Krieg in Israel – Tag 244 

29.Ijjar 5784

Die IDF muss leider erneut den Tod eines Soldaten bekanntgeben. Bei einem Drohnenangriff der Hisbollah auf die nordisraelische Stadt Hurfeish verlor Staff Sgt. (res.) Refael Kauders, 39, s’’l, sein Leben. Bei der gleichen Explosion wurde ein weiterer Soldat schwer und zusätzlich acht Soldaten leicht verletzt. Innerhalb weniger Minuten waren zwei mit Sprengstoff beladene Drohen in der Stadt explodiert. Warum kein Alarm ausgelöst wurde, ist noch Gegenstand einer Untersuchung.

In den frühen Morgenstunden versuchten drei Terroristen in der Nähe von Rafah auf israelisches Gebiet vorzudringen. Sie wurden jedoch entdeckt und konnten neutralisiert werden. Als die drei die Soldaten bemerkten, eröffneten sie sofort das Feuer. Zwei Terroristen wurden sofort erschossen, der dritte versuchte zu fliehen, wurde dann aber von einem Panzerschuss tödlich getroffen. Möglicherweise war ein vierter Terrorist bei der Gruppe, der sich, nachdem sie entdeckt wurden, wieder zurück auf palästinensisches Gebiet zurückzog. Ob es auf israelischer Seite Verletzte gab, wurde bisher nicht bekanntgegeben. Mittlerweile wurde von der IDF vermeldet, dass Sgt. Maj. Zeed Mazarib, 34, s’’l, bei dem Vorfall sein Leben verlor. Mazarib war beduinischer Spurensucher und Mitglied der Gaza-Division.

Nachdem sich der ‘Tanz der Fahnen’ gestern vom Platz vor der ‘Grossen Synagoge’ in Richtung Damaskus Tor durch das muslimische Viertel der Altstadt bis zum Platz vor der Klagemauer bewegt hatte, ergriffen dort die rechtsextrem-nationalistischen ‘Helden der radikalen Siedler’ Smotrich und Ben-Gvir das Wort. Sie forderten, den Krieg auch auf den Norden auszudehnen und die Angriffe der Hisbollah zu beenden. «Für den Sieg müssen wir in den Norden gehen und die Hisbollah bekämpfen und zerstören. Wir wollen den Sieg», forderte Ben-Gvir. Smotrich wandte sich direkt an Netanyahu: «Lassen Sie unsere heldenhaften Krieger siegen, stellen Sie unsere nationale Ehre, unseren Nationalstolz und unsere Sicherheit wieder her und erlauben Sie den heldenhaften Einwohnern, sicher nach Hause zurückzukehren. Das israelische Volk steht hinter Ihnen!»

Auf dem Weg durch das muslimische Viertel war immer wieder zu hören: «Möge euer Dorf brennen» und «Shuafat [ein arabischer Stadtteil von Jerusalem] steht in Flammen.» Die radikalen Jugendlichen klebten auch Aufkleber mit dem Text ‘ Rabbi Kahane hatte recht’ und ‘Busse + Krieg + Vertreibung + Siedlung = Sieg’ in Anspielung an den Traum, Gaza wieder zu besetzen und zu besiedeln. (s. Tag 243, gestern).

Es gab tätliche Angriffe auf Journalisten und Fotografen, es gab zahlreiche Sachbeschädigungen. Insgesamt wurden 18 Personen festgenommen.

Die saudi-arabische Zeitung Asharq Al-Awsat schreibt, dass die palästinensische Terror-Organisation Hamas den von US-Präsident Joe Biden vorgestellten Plan zum Geiselabkommen ablehnt. Als Begründung wird angeführt, dass sie eine eindeutige Garantie für das Ende des Krieges haben wollen. «Israel manipuliert. Sie wollen einen vorübergehenden Waffenstillstand, dann wird der Krieg wieder aufgenommen… Sie verwenden zweideutige Texte, die offen für Interpretationen sind.» Es ist nicht klar, ob dies bereits eine offizielle Ablehnung ist oder nur die Weitergabe einer inoffiziell getätigten Aussage. Gestern hatte Ismail Haniyeh erklärt, man werde sich ‘ernsthaft und positiv’ mit jedem Vorschlag auseinandersetzen, der «auf einer vollständigen Einstellung des Krieges und dem vollständigen Rückzug der israelischen Streitkräfte aus dem Gazastreifen beruht.» Das ist im aktuellen Plan erst nach Abschluss der zweiten Phase vorgesehen. Netanyahu hingegen besteht darauf, die Hamas völlig zu zerstören, bevor über ein Ende des Krieges nachgedacht werden kann.  Die beiden Standpunkte gehen so weit auseinander, dass es unmöglich scheint, eine Einigung zu erreichen.

Angesicht der Tatsache, dass es bis mittags noch keine offizielle Antwort der Hamas auf den Vorschlag zum Geiselabkommen gibt, wurden die für heute Abend geplanten Treffen des Kriegskabinetts und des erweiterten Sicherheitskabinetts abgesagt. Damit wird die Zeit für die von Benny Gantz gesetzte Frist eng. Der hatte bereits vor einem Monat gefordert, dass Netanyahu sich mit dem Kriegskabinett auf eine gemeinsame Vision einlässt, wer ‘am Tag danach’ den Gazastreifen verwalten soll. Die Frist endet am Samstag, dem 8. Juni. Gibt es bis dahin keine Einigung, so hat Gantz angekündigt, werde er das Kriegskabinett verlassen.

