dass ihr Traum vorbei ist. (…) Mein Programm ist der Schlüssel zum Frieden. Ich will Frieden und Koexistenz; deshalb will ich den Konflikt entscheiden. Hätten die Araber nicht ein Jahrhundert lang Krieg geführt, um Israel zu vernichten, würde kein einziger Jude auch nur einen einzigen Araber verletzen oder vertreiben wollen.»

Was Smotrich heute plant, ist nichts anderes als die Fortsetzung dessen, was er schon damals formulierte. Er berief sich dabei auf Joshua bin Nun, den Nachfolger Moses, der vor dem Betreten des versprochenen Landes an die Bewohner des Landes schrieb: «Wer unsere Herrschaft akzeptieren will, wird gehen; wer kämpfen will, wird kämpfen … Wer gehen will, und es wird diejenigen geben, die gehen – denen werde ich helfen. Wenn sie keine Hoffnung und keine Perspektive haben, werden sie gehen, so wie sie es 1948 getan haben.»

Netanyahu wehrte sich während einer Kabinettssitzung gegen die Kritik seiner rechtsextremen Minister an seinem Vorgehen und dem Tempo der Operationen der IDF im Gazastreifen. «Niemand braucht mir zu sagen, was ich tun soll oder wie ich es tun soll. Die Dinge geschehen und werden geschehen. Ich erwarte von diesem Tisch Einigkeit.»

Die offizielle Delegation der Hamas-Terror-Organisation ist nach knapp 24-stündigem Aufenthalt in Kairo wieder abgereist. Nach eigenen Angaben sei das Treffen mit dem ägyptischen Mediator beendet und man werde sich zu weiteren Beratungen nach Doha zurückziehen.

Während des Massakers vom 7. Oktober kam es auch in Yated, einem Moschaw neben dem südlichen Gazastreifen zu gewalttätigen Übergriffen. Nasree Yousef, eine drusische Bewohnerin half mit, den Moschaw vor Schlimmerem zu retten. Sie konnte die Hamas-Schlächter, die bereits in den Ort eingedrungen waren, in ihrer Muttersprache Arabisch davon überzeugen, dass sie ihnen Geld geben und ihnen helfen werde, unbehelligt aus dem Moschaw zu verschwinden. Während sie mit den Terroristen sprach, sammelte sie gleichzeitig möglichst viele Informationen und leitete sie an die IDF weiter. Am Tag darauf wurde sie mit allen Bewohnern des Moschaws nach Eilat evakuiert.

Aufgrund ihrer grossartigen Leistung wurde sie nominiert, eine der Kerzen am Unabhängigkeitstag zu entzünden. Im Zusammenhang damit gab es Medienberichte, die über ihren Einsatz am 7. Oktober berichteten. Ab dem Moment sah sich Yousef Angriffen durch Araber ausgesetzt, die sie zu der Entscheidung brachten, ihre aktive Teilnahme an der Zeremonie abzusagen. Sehr traurig, dass es schon soweit ist in Israel!

Aus dem südlichen Libanon wurden heute Vormittag 40 Raketen auf israelisches Gebiet in die Region oberer Galil abgeschossen. Es handelt sich dabei um eine der grössten zusammenhängenden Angriffswellen der Hisbollah. Zuvor waren 20 Raketen auf Kiryat Shmona abgefeuert worden. Ein Grossteil der Raketen wurde abgefangen. Im weitgehend evakuierten Kiryat Shmona wurden Sachschäden an Gebäuden gemeldet. Zwei Personen wurden durch herabstürzende Schrapnells leicht verletzt.

Mindestens sieben Personen wurden nach einem Raketenanagriff der Hamas auf die Region um Kerem Shalom teilweise schwer verletzt. Nachdem mindestens zehn Raketen auf den Warenübergang gefeuert wurden, schloss Israel den Übergang für humanitäre Hilfslieferungen. Die Angriffe erfolgten aus der Region um Rafah. Israel unternahm sofort einen Gegenschlag.

Ich will der Hamas-Terror-Organisation keinesfalls die Verantwortung für die derzeitige traurige Situation in Israel abnehmen. Sie waren es, die am 7. Oktober, den seit 2021 bestehenden Waffenstillstand gebrochen haben. Sie waren es, die beim Massaker mit 3.000 Terroristen nach Israel eingedrungen sind und erbarmungslos unschuldige Menschen, Zivilisten und Sicherheitskräfte, Juden, Christen, Muslims, Israelis und andere Staatsangehörige, Frauen, Männer, Kinder, Babys vergewaltigten, verletzten oder töteten. 1.139 Menschen fielen ihnen zum Opfer. Mehr als 5.4000 Menschen wurden verletzt, etwa 240 Menschen wurden in den Gazastreifen verschleppt. Niemand anderer, als die Hamas-Terror-Organisation, unterstützt durch den Palästinensisch-Islamischen-Jihad hat den Krieg zu verantworten.

Seit Wochen gibt es Bemühungen, ein neues Geisel-Abkommen zu erreichen, um die noch 129 in Gaza festgehaltenen Geiseln zu befreien. Wie viele von ihnen nach 212 Tagen überhaupt noch leben, weiss niemand.

Seit Wochen feilschen die Mediatoren, allen voran Katar, Ägypten und die USA darum, einen Text zu finden, einen Modus vivendi, mit dem beide Seiten einverstanden sind. Das erweist sich als nahezu unmöglich.

Von den Palästinensern ist man seit Jahrzehnten nichts anders gewöhnt. So, wie sie jede Friedensverhandlung abgewiesen haben, gleich wie grosszügig das Angebot auch war, so regelmässig lehnen sie auch die vorgelegten Vorschläge zum Geisel-Abkommen ab. Bietet Israel etwas mehr an, so sagen sie ‘Nein’, wohl wissend, dass da noch mehr zu holen ist.

Warum aber kommt von Israel nicht endlich das entscheidenden ‘OK’? Warum springt Netanyahu nicht endlich über den eigenen Schatten?

Schaut man genau hin, so ist das einfach zu erklären.

  1. Vom Beginn der Bodenoffensive an lautete seine Reihenfolge der Kriegsziele: Zerstörung der Hamas – verbesserte Sicherheit für Israel – Befreiung der Geiseln. In dieser Reihenfolge.
  2. Sein redundantes Credo: «Wir stehen kurz vor dem absoluten Sieg!» – obwohl es weit und breit keine grossen Erfolge gibt, sondern nur punktuelle.
  3. Er hat seit der Vereidigung seiner ‘Nicht-Regierung’ am 29. Dezember 2022 seine politische Seele an die rechtsextremen Koalitionspartner verkauft, um sich erneut auf den Sessel des PM hieven zu lassen.
  4. Seither, und ganz besonders seit dem 7. Oktober, wurde er zu ihrer Marionette, wurde erpressbar und noch korrupter, als er es bisher schon war und weshalb er auch vor Gericht steht.
  5. Um nicht vom Gericht verurteilt zu werden und eine Gefängnisstrafe zu vermeiden, muss er den Krieg so lange wie möglich hinziehen.
  6. Dabei helfen ihm seine rechtsextremen Koalitionspartner, die ihm drohen, die Koalition zu sprengen, wenn er nicht tut, was sie wollen.

Aus einem Mann, der einmal als Mr. Economy und Mr. Security angetreten ist, wurde ein Monster. Die Verbindung zu den Israelis hat er schon lange verloren und es tut weh, das sagen zu müssen, die Geiseln sind ihm mehr als egal.

Israel hätte Besseres verdient.



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