22./23. Elul 5786 4./5. September 2026
Shabbateingang in Jerusalem: 18:20
Shabbatausgang in Jerusalem: 19:35
Shabbateingang in Zürich: 19:42
Shabbatausgang in Zürich: 20:45
„Wähle das Leben, damit du und deine Nachkommen leben!“ lesen wir im vorletzten Satz des Wochenabschnitts dieser Woche.

Am kommenden Freitag beginnt das jüdische Neujahrsfest, Rosh HaShana, der Tag des Neubeginns. Nicht nur, dass an diesem Tag Gott den Menschen erschuf. Unsere Vorväter wurden im Monat Tischri, dem ersten des neuen Jahres geboren. Sara, Rahel und Chana durften erfahren, dass sie, die bis dahin kinderlos waren, schwanger werden würden. Josef, der unschuldig im Gefängnis des Pharaos sass, wurde nach 12 Jahren entlassen. Später, und das ist für die Geschichte des Volkes Israel bis heute unglaublich wichtig: die Zeit der Versklavung in Ägypten endete.
In der Thora finden wir noch einen anderen Beginn des neuen Jahres: «Dieser Tag [der 1. Nissan] soll für euch der erste der Monate sein, der erste im Jahresverlauf.» Das Pessachfest, mit dem wir uns an den Auszug aus Ägypten erinnern, beginnt jeweils am Abend des 15. Nissan.
Am letzten Schabbat vor Rosh HaShana lesen wir also «Wähle das Leben, damit du und deine Nachkommen leben!»
Der Wochenabschnitt beginnt mit den Worten «Heute steht ihr alle vor eurem Gott.» Alle Mitglieder des Volkes Israel sind hier angesprochen, aber auch, und das ist bedeutsam, «die Fremden, die mit euch leben.» Die Fremden werden ganz selbstverständlich in den Bund einbezogen, den Gott hier ein letztes Mal in der Thora mit dem Volk Israel schliesst. Sie wurden bereits explizit genannt, und zwar in den Shabbatsgesetzen, die für alle gemeinsam lebenden Menschen gelten.
Moshe stellt abschliessend eindringlich dar, welche Folgen es haben wird, wenn die Menschen sich entscheiden, die Weisungen Gottes nicht einzuhalten. Ob dieses Nichteinhalten mit hinter dem Rücken gekreuzten Fingern geschieht oder ganz offen, Gott wird es erkennen und darauf reagieren. Er wird das Volk aus dem Land, das er ihnen versprochen hatte, vertreiben und das Land unfruchtbar machen. So, wie er Sodom und Gomorra zerstört hatte.
Kehren die Menschen aber um, tun Busse und bereuen, dann wird er nochmals gnädig sein, und sie zurückkehren lassen. Mehr noch, die reuigen Rückkehrer werden «glücklicher sein als zuvor.»
Die zehn Tage nach Rosh HaShana bis Yom Kippur werden als ‘Tage der Umkehr’ bezeichnet. Gott schreibt uns ein ins Buch des Lebens. Wir können und sollen uns in den zehn Tagen besinnen, Fehler bereuen und unseren Frieden mit Gott machen. Am Ende von Yom Kippur wird das Buch wieder geschlossen. Gottes Urteil über uns wird von der Ernsthaftigkeit unserer Rückbesinnung abhängen.
Gott verlangt nichts von uns, was unsere moralischen und ethischen Fähigkeiten übersteigt, «Das Gebot, das ich euch heute gebe, ist nahe bei euch, es ist nicht unerreichbar im Himmel und auch nicht unerreichbar jenseits des Meeres. Es ist jederzeit für dich erreichbar.»
Gott macht es den Menschen nicht schwer, er erwartet auch keine Perfektion. In einem Chanson von Leonhard Cohen heisst es: „..vergiss dein perfektes Opfer. Überall ist ein Riss, aber durch den kann das Licht hereinkommen.“
Es sind unsere Unvollkommenheiten, an denen wir wachsen.
Treffen wir unseren Entscheid für das Leben, aber lassen auch Unvollkommenheiten zu!
Shabbat shalom
Kategorien:Religion
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