Aus Ägypten kam heute nochmals die Hoffnung vorgaukelnde Meldung, dass die Hamas sich ‘positiv und ernsthaft’ mit dem vorliegenden Vorschlag beschäftigen und in den nächsten Tagen antworten werde. Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri betonte jedoch, dass sie an der Version vom 5. Mai festhalten, der zufolge die palästinensische Terror-Organisation auch nach dem ‘Tag danach’ die Kontrolle im Gazastreifen behalten und nur sehr wenige Geiseln gegen hunderte palästinensische Gefangene austauschen wird. Der Vorschlag wurde von Israel natürlich abgelehnt. Zuhri stellte klar: «Die israelischen Dokumente sprechen von unbefristeten Verhandlungen und von einer Phase, in der die Besatzung ihre Geiseln zurückerhält und den Krieg wieder aufnimmt. Wir hatten den Vermittlern gesagt, dass ein solches Dokument für uns nicht akzeptabel sei.»

Gestern wurde bereits von den G7-Staaten ein Memorandum an die Hamas versendet. Heute schlossen sich zahlreiche weitere Staaten, namentlich: USA, Argentinien, Österreich, Brasilien, Bulgarien, Kanada, Kolumbien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Polen, Portugal, Rumänien, Serbien, Spanien, Thailand und GB der Aufforderung an: «Es gibt keine Zeit zu verlieren. Wir fordern die Hamas auf, dieses Abkommen abzuschliessen, das Israel vorantreiben möchte, und den Prozess der Freilassung unserer Bürger einzuleiten.» Aus jedem der vorgenannten Staaten befindet sich mindestens ein Staatsbürger in der Gewalt der palästinensischen Terror-Organisationen.

Die Houthi-Terroristen haben erneut ein Frachtschiff angegriffen, das sich auf dem Weg von Mormugao, Indien, zum Suez-Kanal befand. Ob auf dem bisher ungenannten Schiff Schaden entstand, wurde noch nicht bekannt. Es handelt sich um einen Schüttgutfrachter, der einem griechischen Unternehmen gehört.

Die Houthi-Terroristen behaupteten am Nachmittag, in einer gemeinsamen Aktion mit dem Irakisch-Islamischen-Widerstand einen Angriff auf mehrere Schiffe im Hafen von Haifa durchgeführt zu haben. «Der erste Angriff zielte auf zwei Schiffe mit militärischer Ausrüstung im Hafen von Haifa, während der zweite auf ein Schiff zielte, das den Beschluss, die Einfahrt in den Hafen zu verbieten, missachtete.» Diese grossmäulige Ankündigung von Houthi-Sprecher Yahya Saree wurde im Fernsehen übertragen. IDF-Sprecher Peter Lerner bezeichnete diese Aussage als völlig aus der Luft gegriffen und falsch.

Die Hisbollah hat heute bekanntgegeben, gestern eine Iron-Dome-Batterie getroffen und zerstört zu haben. Das Raketen-Abwehrsystem soll sich in der Nähe von Ramot Naftali befunden haben. Die IDF hingegen stellt klar, dass es keinen solchen Vorfall gegeben habe. Es wäre dies das erste Mal gewesen, dass es einer Terror-Gruppe gelungen wäre, einen Iron-Dom oder ein anderes Abfang-System erfolgreich anzugreifen und zu zerstören.

Die IDF hat nach eigenen Angaben einen Präzisionsangriff auf ein von der palästinensischen Terror-Organisation Hamas genutztes Gelände innerhalb eines UNRWA-Komplexes in Nuseirat ausgeführt. Eingesetzt wurde Präzisionsmunition und weitere Massnahmen zur Minimierung von Schäden an der Zivilbevölkerung wurden getroffen. Dazu gehört die Analyse von Luftaufnahmen und der ausführlichen geheimdienstlichen Informationen.

Trotzdem spricht das Medienbüro der Hamas von einem ‘Massaker’, bei dem mindestens 27 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden sind. Die UNRWA spricht sogar von 35 bis 45 Opfern. Das Gebäude sei nicht von Terroristen genutzt worden, sondern hätte evakuierten Zivilisten als Auffanglager gedient.

Laut Informationen der IDF wurde das Gelände von Mitgliedern der Terror-Gruppe benutzt, die an dem Massaker vom 7. Oktober beteiligt waren. Gemeinsam mit dem Palästinensisch-Islamischen Djihad hatte die Hamas «Terroranschläge vom Bereich der Schule aus gesteuert und sie als zivilen Ort und Unterschlupf genutzt.» Beim Angriff wurden nach Angaben der IDF 20 bis 30 Hamas-Terroristen neutralisiert, die sich in einem Flügel des Hauses eingerichtet hatten, in dem sich keine Zivilisten aufhielten. Zweimal musste der Angriff verschoben werden, weil sich Zivilisten und Kinder im Zielgebiet aufhielten.

In Rafah entdeckt die IDF erneut einen Tunneleinstieg in einem Kinderzimmer. Im gleichen Haus fanden sie auch Sprengkörper, die in Säcken verpackt waren, welche das Logo der UN trugen. Unmittelbar neben dem Tunneleinstieg fanden sie auch ein Schlachtermesser.



Kategorien:Israel

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