Krieg in Israel, Tag 275 – der 10. Kriegsmonat beginnt.

01. Tammus 5784

Heute beginnt der 10. Monat des Krieges Israel gegen die Hamas. Ein Krieg, in den Israel hineingezogen wurde. Am 7. Oktober des Vorjahres überfielen mehr als 3.000 Terroristen der palästinensischen Terror-Organisation Hamas, des palästinensisch-islamischen Djihad, radikaler Zivilisten und UNRWA-Mitarbeiter den Süden Israels. Sie kamen über Land, aus der Luft und über das Wasser.

Ab 6:30 wurden bis zum Nachmittag etwa 5.000 Raketen auf Israel abgeschossen, so die stolze Mitteilung von Mohammed Deif, dem Stellvertreter von Yahya Sinwar. IDF-Sprecher Daniel Hagari gab bereits um 10 Uhr bekannt, dass mehr als 2.200 Raketen abgeschossen worden waren. Im Laufe des Nachmittags liess die Intensität der Angriffe nach. Einschläge wurden u.a. in Jerusalem, Tel Aviv, Rishon le Zion und Be’er Sheba gemeldet. Elf Menschen starben und mehr als 100 wurden verletzt.

Die Terroristen, die zu Fuss oder mit eigenen Fahrzeugen kamen, durchbrachen an 29 (!) Stellen den Grenzzaun, der angeblich unzerstörbar war. Beobachtungs-, Kommunikations- und ferngesteuerte Schiessanlagen wurden mit Drohnen zerstört, Scharfschützen nahmen Kameras und Überwachungsanlagen unter Beschuss. Sogar ein Kampfpanzer wurde durch Drohnenbeschuss ausser Funktion gesetzt, die darin befindlichen Soldaten wurden getötet. Von der ‘Aufklärungs-Einheit 8200’, die seit Wochen immer wieder vor ‘Unregelmässigkeiten’ gewarnt und ganz konkrete Hinweise über eine bevorstehende Infiltration durch die Hamas gegeben hatte, wurden 56 Soldatinnen ermordet und weitere 16 verschleppt. Ihre Warnungen wurden allesamt ignoriert. (s. Tag 273)

Durch die Zerstörung der Kommunikationssysteme und die Ermordung der Soldatinnen war es zu dem Zeitpunkt nicht mehr möglich, Mitteilungen an die IDF zu machen und Hilfe anzufordern.

Die Politik, das Militär, die Sicherheitskräfte und Geheimdienste haben an dem Tag versagt. Im Vertrauen auf die Wirksamkeit der Grenzanlagen waren die Posten entlang der Grenze unterbesetzt. Es war eine Feiertagswoche, viele hochrangige Verantwortliche waren im Urlaub. Teilweise dauerte es mehr als sieben Stunden, bis die ersten Hilfskräfte eintrafen. Der Kibbutz Nir Am konnte sich bis zum späten Nachmittag erfolgreich selbst verteidigen. In Be’eri, Kfar Aza, Nahal Oz und Sderot wurden etwa 340 Menschen ermordet, beim Musik-Festival in Re’im waren es etwa 360.

Andere Truppeneinheiten wurden einige Wochen zuvor auf Wunsch vom rechtsextrem-nationalistischen und siedlerfreundlichen Smotrich zur Unterstützung der Siedler in den Norden verlegt.

Schwere Baumaschinen kamen zum Einsatz, um die geöffnete Grenzanlage zu erweitern. Die meisten Vorgänge wurde von den Body-Cams der Terroristen aufgenommen und sofort in den Sozialen Medien veröffentlicht. Insgesamt drangen etwa 3.000 Terroristen bis zu 18 km tief auf israelisches Gebiet vor.

Am Abend des 7. Oktober wurden erste Zahlen bekannt: Man sprach von 250 Toten und 1.200 Verletzten.

