Siedler mit der Lizenz zum Töten – die tödliche Gefahr aus den eigenen Reihen

21. Aw 5783

Elisha Yered, 22, jener Siedler, der als zweiter Verdächtiger für den Mord an Qusai Jumal Matan in Burqa festgenommen wurde, wurde noch vor dem Ende der Untersuchungshaft freigelassen. Er befindet sich nun im Hausarrest, eine Massnahme, die niemand überprüfen kann und wird. 

Entsprechend der offiziellen Nachrichtenagentur der PA war es am Freitagabend zu dem tödlichen Vorfall gekommen, nachdem jüdische Terroristen das Dorf angegriffen und einige Autos in Brand gesetzt hatten. Am Tatort wurden Einmalhandschuhe gefunden, mit denen sie die Spuren verwischen wollten. Als sich die angegriffenen Palästinenser begannen zu wehren, was nur allzu verständlich ist, kam es zu dem tödlichen Schuss. Nota bene, es war ein gezielter Genickschuss, der den jungen Mann tötete.

Der Rechtsanwalt des Verdächtigen, Nati Rom, der für die Rechtshilfegruppe «Honenu» tätig ist, hatte ausgesagt, dass der Schuss vom Hauptverdächtigen abgegeben wurde, nachdem er selbst durch einen Steinwurf am Kopf schwer verletzt worden sei. Für die Waffe sei eine Bewilligung vorhanden. Der Mann befindet sich immer noch zur Behandlung im Spital. 

Yered habe die Waffe nach dem Schuss an sich genommen und versteckt, um die von Polizei und IDF aufgenommenen Ermittlungen zu behindern. Das ist auch der Grund der nun vom Gericht aufgehobenen Haft. Yered selbst sagte aus, die Waffe nicht versteckt zu haben, sondern nur verhindern wollte, dass sie in die Hände der Palästinenser fiel. 

Das Magistrats-Gericht in Jerusalem gab der Berufung unverständlicherweise statt. 

Yered hat nicht in der IDF gedient und wurde bereits mehrfach wegen des Verdachts, Gewalttaten begangen zu haben, festgenommen. Konfrontiert mit den Vorwürfen, Palästinenser zu provozieren und damit die Situation zur Eskalation zu bringen regte er sich auf. «Das ist einfach eine völlig falsche Ansicht. Ich habe das schon hunderte Male gehört. Man gibt dem Opfer die Schuld an den Spannungen. Und selbst wenn es so wäre, die Polizei muss damit klarkommen und schärfer gegen die Palästinenser vorgehen. Die Schuldigen für das, was hier vorgeht, sind die Sicherheitskräfte. Wenn sie das nicht tun, gerät Israel ausser Kontrolle. Immer mehr Menschen unterstützen uns. Es ist besser, seine Familien und Freunde zu beschützen, solange sie leben, statt sie nach dem Tod als Helden zu feiern. Juden müssen sich selbst verteidigen.»

Aus strategischen Gründen werden die illegalen Siedlungen, aber auch neue Städte auf den Hügeln rund um Jerusalem, aber auch in Judäa und Samaria gebaut. Innerhalb der gesamten Region leben etwa 2.5 Millionen Palästinenser und 432.000 Juden. Etwa eine Million der Palästinenser gilt entsprechend der UNRWA Definition als «Flüchtling»

Besonders eng besiedelt sind dabei die Gebiete, die als «Schlafstädte» für die grossen Agglomerationen Jerusalem und Tel Aviv gelten können. Für deutlich geringere Grundstücks- und Baukosten, sowie dramatisch niedrigere Lebenshaltungskosten gegenüber Israel, lohnt es sich schon, die relativ kurzen Wegstrecken zwischen Arbeits- und Wohnort in Kauf zu nehmen.

Die Webseite der CIA hat die zur Verfügung stehenden Daten sehr gut aufbereitet. Allerdings gelten fast alle Daten auch für Gaza. Von daher sind nicht alle 100% aussagekräftig. 

Das durchschnittliche Alter der Einwohner beträgt 21.9 Jahre, nur 4% der Bewohner sind über 65 Jahre, 62% befinden sich in der Altersgruppe 15 bis 64 Jahre.

Auffallend ist die extrem hohe Arbeitslosigkeit der Jugendlichen von 15 bis 24 von etwa 40%, wobei sie bei den Frauen bei unglaublichen 69% liegt. 

