Krieg gegen Iran – Tag 24 nach dem Ende der Waffenruhe

28. Ijjar 5786

Auch heute muss die IDF leider wieder den Tod eines Soldaten bekanntgeben. Staff Sgt. Negev Dagan, 20, s’’l, fiel im Kampf in der Nähe des Litani-Flusses. Seine Einheit wurde von der Hisbollah mit Mörsergranaten unter Beschuss genommen. Eine der Granaten explodierte in unmittelbarer Nähe von Dagan. Er wurde schwer verwundet, erhielt eine Erstversorgung, verstarb aber leider auf dem Weg ins Krankenhaus.

Nachdem es nun klar ist, dass die Knesset sich auflösen und damit Neuwahlen erforderlich werden, dürfen wir uns auf sehr viele Umfragen freuen. Um ein Ausgangs-Bild zu geben, kommen hier die ersten Zahlen: 55 % der Befragten sind dafür, dass sich Netanyahu aus der Politik zurückzieht, 38 % möchten, dass der Chef des Likud wieder antritt, 7 % sind noch unentschlossen. Die derzeitige Koalition sinkt demnach auf 49 Sitze, die Opposition, noch ohne die arabischen Parteien, kommt auf 61 Sitze. Sollte sich Gadi Eisenkot doch noch der Liste von Bennett und Lapid anschliessen, käme diese auf 49 Sitze, zwei mehr als in der Vorwoche

Teheran, so der iranische Aussenminister Abbas Araghchi, habe kein Vertrauen mehr in die USA und sei an weiteren Verhandlungen nur dann interessiert, wenn diese ernsthaft geführt würden. Grundsätzlich können alle Schiffe die Strasse von Hormus passieren, sofern dies mit der iranischen Marine vereinbart ist. «Die Lage rund um die wichtige Durchfahrt sei ‘sehr kompliziert’», sagt er. Die Amerikaner hätten widersprüchliche Signale gesendet, die die tatsächlichen Absichten verschleiern. Der Vermittlungsversuch Pakistans sei zwar nicht gescheitert, aber befinde sich in grossen ‘Schwierigkeiten’..

Trump sagte auf dem Rückflug von China: «Ich werde nicht mehr lange Geduld [mit dem Iran] haben. Jetzt können sie entweder einen Deal machen oder sie werden vernichtet.» sagte er und fügte hinzu: «Jeder vernünftige Mensch würde einen Deal machen, aber vielleicht sind sie ja verrückt.» Ein Journalist fragte ihn, ob er das letzte Angebot des Iran abgelehnt habe, worauf Trump erklärte: «Ich habe nur den ersten Satz gelesen und dann alles weggeworfen. Schon der erste Satz war inakzeptabel.» «Also sind 20 Jahre nicht genug für Sie?» «Nein, nein, 20 Jahre sind genug, aber der Umfang ihrer Garantien ist nicht hoch genug. Es müssen echte 20 Jahre sein.» Ob damit die bisher klaren Forderungen Israels vom Tisch genommen wurden?

Waffenruhe zwischen dem Libanon und Israel soll, so die libanesische Zeitung Al-Akhbar, heute noch verlängert werden. Es wird erwartet, dass die USA eine entsprechende Erklärung abgeben, in der die zwei ersten Gesprächsrunden auf diplomatischer Ebene zusammengefasst werden. Gleichzeitig soll auch eine ‘Absichtserklärung’ bezüglich der Fortsetzung der Gespräche veröffentlicht werden. Die Gespräche sollen dazu führen, dass sich Israel völlig aus dem Libanon zurückzieht, während die Hisbollah vollständig entwaffnet wird. Teilaspekt der bisherigen Gespräche war die Formulierung eines konkreten Plans, wie man eine Vereinbarung zwischen den beiden Staaten von einem möglichen Abkommen mit dem Iran abtrennen kann.

Wie erst jetzt bekannt wurde, hat in einer frühen Phase des Krieges gegen den Iran Präsident VAE Präsident Sheikh Mohammed bin Zayed mit seinen Amtskollegen aus anderen Golf-Staaten, inklusive dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salam telefoniert. Seine Idee, einen gemeinsamen Angriff auf den Iran zu lancieren, wurde von den anderen abgelehnt. Darin mag eine mögliche Erklärung für die Spannungen unter den Golf-Staaten liegen, die im Austritt der VAE aus dem OPEC-Öl-Kartell auszutreten gipfelte. Die VAE wurden nicht zu den Vermittlungsgesprächen mit Pakistan eingeladen, was ebenfalls zu einer Verstimmung führte.

