16. Elul 5785

Leider muss die IDF auch heute wieder den Tod von vier Soldaten bekannt geben. Lt. Matan Abramovitz, 21, Staff Sgt. Uri Lamed, 20, Sgt. Amit Ayre Regev, 19 und Sgt. Gadi Cotal 20, s’’l, wurden Opfer eines Überfalles von drei Hamas-Terroristen auf ihren Panzer. Es gelang den drei Angreifern in die unmittelbare Nähe des ausserhalb des Camps abgestellten Panzer zu gelangen und das Feuer zu eröffnen. Nachdem sie den Kommandanten tödlich getroffen hatten, warfen sie einen Sprengsatz in das Innere des Panzers, wo er explodierte und die drei anderen Soldaten tötete. Mindestens zwei der flüchtenden Terroristen konnten von der IDF gestoppt werden.

Am Nachmittag hat die IAF, offenbar mit Bewilligung von Trump, einen Angriff gegen führende Hamas-Anführer in Doha geflogen. Katar verurteilt den Angriff auf das Allerschärfste und bezeichnete ihn als ‘feige’. Ein Sprecher des Aussenministeriums, Majed Al Ansari, erklärte, dass dieser Angriff nicht nur die Sicherheit der Katarer gefährdet habe, sondern auch einen ‘eklatanten Verstoss’ gegen alle internationalen Gesetze und Normen darstelle. Katar untersuche den Vorfall „auf höchster Ebene“, so Ansari. Die PA schloss sich dieser Verurteilung wortgetreu an. Angeblich hatten sich zum Zeitpunkt ranghohe Hamas-Mitglieder zu einem Gespräch über den Waffenstillstand getroffen. Anwesend waren: Khalil al-Hayya (Gaza), Zaher Jabarin (Judäa und Samaria), Muhammad Darwisch (Shura Council), Nizar Awdallah (Politbüro) und Khaled Mashaal (Hamas-Chef).
Netanyahu kommentierte: «Israel hat ihn [den Anschlag] geplant. Israel hat ihn durchgeführt. Israel übernimmt die volle Verantwortung.» Die Reaktionen in Israel waren parteiübergreifend positiv.
Zwei der Hamas nahestehende Medien berichteten, dass die Hamas-Terroristen den Anschlag überlebt hätten. Andere palästinensische Medien sprechen davon, dass nur zwei Personen den Anschlag nicht überlebt hätten, die anderen sich in Sicherheit befänden. Ob der Angriff erfolgreich war, muss also noch abgewartet werden.
Aussenminister Gideon Sa’ar gab während einer Pressekonferenz in Zagreb bekannt, dass Israel den neuesten von den USA vorgelegten Plan akzeptiert habe. «Der Krieg in Gaza kann morgen enden. Vorausgesetzt, das Kabinett stimmt dem Plan zu.» Er fügt aber hinzu, dass Israel zwei Bedingungen hat: die Freilassung aller lebenden und Rückgabe aller toten Geiseln, sowie die Niederlegung der Waffen durch die Hamas. Mit beiden Punkten hat die Hamas ein Problem.
Die israelische Diplomatie befindet sich derzeit im Allzeit-Tief. Hier die neuesten Entwicklungen. Nach den israelischen Vorwürfen, antisemitische Äusserungen in Regierungskreisen zu dulden, zog Spanien seinen Botschafter aus Israel ab. Spanien erklärte weiterhin Ben-Gvir und Smotrich zu unerwünschten Personen und verhängte ein Einreiseverbot. Als der französische Präsident Macron um einen Besuchstermin in Israel im Vorfeld der UNO-Vollversammlung bat, wurde er von Netanyahu abgewiesen. Jetzt plant Israel, das französische Generalkonsulat in Jerusalem zu schliessen. Seit 1843 (!) vertritt es die Belange der Palästinenser in Gaza, Judäa und Samaria sowie Ostjerusalem. Auch für die in Jerusalem lebenden Franzosen ist es die Anlaufstelle. Frankreich hat bereits Gegenmassnahmen angekündigt, diese aber noch nicht definiert. Das offizielle Israel tut derzeit wirklich alles, um sich ‘beliebt’ zu machen.
Jared Kushner, der Liebling von Trump vor allem während des ersten Wahlkampfs und der darauffolgenden ersten Amtszeit, wird jetzt eine ganz besonders schwierige Aufgabe zuteil. Er soll den Plan für Gaza ‘am Tag danach’ ausarbeiten. Das setzt politisches, diplomatisches, geschichtliches, wirtschaftliches und zwischenmenschliches Verständnis voraus. Schliesslich geht es um mehr, als die Trümmerlandschaft von Gaza zu reinigen und vorzubereiten, dort Neues zu schaffen. Es geht darum, politische Animositäten zwischen westlichen und arabischen Staaten, Demokratien und Diktaturen, jüdischen und moslemischen Werten zu glätten. Und es geht natürlich darum, den Terror draussen zu halten. Dazu braucht es weitaus mehr als den von einem reichen, ehrgeizigen Vater finanzierten Master in BWL und Recht. Dazu muss man der Schwiegersohn des derzeit grössten Unruhestifters der westlichen Welt, Donald Trump, sein. Geht es nach ihm, darf Israel nur bedingt an diesem Plan mitarbeiten und muss sich wieder einmal dem Diktat von Trump beugen. «Israel wird Einfluss haben, aber es wird nicht der Bibi-Plan oder der Dermer-Plan sein», sagte ein US-Beamter gegenüber Channel 12. Wird Israel ein Nebenstaat der USA, wie auch Puerto Rico?




