Was geschah am 5. Juni?

17. Siwan 5783

Kampf gegen die Kriminalität bei den arabischen Mitbürgern[1]

Unter den arabischen Mitbürgern in Israel sind seit Beginn dieses Jahres bereits 91 Mordfälle zu beklagen. Sie gehen zurück auf häusliche Aggressionen bei Paaren, Streitigkeiten innerhalb der Familie und Clan-Fehden, die oft mit brutaler Gewalt ausagiert werden. 

Der Minister für Nationale Sicherheit, Ben-Gvir, der in der Vergangenheit immer wieder gefordert hatte, «illoyale Araber» auszuweisen, will nun die Bemühungen seines Ministeriums auf diesen Punkt fokussieren. «Ich beabsichtige, enorme Ressourcen für diesen Zweck bereitzustellen, indem ich Polizeibeamte in die Region bringe, die Gehälter der Polizei erhöhe und die Nationalgarde aufbaue.»

Die Bereitschaft der israelischen Araber mit diesem rechts-extrem-nationalistischen Polit-Rambo zusammenzuarbeiten, ist sehr gering. Die Aufklärungsquote liegt nahezu bei null, wobei sich die Zahl der Morde im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdreifacht hat. 

Ben-Gvir kündigte an, innerhalb von zwei Wochen einen Spezialisten gefunden zu haben, der sich dieses offensichtlichen Problems annimmt. 

Die arabischen MKs trauen ihm das wohl nicht zu. Sie baten heute den PM um ein Treffen, um eine mögliche Strategie zu besprechen. Ohne Ben-Gvir!

Der neue Medien Berater des PM:

Seit dem 28. März haben wir nichts mehr vom «first son», Yair Netanyahu, gehört. Sein Vater hat ihm einen Maulkorb verpasst, der ihm jeden Kontakt mit Ministern oder MKs verbietet und dringend auffordert, auch in den sozialen Medien nicht mehr aufzutauchen. Der selbsternannte Verteidiger seines Vaters wurde für mehrere Monate in die USA verbannt. Natürlich hat das eine nichts mit dem anderen zu tun, beschwichtigte das Büro, die Reise sei schon lange geplant gewesen. «Yair hat keinen Einfluss auf mich», verlautbarte der Vater genervt bei einer Pressekonferenz, «er ist eine unabhängige Person mit eigenen Meinungen.»

Jetzt hat der PM einen neuen Medien Berater gesucht und gefunden. Gilad Zack, ein rechts-konservativer Journalist, verbreitete im Jahr 2020 nach den Wahlen in den USA die Mär vom Wahlbetrug und bezeichnete US-Präsident Joe Biden als «den obersten Führer, der Amerika langsam, aber sicher zerstört.» Mittlerweile habe er seine Meinung über den Präsidenten aber geändert. Wie und in welcher Art, das verrät er nicht!

Einige Tage nach dem Wahlverlust von Donald Trump schrieb er in der rechts-konservativen Zeitung «Israel HaYom»: «Ich hoffe, dass die rechten Politiker hier von ihren amerikanischen Kollegen ein oder zwei Dinge über Mut und Entschlossenheit lernen werden.» Seine Aussagen unterstützte er mit einem offensichtlich gefälschten Video, das angeblich Wahlhelfer zeigte, die ganze Koffer voller Wahlscheine bei sich trugen und diese in die Wahlautomaten einscannten – zu Gunsten von Biden.

«Ich vertrete diese Ansichten heute nicht mehr und werde im Büro des Premierministers völlig professionell handeln» twitterte er nach Bekanntgabe seiner Bestellung. 

Wer’s glaubt!

