27. Elul 5786
Netanyahu wehrt sich, wie nicht anders zu erwarten, gegen den gestern zuerst im Haaretz veröffentlichten Bericht (s. gestern), wonach er vom Präsidenten der VAE Tage vor dem Massaker über den geplanten Angriff informiert wurde und nichts unternahm. Neben der Klage gegen die Zeitung wird er auch gegen den Reporter Shlomi Eldar rechtlich vorgehen. Netanyahu betont, dass zwischen September 2023 und dem 7. Oktober 2023 kein Telefonat zwischen ihm und Mohammed bin Zayed stattgefunden hat. Ein solches Gespräch hätte irgendwelche Spuren hinterlassen, die jedoch von seinem Team nicht gefunden wurden. Seither war tatsächlich viel Zeit, um belastendes Material verschwinden zu lassen! «Dies ist eine böswillige Verleumdung mit eindeutigem politischem Timing als Teil des Wahlkampfs der Linken, und es wird weitere solcher falschen Verleumdungen geben», sagt er und behauptet erneut, dass, wäre er von den israelischen Sicherheitschefs Stunden vor Beginn des Angriffs auf die Anzeichen eines Hamas-Angriffs hingewiesen worden, «das schreckliche Massaker hätte verhindert werden können.»

Kurz nachdem ein Bericht bekannt wurde, wonach Netanyahu bis kurz vor dem Beginn des Massakers von höchster Stelle der VAE vor einem Angriff gewarnt wurde (s. gestern), dies jedoch nicht ernst nahm, meldet sich nun auch Ägypten zu Wort. Laut Army Radio legte der Shin-Bet Netanyahu Warnungen des ägyptischen Geheimdienstes vor, die belegten, dass die Hamas vorhatte, «den Boden in Gaza zum Beben zu bringen», ohne auf weitere Details einzugehen. Auffallend ist die Formulierung, die der aus den VAE fast wortgetreu entspricht. Dem Bericht zufolge kam der damalige Shin-Bet-Chef Ronen Bar zu der Einschätzung, dass die Warnung – zumindest teilweise – darauf hindeutete, die Hamas wolle die Frage der entführten israelischen Forscherin Elizabeth Tsurkov in Gespräche mit Israel über einen möglichen Geiselaustausch einbeziehen. Tsurkov sollte gemeinsam mit zwei Leichen von Soldaten und zwei israelischen Gefangenen (s. gestern) gegen eine zunächst grosse Anzahl palästinensischer Gefangener ausgetauscht werden. Nach dem Angriff vom 7. Oktober erklärte ein ägyptischer Geheimdienstmitarbeiter, Jerusalem habe wiederholte Warnungen ignoriert, wonach die in Gaza ansässige Terrorgruppe „etwas Grosses“ plane – darunter auch eine offenbar direkte Mitteilung des Geheimdienstministers aus Kairo an den Ministerpräsidenten.
Namens der Partei Otzma Yehudit stellte Itamar Ben-Gvir einen Antrag an den Zentralen Wahlausschuss, die arabische Ra’am-Partei und ihren Vorsitzenden Mansour Abbas von der Teilnahme an der Wahl auszuschliessen. Als Begründung für den Schritt gab er an: «Ra’am und Abbas sind ‘Wölfe im Schafspelz’ und „Hamas-unterstützende Terroristen“.» Im Antrag wurde geltend gemacht, dass Ra’am die Existenz Israels als jüdischen Staates leugne und einen bewaffneten Kampf gegen das Land unterstütze. Das ist gelogen. Abbas hat schon mehrfach öffentlich den Staat Israel als jüdischen Staat anerkannt.