Erst Wochen später stand fest, dass mehr als 1.200 Menschen vergewaltigt, geschändet und grausam ermordet wurden, mehr als 5.400 verletzt und etwa 260 in den Gazastreifen verschleppt wurden. Bis heute befinden sich noch mehr als 105 in Geiselhaft. Wie viele von ihnen noch leben, ist unbekannt, es werden täglich weniger werden. Noch immer gibt es Fälle, in denen das Schicksal der betroffenen Person unklar ist.

Die Identifizierung der Toten gestaltete sich äusserst schwierig. Teilweise waren die sterblichen Überreste bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Im Fall von Shani Louk, 22, s’’l, deren sterbliche Überreste man Ende Oktober in Gaza auffand, gelang die Identifizierung nur mehr mit Hilfe des aufgefundenen’ Steigbügels’, des kleinsten Knochens im menschlichen Skelett. Fehlt dieser nur 3 mm kleine Knochen, ist kein Überleben möglich.

Bereits am folgenden Tag wurde das Gebiet rund um den Gazastreifen evakuiert.

Am 8. Oktober erklärt Israel, sich im Krieg mit der Hamas, aber nicht mit der Zivilbevölkerung von Gaza zu befinden. Auch aus dem Libanon kommen die ersten Angriffe durch die Hisbollah. Drei Kriegsziele werden benannt:

  • Totale Ausschaltung und Eliminierung der Hamas
  • Befreiung der Geiseln
  • Mehr Sicherheit für Israel

Am 9. Oktober riegelt Israel den Gazastreifen vollständig ab. Der ägyptische Grenzübergang Rafah wird für den Personenverkehr geschlossen. Die IDF beruft 300.000 Reservisten ein, von denen 160.000 sofort in den Dienst gestellt werden…

Zu diesem Zeitpunkt beginnt die Hexenjagd auf Israel durch die UNO und zahlreiche Staaten. Das böse Wort ‘Genozid’ steht im Raum, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit werden Israel vorgeworfen. Einige Staaten verurteilen Israel ebenfalls. Die Verurteilung Israels durch die UNO begann unmittelbar nach dem Massaker. Nicht verurteilt wurden die Hamas und andere Terror-Organisationen.

Gleichzeitig begann, ausgehend von den USA eine nie dagewesene pro-palästinensische Studentenbewegung, die auch auf europäische Universitäten übersprang. Offensichtlich von langer Hand vorbereitet und finanziert, war dies eine durch und durch orchestrierte Aktion.

Heute beginnt der 10. Monat des Krieges. Keines der drei Kriegsziele ist bisher erreicht worden und wird es auch in den kommenden Monaten nicht werden.

Einige Offiziere und ranghohe Geheimdienstmitarbeiter haben ihre Verantwortung zugegeben und ihren Rücktritt bekanntgegeben. Sie haben mitgeteilt, ihn unmittelbar nach Ende des Kriegs ausführen zu wollen.

Nur der Mann, der immer wieder betont, er sei der Einzige, der Entscheidungen trifft, der schweigt. Er fürchtet sich vor dem folgenden Gerichtsverfahren, das seinem bereits anhängigen zugefügt werden wird. Er fürchtet sich vor der immer wahrscheinlicher werdenden Haftstrafe.

Er, der vor wenigen Tagen, wohl abgeschirmt von den Blicken der Öffentlichkeit tiefbewegt seinen Bruder Yoni, 30, s’’l, betrauerte, der 1976 bei der Geiselbefreiung in Entebbe erschossen worden war. Er, der kein Herz zeigt für die Familien der Geiseln, der lebenden und der bereits verstorben. Er weigert sich, Verantwortung zu übernehmen. Er ist feige!

Nota bene: Die Netanyahus befanden sich seit dem 2. Oktober in einem Hotel in Neve Ativ auf dem Golan, von wo aus sie am Sonntag, 8. Oktober wieder abreisen wollten.  Dort, und nicht, wie er so gerne behauptet, in seiner Residenz in Jerusalem, erreichte ihn die Nachricht vom stattfindenden Massaker.



Kategorien:Israel, Politik

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