26. Elul 5786
Die Zeichen standen klar an der Wand!

Etwa zehn Tage vor dem Massaker vom 7. Oktober 2023 hat der Staatschef der VAE, Mohammed bin Zayed, Netanyahu gewarnt, dass ein grossangelegter Angriff der Hamas auf Israel unmittelbar bevorstünde. Er unterrichtete jedoch keinen der Sicherheitschefs über diese bevorstehende Gefahr. Der Bericht stützt sich auf das neue Buch: «Kidnapped: 843 Days of Abandonment». Zwei Journalisten, Shlomi Eldar und Ruth Yuval, haben für dieses Buch Interviews mit zahlreichen in- und ausländischen Quellen geführt.
Präsident Isaac Herzog, der ein freundschaftliches Verhältnis zu Scheich Mohammed bin Zayed (bekannt als MBZ) hat, berichtet, dass «er in den Monaten vor dem Krieg oft mit mir darüber gesprochen hat. Er hat immer wieder deutlich gemacht, dass die Situation entschärft werden müsse. Er hat sogar einen Sonderbeauftragten nach Israel entsandt, der sich mit dem MP getroffen hat. Der Emir schien zu spüren, dass die Region kurz vor einer Explosion stand.»
Die Telefongespräche zwischen MBZ und Netanyahu liefen immer nach einem bestimmten Prozedere ab: Ein Beamter des Emirats brachte ein speziell abgesichertes Telefon in das Büro des PM, sodass die Gespräche absolut vertraulich blieben. Zehn Tage vor dem 7. Oktober war etwas anders. Das Gespräch dauerte 45 Minuten.

Im Palast des Emirs war ein enger Berater von MBZ anwesend. Es handelt sich um einen Palästinenser, der Jahre zuvor aus Gaza nach Abu Dhabi ausgewandert war, aber nach wie vor enge Verbindungen zur Hamas unterhielt.
Bei diesem Gespräch habe MBZ Netanyahu gewarnt, dass der Hamas-Führer Yahya Sinwar eine gross angelegte Aktion gegen Israel plane, die zu Blutvergiessen führen, die Region destabilisieren und möglicherweise den Abraham-Abkommen schaden würde. Dem Bericht zufolge war MBZ von Netanyahus Reaktion überrascht, die zuversichtlich wirkte: Der israelische PM erklärte ihm, Jerusalem habe die Lage in Gaza fest im Griff, dass etwaige Aktionen der Hamas wahrscheinlich im Westjordanland stattfinden würden und Israel sei auf jedes Szenario vorbereitet.
MBZ habe, so der Bericht, sein Wissen direkt von Sinwar bezogen. Der sei frustriert gewesen, dass Verhandlungen über einen verschleppten Gefangenenaustausch [Avera Mengistu (2014), Hisham al-Sayed (2015), Oron Shaul (2014) Hadar Goldin (2014)]. In den Verhandlungen sprach man zunächst über 500, dann über 250 und schliesslich über 50 Hamas-Gefangene, die im Austausch für die vier Israelis freigelassen werden sollten. Der Shin-Bet blieb bei seinem ‘Angebot’ von 30 Gefangenen. Ende August unterschrieb Netanyahu den Freilassungsbefehl für 30 Palästinenser, verzögerte aber immer wieder das Treffen des Komitees, das das Papier akzeptieren musste.
«Sag den Israelis, wenn sie nicht vorankommen, bereite ich ihnen eine riesige Überraschung vor», wird Sinwar in einem Gespräch zitiert. «Sag ihnen, sie sollen mit einem Erdbeben rechnen.» Anfang September brach Sinwar plötzlich alle Kontakte für Deeskalationsgespräche und Abkommen mit Israel ab,
In einem anderen Gespräch teilte er ihm mit, dass er ‘eine gewaltige Operation’ vorbereite. Der Fatah-Vertreter, der enge Verbindungen zu einem Berater von MBZ unterhielt, informierte seinen Freund.