Dass ausgerechnet Ben-Gvir eine solche Forderung stellt, spricht Bände. In seiner Wahlliste finden sich Personen, die alles andere als unbescholtene Bürger und ungeeignet sind, als Staatsdiener anzutreten. Da findet man z.B. den Rechtsanwalt Ze’ev Wolf, der nicht nur ein Aktivist der ‘Kahane Chai’-Bewegung war, sondern, man staune, auch wegen Mordes verurteilt wurde. Gemeinsam mit drei weiteren Jugendlichen ermordeten sie im November 1992 auf dem Mahane-Yehuda-Markt in Jerusalem einen 65-jährigen Palästinenser und verletzten sieben weitere Personen in der Altstadt. Seine Strafe: 10 Jahre Haft, davon verbüsste er viereinhalb Jahre, bevor er von Präsident Ezer Weizman begnadigt wurde. Benzi Gopstein, die Schattengestalt hinter Netanyahu, wurde 2019 von der Teilnahme an der Wahl ausgeschlossen. Der Grund: «Erschreckende Beispiele systematischer Anstiftung zum Rassismus gegen die arabische Gemeinschaft.» Er wurde wegen Anstiftung zum Terror gegen die Palästinenser verurteilt, und die Vereinigten Staaten verhängten Sanktionen gegen ihn unter Berufung auf die Drohungen und Gewalttaten von Lehava. Hanamel Dorfman, die rechte Hand Ben-Gvirs. Er war zuvor von der jüdischen Abteilung des Shin Bet wegen seiner Aktivitäten als sogenannter „Hilltop Youth“ – ein Idol für radikale junge Siedler, die an der Errichtung unerlaubter Aussenposten beteiligt sind – als Zielperson eingestuft worden. Er wurde mehrfach festgenommen und als Minderjähriger aufgrund einer Verwaltungsanordnung, die auf Geheimdienstinformationen über angebliche Gewalt gegen Palästinenser beruhte, mit einem Aufenthaltsverbot für das Westjordanland belegt. Otzma Yehudit ist die Partei des Grauens!
Die IRGC erklärte heute, der Krieg könne jederzeit enden, wenn die USA die andauernden Bedrohungen gegen den Iran einstellen und die bestehenden Bedingungen Teherans erfüllen. Dazu gehört u.a. das Ende der Einmischungen in das iranische Atomprogramm und der völlige Abzug Israels aus dem Libanon. «Wenn der Feind ein Ende dieser Situation will, muss er – bei vollständiger Beendigung des Krieges – von erneuten Drohungen Abstand nehmen, die Armee des israelischen Regimes aus dem Libanon abziehen, die Blockade des Jemen beenden, 24 Milliarden US-Dollar an eingefrorenen iranischen Vermögenswerten freigeben und jegliche Einmischung in die Nuklear- und Raketenkapazitäten des Landes unterlassen», so IRGC-Sprecher Hossein Mohebi laut der Nachrichtenagentur Fars. Diese Forderungen sind sowohl für die USA, als auch für Israel inakzeptabel.
Bei der Explosion in einem temporären Waffendepot in Sarmada in Idlib, Syrien wurden heute mindestens 14 Personen getötet und 11 weitere verletzt. Weitere Einzelheiten gibt es noch nicht.

Bei einem Besuch einer militärischen Stellung auf dem Golan erklärte Netanyahu heute: «Wir werden nicht zulassen, dass sich irgendeine Terroristenarmee entlang unserer Grenze etabliert.» Der Iran, so betonte er, stehe kurz vor der Niederlage. «Es gibt noch viel zu tun. Die Hauptaufgabe besteht darin, das Terrorregime im Iran zu besiegen. Wir stehen kurz davor. Wir wissen, dass die gesamte Achse letztlich zusammenbrechen wird. Wir sind entschlossen, dies zu tun, und wir werden es tun», schliesst er.
Die Houthi-Terroristen im Jemen geben an, von mehr als 30 saudischen Luftangriffen in verschiedenen Regionen getroffen worden zu sein. Die Angriffe sind eine Reaktion auf die flächendeckenden Angriffe der Houthis auf saudisches Gebiet. Die saudischen Behörden hatten zuvor erklärt, dass die Angriffe der Houthis zu temporären Stillständen in den Ölraffinerien geführt hätten und 73 Personen verletzt worden seien. Die oft tödlichen Angriffe der Houthi-Terroristen flammten in der vergangenen Woche wieder auf, als die Houthis eine Offensive starteten, um Gebiet in der Nähe der Meerenge Bab el-Mandeb zu erobern.
Einige Handelsschiffe wurden laut Angaben der ‘Maritime Trade Operations’ im nördlichen Persischen Golf und im Golf von Oman derart unter Beschuss genommen, dass sie manövrierunfähig wurden. Ob es Verletzte zu beklagen gibt oder Umweltschäden zu befürchten sind, wurde nicht bekannt gegeben.
Der gestern bei einem Angriff der IDF schwer verletzte 10 Jahre alte Obeida al-Eid, starb heute an den Folgen der Verletzungen. Über den Hergang des Angriffs und vor allem auch den Grund gibt es seitens der IDF keine Angaben.
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