© Amos Biderman, Facebook „Was hast du mir mitgebracht?“

Pride Parade in Jerusalem und Israel Parade in NYC:

Der Marathon der Paraden liegt fast hinter uns! Vor uns liegt nur noch die «Tel Aviv Pride», die in diesem Jahr vom 8. bis zum 11. Juni 23 stattfinden wird. Aber Tel Aviv ist nicht Jerusalem, Tel Aviv ist weltoffen. Hoffentlich wird auch dieses Spektakel ohne schwerwiegende Zwischenfälle vorübergehen. In Jerusalem und in NYC ist dies gelungen. 

Gut, es gab ein paar lautstarke Proteste gegen die farbenfrohe LGBTQ+ Gemeinde in Jerusalem und gegen die anwesenden israelischen Politiker in NYC. 

Es ist noch nicht so lange her, dass fanatische Anhänger der rechten Politiker ihre linken Konkurrenten malträtierten bis hin zum Terror, und dabei auch nicht von der Schikane von Politiker-Kindern zurückschreckten, um ihre Ziele zu erreichen. Das Ziel war es, die absolut erfolgreiche Regierungszeit des PM-Doppels Bennett/Lapid gewaltsam zu beenden. Jedem MK, der von ihnen abgeworben werden konnte, wurde ein Posten in der neuen Regierung versprochen. Nicht ganz legal, aber wer fragt denn schon danach, wenn er auf der Siegerstrasse lustwandelt?

MK Rothman bewies, dass sein Verständnis von gleichem Recht für alle ein sehr einseitiges ist. Während die Demonstranten sich nur verbal äusserten, griff er zur Gewalt. Er wurde dabei gefilmt, wie er einer Demonstrantin gewaltsam ihr Megafon wegriss und dann auch nicht einschritt, als sich seine Bodyguards eine Rauferei mit einem anderen Demonstranten lieferten. Rothman hat ein Aggressions-Problem. Es ist nicht das erste Mal, dass er beim kleinsten Gegenwind ausrastet. Das aber ist das kleine 1×1 jeden Politikers, niemals laut werden, niemals körperlichen Kontakt suchen und niemals verletzen. Wer das nicht kann, sollte dringend ein De-Eskalations-Training absolvieren, oder den Job wechseln.

Seine Ehefrau Hannah gab Kanal 12 ein telefonisches Interview. Klar, jede gute Ehefrau steht hinter ihrem Mann und umgekehrt. Sie hat aber offensichtlich, ebenso wie ihr Mann, ein Wahrnehmungsproblem. So berichtete sie: «Ich habe mich angegriffen, richtig angegriffen und von allen Seiten von Männern umzingelt gefühlt. Deshalb fühlte ich mich äusserst unbehaglich und entblösst. Die Bodyguards konnten nichts machen, sie waren ja im Ausland. Das war kein Protest, sie nannten Simcha ‚Dämon Rothman‘. Jemand schrie, hetzte uns 20 Minuten lang, fluchte und sagte zu Simcha: ‚Ich hoffe, dein Leben ist kurz.‘ Das war wirklich kein Protest.»

Als ihr die Fragen zum Verhalten ihres Mannes zu persönlich wurden, brach sie kurzentschlossen das Interview ab. 

Was bleibt, ist ein schaler Geschmack im Mund. Nicht nur, weil sich zumindest ein Politiker kräftig danebenbenommen hat und kein guter Botschafter Israels war. Für mich steht auch die Frage im Raum, wer zahlt diese aufwendige Reisetätigkeit? 

Neun Minister, mit jeweils mindestens drei Knesset-Sicherheitsleuten, vielleicht auch noch ihre Ehefrauen, neun MKs mit einer etwas reduzierten Entourage. Drei bis vier Nächte, sicherlich nicht in der Jugendherberge oder in einem YMCA Haus, teure Flüge, Verpflegung ….. Wer bezahlt diesen sinnlose politischen Aktivismus?????


[1] Ich versuche hinkünftig den Begriff «Sektor» zu vermeiden, weil er für mein Empfinden Menschen einer Minderheit ausgrenzt. 



Kategorien:Aus aller Welt, Timeline

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