Der Berater von MBZ betonte gegenüber Haaretz, dass er aufgeregt gewesen sei. Ihm war klar, dass die Operation, von der Sinwar sprach, den gesamten Nahen Osten betreffen könnte, aber er hatte Angst, die Informationen direkt an den Shin Bet weiterzugeben. Andererseits hatte er noch grössere Angst, dass die Israelis ihn der Kollaboration mit Sinwar bezichtigen könnten, wenn er den Shin-Bet nicht auf den neuesten Stand bringen würde. Er fürchtete ernsthaft um sein Leben. Deshalb beschloss er, die Botschaft an Bin Zayed weiterzuleiten.
Dem Bericht zufolge interpretierten der Berater und MBZ die Warnung so, dass die Hamas einen Krieg in Erwägung ziehe. Dem Bericht zufolge gaben der Fatah-Funktionär und der Berater die Warnung schliesslich Mitte September direkt an den israelischen Shin-Bet weiter. Israelische Sicherheitsbeamte berieten in den folgenden Tagen über die Warnung, verstanden sie jedoch nicht als Drohung eines Angriffs aus dem Gazastreifen, und es wurden keine konkreten Entscheidungen getroffen.
Der Bericht hält weiterhin fest, dass der damalige Chef des Shin-Bet, Ron Bar, am 1. Oktober erneut vorschlug, Massnahmen gegen die Hamas zu ergreifen und hochrangige Funktionäre zu töten. Netanyahu wies das ebenfalls ab und bat lediglich darum, ihm die Pläne vorzulegen. Sein Gespräch mit MBZ erwähnte er nicht. Es bleibt festzuhalten, dass das Ehepaar Netanyahu in den frühen Morgenstunden des 2. Oktober in seinem Feriendomizil auf dem Golan ankam. Wann sie wieder von dort angereist sind, ist unbekannt. Angeblich hat das Ehepaar die Nacht vom 6. auf den 7. Oktober in seiner Villa in Caesarea verbracht.
«Hätten wir von den Warnungen gewusst, hätten wir der ersten Nachricht, die uns von Sinwar erreichte, möglicherweise viel mehr Gewicht beigemessen», erklärt ein hochrangiger Shin-Bet-Beamter gegenüber der Zeitung. «Vielleicht hätte sich dadurch auch geklärt, was hinter seinem plötzlichen Rückzug aus den Deeskalationsgesprächen Anfang September lag.»
Unmittelbar nach dem Massaker und den mehr als 250 nach Gaza entführten Geiseln soll es mehrere Gespräche gegeben haben. Der katarische PM, Sheikh Mohammed bin Abdulrahman al-Thani, wandte sich an den mit ihm befreundeten Mossad-Chef David Barnea, um ihm einen Vorschlag zu unterbreiten. Die Reaktion war erschreckend: «Wenn sie die Zivilisten freilassen wollen, sollen sie das tun», antwortete Barnea. «Wir sind nicht bereit, mit der Hamas zu sprechen.»«Das sind nicht die Israelis, die ich kenne», sagte der katarische Staatschef zu seinen Mitarbeitern. «Das ist nicht der Dedi Barnea, den ich kenne.»
Die Geschichte ist zu tragisch, um sie hier stark gekürzt wiederzugeben. Deshalb bitte mit viel Geduld selbst lesen.
Was sagt das Büro des PM, aka der PM selbst, dazu? «Der Bericht ist eine glatte Lüge! PM Netanyahu hat während des fraglichen Zeitraums nicht mit dem Präsidenten der VAE gesprochen und keine Warnung von ihm erhalten.» Was zu beweisen sein wird. Eines muss man, bei aller Freude über den erneuten Missgriff des PM, beachten: Solange es kein Protokoll gibt und niemand aufsteht und sagt: „Ich bin der Zeuge“, muss man die Sensation kritisch betrachten.