Offenbar will Generalstabschef Eyal Zamir im Kreis der Besucher in den VAE nicht fehlen. Er erklärte dem Sender ‘Kan’, dass er sich dort, begleitet von ‘Militärvertretern’, mit einigen Kollegen getroffen habe und auch von Präsident Scheich Mohammed bin Zayed empfangen worden sei. Die Mossad- und Shin-Bet-Chefs waren mehrfach im April und Mai in Abu Dhabi, um mit ihren Amtskollegen verschiedene kampf- und sicherheitsrelevante Aspekte des Krieges zu diskutieren. Diese Besuche scheinen gesichert zu sein. Hingegen wurde der vom Büro des PM behauptete Besuch Netanyahus von den VAE dementiert. Seltsamerweise wurde der Besuch Netanyahus aber vom iranischen Aussenminister bestätigt. Auch ein ehemaliger Sprecher des PM berichtete gar Wunderbares vom Besuch des israelischen PM in Abu Dhabi. (s. gestern)

Maj. Gen. Roman Gofman, der von Netanyahu vorgeschlagene Chef des Mossad, wirft GStA Gali Baharav-Miara vor, bei ihrer Bemühung gegen seine Einstellung ‘in böser Absicht’ zu handeln. Sein Rechtsanwalt reichte eine Stellungnahme beim OGH ein, in der er erklärte, sie habe ein kürzlich stattgefundenes Treffen zwischen Gofman und einem hochrangigen Mossad-Beamten «gelinde gesagt nicht wahrheitsgemäss» wiedergegeben. «Es ist sehr bedauerlich, dass die GStA, die eigentlich als demokratische Wächterin fungieren sollte, gegenüber einem Generalmajor der IDF nicht in gutem Glauben handelt. Hier ist kein Platz, um alle Verfahrensfehler, die Baharav-Miara verursacht hat, ausführlich darzulegen.»

Smotrich nutzte den Jerusalem-Tag dazu, sich seiner Kollegin MK Lior Son HaMelech anzuschliessen, die einen Gesetzesentwurf eingebracht hat, mit dem die Verträge Oslo I und II aufgelöst werden sollen. Smotrich erklärte dazu: «Es ist an der Zeit, die Grenzen zwischen den Zone A, B und C sofort und dauerhaft zu löschen. Die israelische Nation kehrt heim und dieses Mal für immer und ewig.»

Im palästinensischen Dorf Jibiya, nördlich von Ramallah griffen jüdische Siedler-Terroristen einige Fahrzeuge und die Moschee an und legten Feuer. Möglicherweise nahm eine Graffiti, das auf eine Wand der Moschee gesprüht wurde, Bezug auf den ‘Jerusalem-Tag’: «Für die Befreiung von Jerusalem!» Der Jerusalem-Tag, der jährlich am 28. Ijjar stattfindet, erinnert an die Befreiung Jerusalems nach der Besetzung Ostjerusalems durch die Araber.

Nachdem die IDF einige Dörfer in der Küstenregion um Tyros evakuieren liess, flog sie einige Angriffe auf das Gebiet. Weitere Informationen stehen noch aus. Zuvor hatte die Hisbollah einige Sprengstoff-Drohnen auf israelisches Gebiet in der Nähe der Grenze abgeschossen. Die Fernsteuerung der Drohnen macht eine recht genaue Anpeilung des Ziels möglich. Deshalb kommt es vermehrt, wie auch heute, zu Angriffen auf militärische Stellungen. Es gab keine Verwundeten.

Die Hisbollah schoss in der Nacht auf heute einige Raketen auf Kiryat Shmona ab, die alle abgefangen und zerstört wurden oder auf offenem Gebiet abstürzten, ohne Schaden anzurichten. Im Gegenzug zerstörte die IDF den Raketenwerfer und einige von der Hisbollah genutzte Gebäude in der Stadt Zebdine.

Hier schon mal der Comic zur Kolumne!

Yossi Verter hat in seiner Freitag-Kolumne das Verhalten von Netanyahu in den vergangenen Wochen angesichts der immer wahrscheinlicher werdenden Niederlage bei den Wahlen analysiert. Eine schöne Aufgabe für Mozei Shabbat, sich damit intensiv auseinander zu setzen!



Kategorien:Israel, Politik

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