Achtung: hier muss berücksichtigt werden, dass der Anteil der Frauen ungefähr gleich hoch ist, aber bedingt durch den fünfmal höheren Anteil der Palästinenser und der arabischen Kultur, sind Frauen weniger oft in den Arbeitsprozess eingegliedert. Auch die Siedlerfrauen widmen sich eher dem Haushalt und den Kindern als einer Erwerbsarbeit.

Im Vergleich liegt die Arbeitslosenquote bei Jugendlichen nur bei etwa 9%.

18% der Einwohner leben unterhalb der Armutsgrenze, in Israel beträgt der Vergleichswert 22%.

In dieser Umgebung wächst eine Generation auf, die nichts anderes im Sinn hat, als freie Flächen spontan «zu besiedeln», unabhängig davon, ob es sich um privates palästinensisches Land handelt. Sie anerkennen keine diesbezüglichen Gesetze. Über Nacht werden irgendwo Zelte aufgestellt und eine Fahne gehisst. Am nächsten Tag kommt die Grenzpolizei und räumt alles wieder ab. Macht nichts, die extrem-nationalistischen Jugendlichen haben wieder mal gezeigt, dass sie überall sind. Tag für Tag. Nacht für Nacht.

Ihr Markenzeichen sind endlos lange Schläfenlocken und eine überdimensionale «Häkel-Kippa», sie bezeichnen sich als national-religiös, obwohl sie sich kaum an die Vorschriften der Religion halten. Die Übergriffe auf die Palästinenser finden meist in der Dunkelheit statt. Auch wenn, wie am vergangenen Freitag, der Shabbat schon begonnen hat. 

Yered ist seit seiner Jugend eine Schlüsselfigur der euphemistisch als «Hügeljugend» bekannt gewordenen jugendlichen Schlägertruppen aus Judäa und Samaria. Sie brennen Olivenhaine ab und zerstören damit das Grundeinkommen der einheimischen Bauern. Oftmals das Einzige, was diese haben. Die Bäume sind wertvoll und teilweise uralt. Olivenöl aus Judäa und Samaria gehört zu den geschmackvollsten der Levante.

Yered hat nichts gelernt, ausser Provokationen und Gewalt. Eine hochbrisante Mischung. Sein Bekenntnis: «Die Hügel sind Schauplatz eines Krieges, den man nach jüdischem Recht führen muss. Was die Hügel tun, ist, die jüdische Kontrolle über Hunderte von Dunams zu bringen – das ist etwas, das kann kein Soldat der grössten Aufklärungseinheit während seines Dienstes leisten.»

Yered lebt im illegalen Aussenposten Migron, 2001 auf privatem Land von Einwohnern aus Burqa errichtet. Die Siedlung wurde 2012 nach einem Gerichtsurteil geräumt. Und wie so viele illegale Siedlungen wurde sie mehrfach wieder aufgebaut, bis sie im vergangenen Jahr geräumt, zerstört und zur militärischen Sperrzone deklariert wurde. Während der Räumung wurde Yered verhaftet und später in den Hausarrest entlassen. Mit grossem Erfolg! Migron ist derzeit wieder besiedelt und Yered pfeift auf das gegen ihn erlassene Urteil.

Was ihn befähigt, als Sprecher für zwei Otzma Yehudit MKs zu fungieren, ist dubios. Ich kann mir nur vorstellen, dass er als Verbindungsglied zwischen der Koalition und dem was dort, teils hinter geschlossenen Türen besprochen wird und seinen Kumpanen dient.

So wie Chanamel Dorfman, 27, dem Rechtsberater des rechts-extremen Ministers Ben-Gvir. Der kann zwar immerhin noch ein Jus-Studium vorweisen. Das ist aber auch alles, was er bisher geleistet hat. Die Polizei bezeichnet er als «antisemitisch, korrupt und mafiös». Dorfman weist ebenfalls eine lange Karriere in der «Hügeljugend» auf, zuletzt war er am x-maligen Wiederaufbau von Migron beteiligt. Auch sein Vorstrafen- und Strafregister ist lang.

Hooligans vom Schlag Yered und Dorfman gibt es Tausende. Sie sind der Grund, warum Judäa und Samaria nicht zur Ruhe kommt. Ihr Ziel ist es, die dort seit Generationen lebenden Araber zu vertreiben um Gross-Israel verkünden zu können. 

Die derzeitige rechts-extrem-nationalistisch-rassistische Regierung unterstützt sie dabei. 



Kategorien:Israel, Politik

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