Und was sagt die Opposition dazu? In einem seltenen gemeinsamen Statement erklären die Chefs der meisten Parteien: «Die schockierenden Enthüllungen von heute Morgen erfordern eine sofortige und gründliche Untersuchung. Sie reihen sich ein in eine wachsende Zahl von Enthüllungen über Netanyahus Versagen und Unfähigkeit und unterstreichen einmal mehr, warum Netanyahu um sein politisches Überleben kämpft – um die Einrichtung einer staatlichen Untersuchungskommission zu verhindern und zu verhindern, dass die Wahrheit vor die israelische Öffentlichkeit gelangt», heisst es in der Erklärung von Yashar-Chef Gadi Eisenkot, dem Vorsitzenden von B’Yachad, Naftali Bennett, dem Vorsitzenden der Demokraten, Yair Golan, und dem Vorsitzenden von Yisrael Beytenu, Avigdor Liberman.
Die Warnung ignoriert zu haben, zeugt von Arroganz und einem Vertrauensbruch gegenüber den Israelis. Sein Verhalten sei eine «extreme Pflichtverletzung» gewesen. «Die israelische Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren: Was wusste Netanyahu, wann wusste er es, warum hat er die Sicherheitsbehörden nicht informiert und warum hat er nichts unternommen, um die Bürger Israels zu schützen?»
Die Oppositionsführer stellen klar, dass Netanyahu und seine Verbündeten nicht geeignet sind, im Amt zu verbleiben und versprechen: «Unmittelbar nach der Bildung der 38. Regierung unter unserer Führung werden wir eine staatliche Untersuchungskommission einrichten, die die Versäumnisse untersuchen wird, die zur Katastrophe vom 7. Oktober geführt haben, die Wahrheit aufdecken und sicherstellen wird, dass sich diese Katastrophe nie wiederholt.»

Zwölf Staaten haben am Dienstag bekanntgegeben, dass sie den Handel mit israelischen Waren aus Samaria und Judäa einstellen. Es handelt sich dabei um Kanada, Dänemark, Finnland, Frankreich, Island, Irland, Norwegen, Polen, Portugal, Spanien, Schweden, und GB. «Die Lage verschlechtert sich rapide vor dem Hintergrund beispielloser Gewalt durch Siedler und der Ausweitung der Siedlungen, einschliesslich der inakzeptablen Entscheidung, Ausschreibungen für das E1-Siedlungsprojekt zu veröffentlichen», erklärten sie. Der Handelsboykott richtete sich also ganz klar gegen die jüdischen Siedler. Aussenminister Gideon Sa’ar kündigte an, dass das britische Konsulat in Ostjerusalem geschlossen und die britischen Vertreter im zivil-militärischen Koordinationszentrum (CMCC) in Kiryat Gat ausgewiesen würden – als Reaktion auf die am Mittwoch verkündeten britischen Sanktionen gegen Siedlungen im Westjordanland.
Abd al-Karim Muhammad Salem Khader ein gesuchter Terrorist, wurde in den Nachtstunden in der Stadt Aqraba, südlich von Nablus, eliminiert. Khader hatte versucht, sich der Befragung durch die IDF zu entziehen, indem er sich in seinem Haus verschanzte. Zudem warf er einen Molotowcocktail und eine selbstgebastelte Bombe auf die Soldaten, ohne dass dabei jemand verletzt wurde. Die Soldaten wandten daraufhin die als ‘Dampfkochtopf’-Taktik an, bei der ein Gebäude so intensiv unter Feuer genommen wird, dass die Verschanzten es freiwillig verlassen. In diesem Fall half auch dies nicht, sodass die IDF einen Bulldozer einsetzte und begann, einen Teil des Hauses abzureissen. Schliesslich drangen sie in das Gebäude ein, wo sie den Terroristen messerschwingend vorfanden. Auf diese direkte Bedrohung reagierten sie mit einem gezielten Schuss.


Die gestrigen Wahlumfragen zeigen keine grosse Bewegung in den Pro- und Anti-Netanyahu-Blöcken. Ohne die Ra’am-Partei wäre es auch heute dem Anti-Netanyahu-Block nicht möglich, die Mindestmehrheit von 61 Sitzen zu erreichen. Aber wir sind noch mehr als einen Monat vom Wahltag entfernt.
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