Netanyahu verkündete gestern bei einer erneuten kurzen Videoübertragung. «Ich habe Ihnen vor einigen Tagen versprochen, dass wir die ‘Terrortürme’ in Gaza zerstören würden. Genau das tun wir gerade. In den letzten zwei Tagen sind 50 dieser Türme gefallen. Die Luftwaffe hat sie zerstört. All dies ist jedoch nur das Vorspiel, nur ein Auftakt für die eigentliche intensive Operation – eine Bodenoffensive unserer Streitkräfte, die sich derzeit in Gaza-Stadt organisieren und versammeln.» Und um es zu bekräftigen, dass sich der Krieg in Gaza jetzt nicht mehr ausschliesslich gegen die Hamas, sondern auch gegen die Zivilbevölkerung richtet, fährt er fort: «Ich sage es den Bewohnern von Gaza, ich nutze diese Gelegenheit. Hört mir gut zu, seid gewarnt, verschwindet von hier!» Netanyahu war und ist immer noch ein Meister der Rhetorik, hätte er die Bevölkerung wirklich warnen wollen, so hätte er andere Worte gefunden. Der Krieg in Gaza ist schon lange kein Krieg mehr nur gegen die Hamas. Spätestens seit dem 18. März ist er auch ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung.
Das Rote Kreuz hat 300 Zelte nach Gaza geliefert, die in den humanitären Camps aufgestellt werden sollen. Weitere 1.500 sind unterwegs. Aber das sind immer noch viel zu wenig, um die ein bis zwei Millionen aus Gaza-City aufzunehmen, die sich derzeit auf dem Weg nach Süden befinden. «Viele vertriebene Familien leben unter entsetzlichen Bedingungen – einige in den Trümmern ihrer zerstörten Häuser, andere in provisorischen Zelten aus Planen und Altmetall», berichtet Sarah Davies, Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, gegenüber Reuters.

VM Israel Katz hat gestern angeordnet, 750 Arbeitsvisa nicht nur von der Familie, sondern von allen Bewohnern der beiden Heimatdörfer der Terroristen zu kassieren, die gestern den tödlichen Anschlag auf einen Bus ausgeübt hatten. Katz erklärte heute, er habe die Behörden angewiesen, diese ‘zivile Sanktionen’ zu verhängen. Weiterhin hat er angeordnet, alle illegal errichteten Gebäude in den Dörfern zu zerstören. Die ‘Vereinigung für Bürgerechte in Israel (ACRI)’ wandte sich an GStA Gali Baharav-Miara, diese Massnahmen aufzuheben. «Kollektivstrafen sind sowohl nach israelischem Recht als auch nach humanitärem Völkerrecht verboten. Solche Massnahmen sind Kriegsverbrechen», erklärt die ACRI gegenüber der Generalstaatsanwältin. «Wir bitten Sie, das Verteidigungsministerium und die Armee anzuweisen, die Kriegsverbrechen unverzüglich einzustellen.» Auch die Bürgerrechtsorganisation ‘Yesh Din’ hat sich mit entsprechenden Schreiben an die GStA und ihre militärische Kollegin, Tomer Yerushalmi sowie Generalstabschef Eyal Zamir gewandt. «Das humanitäre Völkerrecht verbietet kollektive Bestrafung ausnahmslos», erklärte die Organisation. Als Agronom muss Katz zwar keine tiefen Kenntnisse des Völkerrechts haben, aber dieses Gesetz gehört zum Grundlagen-Wissen! Die Wohnhäuser der beiden Terroristen wurden bereits zur Zerstörung vorbereitet.,
Nicht nur, dass die IDF seit dem Wochenende fünf Hochhäuser (Netanyahu sprach von 50, aber das ist nur ein schöner Traum!) gesprengt, und damit 4.100 Menschen obdachlos zurückliessen. Sie zerstörten bei den Angriffen auch etwa 350 Zelte, in denen 3.500 Menschen Schutz gesucht hatten.
Auch VM Katz beliebt seine kriegerischen Worte mit Lügen zu untermauern. «Ein beispielloser Hurrikan hat Gaza gestern heimgesucht. Dreissig mehrstöckige Terrorgebäude wurden angegriffen und zerstört, und Dutzende weitere Terrorziele wurden bombardiert und zerstört, um die Infrastruktur für Beobachtung und Terror zu unterbrechen und den Weg für Bodentruppen zu ebnen.» Das Video wird mit einem einstürzenden Hochhaus begleitet. Ehemalige Bewohner berichten, dass ihnen nur 20 Minuten Zeit blieb, ihre Wohnungen geordnet zu verlassen. Von den bereits Geflohenen kamen einige schon wieder zurück. In der ‘sicheren Zone’ sei kein Platz mehr, alles sei bereits überfüllt.

Nachdem die Hamas gestern noch die Verantwortung für den tödlichen Terror-Angriff in Jerusalem abgelehnt hat, haben heute die ‘Izz ad-Din al-Qassam Brigaden‘ die Verantwortung übernommen.

Offenbar steht der Beginn der Bodenoffensive gegen Gaza kurz bevor. Die IDF verkündete, dass alle Bewohner von Gaza-City sich sofort in den Süden in die humanitäre Zone begeben müssen. Ein Verbleiben in der Region sei äusserst gefährlich. Entsprechende Warnungen wurden auch als Flugblätter abgeworfen.

Der libanesische Aussenminister Youssef Raggi gab einen Plan von Militärchef Rodolphe Haykal bekannt, der in fünf Stufen die Bedingungen des Waffenstillstandsabkommens umsetzen will. Die erste Stufe sieht vor, dass innerhalb von drei Monaten alle Waffen südlich des Litani-Flusses entfernt werden. Das Tragen von Waffen ist dann nur mehr dem regulären Militär sowie der Polizei erlaubt.
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